{"id":59113,"date":"2025-01-15T09:56:59","date_gmt":"2025-01-15T08:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=59113"},"modified":"2025-01-15T09:56:59","modified_gmt":"2025-01-15T08:56:59","slug":"regenzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/01\/15\/regenzeit","title":{"rendered":"Regenzeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80mamore_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/\/bolivia\/bolivia80mamore_4kl.jpg\" alt=\"Rio Mamore\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Trinidad, 22.2.80 [gemeint ist nicht die Insel Trinidad, sondern die <a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/place\/Puerto+Villarroel,+Bolivien\/@-14.88905,-64.946709,46892m\/data=!3m1!1e3!4m6!3m5!1s0x93e5bec5e0237141:0x426f8676c5a5dabe!8m2!3d-16.8394311!4d-64.796263!16s%2Fm%2F05h36pz?hl=de&#038;entry=ttu&#038;g_ep=EgoyMDI1MDExMC4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D\">Stadt in Bolivien<\/a>, angekommen in Unna 1.3.]<\/p>\n<p>Liebe Eltern!<br \/>\nIm Augenblick stecken wir in einer kleinen Siedlung im Norden von Bolivien seit 5 Tagen fest. Es gibt keine Stra\u00dfen nach Norden zur brasilianischen Grenze, wo wir hinwollen, keine Flugzeuge, weil das Flugzeug der Linie, mit der wir fliegen, in La Paz festsitzt, weil die Piste des &#8222;Flughafens&#8220; (Graspiste) vorher unter Wasser stand und alle anderen Flugzeuge bis M\u00e4rz ausgebucht sind. Schiffe bzw. Lastk\u00e4hne, <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80mamore_1gr.jpg\">mit denen wir heruntergeschaukelt sind<\/a> bis hierher, gibt&#8217;s auch nicht, weil der &#8222;<a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80mamore_3gr.jpg\">Hafen<\/a>&#8220; (nur 10 Holzh\u00e4user) v\u00f6llig unter Wasser steht. Jetzt wissen wir, was Regen ist, denn es hat seit drei Tagen und drei N\u00e4chten gesch\u00fcttet wie aus Eimern und alles ist \u00fcberschwemmt.<\/p>\n<p>Das Dschungelgebiet im Norden Boliviens ist 1\/3 so gro\u00df wie die BRD, aber es gibt nur drei Siedlungen mit mehr als 1000 Einw., sonst nur Fl\u00fcsse und Dschungel. Wir wollen mit einer Milit\u00e4rmaschine zu einem Dorf hoch im Norden an der Grenze, von dort gibt&#8217;s eine Stra\u00dfe nach Brasilien + weiter nach Manaus am Amazonas. Mit einem Lastkahn dauert es 5 Tage, so viel Zeit haben wir nicht. Ich hoffe, da\u00df das komische Flugzeug in den n\u00e4chsten Tagen endlich losgeht &#8211; wenn es nicht wieder regnet.<\/p>\n<p>Allerdings gab es im B\u00fcro der Milit\u00e4rs in den letzten Tagen, wo wir alle 2 Stunden hingerannt sind, sehr unterschiedliche Informationen von denselben Personen: 1. das Flugzeug fliegt nicht, weil es regnet, 2. sie fliegen nicht, weil Karneval ist, 3. das Flugzeug ist mit nur einem Motor gelandet und sie k\u00f6nnen es nicht reparieren, 4. die Elektronik ist ausgefallen, 5. das Flugzeug ist von La Paz gestartet, aber wir wissen nicht, wo es ist (!!!). Es ist zum Ausflippen.<\/p>\n<p>Unternehmen kann man auch nichts, weil die &#8222;Stadt&#8220; nur aus ein paar Stra\u00dfen besteht und praktisch von der Au\u00dfenwelt nur per Flugzeug erreichbar ist &#8211; und es fliegt eben keines in die richtige Richtung &#8211; leider.<\/p>\n<p>Wir sitzen den ganzen Tag am der Plaza, trinken Kaffee oder sonstige leckeren Sachen, gucken uns die nassen Palmen und riesigen Gummib\u00e4ume an oder spielen Schach oder Rommee oder schreiben Briefe. Und alle 2 1\/2 Stunden hei\u00dft es im Flugb\u00fcro: Wir informieren 3 Stunden sp\u00e4ter! <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2019\/04\/010419_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2019\/04\/010419_1kl.jpg\" alt=\"mine san jose Oruro\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Silbermine <a href=\"https:\/\/www.mindat.org\/loc-340.html\">San Jose in Oruro<\/a>, Bolivien<\/sup><\/p>\n<p>Ansonsten ist Bolivien sehr sch\u00f6n, der gro\u00dfe Geheimtip in S\u00fcdamerika. Die Leute sehr freundlich und ausgesprochen h\u00f6flich, aber mit der \u00fcblichen S\u00fcdamerika-Mentalit\u00e4t, wenn&#8217;s heute nicht geht &#8211; ma\u00f1ana &#8211; morgen. Wir waren zwei Wochen auf dem Altiplano, das ist das Andengebiet, die St\u00e4dte inkl. La Paz liegen alle \u00fcber 3000m hoch. In Oruro <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/04\/01\/besuch-beim-herrn-der-unterwelt\">haben wir eine Silbermine besichtigt<\/a> nach langem Hin- und Herfragen &#8211; sehr interessant, die Mine sieht aus wie eine Mischung aus Korallenriff und Tropfsteinh\u00f6hle, \u00fcberall h\u00e4ngt gr\u00fcnen oxidiertes Kupfer herunter und dazwischen glitzernde Silberadern. Die Arbeit ist sehr anstrengend, wie bei uns vor 50 Jahren. Die mineros waren auch sehr erstaunt \u00fcber uns, weil normalerweise keiner reinkommt &#8211; vielleicht will die Verwaltung nicht, dass die Gringos was \u00fcber die Arbeitsbedingungen erfahren. Au\u00dferdem verdienen die Bergleute umgerechnet 2.30 DM pro Tag, sehr wenig auch bei den Preisen, denn 1 Essen in einem billigen Restaurant kostet schon 2 DM!<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte sind aber wesentlich sauberer und gepflegter als in Peru, die sch\u00f6nsten Pl\u00e4tze mit riesigen Palmen und unwahrscheinlich bunten Blumen (was in Deutschland m\u00fchselig gez\u00fcchtet wird, w\u00e4chst hier wie Unkraut &#8211; trotz der H\u00f6henlage) gibts hier. Selbst in Potosi, zur Zeit der Spanier wegen seiner Silberminen die gr\u00f6\u00dfte Stadt ganz Amerikas, das aber 3900 m hoch liegt, wachsen Palmen!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80_sucre1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80_sucre1kl.jpg\" alt=\"sucre\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><br \/>\n<sup>Sucre, die Hauptstadt Boliviens, La plaza 25 de Mayo, Februar 1980<\/sup><\/p>\n<p>Und obwohl die Busse im Vergleich zu Peru reine Luxusbusse sind, haben wir schon 3 Buszusammenbr\u00fcche hinter uns. Beim letzten montierte der Busfahrer abends um 9 beim Schein einer Taschenlampe mitten auf der Stra\u00dfe (ohne Absperrung!) die Hinterachse raus, weil das Hinterrad immer eine andere Richtung wollte als der restliche Bus &#8211; und jede 10 Minuten, wenn ein Auto kam, h\u00e4mmerte er die Achse wieder rein, weil sonst kein Platz auf der Stra\u00dfe gewesen w\u00e4re. Wir waren nach 2 Std. bedient und sind getrampt, aber haben es nur geschafft, weil zwei sehr h\u00fcbsche Bolivianerinnen einen Bus angehalten und uns als ihre Begleiter ausgegeben haben &#8211; die ganze Meute aus unserem Bus wollte n\u00e4mlich auch mit und der andere Busfahrer wollte nur 2 Leute mitnehmen &#8211; uff!<\/p>\n<p>Wir sind bis hierher auf einem kleinen Lastkahn einen Urwaldflu\u00df abw\u00e4rts gefahren, haben den ganzen Tag in der H\u00e4ngematte gelegen und uns die Dschungelb\u00e4ume beguckt. Die Ruhe brauchten wir auch, denn es gab nur Flu\u00dfwasser zu trinken (der Flu\u00df ist eine schmutzig-braune Br\u00fche) und wir hatten leichte Magen- und Darmbeschwerden &#8211; aber Hygiene ist ein eigenes Kapitel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80_ptvillaroel2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia80_ptvillaroel2kl.jpg\" alt=\"puerto villaroel\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/y99sqjnf\">Puerto Villaroel<\/a> am Rio Mamor\u00e9, Boliven 1980.<\/sup><\/p>\n<p>In 5 Tagen gab es 1 Dorf, wo wir auch angelegt haben, aber in der einzigen Kneipe buw. dem Kr\u00e4merladen gab es nur eine einzige (!) Flasche Bier, und unser Kapit\u00e4n war schneller als wir. Urspr\u00fcnglich wollten wir noch 1 Woche im Norden ganz tief in den Dschungel zu den Kautschukzapfern und uns mal ein paar Krokodile und Affen &#8222;live&#8220; ansehen [dazu bin ich erst 1984 gekommen], aber wir sitzen ja hier fest und haben das gestrichen.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist unser &#8222;Hotel&#8220; ganz nett, man kann in einem teilweise \u00fcberdachten Hof sitzen und auch essen, denn selbst wenn es hier gie\u00dft, k\u00fchlt es sich kaum ab, es sind immer 25\u00b0 und mehr, und wenn es trocken ist, sind es \u00fcber 30. Aber das Nichtstun nervt uns ganz sch\u00f6n. Wir sind auch schon etwas wieder auf Europa eingestellt [wir waren schon f\u00fcnf Monate unterwegs], weil wir jetzt die 2000 km rauf nach Guyana nur mit einem Stop in Manaus machen, weil wir erst unsere Flugbuchungen in Georgetown best\u00e4tigen lassen m\u00fcssen und dann erst wieder eine Woche Zeit haben, um in Guyana etwas zu unternehmen. <\/p>\n<p>Und au\u00dferdem wollen wir ja noch ein paar Tage in Barbados am Strand liegen, da\u00df wir wenigstens knackig braun sind, obwohl wir jetzt auch schon ganz sch\u00f6n braun sind.<\/p>\n<p>Hier gibt&#8217;s auch einen ganz kleinen putzigen Papagei im Hotel, der \u00fcberall herumkrabbelt und alles anknabbert, vor allem Kugelschreiber und Zehen. Wenn man ihn anfl\u00f6tet, piepst er zur\u00fcck und krabbelt das Hosenbein hoch bis auf die Schulter oder den Kopf. Vielleicht ist es auch ein Kakadu, denn einen gro\u00dfen Papagei haben sie auch und der sieht etwa anders aus, aber sehr w\u00fcrdevoll.<\/p>\n<p>Aus Berlin werden wir ja bis zu unserer R\u00fcckkehr nichts mehr erfahren (&#8230;). Mein Auto wurde wohl abgemeldet &#8211; leider. Sonst geht#s uns gut, auch gesundheitlich, ich hoffe, auch allen auch. Macht euch keine Gedanken, denn gef\u00e4hrlich wird es jetzt nicht mehr besonders &#8211; Hauptsache, der Flug mit den Klapperdingern klappt. Wenn ihr den Brief bekommt, bin ich hoffentlich schon tief in Brasilien, wenn nicht schon in Guyana. Bis dann, viele liebe Gr\u00fc\u00dfe&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/11\/201120_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/11\/201120_1kl.jpg\" alt=\"chica\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Ein M\u00e4dchen auf der <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/01\/04\/auf-dem-rio-mamore-bolivien-1980\">Mario Angel<\/a>, einem &#8222;Seelenverk\u00e4ufer&#8220; auf dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%ADo_Mamor%C3%A9\">R\u00edo Mamor\u00e9<\/a> im Dschungel Boliviens.<\/sup><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59113?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59113?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_59113 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_59113')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_59113').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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