{"id":59000,"date":"2025-01-03T01:03:44","date_gmt":"2025-01-03T00:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=59000"},"modified":"2025-01-03T01:03:44","modified_gmt":"2025-01-03T00:03:44","slug":"seid-unbesorgt-wenn-ihr-keine-post-mehr-bekommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2025\/01\/03\/seid-unbesorgt-wenn-ihr-keine-post-mehr-bekommt","title":{"rendered":"Seid unbesorgt, wenn ihr keine Post mehr bekommt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/01\/020125_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/01\/020125_1kl.jpg\" border=\"0\" alt=\"brief\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"background-color: #A9E2F3;\">Leider muss ich das Publikum mit einem Luftpostbrief bel\u00e4stigen, den ich vor 45 Jahren aus S\u00fcdamerika an meine Eltern geschrieben habe, 17 Seiten auf hauchd\u00fcnnem Papier (um Porto zu sparen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aerogramm\">Aerogramm<\/a>). Ich werde immer noch schamrot, wenn ich lese, was f\u00fcr einen Unsinn ich damals meinte von mir geben zu m\u00fcssen. Man kann das nicht unkommentiert lassen; manches ist auch schlicht falsch. Die Rechtschreibung habe ich nicht ver\u00e4ndert. Einiges ist doppelt (hier schon einmal erw\u00e4hnt), weil ich damals nicht wusste, ob die Briefe \u00fcberhaupt ihr Ziel erreichen w\u00fcrden.<\/span> <\/p>\n<p><span style=\"background-color: #A9E2F3;\">Wie ich hier schon schrieb: Die Adressaten wussten fast gar nichts \u00fcber die L\u00e4nder S\u00fcdamerikas oder auf dem Niveau des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertelsmann_Universallexikon\">Bertelsmann Volkslexikons<\/a>. F\u00fcr mich wird es interessant, wenn ich meine heutige Sicht mit der von damals vergleiche oder mit den Briefen, die ich 1984 bei meiner dritten halbj\u00e4hrigen Reise schrieb &#8211; die waren ganz anders, aber auch nicht so, wie ich heute schreiben w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"background-color: #A9E2F3;\">Vermutlich werden sich die Nachgeborenen auch nicht mehr vorstellen k\u00f6nnen, dass man \u00fcberhaupt Briefe schrieb. Heute steht man von \u00fcberallher st\u00e4ndig in Kontakt und schreibt zudem die sozialen Medien voll. Beim Verfassen des Briefes war ich drei Monate unterwegs gewesen und hatte die USA, Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, Kolumbien und Ecuador gesehen und war quer durch Peru gereist. Ich hatte keinen Reisef\u00fchrer, und meine Kenntnisse \u00fcber die L\u00e4nder beschr\u00e4nkten sich auf Allgemeinbildung und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Verm%C3%A4chtnis_des_Inka_(Roman)\">Karl May<\/a>. Schon witzig, dass ich mich damals &#8211; nach der H\u00e4lfte der Reise &#8211; als &#8222;erfahren&#8220; f\u00fchlte. &#8222;Erfahren&#8220; h\u00e4tte ich mich vielleicht am Ende der 2. Reise 1980, die zum Teil viel abenteuerlicher und auch gef\u00e4hrlicher war, f\u00fchlen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>Cuzco, <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[richtig: Cusco]<\/span> 21.1.1980 (<span style=\"background-color: #A9E2F3;\">angekommen 2.2.80<\/span>)<\/p>\n<p>Liebe Eltern!<br \/>\nLeider wei\u00df ich nicht, ob meine Briefe bisher angekommen sind, weil ich seit Kolumbien keine Post mehr bekommen habe (Anf. Nov.). Der letzte Brief ist in <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/02\/12\/quito\">Quito<\/a>, Ecuador, losgegangen, und seitdem ist sehr viel passiert und wir haben sehr viel erlebt. Zun\u00e4chst einmal: Uns geht es ausgezeichnet, gesundheitlich wie stimmungsm\u00e4\u00dfig, finanziell wie \u00fcblich knapp.<\/p>\n<p>Heute sitzen wir in einem kleinen Caf\u00e9 in Cuzco im S\u00fcden von Peru und h\u00f6ren zum 2. Mal seit 4 Monaten Klassik &#8211; Tschaikowsky, und sind ganz gl\u00fccklich nach den ewigen Schnulzen hier. Ihr k\u00f6nnt euch nicht vorstellen, wie begeistert wir \u00fcber kleine Dinge sein k\u00f6nnen &#8211; ein bisschen europ\u00e4ische Musik, eine funktionierende Dusche (seit Quito habe ich nicht richtig hei\u00df geduscht!) oder eine deutsche Zeitung. Seit Berlin gab es kein Schwarzbrot mehr, an Fleischsalat kaum zu denken &#8211; aber das sind Kleinigkeiten.<\/p>\n<p>Von Quito sind wir eine Woche im Urwald von Ecuador gewesen &#8211; in einem <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/ec_nap06gr.jpg\">kleinen Dorf<\/a> gab es eine <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/ec_napo4gr.jpg\">Anakonda<\/a> als Haustier im &#8222;Hotel&#8220;. <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/ec_napo3gr.jpg\">Bootsfahrten<\/a> \u00fcber Dschungelfl\u00fcsse, schreiend bunte Papageien + Schmetterlinge + Stromschnellen, die uns manchmal Angst einjagten.<\/p>\n<p>Stellt euch z.B. vor, man f\u00e4hrt 8 Std. mit einem urt\u00fcmlichen Ger\u00e4t von Bus zwischen H\u00fchnern, Schweinen und viel zu viel Passagieren \u00fcber Schotterpisten durch die Anden, durch P\u00e4sse von 5000m H\u00f6he (!), und pl\u00f6tzlich rei\u00dfen die Wolken auf und 1000m weiter unten dunkelgr\u00fcner Dschungel bis zum Horizont &#8211; und der Bus braucht 3 weitere Stunden \u00fcber endlose Serpentinen nach unten. Ab und zu sind die Br\u00fccken \u00fcber die Fl\u00fcsse eingest\u00fcrzt und man mu\u00df Stunden warten, bis die F\u00e4hre kommt. Nach einer Nacht Regen f\u00fchren die Fl\u00fcsse so viel Wasser und sind so rei\u00dfend, da\u00df sogar Stahlbr\u00fccken einst\u00fcrzen &#8211; <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/07\/16\/agua-enojada\">wir haben eine gesehen<\/a>!<\/p>\n<p>Im S\u00fcden von Ecuador waren wir in einem kleinen Ort &#8211; Banos (d.h. &#8222;B\u00e4der&#8220;), der direkt unter einem noch t\u00e4tigen Vulkan, d. <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/banos8gr.jpg\">Tungurahua<\/a>, liegt und wo es hei\u00dfe Schwefelquellen gibt, in denen <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/banos12gr.jpg\">wir gebadet haben<\/a>. Wir hatten nichts besseres zu tun, als <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/05\/08\/aufstieg-zum-tungurahua\">den Vulkan zu besteigen<\/a>&#8211; eine 3-Tage-Tour mit leichtem Gep\u00e4ck. Zuerst ging es zu einer H\u00fctte auf 3600m H\u00f6he &#8211; eine unbeschreiblich sch\u00f6ne <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2023\/05\/25\/tungurahua-finally\">Pflanzenwelt<\/a> gibt&#8217;s dort oben &#8211; Heidekraut, Kr\u00fcppelkiefern mit Moosen und Flechten bewachsen, die bis auf den Boden h\u00e4ngen, unz\u00e4hlige bunte Blumen und dazwischen Nebelschwaden.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste war der Sonnenaufgang mit Fernsicht \u00fcber 150 km und Blick auf mehrere schneebedeckte <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/ecuador\/banos11gr.jpg\">6000er Vulkane<\/a>, u.a. den <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/05\/250523_5gr.jpg\">Chimborazo<\/a>, den h\u00f6chsten Vulkan der Welt. Ich bin dann noch weitere 5 Std. hoch \u00fcber Ger\u00f6ll, Felsen und Gletscher bis zum <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2014\/04\/05\/tungurahua-revisited\">Vulkankrater auf 4800m<\/a> (der Gipfel liegt etwas \u00fcber 5000 und ist nur f\u00fcr Bergsteiger mit Ausr\u00fcstung begehbar). Sehr komische Gef\u00fchle bekommt man, wenn \u00fcberall aus den Ritzen und Spalten hei\u00dfe D\u00e4mpfe aufsteigen!<\/p>\n<p>Wenn ich alles schreibe, was wir erlebt haben, wird der Brief zu lang, also nur einige Episoden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/03\/150323_3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/03\/150323_3kl.jpg\" alt=\"Ferrocarriles Ecuatorianos\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Das Foto habe ich 1979 an der <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/de\/wiki\/Schienenverkehr_in_Ecuador\">Bahnstrecke<\/a> zwischen Guayaquil (eigentlich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dur%C3%A1n\">Dur\u00e1n<\/a>) und Quito gemacht. Zuerst ver\u00f6ffentlicht <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2023\/03\/15\/ferrocarriles-ecuatorianos-primera-clase\">15.03.2023.<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&#8211; Eisenbahnfahren in Ecuador ist lustig &#8211; auf der Strecke von Riobamba nach Guayaquil an der K\u00fcste f\u00e4hrt ein Pullman-Zug aus der Jahrhundertwende, mit knallrot angestrichenen Holzwaggons und einer ebenso <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/05\/14\/ferrocarriles-del-ecuador\">putzigen Dampflok<\/a>, die keuchend die Anden rauf und runter schnauft, wie im Wilden Westen! Der Zug h\u00e4lt in den D\u00f6rfern <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/01\/30\/ferrocarriles-ecuatorianos-revisited-2\">wie eine Stra\u00dfenbahn mitten auf der Stra\u00dfe<\/a>, und ringsum Holzh\u00e4user mit Saloon, ein wahnwitziges Get\u00fcmmel von Leute und Pferden. Ihr braucht euch nur mal einen Wildwest-Film anzusehen &#8211; es staubt sogar genauso.<\/p>\n<p>Dann ging unser Geld fast aus und wir mu\u00dften nach Lima, Peru. Wir sind die ganze Strecke von von Guayaquil, Ecuador, bis Lima, Peru, an einem St\u00fcck gefahren, 57 Stunden Transport auf Zementlastwagen und Busfahren mit Reifenpannen.<\/p>\n<p>Der K\u00fcstenstreifen von Peru (\u00fcber 1300km!) ist eine Sandw\u00fcste wie in der Sahara &#8211; bis zum Horizont nur Sand, Sand und noch mehr Sand mit riesigen Wanderd\u00fcnen und Oasen mit Palmen <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Die Strecke <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/05\/15\/durch-die-wuste-2\">habe ich 1984 fotografiert<\/a>]<\/span>. Wir lagen nachts hinten auf der Ladefl\u00e4che eines Lasters, sahen einen unbeschreiblich sch\u00f6nen Sternenhimmel, ringsum Sandw\u00fcste, und der Wagen rauscht mit einer Staubwolke die Stra\u00dfe entlang. Wir sahen allerdings aus wie die R\u00e4uber, ein Tuch vor dem Gesicht, Bartstoppeln &#8211; ich hatte leider Durchfall und mu\u00dfte in den Oasen mitten auf dem &#8222;B\u00fcrgersteig&#8220; (morgens um 1\/2 5 war zum Gl\u00fcck keiner auf der Stra\u00dfe &#8211; nur die Dorfhunde guckten ganz interessiert). Die letzten 24 Stunden hatte wir die Nase voll und sind mit dem Bus gefahren.<\/p>\n<p>Lima, die Hauptstadt von Peru, hat wenig Sehensw\u00fcrdigkeiten zu bieten, wenn man in die <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/02\/15\/lima-un-barrio\">Au\u00dfenbezirke<\/a> f\u00e4hrt, sieht es aus wie nach einem Bombenangriff, alles total zerfallen, Slums, bettelnde Kinder, alles total verdreckt &#8211; vielleicht kann ich durch Fotos einen Eindruck verschaffen. Peru ist ein sehr armes Land. Ich glaube, 4 oder 5x so gro\u00df wie Deutschland, nur 20 Mio. Einwohner <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peru\">heute 34,4 Mio.<\/a>]<\/span>, allein 6 Mio. in Lima, also ziemlich &#8222;leer&#8220;. Die gutgestellten Bauern verdienen ca <a href=\"https:\/\/www.ceicdata.com\/de\/indicator\/peru\/monthly-earnings\">100 DM im Monat<\/a>!<\/p>\n<p>Wir brauchten inklusive Hotels, Restaurants + Andenken jeder 400 DM in 5 Wochen, so billig ist es hier! Ein Essen mit Suppe und Getr\u00e4nk kostet 1.20 DM, allerdings ist die Qualit\u00e4t nicht mit Europa zu vergleichen, aber hier gibt es eben nichts! Die Bauern ziehen alle in die Stadt, weil sie glauben, mehr verdienen zu k\u00f6nnen &#8211; dabei stimmt das \u00fcberhaupt nicht. Ganz Lima ist voll vom fliegenden H\u00e4ndlern, die buchst\u00e4blich alles verkaufen &#8211; unbeschreiblich &#8211; vor Weihnachten war die H\u00f6lle los.<\/p>\n<p>Nach Lima sind wir mit der <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/peru\/peru79_tupac2gr.jpg\">h\u00f6chsten Eisenbahn der Welt<\/a> (\u00fcber 4.800m!) <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[heute nur noch die <a href=\"https:\/\/wikide.org\/de\/List_of_highest_railways_in_the_world\">h\u00f6chste Eisenbahn in Amerika]<\/a><\/span> zu einer Landkooperative gefahren, d.h. eine ehemalige amerikanische Hazienda, die enteignet wurde und von den Bauern kollektiv bewirtschaftet wird. Die Leute sind unglaublich gastfreundlich &#8211; Touristen aber auch so gut wie unbekannt. Wir wurden bei einer Familie zum Essen eingeladen &#8211; der Mann ein sonnengebr\u00e4unter Indio, der uns zur Begr\u00fc\u00dfung umarmte, seine Frau ganz dick mit 4 oder 5 R\u00f6cken, langen schwarzen Z\u00f6pfen und einem gro\u00dfen wei\u00dfen Hut (d.i. hier die Tracht und auch oder gerade die alten Frauen sehen alle sehr h\u00fcbsch aus) und zum Essen gab es &#8212;drei Meerschweinchen! Wenn man nicht daran denkt, schmeckt es gut, nur wenig Fleisch, aber bei der Armut verst\u00e4ndlich, da\u00df die Leute zu Tieren ein anderes Verh\u00e4ltnis haben als wir. <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Es existierte ein Fotos dieses Mahls, aber ich habe es weder ver\u00f6ffentlicht noch gefunden.]<\/span><\/p>\n<p>Rente oder Versicherung gibt es nicht, die alten Leute leben von ihren Kindern &#8211; und ihr k\u00f6nnt euch vielleicht denken, mit welchen Gef\u00fchlen wir uns verabschiedet haben. Sie entschuldigten sich daf\u00fcr, da\u00df sie so &#8222;schlecht&#8220; vorbereitet gewesen waren &#8211; dabei hatten sie selbst kaum etwas zu essen.<\/p>\n<p>Wir haben hier (die Kooperative nennt sich <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/07\/08\/sais-tupac-amaru-revisitado\">SAIS Tupac Amaru<\/a>, das hei\u00dft so viel wie &#8222;landwirtschaftliche Interessengemeinschaft&#8220; &#8211;  <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BApac_Amaru_(Inka)\">Tupac Amaru<\/a> ist ein Indio, der vor 200 Jahren den Unabh\u00e4ngigkeitskrieg gegen die Spanier angef\u00fchrt hat und daf\u00fcr gevierteilt worden ist) vieles \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse in Peru erfahren.<\/p>\n<p>Nach 4 Tagen sind wir dann langsam weiter in den S\u00fcden Perus, haben malerische Indiom\u00e4rkte besucht, einen 45-Std.-Horror-Trip mit dem Bus von Ayacucho nach hier \u00fcber 5000er P\u00e4sse, Fernsicht aus dem Bus wie von einem Schweizer Alpengipfel, Lamaherden auf kahlen Hochebenen, bitterarmen Hirtenkindern und 8st\u00fcndigem Steckenbleiben des Busses im Schlamm (hier ist Regenzeit, d.h. aber, es regnet nur nachts oder nur ein paar Stunden t\u00e4glich, sonst scheint die Sonne.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/01\/020125_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2025\/01\/020125_2kl.jpg\" border=\"0\" alt=\"zeichnung\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unser Bus, links ein liegengebliebenes Auto (in einer Kurve!), rechts 700m Schlucht. Oben ca. 20 H\u00fchner, ein Schwein, hinten in einer Klappe ein Sch\u00e4ferhund, ca. 70 Gep\u00e4ckst\u00fccke auch noch auf dem Dach &#8211; und alle Passagiere mussten beim \u00dcberholman\u00f6ver aussteigen, damit es im Falle eines Absturzes nur 1 Toten gegeben h\u00e4tte!!! Die &#8222;Stra\u00dfe&#8220; nur Schotter und Schlamm. Mir wurde es recht mulmig.<\/p>\n<p>Jetzt mal was \u00fcber die letzten 2 Wochen. Cuzco im S\u00fcden ist die alte Hauptstadt der Inkas, deren Reich von den Spaniern im 16. Jahrhundert zerst\u00f6rt wurde. Ihr m\u00fcsst wissen, da\u00df ca. 3\/4 der Bev\u00f6lkerung Perus Indos sind, d.h. Nachfahren der Inkas, die kaum Spanisch sprechen, sondern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassisches_Quechua\">Quechua<\/a>, eine uralte Sprache, die eigentlich gar nicht in schriftlicher Form existiert. <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Der Unterschied zwischen dem Quechua der Inka-Zeit und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chanka-Quechua\">dem von heute<\/a> ist so gro\u00df wie der zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch.]<\/span> Ich habe mal ein bisschen gelernt, es ist aber so schwer wie Chinesisch. Z.B. hei\u00dft &#8222;Feind&#8220; in Quechua &#8222;auca&#8220;. Die Aucas <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[sie hei\u00dfen <a hef=\"https:\/\/www.america-special-tours.de\/blog\/ecuador-huaorani-volksstamm\/\">Huaorani<\/a> &#8211; nur die Inka nannten sie Auca &#8211; im Sinne von &#8222;Barbaren&#8220;]<\/span> sind ein Indiostamm im Dschungel von Ecuador. Das Inkareich erstreckte sich im 16. Jh. von Quito, Ecuador bis nach Chile! Die Inkas kannten das Rad nicht, haben  aber 6m breite Stra\u00dfen gebaut von Cuzco nach Quito, \u00fcber 5000km lang! Alle paar Kilometer gab es kleine &#8222;Rastst\u00e4tten&#8220; f\u00fcr die L\u00e4ufer (Pferde gab es nicht) mit B\u00e4dern.<\/p>\n<p>Die Inkas hatte nur einen Fehler &#8211; sie waren friedfertig <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[das ist nat\u00fcrlich totaler Unsinn!]<\/span> und besa\u00dfen haufenweise Gold &#8211; und die Spanier mit ihrer europ\u00e4ischen &#8222;Kultur&#8220; haben alles kurz und klein geschlagen. Die Landwirtschaft heute ist auf einem niedrigeren Stand als damals, weil die Inkas Terrassenanbau bis auf 4500m H\u00f6he betrieben haben, heute ist alles verfallen. So, das zur Einf\u00fchrung f\u00fcr das Folgende.<\/p>\n<p>Die H\u00e4user von Cuzco <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2022\/12\/18\/guckst-du-3\">sind noch auf den alten Inkamauern gebaut<\/a> &#8211; d. sind teilweise Felsbrocken bis 30 Tonnen (wie haben die die ohne Maschinen bewegt?), die so miteinander verfugt sind, da\u00df man an einigen Stellen kein Messer dazwischen stecken kann &#8211; und ohne M\u00f6rtel! Obendrauf stehen viele spanische Kolonialkirchen, die aber bei den verschiedenen Erdbeben wegen der &#8222;fortschrittlichen&#8220; europ\u00e4ischen Bauweise fast alle zusammengefallen sind, w\u00e4hrend die Inkabauwerke noch alle stehen. <\/p>\n<p>Die ber\u00fchmteste Sehensw\u00fcrdigkeit S\u00fcdamerikas ist die alte \u00cdnkastadt Machu Pichu, ca. 120km von Cuzco in den Bergen &#8211; ich glaube, irgendwer in der Verwandtschaft hat eine Postkarte mit Machu Pichu bekommen. Man kann mit einem Zug hinfahren, wir sind nach 88km aufgestiegen (Hartmut + ich + und noch ein Belgier) und haben uns mit Rucksack, Zelt, Gaskocher, Haferflocken, Wasserflasche, Kaffee, Milchpulver, Schlafsack + Kleinigkeiten in die Berge geschlagen. Es gibt die letzten 33km vor Machu Pichu eine alte Inka&#8220;stra\u00dfe&#8220;, eben weil die Inkas keine Fahrzeuge kannten, haben sie ihre Wege per Luftlinie in die Berge gebaut.<\/p>\n<p>Wir haben f\u00fcr die Strecke 5 Tage gebraucht, der <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/09\/14\/ueber-allen-gipfeln-ist-ruh\">1. Pass<\/a> war \u00fcber 4200, der 2. 3800, der 3. 3500m, aber das war mit mein sch\u00f6nstes Erlebnis in S\u00fcdamerika, aber auch sehr anstregend. Nachts haben wir meist in halbverfallenden Inkaruinen \u00fcbernachtet, die alle hoch auf den Gipfeln sind &#8211; und jeder Sonnenauf- und -untergang war \u00fcberw\u00e4ltigend &#8211; die 6000er Kordilleren Perus im Hintergrund. Teilweise sind die Wasserleitungen der Inkas noch heute in Betrieb, obwohl sie seit 400 Jahren nicht mehr erneuert wurden, und wir konnten uns mit eiskaltem Gebirgswasser waschen und hatten was zum Kochen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/04\/020421_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/04\/020421_2kl.jpg\" alt=\"inca trail\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Aufstieg am Morgen im Nebel, ca. 4.000 H\u00f6henmeter, auf dem so genannten &#8222;Inca trail&#8220; oder auch <i>camino de los Incas<\/i> nach Machu Picchu, Peru. Das Foto zeigt meinen damaligen Reisebegleiter (Januar 1979). Zuerst ver\u00f6ffentlich am <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/04\/02\/aufstieg-im-nebel\">02.04.2021<\/a>.<\/sup><\/p>\n<p>Dabei gibt es keine D\u00f6rfer, kein Haus, nichts als Gegend! Hier im Gebirge ist au\u00dferdem gerade Fr\u00fchling, leider kann ich die Orchideen, die hier wie Unkraut wachsen, nicht mitbringen!<\/p>\n<p>Leider k\u00f6nnen die Fotos nicht viel vom Eindruck vermitteln, z.B. die vorletzte Nacht &#8211; nur ein Beschreibungsversuch. Wir sitzen alle an einem Lagerfeuer in einer Inkaburg, ein Sternenhimmel wie im Bilderbuch, 750m weiter unten fast senkrecht in einer Schlucht ein rei\u00dfender Flu\u00df (Rio Urubama), steile H\u00e4nge, von tropischer Vegetation \u00fcberwachsen (auf 3000m H\u00f6he! Schneegrenze bei 4000-4500m), Unten verschwindet die Sonne gerade noch hinter der &#8222;Veronica&#8220; (\u00fcber 6000m!), rechts rauscht ein Wasserfall, das Feuer flackert \u00fcber dem Gem\u00e4uer, wir essen Haferflocken und stellen uns vor, wie alles vor 500 Jahren ausgesehen hat. \u00dcberall auf den Ruinen bl\u00fchen Orchideen, die Fotos m\u00fcssten ein bi\u00dfchen von dem Eindruck wiedergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am 6. Tag sind wir bei Sonnenaufgang vom &#8222;Sonnentor&#8220; (2700m) einen alten Pfad runter nach Machu Pichu, um ein paar Stunden ohne Touristen ruhig alles besehen zu k\u00f6nnen (die kommen mit dem Zug um 10 und werden mit Bussen \u00fcber eine halsbrecherische 8km-Serpentinenstrecke nach oben gekarrt). Leider ging ausgerechnet da mein Fotoapparat kaputt (ist schon wieder repariert), aber unser belgischer Freund hat einen besseren und wir werden die Fotos tauschen bzw. ihm abkaufen <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[was nicht passiert ist, aber ich habe Machu Picchu dann 1984 fotografiert]<\/span>.<\/p>\n<p>Machu Pichu ist von den Spaniern zum Gl\u00fcck nicht entdeckt worden und so noch ziemlich erhalten, hoch \u00fcber dem Tal, aber zwischen noch h\u00f6heren Bergen (die Berge sind so steil wie in den Dolomiten, aber mit Regenwald bewachsen). Die Stadt ist sehr geheimnisvoll, man wei\u00df eigentlich nichts \u00fcber ihre Funktion. Man hat hier \u00fcber 100 <a href=\"http:\/\/www.indianer-welt.de\/sued\/inka\/inka-machu1.htm\">weibliche Mumien<\/a> <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[gemeint sind Skelette]<\/span> gefunden, warum nur Frauen, wei\u00df man auch nicht, vielleicht waren es Priesterinnen, vielleicht waren die Inkas matriarchalisch organisiert, vielleicht waren die M\u00e4nner im Kampf gegen die Spanier gefallen? <\/p>\n<p>Ich werde alles besser erz\u00e4hlen, jedenfalls als die ersten Touristen kamen und und verwundert anstarrten, waren wir schon wieder auf dem Marsch die Serpentinen runter zur Bahnstation. Eisenbahnfahren in Peru ist noch abenteuerlicher, aber auch etwas unangenehm, weil die Z\u00fcge f\u00fcrchterlich \u00fcberf\u00fcllt sind, f\u00fcr europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse unvorstellbar. 3 Personen auf einem, Sitz, jede Indiofrau hat einen Riesensack dabei, auf dem Gang steht, liegt und sitzt alles, Kinder schreien, fliegende H\u00e4ndler verkaufen Fr\u00fcchte, Schnaps (Chicha aus Mais, schmeckt so wie Alsterwasser, aber ein bi\u00dfchen besser, ein Glas kostet 10 Soles, 1 DM=145 Soles) und Geb\u00e4ck und zu allem \u00dcberflu\u00df klettert der Schaffner \u00fcber alles hinweg. Bei jeder Station gibt es ein Drama, Trauben von Leuten h\u00e4ngen drau\u00dfen an den T\u00fcren, die Frauen kreischen und heulen &#8211; jeder deutsche Bahnangestellte w\u00fcrde einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen kriegen. Fahrpreise 100km =1 DM! <\/p>\n<p>Aber f\u00fcr Normaltouristen sind solche Touren unm\u00f6glich, aber so kriegt man mit, wie die Leute hier wirklich leben. Es gibt einen &#8222;Touristenzug&#8220; nach Machu Picchu, der 3000 Soles kostet, der Normalzug kostet 270, 3000 Soles sind ein Wochenverdienst! In Cuzco gibt es genug amerikanische und europ\u00e4ische Touristen mit dem Geld f\u00fcr 3 Wochen, was wir in drei Monaten brauchen und ihr k\u00f6nnt euch sicher denken, was der peruanische Indio f\u00fcr ein Verh\u00e4ltnis zu ihnen hat. Hunderte von bettelnden Kinder und Frauen, Schuhputzjungen von 8-10 Jahren, Kinder von 6,7, und 8 Jahren (wirklich!), die abends in den Restaurants Zigaretten verkaufen, kaum ein Hemd am K\u00f6rper, total verdreckt und zerfetzt und hungrig. Da vergeht einem das &#8222;ach, wie s\u00fc\u00df&#8220;, wenn man wieder mal einen der schwarz\u00e4ugigen <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/11\/05\/sleepy\">Indiokinder im Wickeltuch<\/a> auf dem R\u00fccken der Mutter sieht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/peru\/peru79_huancayo4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/peru\/peru79_huancayo4kl.jpg\" alt=\"Huancayo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><br \/>\n<sup>Das Foto habe ich in 1979 <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Huancayo\">Huancayo<\/a> im Hochland von Peru gemacht. Zuerst ver\u00f6ffentlicht am <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/11\/05\/sleepy\">05.11.2011<\/a>.<\/sup><\/p>\n<p>Ich habe sehr viel Geduld aufbringen m\u00fcssen, um ein paar realistische Fotos zu machen. Ein Bekannter von mir, der recht unbefangen touristisch drauf losknipsen wollte, wurde von Marktfrauen mit hei\u00dfen Kartoffeln beworfen und mu\u00dfte wieder abziehen.<\/p>\n<p>Es gibt sogar Leute, die, ohne ein Wort Spanisch zu k\u00f6nnen, hier hinfahren, was die hier wollen, wei\u00df ich nicht. Ich glaube, ich bekomme langsam ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was eigentlich &#8222;Entwicklungshilfe&#8220; bedeutet.<\/p>\n<p>So, morgen machen wir uns auf die Reise nach Bolivien (La Paz). Die politischen Verh\u00e4ltnisse sind ein wenig unsicher, Stra\u00dfen- und Ausgangssperre &#8211; in Bolivien kann <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/jahresrueckblick\/meldung-ts-1496.html\">jederzeit wieder ein Putsch<\/a> kommen. Aber macht euch mal keine Sorgen, wir haben uns bisher immer durchgebissen und werden das auch weiter tun. Ich spreche schon fast flie\u00dfend Spanisch und wir haben ja auch schon eine ganze Menge S\u00fcdamerika-Erfahrung und k\u00f6nnen eine Menge verkraften.<\/p>\n<p>(&#8230;) Wir \u00e4ndern die Route. 2 Wochen Anden von Bolivien, dann durch den Dschungel in den Norden (es gibt keine Stra\u00dfen, aber in der Regenzeit m\u00fc\u00dfte man von Dorf zu Dorf mit dem Boot kommen) an die brasilianische Grenze, dann weiter nach Norden nach Manaus (Brasilien) direkt am Amazonas, weiter nach Norden nach Boa Vista in den S\u00fcden von Guyana, von Georgetown je nach Zeit und Geld (ab La Paz haben wir zusammen noch 2000 DM, das m\u00fc\u00dfte reichen) [drei Monate f\u00fcr zwei Personen] nach Surinam <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[das haben wir sp\u00e4ter aus Zeit- und Geldmangel weggelassen]<\/span>, Ende M\u00e4rz von Guyana nach Barbados (vielleicht bleibe ich noch eine Woche in Trinidad), je nachdem ob ich aus Berlin Post nach La Paz bekomme oder nicht, dann sp\u00e4testens am 28.\/29.3. zur\u00fcck nach Luxemburg. Seid unbesorgt, wenn ihr keine Post mehr bekommt, wir schicken Karten vielleicht von Manaus + Georgetown, aber wer wei\u00df, ob die ankommen! Und wenn ihr die bekommt, sind wir fast wieder da. Wir werden wahrscheinlich ab\u01f5eholt und kommen zuerst in Unna vorbei, ich fahre dann weiter nach Berlin, komme aber, sobald die Fotos fertig sind, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit nach Unna. (&#8230;)<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcnglich geplante Route \u00fcber Sao Paulo und Rio dauert zu lange, und Rio ist sauteuer und wir wollen nicht hetzen. Die Entfernungen hier sind ja auch ein bisschen anders, allein der Dschungel von Bolivien im Norden, den wir in 14 Tagen &#8222;machen&#8220; wollen, ist so gro\u00df die die ganze BRD!<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein paar allgemeine Sachen. Seit Kolumbien habe ich kein Klavier mehr gesehen. Nur 2x bisher hatte ich &#8222;Darmgeschichten&#8220;, beide Male in Peru (Hygiene ist hier ein unbekanntes Wort, aber wer denkt daran, die T\u00f6pfe vor dem Kochen zu waschen, wenn es kein Trinkwasser gibt, selbst in den St\u00e4dten?), in Cuzco eine Woche lange mit Erbrechen und Magenkr\u00e4mpfen, aber das hat hier jeder Europ\u00e4er, der nicht gerade im Hilton \u00fcbernachtet. Unsere M\u00e4gen haben sich schon abgeh\u00e4rtet, wenn andere Gringos nach einem Essen auf dem Markt oder nach Chicha-Genu\u00df (<a href=\"https:\/\/www.homebrewersassociation.org\/how-to-brew\/chew-spit-brew-how-to-make-chicha-beer\/\">mit Spucke<\/a> von den Indiofrauen zubereitet!) den gro\u00dfen Durchfall bekommen, sind wir noch quietschvergn\u00fcgt &#8211; aber bitte: \u00fcber Schwarzbrot, Fleischsalat und Vanillepudding in Unna w\u00e4re ich trotzdem gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>(&#8230;) Das Verh\u00e4ltnis zu anderen Rucksack-Reisenden hat sich mittlerweile gewandelt, jetzt sind wir die &#8222;alten Hasen&#8220; und geben den anderen Tips. Es ist manchmal lustig zu sehen, wie unerfahrene &#8222;Gringos&#8220; (das ist hier der Ausdruck f\u00fcr Ausl\u00e4nder) von den ausgekochten Indiofrauen f\u00fcrchterlich \u00fcber&#8217;s Ohr gehauen werden, auch wenn es nur um Pfennige &#8211; f\u00fcr uns! &#8211; geht. Ich habe gestern zum Beispiel 20 Minuten gefeilscht, nur um ein paar Str\u00fcmpfe um 30 Pfennige billiger zu kriegen und habe Erfolg gehabt. Z.B. auf den M\u00e4rkten: ein <a href=\"https:\/\/alpakin.de\/collections\/alpaka-pullover\">Alpaca-Pulli<\/a> kostet 10 DM. Der erste Preis liegt bei 20 DM und man braucht eine halbe Stunde, um ihn herunterzuhandeln &#8211; was w\u00e4re das ohne Spanisch! [US-]Amerikaner zahlen sowieso das Doppelte und Deutsche mit umgeh\u00e4ngter Kamera auch. Eine Banane kostet 8-10 Soles (1 DM= 145 Soles), der &#8222;Gringopreis&#8220; liegt bei 20, aber nach einem kurzen &#8222;Pl\u00e4uschchen&#8220; kostet sie pl\u00f6tzlich nur noch die H\u00e4lfte. Wir haben auf einem Markt f\u00fcr Indios <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/08\/09\/kurbisse-aus-huancayo\">buntbemalte Fr\u00fcchte<\/a> gekauft, eine f\u00fcr 3-4 DM, die in Europa nicht unter 50 DM zu haben w\u00e4ren <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[ich habe nicht herausgefunden, ob es die \u00fcberhaupt au\u00dferhalb von Peru oder online zu kaufen gibt]<\/span> &#8211; aber wir k\u00f6nnen das auch nicht alles transportieren &#8211; und jeder bekommt nur eine Kleinigkeit. 1 Schachtel Zigaretten in Peru kostet 23 Pfenning, 1 &#8222;Hotel&#8220;\u00fcbernachtung 1,50-2 DM (das letztere schon gut!), Tagesdurchschnitt bei 10-12 DM (daf\u00fcr kostete die Kamera-Reparatur 20 DM) &#8211; wenn ich das mit den Berliner Preisen vergleiche &#8211; ich habe wohl ein anderes Verh\u00e4ltnis zu Geld bekommen und die Umstellung wird recht gro\u00df sein. Vielleicht mu\u00df ich Taxifahren auch wieder lernen.<\/p>\n<p>Hygiene: heute morgen wollten wir duschen &#8211; das Wasser flo\u00df sp\u00e4rlich und was eiskalt, nach dem Einseifen blieb es dann ganz weg! Klosp\u00fclung gibt es so gut wie gar nicht in ganz S\u00fcdamerika, die Leute werfen das Papier daneben und man gew\u00f6hnt sich mit der Zeit an den Anblick der Reste vom Vorg\u00e4nger. Vielleicht ist es schwer zu vermitteln, warum wir das alles \u00fcberhaupt machen und wieso es uns trotzdem gef\u00e4llt. Einerseits sind die Leute hier unvorstellbar (f\u00fcr Europa) freundlich und hilfsbereit, wenn man sich nicht wie der &#8222;reiche Onkel&#8220; benimmt und das werden wir vermissen. Andererseits lernt man zu begreifen, da\u00df sehr viele Dinge, die man f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich hielt, eben nur in Europa vorhanden sind, auch, was die Mentalit\u00e4t angeht. Die Indios sind wie die Kinder, sie freuen sich \u00fcber Kleinigkeiten und erwachsene M\u00e4nner sehen mit offenem Mund den Feuerschluckern und Zauberern auf den M\u00e4rkten zu. Andererseits ist eben alles chaotischer, nichts funktioniert &#8222;ordentlich&#8220; &#8211; aber wir in Europa haben vielleicht 500 Jahre mehr gebraucht dazu, was will man verlangen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia_sucre1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/bolivia_sucre1kl.jpg\" alt=\"Sucre\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><br \/>\n<sup>Burks auf der Mauer des Klosters &#8222;la Recoleta&#8220; in Sucre, der Hauptstadt Boliviens. Zuerst ver\u00f6ffentlicht am <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2010\/12\/25\/bolivia-1980-von-sucre-nach-potosi\">25.12.2010<\/a>.<\/p>\n<p>Aber es sieht so aus, als wenn die Leute hier vieles aus Europa unkritisch \u00fcbernehmen, die Reichen sitzen in teuren Bars und essen amerikanische Hamburger, weil es &#8222;schick&#8220; ist, obwohl Gem\u00fcse auf den M\u00e4rkten viel gesunder w\u00e4re. Die <a href=\"https:\/\/de.thpanorama.com\/blog\/cultura-general\/vestimenta-de-la-costa-del-per-caractersticas-principales.html\">Indiotracht<\/a>, handgewebte Wolle, h\u00e4lt vielleicht 10 Jahre, aber die Leute in der Stadt tragen Synthetic-Zeug in den unm\u00f6glichsten Farbkombinationen, das h\u00e4lt halb so lange und ist au\u00dferdem f\u00fcr die Witterung unpraktisch. <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Das ist vermutlich Quatsch.]<\/span> Viele bewundern die Europ\u00e4er, die viel Geld haben und weite Reisen machen, wo viele nicht einmal das Geld haben, um den Bus zum n\u00e4chsten Dort zu bezahlen &#8211; und das bei den Preisen! Schulbildung bei den einfachen Leuten ist so gut wie nicht vorhanden, wir wurden gefragt, ob man mit dem Bus nach &#8222;Alemania&#8220; fahren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Selbst Studenten wissen ohne Ausnahme (!) nichts \u00fcber Berlin &#8211; aber wer in Deutschland wei\u00df schon, wo Ecuador liegt? Oder Belize? Wir sind die gro\u00dfe Sensation: Im Dschungel von Ecuador waren wir abends in einer Kneipe, wo Arbeiter Billard spielten &#8211; wir wurden nach jeder Kleinigkeit in Europa ausgequetscht und mu\u00dften selbstverst\u00e4ndlich nichts bezahlen &#8211; stellt euch vor, 2 S\u00fcdamerikaner mit Rucksack k\u00e4men nach Unna, wer die ansprechen oder gar zu seinen Eltern zum Schweinebraten einladen w\u00fcrde (Meerschweinchen gibt&#8217;s ja nicht)?<\/p>\n<p>So, in Cuzco wird es jetzt hei\u00df, 25 Grad und mehr zur Mittagszeit, heute Abend muss man wieder einen Pullover anziehen &#8211; [unleserlich] wenn wir &#8211; hoffentlich am Freitag &#8211; in La Paz angekommen sind, dann geht der Brief ab.<\/p>\n<p>La Paz, 26.1.<br \/>\nNun sind wir schon in der Hauptstadt Boliviens <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[die <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/03\/20\/sucre-aka-charcas-aka-chuquisaca\">Hauptstadt ist Sucre<\/a><a>]<\/a><\/span>! Ankunft gestern nach ein paar sch\u00f6nen Tagen am <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/03\/20\/cerro-calvario-revisited\">Titicacasee<\/a> und Einreise ohne Schwierigkeiten. Wir haben Probleme, unsere R\u00fcckfl\u00fcge zu buchen, ich habe in Berlin angerufen, weil die Briefe an mich immer noch nicht angekommen sind (&#8230;) Ich komme Ende M\u00e4rz, genau wann, wei\u00df ich noch nicht &#8211; wenn es Schwierigkeiten gibt, melde ich mich noch mal. Das ist der letzte Brief. <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Ich habe sp\u00e4ter noch einen geschrieben.]<\/span><br \/>\nTsch\u00fc\u00df bis Ende M\u00e4rz<br \/>\nWas ihr mit dem Schmetterling anfangt, wei\u00df ich nicht, aber mir geht er kaputt. Er ist vom Rio Napo, einem Nebenflu\u00df des Amazonas in Ecuador. <span style=\"background-color: #A9E2F3;\">[Offenbar hatte ich einen toten Schmetterling in den Brief gelegt. Von dem habe ich aber nie wieder etwas geh\u00f6rt.]<\/span><\/sup><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59000?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59000?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_59000 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_59000')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_59000').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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