{"id":56651,"date":"2024-05-05T13:43:07","date_gmt":"2024-05-05T11:43:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=56651"},"modified":"2024-05-09T09:21:05","modified_gmt":"2024-05-09T07:21:05","slug":"kolonial-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2024\/05\/05\/kolonial-2","title":{"rendered":"Kolonial [Update]"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2024\/05\/050524_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2024\/05\/050524_1kl.jpg\" alt=\"kolonial\" border=\"0\" hspace=\"0\" space=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Irgendwo in Peru, 1984. Urspr\u00fcnglich dachte ich, das sei in Cusco, aber so nah an die Berge reicht die Kolonialarchitektur dort eigentlich nicht. Vermutlich ist das Geb\u00e4ude ohnehin schon abgerissen worden.<\/p>\n<p>[Update] Das alleswissende Publikum in Gestalt des Lesers Bex hat tats\u00e4chlich etwas sehr Exotisches herausgefunden. Genau dieses Foto <a href=\"https:\/\/www.alamy.de\/stockfoto-steinhaus-fassade-in-den-wichtigsten-platz-chivay-peru-72721733.html?imageid=EE22B6B2-B844-4152-9381-39DB83FD4E40&#038;p=141499&#038;pn=1&#038;searchId=ec5b6b29418f39b0b2225893ce5d06b6&#038;searchtype=9\">gibt es online<\/a> &#8211; meines war nur seitenverkehrt (habe ich korrigiert). <\/p>\n<p>Noch sch\u00f6ner: Es ist in <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/wiki\/Chivay\">Chivay<\/a> im <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/04\/10\/valle-de-colca\">Colca-Tal<\/a>, fotografiert <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/12\/09\/aguas-calientes\">am 9. Dezember<\/a> 1984. Wir waren von <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?s=cabanaconde\">Cabanaconde<\/a> mit dem Bus gekommen und in einer <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/07\/21\/anthropomorph\">lustigen Herberge<\/a> untergebracht.<\/p>\n<p>Es kommt sogar noch besser: Per Google <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/@-15.6370672,-71.6020239,3a,75y,176.5h,85.55t\/data=!3m6!1e1!3m4!1sk69uoJEV7P_gytWF8cg8qQ!2e0!7i13312!8i6656?hl=de&#038;entry=ttu\">kann man das Haus auch ansehen<\/a>. Es ist auf der <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Chivay,+Peru\/@-15.6371914,-71.6021619,153m\/data=!3m1!1e3!4m6!3m5!1s0x9169e0cd06a9efdd:0x49691458e64f8a85!8m2!3d-15.6388455!4d-71.6020438!16s%2Fm%2F02pk9t3?hl=de&#038;entry=ttu\">Plaza de Armas Ecke Arequipa<\/a>.<\/p>\n<p>Ich habe dann in meinem Reisetagebuch nachgeschaut:<br \/>\n[Wir fahren] durch das <a href=\"https:\/\/www.travelbook.de\/natur\/naturwunder\/colca-canyon-in-peru-die-schlucht-die-fast-doppelt-so-tief-ist-wie-der-grand-canyon\">Colcatal<\/a> mit atemberaubenden Ausblicken in die Schlucht und auf die Berge und kommen nach ein paar Stunden in Chivay an. Dort ist alles total anders: Strom und Licht, Stra\u00dfenanschluss, Restaurants, ein extrem sauberes <a href=\"https:\/\/de.pons.com\/%C3%BCbersetzung\/spanisch-deutsch\/alojamiento\">alojamiento<\/a>, ein Markt mit Essen, eine Plaza mit Spielautomaten, L\u00e4den, mehrere <i>oficinas<\/i> und ein gro\u00dfes Polizeirevier mit Knast.<\/p>\n<p>Auf der <a href==\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Chivay,+Peru\/@-15.6332087,-71.6069352,1639m\/data=!3m1!1e3!4m6!3m5!1s0x9169e0cd06a9efdd:0x49691458e64f8a85!8m2!3d-15.6388455!4d-71.6020438!16s%2Fm%2F02pk9t3?hl=de&#038;entry=ttu\">anderen Seite des Flusses<\/a> hei\u00dft der Ort seltsamerweise Sacsayhuaman [daf\u00fcr habe ich keinen Beleg gefunden]. Wir entdecken auch einen kleinen runden Platz in den H\u00fcgeln; aber ob er alt ist, wei\u00df ich nicht. Zumindest hei\u00dft die Br\u00fccke &#8222;El Inca&#8220;. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Colca-Tal\">Terrassen im Colcatal<\/a> sind bestimmt auch schon \u00e4lter. (Das &#8222;amerikanische Dorf&#8220; im Colcatal versetzt mich in Staunen.) [Ich wei\u00df nicht mehr, was ich damit meinte.]<\/p>\n<p>Im Grunde genommen ist in Chivay genau so wenig los wie in Cabanaconde, ja als Gringo kriegt man noch weniger mit, weil man sich in Kneipen aufh\u00e4lt, wo die Einheimischen nur essen. Sitzen, reden und trinken scheint bis auf die alleinstehenden M\u00e4nner nicht \u00fcblich. Au\u00dfer den Marktfrauen und einigen \u00e4rmeren Leuten tr\u00e4gt hier keiner traditionelle Kleidung. Der Unterschied und die Symbolik, die die Kleidung &#8211; ob sie praktisch ist oder nicht &#8211; ausdr\u00fcckt, scheint f\u00fcr die Leute extrem wichtig zu sein, vielleicht noch wichtiger als f\u00fcr uns. Nur der Hut h\u00e4lt sich am l\u00e4ngsten. Vielleicht ist der soziale Aufstieg durch Sprache und Kleidung so am besten zu signalisieren. [Ich meinte: Damals waren die traditionelle Kleidung und Quechua ein Zeichen f\u00fcr &#8222;B\u00e4uerliches&#8220; und arme Leute; wer nach &#8222;oben&#8220; strebte, kleidete sich &#8222;westlich&#8220; und sprach Spanisch. Heute <a href=\"https:\/\/www.kuodatravel.com\/revival-quechua-perus-ancient-language\/\">ist das offenbar nicht mehr so<\/a>.] Die Frau des Bullen [Polizisten] tr\u00e4gt hochhackige Schuhe, Hosen und raucht.<\/p>\n<p>Wir spazieren noch das Flusstal aufw\u00e4rts und baden <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/12\/09\/aguas-calientes\">in den hei\u00dfen Quellen<\/a>. Der h\u00f6chste Genuss! Es gibt drei Becken! Das Wasser ist so heiss wie in der Badewanne, und nach ein wenig Schwimmen geht einem schnell die Puste aus. Das Wasser kommt heiss als kleiner Bach den Beg hinunter und wird oben ohne Zusatz direkt in die Becken geleitet.<\/p>\n<p>Wir reden lange dar\u00fcber, warum in den Andend\u00f6rfern, jedenfalls in denen, die wir gesehen haben, alles so kaputt ist. Das Problem kenne ich ja, weil auf den anderen beiden Reisen [1979\/80 und 1981\/82] \u00e4hnliche Fragen auftauchten. Man sagte uns, es gebe nur noch Privateigentum an Land [also <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?s=sais+tupac\">kein Kollektiveigentum<\/a> mehr]. Das heisst, das keine reale Basis f\u00fcr eine Gemeinsamkeit oder Solidarit\u00e4t da ist au\u00dfer der gemeinsamen Armut. Einige schlie\u00dfen sich daher halb-chiliastischen Bewegungen an wie der <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Izquierda_Unida_(Per%C3%BA)\">IU<\/a> [Izquierda Unida]. Der Opa izquierdista in Cabanaconda sagte:  Wir w\u00e4hlen die IU, weil die f\u00fcr die Armen sind, und wir sind arm. Aber warum ist es dann in Bolivien anders? Vielleicht weil die Peru die &#8222;linken&#8220; Milit\u00e4rs das Experiment mit den <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/03\/24\/sais-tupac-amaru\">Kooperativen<\/a> eingerichtet haben und damit die traditionelle Dorfgemeinde zerst\u00f6rt haben? Vielleicht auch ein Problem der Ungleichzeitigkeit?<\/p>\n<p>Dann beginnt unser Tag der Strapazen oder die &#8222;noche triste&#8220;. Erst warten wir vergeblich auf den Bus, und wir vermuten schon, dass wegen des Streiks erst gar keiner von Arequipa losgefahren ist. Endlich kommt er, und wir bekommen erst nach langem Rangieren einen Sitzplatz. Der Bus f\u00e4hrt mindestens zwei Stunden st\u00e4ndig Serpentinen bergauf, und Chivay ist immer zu sehen. [Gemeint ist die von oben schon extrem abenteuerlich aussehende <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Chivay,+Peru\/@-15.6769639,-71.6095375,8258m\/data=!3m1!1e3!4m6!3m5!1s0x9169e0cd06a9efdd:0x49691458e64f8a85!8m2!3d-15.6388455!4d-71.6020438!16s%2Fm%2F02pk9t3?hl=de&#038;entry=ttu\">109 nach S\u00fcden<\/a> am <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Huarancante\">Huarancante<\/a> (5,426m) vorbei.] Auf 4800 Metern <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/07\/18\/noche-triste-in-sumbay\">liegt rechts und links Schnee<\/a>. Einmal sehen wir einen in die Schlucht gefallenen LKW. Es ist mir ein R\u00e4tsel, warum die Busfahrer entweder hart am Abgrund entlangschlittern oder auf freier Strecke links fahren, wo doch die Stra\u00dfe rechts genau so schlecht ist.<\/p>\n<p>Endlose Altiplano-Landschaft mit sp\u00e4rlichem Grasbewuchs und riesigen Llama- oder Alpacaherden. Ich frage mich, ob die Leute auf den H\u00f6fen nur von Wasser und Vieh leben, weil weit und breit kein Pfl\u00e4nzchen, das man essen k\u00f6nnte, zu sehen ist&#8230; [Ende Tagebucheintrag]<\/p>\n<p>Von Chivay ging es dann weiter \u00fcber eine 5000 Meter hohe Stra\u00dfe in Richtung der Bahnstrecke nach Julilaca, wo wir in Sumbay eine <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/03\/27\/noche-triste-in-sumbay-reloaded\">noche triste<\/a> verbrachten, in anderen Worten: eine <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/07\/18\/noche-triste-in-sumbay\">total beschissene Nacht<\/a>. <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56651?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56651?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_56651 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_56651')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_56651').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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