{"id":59578,"date":"2025-02-24T07:48:53","date_gmt":"2025-02-24T06:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=59578"},"modified":"2025-02-24T19:14:30","modified_gmt":"2025-02-24T18:14:30","slug":"die-klitzekleine-wahlanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/02\/24\/die-klitzekleine-wahlanalyse","title":{"rendered":"Die klitzekleine Wahlanalyse"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/bundeswahlleiterin.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/02\/240225_1.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"wahl\"\/><\/a><\/p>\n<p>Das war ein interessantes Wahlergebnis, das der <del>marxistischen<\/del> Analyse bedarf, da man sehen kann, <del>wohin der Hase l\u00e4uft<\/del> welchen Trend es langfristig gibt. In der Nacht dachte ich noch, dass ein Ergebnis mit dem h\u00f6chsten Unterhaltungswert zu erwarten sei: Alle Kleinparteien im Bundestag, und die CDU h\u00e4tte u.a. mit den Gr\u00fcnen koalieren m\u00fcssen. So aber ist es exakt so ausgegangen, wie ich es vermutet hatte.<\/p>\n<p>Spannend und auch ein bisschen \u00fcberraschend sind aber die Details. Es gibt wohl kein Land auf der Welt, in dem die politische Pr\u00e4ferenz so eindeutig geografisch festgelegt ist. Die AfD ist nicht nur eine Arbeiterpartei, sondern auch die des Beitrittsgebiets. Wenn 37 Prozent der Arbeiter die AfD w\u00e4hlten und gleichzeitig die Blauen \u00fcberall im Osten gewinnen: Bedeutet das, dass es in den neuen Bundesl\u00e4ndern mehr klassische Proletarier gibt als im Westen? Bestimmt nicht &#8211; es ist komplizierter.<\/p>\n<p>Man findet dazu auch kaum aussagekr\u00e4ftige Quellen, weil die Statistik nat\u00fcrlich entweder <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Arbeit\/Arbeitsmarkt\/Erwerbstaetigkeit\/Tabellen\/erwerbstaetigenquoten-gebietsstand-geschlecht-altergruppe-mikrozensus.html\">Erwerbst\u00e4tige<\/a> nennt oder das alberne Wort &#8222;Arbeitnehmer&#8220; und damit den Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten nicht ber\u00fccksichtigt. Der ist aber wichtig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article255391212\/Bundestagswahl-Alle-Wahlkreise-alle-Sieger-Karte-mit-allen-Ergebnissen.html\"><\/a><a href=\"https:\/\/bundeswahlleiterin.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/02\/240225_3.jpg\" border=\"1\" width=\"480\" alt=\"wahl\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Source: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article255391212\/Bundestagswahl-Alle-Wahlkreise-alle-Sieger-Karte-mit-allen-Ergebnissen.html\">welt.de<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Eine Volkspartei im klassischen Sinn ist eine Partei, die verschiedene soziale Klassen oder Milieus vereint, obwohl die zum Teil unterschiedliche \u00f6konomische Interessen vertreten. Nach dieser Definition <span style=\"background-color:yellow;\">sind nur die CDU und die AfD Volksparteien<\/span>.<\/p>\n<p><b>Die CDU<\/b> vertritt die klassische Gro\u00dfbourgeoisie, die aber zahlenm\u00e4\u00dfig irrelevant ist, das platte, in Bayern katholische Land, und Teile des alten Kleinb\u00fcrgertums sowie aus Tradition nicht erwerbst\u00e4tige Rentner. Das Letztere teilte sie sich mit der <b>FDP <\/b>(Apotheker, Hoteliers, Handwerker und andere Selbst\u00e4ndige usw.)<\/p>\n<p><b>Die Gr\u00fcnen<\/b> vertreten ausschlie\u00dflich das wohlhabende st\u00e4dtische &#8222;B\u00fcrgertum&#8220;, sind also eine <i>rechte<\/i> Partei, da sie keinerlei gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen mit dem Industrieproletariat haben.<\/p>\n<p><b>Die SPD<\/b> ist mittlerweile eine Lobby-Partei der st\u00e4dtischen Angestellten, nicht aber eine der klassischen Arbeiter.<\/p>\n<p><span style=\"background-color:#F2F2F2;\">ChatGPT: Die Forschung und Wahlforschung der letzten Jahre zeigt, dass sich das W\u00e4hlerprofil der SPD im Laufe der Jahrzehnte \u2013 bedingt durch den Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft \u2013 ver\u00e4ndert hat. Historisch galt die SPD als Partei der klassischen Arbeiter, also der Industriearbeiter und manuellen Besch\u00e4ftigten. In den letzten Jahren haben sich aber vermehrt urbane, gut ausgebildete und dienstleistungsorientierte W\u00e4hler, h\u00e4ufig aus den sogenannten \u201emodernen\u201c oder auch \u201epostmateriellen\u201c Milieus, zu ihren Kernw\u00e4hlern entwickelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"background-color:#F2F2F2;\">Untersuchungen (zum Beispiel aus dem Rahmen der Sinus-Milieus\u2011Analysen und Studien der Bertelsmann Stiftung) legen nahe, dass die SPD in j\u00fcngerer Zeit vor allem in urbanen Regionen und Ballungszentren bei W\u00e4hlergruppen stark ist, die:<br \/>\nBildungsaffin und urban gepr\u00e4gt sind: <b>Viele Angestellte, Akademiker und Personen aus dem Dienstleistungssektor<\/b> \u2013 also solche, die in modernen, oft st\u00e4dtischen sozialen Milieus verortet werden \u2013 neigen dazu, die SPD zu w\u00e4hlen.<\/span><br \/>\n<span style=\"background-color:#F2F2F2;\"><b>Moderne \u201eArbeiter\u201c- und Mittelstandsmilieus<\/b>: Auch Teile der traditionell arbeitenden Bev\u00f6lkerung, die sich in einem Wandel hin zu moderneren Arbeits- und Lebensformen befinden, unterst\u00fctzen die SPD. Dabei handelt es sich h\u00e4ufig um W\u00e4hler, die einerseits noch historische Wurzeln im industriellen Umfeld haben, sich aber zugleich mit den Herausforderungen einer Dienstleistungsgesellschaft identifizieren.<\/span> (F\u00fcr letzteres ist insbesondere das Ruhrgebiet repr\u00e4sentativ.)<\/p>\n<p><span style=\"background-color:yellow;\">Die AfD vertritt im Osten auch die, die im Westen die SPD und die FDP w\u00e4hlen.<\/span> Es scheint also so zu sein, dass die Klassenlage im Westen und im Osten jeweils zu unterschiedlichem Wahlverhalten f\u00fchrt. Das erinnert mich an die Elemente von &#8222;langer Dauer&#8220; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Longue_dur%C3%A9e\">Longue dur\u00e9e<\/a>), ein Begriff, der durch die franz\u00f6sische Historiker-Schule <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Annales-Schule\">Annales<\/a> gepr\u00e4gt wurde. Beispiel: Warum ist das <a href=\"https:\/\/fowid.de\/sites\/default\/files\/download\/konfliktlinien_waehlerschaft_ta1996_1.pdf\">Wahlverhalten<\/a> in Franken (protestantisch) und Bayern (katholisch) seit einem Jahrhundert gleich, obwohl die Bev\u00f6lkerung vor allem nach dem 2. Weltkrieg kr\u00e4ftig durchgemischt wurde? (Die Protestanten w\u00e4hlten fr\u00fcher und \u00f6fter die Nationalsozialisten als die Katholiken.)<\/p>\n<p><span style=\"background-color:yellow;\">Ein Element der &#8222;Longue dur\u00e9e&#8220; scheint auch im Beitrittsgebiet vorzuliegen, da die Geografie offenbar die Klassenlage &#8222;\u00fcberschreibt&#8220;.<\/span> Die Nachgeborenen im Osten haben gr\u00f6\u00dftenteils mit der DDR gar nichts mehr zu tun, genau so wenig wie junge Leute im Ruhrpott mit dem Bergbau; dennoch identifizieren sie sich jeweils teilweise damit oder mit dem, was das Milieu ausmacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nius.de\/analyse\/news\/die-grosse-waehleranalyse-37-prozent-der-arbeiter-waehlen-afd-25-prozent-der-jungwaehler-geben-der-linken-ihre-stimme-40-prozent-der-rentner-praeferieren-die-union\/8e7d259c-28ac-4a58-9bf6-b43e6183f8f1\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/02\/240225_2.jpg\" border=\"0\" width=\"480\" alt=\"wahl\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Den Schwefelgeruch von NIUS einfach ignorieren!<\/sup><\/p>\n<p>Wie kann man den \u00dcberraschungserfolg der <b>Linken<\/b> erkl\u00e4ren? F\u00fcr mich ist der Trend klar: Die &#8222;Linken&#8220; l\u00f6sen die &#8222;Gr\u00fcnen&#8220; bei den jungen W\u00e4hlern (die aber kein Milieu sind) und bei den deklassierten Mittelschichten in den St\u00e4dte ab oder denen, die den sozialen Abstieg f\u00fcrchten. Die &#8222;Linke&#8220; ist <i>keine<\/i> Arbeiterpartei mehr und sollte sich auf deren Traditionen auch gar nicht berufen. Das haben Wagenknecht und ihre Partei <b>BSW<\/b> richtig erkannt, aber man kann nicht einfach von einem Milieu in das andere springen, vor allem wenn man gar nicht wei\u00df, wo das sein soll und wer. <\/p>\n<p>Das gr\u00fcne Milieu wird \u00f6konomisch zerrieben zwischen dem dort erfolgreichen Klein- und mittlerem B\u00fcrgertum, das weiterhin die Kernw\u00e4hlerschaft ausmacht, deren Zentralorgan die &#8222;Taz&#8220; ist und das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luisa_Neubauer\">Luisa Neubauer<\/a> (Protestantin!) repr\u00e4sentiert, und der Mehrheit, der das Schicksal der Arbeiter droht &#8211; sie haben also nichts als ihre Arbeitskraft, auch wenn sie in einem &#8222;klimaneutralen&#8220; Start-up schuften, wo man Gewerkschaft noch nicht einmal buchstabieren kann. Von &#8222;klimaneutral&#8220; und &#8222;\u00f6kologisch&#8220; kriegt man nichts zu essen und kann auch die Preise im \u00d6ko-Laden nicht bezahlen.<\/p>\n<p>Wenn die Wagenknechte bei der n\u00e4chsten Bundestagswahl nicht signifikant \u00fcber f\u00fcnf Prozent kommen, war es das. Die Wagenknecht ist zu clever, um sich als F\u00fchrerin einer Politsekte &#8211; wie <a href=\"https:\/\/oekologische-linke.de\/\">Jutta Ditfurth<\/a> &#8211; langfristig l\u00e4cherlich zu machen.<\/p>\n<p>Auch wie es jetzt weitergeht, ist vorhersehbar. Die zuk\u00fcnftige gro\u00dfe Koalition wird keines der Probleme, die die Leute bewegt, auch nur ansatzweise l\u00f6sen k\u00f6nnen. Zur Not werden sie sich gegenseitig blockieren und gegenseitig die Schuld daran geben. Mit der SPD wird es angeblich <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/deutschland\/klingbeil-spd-grenzschliessungen\">keine Grenzschlie\u00dfungen geben<\/a>. Das wird noch lustig, also auf irgendetwas Halbgares hinauslaufen, auf keinen Fall aber etwas Vern\u00fcnftiges. <\/p>\n<p><del>By the way: In Sachsen kommt die AfD auf mehr als 50 Prozent.<\/del><\/p>\n<p>By the way II: Was wir von den &#8222;Linken&#8220; <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2025\/08\/linkspartei-antisemitismus-bedenken-second\">zu erwarten haben<\/a>, ist auch klar. (Ich habe den nat\u00fcrlich nicht gew\u00e4hlt.)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59578?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59578?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_59578 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_59578')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_59578').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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