{"id":52536,"date":"2023-06-19T18:51:16","date_gmt":"2023-06-19T16:51:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=52536"},"modified":"2023-06-19T21:25:13","modified_gmt":"2023-06-19T19:25:13","slug":"der-arzt-der-geaechteten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2023\/06\/19\/der-arzt-der-geaechteten","title":{"rendered":"Der Arzt der Ge\u00e4chteten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_4kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>diacetylmorphine &#8211;chaos 100 &#8211;s 750 &#8211;s 750<\/sup><\/p>\n<p><i>&#8211; aus meinem Buch <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/heroin\">Heroin &#8211; Sucht ohne Ausweg?<\/a>&#8220; (1993)<\/i><\/p>\n<p>Selbst der friedfertigste Mensch wird, wenn er die Praxis des Dr. med. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gorm_Grimm\">Gorm Grimm<\/a> in Kiel verl\u00e4sst, sein Bed\u00fcrfnis nach Harmonie und seine Abneigung gegen Streit \u00fcberdenken. Ein Gespr\u00e4ch mit dem bundesweit bekannten \u00abDrogenarzt\u00bb provoziert eine klare Stellungnahme, f\u00fcr oder gegen, schwarz oder wei\u00df, ja oder nein. Entweder ist dieser schm\u00e4chtige, wei\u00dfhaarige Mann mit zarten H\u00e4nden und leiser Stimme ein Scharlatan, dem sofort das Handwerk gelegt werden muss, oder die Verfechter der traditionellen deutschen Drogenpolitik sind allesamt inkompetent oder nicht ganz bei Trost.<\/p>\n<p>Die Gegner des Gorm Grimm &#8211; \u00c4rztekammern, eine Heerschar von hochqualifizierten \u00abSuchtexperten\u00bb, Politiker, Richter, Staatsanw\u00e4lte, Krankenkassen, Drogenberater und Kollegen der medizinischen Zunft &#8211; verzichten auf vornehme Zur\u00fcckhaltung, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Von \u00abMonsterpraxis\u00bb ist die Rede, oder: \u00abDas ist ein Psychopath.\u00bb Seine Anh\u00e4nger, die Patienten, sind anderer Meinung. Auch ihre Stellungnahmen lassen an Deutlichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig: \u00abDer einzige, der mir geholfen hat\u00bb, \u00abEr hat mich vor dem Selbstmord bewahrt\u00bb, oder: \u00abIch liebe diesen Mann.\u00bb Gorm Grimm d\u00fcrfte der einzige deutsche Arzt sein, dessen Patienten f\u00fcr ihn auf die Stra\u00dfe gegangen sind: Im Fr\u00fchjahr 1992 formierten sich rund hundert Drogenabh\u00e4ngige <a hef=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/remis-vom-guru-a-ee602621-0002-0001-0000-000013680239?context=issue\">zu einem Demonstrationszug durch die Kieler Innenstadt<\/a>, um ihren Doktor zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Was macht Gorm Grimm, dass die Krankenkassen eine Lawine von Prozessen gegen ihn losgetreten haben, dass er wegen \u00abfahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung\u00bb und \u00abK\u00f6rperverletzung\u00bb angezeigt und dass seine Praxis von Kriminalbeamten durchsucht wurde, da\u00df ihm mehrfach die Zulassung entzogen werden sollte? Gorm Grimm l\u00e4chelt auf diese Frage nur schwach, als sei er m\u00fcde, gewisse Dinge immer und immer wiederholen zu m\u00fcssen. \u00abIch nehme den hippokratischen Eid ernst.\u00bb Dort sei davon die Rede, der Arzt m\u00fcsse \u00abdie Gesundheit sch\u00fctzen und wiederherstellen, Leid verhindern und lindern\u00bb. Aber dagegen k\u00f6nne doch niemand etwas sagen? \u00abDa t\u00e4uschen Sie sich. Ich praktiziere unter kriegs\u00e4hnlichen Bedingungen.\u00bb<\/p>\n<p>Das scheint ein wenig \u00fcbertrieben, aber dennoch: Die Vehemenz und Hartn\u00e4ckigkeit, mit der <a href=\"https:\/\/www.arznei-telegramm.de\/html\/1994_07\/9407065_05.html\">seine Gegner<\/a> ihn mit juristischen Mitteln bek\u00e4mpfen, l\u00e4sst sich mit rationalen Argumenten kaum erkl\u00e4ren. Gorm Grimm substituiert mehrere hundert HeroinAbh\u00e4ngige zum Teil seit \u00fcber zehn Jahren mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Codein\">Codein-Pr\u00e4paraten<\/a>, die nicht dem Bet\u00e4ubungsmittelgesetz unterliegen und die in jeder Apotheke verkauft werden: Mit <a href=\"https:\/\/www.labor-duesseldorf.de\/examination\/view\/dihydrocodein-remedacen\">Remedacen<\/a>, einem Hustenmittel, mit Codein-Kompretten (Markenname: <a href=\"https:\/\/www.apotheken-umschau.de\/medikamente\/beipackzettel\/codeinum-phosphoricum-forte-compren-50-mg-tabl-3135249.html\">Codeinum phosphoricum [forte] Compretten<\/a>) oder Dihydrocodein-Saft. Dihydrocodein ist ein chemisch ver\u00e4ndertes Derivat des Codein, das in geringen Mengen in Opium enthalten ist. Codein wird im menschlichen K\u00f6rper, wie Heroin, zu Morphium umgewandelt und hat auch dessen Wirkung.<\/p>\n<p>Drogen gegen Drogen? Codein ist ein Opioid und macht abh\u00e4ngig &#8211; genauso wie Methadon bzw. Polamidon. Eine Abh\u00e4ngigkeit werde durch eine andere ersetzt, die \u00abSucht\u00bb also verl\u00e4ngert, meinen die, die jegliche Ersatzdrogen ablehnen. Die erste Behauptung der Substitutions-Gegner ist richtig, die zweite nicht unbedingt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_7gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_7kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>make a scientific representation of the chemical structure diacetylmorphine and Codeine symbolic:: molecular::1 quantum dot display::1 macro lens::1 &#8211;v 4 &#8211;chaos 50 &#8211;s 750<\/sup><\/p>\n<p>Die Substitution hat nicht das Ziel &#8211; wie irrigerweise immer wieder behauptet wird -, eine illegale Droge nur durch eine legale zu ersetzen. Ganz im Gegenteil. Langfristig sollen die Drogens\u00fcchtigen \u00abclean\u00bb werden. Nur, um diesen Schritt wagen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die psychischen und sozialen Voraussetzungen stimmen. Daher geht die \u00abmaintenance-to abstinence\u00bb-Therapie (von der Erhaltung zur Abstinenz) schrittweise vor. Die extrem euphorisierende Droge Heroin wird durch ein schw\u00e4cheres Opiat ersetzt &#8211; wie Codein. Der Effekt: Abh\u00e4ngige, die substituiert werden, beginnen nach einer Eingew\u00f6hnungsphase, sozial unauff\u00e4llig und \u00abnormal\u00bb zu leben, ihr Umfeld stabilisiert sich in der Regel, sie k\u00f6nnen einem Beruf nachgehen. Erst dann kann der Schritt zur Abstinenz mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden.<\/p>\n<p>Dagegen lie\u00dfe sich kaum etwas sagen. Und die positiven Erfahrungen etwa in den USA seit 1982, wo 85.000 Drogens\u00fcchtige Methadon erhalten[1993], sollten eigentlich f\u00fcr sich sprechen. Die Verfechter der klassischen Abstinenz-Therapie, des \u00abAlles oder Nichts\u00bb, k\u00f6nnen nur deshalb von ihrem v\u00f6lligen Scheitern ablenken, weil die \u00d6ffentlichkeit so gut wie nichts \u00fcber Substitution wei\u00df &#8211; und ebensowenig \u00fcber Opiate.<\/p>\n<p>\u00abDrogenabh\u00e4ngige gelten als psychisch krank\u00bb, sagt Gorm Grimm, \u00abals hemmungslos, gef\u00fchllos, bindungslos, verwahrlost, asozial, kriminell und gef\u00e4hrlich, sogar als antisozial und staatsfeindlich. Ihre psychische Krankheit mache sie unzurechnungsf\u00e4hig, was sich z. B. in ihrer Uneinsichtigkeit in die Behandlungsbed\u00fcrftigkeit \u00e4u\u00dfere. Von ihnen gehe eine Art Ansteckungsgefahr aus, ihre Sucht sei eine der schwersten bekannten Krankheiten, deren Ausbreitung mit allen Mitteln verhindert werden m\u00fcsste.\u00bb (1)<\/p>\n<p>So sieht das ideologische Fundament aus, auf das die Abstinenz-Philosophen bauen k\u00f6nnen. Ihre Antwort auf \u00abVerwahrlosung\u00bb und \u00abSuchtcharakter\u00bb ist immer noch dieselbe, die der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_%C3%84rztetag\">deutsche \u00c4rztetag in Danzig<\/a> schon 1928 formuliert hat: Die \u00abeinzig richtige Behandlung eines S\u00fcchtigen\u00bb, hie\u00df es schon damals, sei \u00abdie sofortige Entziehung und anschlie\u00dfende langfristige Entw\u00f6hnung\u00bb, in der eine \u00abPers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung\u00bb erreicht werden m\u00fcsse. Die Behandlung sei \u00abnur station\u00e4r\u00bb durchf\u00fchrbar.<\/p>\n<p>Immerhin hat einer der V\u00e4ter der \u00abSuchtbek\u00e4mpfung\u00bb durch Abstinenz, Prof. <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/46388\/Geburtstage\">Wolfram Keup<\/a>, zugegeben, dass die Praxis dieser Art der \u00abEntw\u00f6hnung\u00bb ein Desaster ist: \u00abIn der Bundesrepublik Deutschland m\u00f6gen derzeit etwa f\u00fcnf Prozent der Abh\u00e4ngigen motiviert sein. Von ihnen scheinen nur etwa 30 Prozent, also 1,5 Prozent aller Fixer, ein Entw\u00f6hnungsprogramm erfolgreich zu durchlaufen.\u00bb (2) Keup spricht von einer \u00abkatastrophalen Situation in der Motivation Heroinabh\u00e4ngiger zur Therapie\u00bb. Doch woran liegt das? Ist der K\u00e4ufer schuld, wenn ihm das Produkt nicht gef\u00e4llt? Oder sollte man \u00fcber eine Verbesserung des Angebots nachdenken? Gorm Grimm kommentiert Keups \u00c4u\u00dferung mit dem schlichten Fazit: \u00abAlso: 98,5 Prozent aller Drogens\u00fcchtigen verbleiben in der kriminellen Drogenszene oder zeitweise im Gef\u00e4ngnis.\u00bb (3)<\/p>\n<p>Das wei\u00df auch die Abstinenz-Lobby, und deshalb wagt es auch niemand, dem Kieler \u00abDrogenarzt\u00bb Misserfolge oder das Scheitern seiner Therapie vorzuwerfen. Schlie\u00dflich sprechen die Fakten f\u00fcr ihn: Ein gro\u00dfer Teil seiner heroinabh\u00e4ngigen Patienten, die mit schweren Verwahrlosungserscheinungen zu ihm kamen, war nach einer gewissen Zeit psychisch und sozial stabilisiert, trotz ihrer Abh\u00e4ngigkeit von Ersatzdrogen. Das gilt sogar f\u00fcr Alkoholiker und Medikamentenabh\u00e4ngige, die auch zu Grimms Klientel geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe, die gegen Gorm Grimm erhoben werden, sind heute eher R\u00fcckzugsgefechte, mit denen man wenigstens das Gesicht wahren will. Grimm verschreibe \u00abindikationswidrige Mengen\u00bb und kontrolliere nicht die Einnahme durch die Patienten.<\/p>\n<p>In einem Verfahren, das die \u00c4rztekammer Schleswig-Holstein gegen ihn anstrengte &#8211; mit dem Ziel der \u00abFeststellung, dass der Beschuldigte zeitweilig oder dauernd berufsunw\u00fcrdig ist\u00bb &#8211; wurden Vorf\u00e4lle aus f\u00fcnf Jahren penibel aufgelistet. Das Berufsgericht, bestehend aus drei hochrangigen Medizinern, sprach ihn frei und erlegte der \u00c4rztekammer die Kosten auf. In der Begr\u00fcndung hie\u00df es \u2014 ein sarkastischer Unterton ist un\u00fcberh\u00f6rbar: Es sei bewusst auf die Befragung von Experten verzichtet worden, \u00abweil der wissenschaftliche Streit um die Ersatzdrogentherapie Heroins\u00fcchtiger weithin einem Glaubenskrieg gleicht und von Sachverst\u00e4ndigen \u00fcber das in bisherigen Ver\u00f6ffentlichungen und Anh\u00f6rungen hinaus Gesagte nichts Neues mehr zu erwarten war\u00bb.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_10gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_10kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Aus der \u00abF\u00fclle der bisherigen Meinungs\u00e4u\u00dferungen\u00bb erg\u00e4be sich nur zweierlei, so das Gericht, \u00abn\u00e4mlich dass es weder einen eindeutig festmachbaren Grund f\u00fcr das Entstehen der Sucht beim einzelnen Abh\u00e4ngigen gibt, noch eine einzelne Behandlungsmethode, die den Erfolg auch nur andeutungsweise garantiert\u00bb. Die Bek\u00e4mpfung der Drogenabh\u00e4ngigkeit sei \u00abein derzeit noch ungel\u00f6stes medizinisches Problem\u00bb. Deshalb, so folgerten die Richter erstaunlich konsequent, gebe es auch bei der Behandlung von Heroinabh\u00e4ngigen \u00abkeine anerkannten Regeln der \u00e4rztlichen Wissenschaft, von denen abzuweichen einen \u00e4rztlichen Kunstfehler bedeutet\u00bb.<\/p>\n<p>Doch halt: Wenn das so ist, warum verschreiben nur ein paar Dutzend \u00c4rzte in Deutschland Codein? Warum ist diese Methode der Substitution bisher nur in Hamburg offiziell anerkannt? Warum informieren die meisten Drogenberatungsstellen nicht \u00fcber diese M\u00f6glichkeit, obwohl der Kieler Arzt eine erstaunliche Erfolgsquote vorweisen kann? Warum weigern sich die Therapie-Einrichtungen und die Drogenexperten standhaft, das Thema auch nur zu diskutieren?<\/p>\n<p>Ganz einfach: Wir sind in Deutschland, und da geht es ums Prinzip. Und das hei\u00dft: Abstinenz. Dazu kommt, dass sich die \u00c4rzte auf staatliche Stellen, Polizei, Justiz, Gesundheits- und Sozialbeh\u00f6rden und die Berufsgruppen verlassen k\u00f6nnen, die vom Abstinenz-Dogma profitieren. Die Junkies werden der Abstinenz-Therapie mit allen Mitteln \u00abzugef\u00fchrt\u00bb. F\u00fcr Gorm Grimm fu\u00dft der \u00e4rztliche Umgang mit Drogenabh\u00e4ngigen in Deutschland auf der \u00abgelungenen Einsch\u00fcchterung (fast) aller Mediziner\u00bb, er ist \u00abdas Ergebnis\u00bb einer \u00abim internationalen Vergleich beispiellosen deutschen \u00c4rzte-Disziplinierung\u00bb.<\/p>\n<p>In dem Bescheid eines Gerichtes, das am 30.10.1985 ein Verfahren gegen Gorm Grimm einstellte, hei\u00dft es: \u00abAuch der Hinweis des Beschuldigten, dass die \u2018Substitutionstherapie\u2019 in der internationalen Literatur positiv beurteilt werde, kann nicht dazu f\u00fchren, die Behandlungsmethode des Dr. Grimm nicht als Versto\u00df gegen die \u00e4rztliche Heilkunst anzusehen.\u00bb (4) Und: Es k\u00f6nne den Beschuldigten nicht entlasten, wenn in der internationalen Literatur Reduktionsprogramme und Erhaltungsprogramme diskutiert w\u00fcrden. Mit anderen Worten: Wenn in anderen L\u00e4ndern gute Erfahrungen mit der Substitution gemacht werden, hei\u00dft das noch lange nicht, dass deutsche \u00c4rzte und Juristen deshalb auf ausl\u00e4ndische Experten h\u00f6ren m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Trotz dieser seltsamen Logik: Das Verfahren wurde eingestellt. Juristisch haben sich die Gegner Gorm Grimms bisher nicht ein einziges Mal durchsetzen k\u00f6nnen. Er gewinnt alle Prozesse.<\/p>\n<p>Die offenen Anfeindungen, deren er sich seit Jahren erwehren muss, haben ihre Spuren hinterlassen. Der \u00abDrogenarzt\u00bb teilt so kr\u00e4ftig und grob aus, wie er einstecken musste. Er sch\u00e4tzt auch das \u00abSuchtpotential\u00bb des christlichen Glaubens relativ hoch ein: Die durch ekstatische religi\u00f6se Erlebnisse bewirkte Euphorie sei \u00abnicht empfehlenswert\u00bb und der Droge Crack gleichzusetzen. \u00abWenig empfehlenswert\u00bb sei auch die \u00abDroge Macht\u00bb. Auf nur knapp zwanzig Seiten eines seiner B\u00fccher kreiert er eine \u00abTheorie der Drogensucht\u00bb, die beinahe alle Fragen meint kl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, um deren Beantwortung sich Generationen von Wissenschaftlern seit Jahrzehnten bem\u00fchen. So schafft man sich nicht viele Freunde.<\/p>\n<p>Zur Zeit wollen die Krankenkassen dem Drogendoktor an den Kragen. Sie wollen die Substitution mit Codein nicht bezahlen. Den Apotheken ersetzen sie zwar die Kosten f\u00fcr die \u00abRemmis\u00bb, die Kompretten und den Saft, fordern aber von Grimm mehrere Millionen Mark zur\u00fcck. Die Angelegenheit ist zun\u00e4chst &#8211; bis zu einem Musterprozess -aufgeschoben. \u00abIch habe mir Narrenfreiheit erk\u00e4mpft\u00bb, sagt Gorm Grimm grimmig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_6gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_6kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Der Kieler Arzt hat einige Briefe, die er erhielt, in einem Buch ver\u00f6ffentlicht. Sie sagen mehr aus als alle Reportagen und theoretischen Er\u00f6rterungen \u00fcber das \u00abDrogenproblem\u00bb. So schreibt eine Mutter, deren Sohn seit f\u00fcnfzehn Jahren heroinabh\u00e4ngig war: \u00abIch habe mit ihm alle Stadien durchlebt und durchlitten, die in der Bundesrepublik im Lebenslauf eines S\u00fcchtigen fast unausweichlich vorgegeben sind: eineinhalb Jahre Jugendstrafanstalt wegen Besitz von einem halben Gramm Heroin, elf Langzeit-Therapien, zwei davon bis zum Ende durchgestanden, sechzehnmal Unterbringung in psychiatrischen Anstalten, davon mehrmals \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg, zwei Pflegschaften, etwa drei\u00dfig kalte Entz\u00fcge und immer wieder auch ambulante Therapie und Beratung. Ich wei\u00df nicht, wie mein Sohn das ertragen konnte, ich wei\u00df nicht, wie ich es ertragen habe. Mein Mann ist dar\u00fcber gestorben.<\/p>\n<p>Auch ich habe mich offenbar vor dem Gesetz schuldig gemacht, indem ich meinen Sohn mit Geld unterst\u00fctzte (was das Gesetz andererseits von mir verlangt). Es wurde deswegen eine Geldstrafe von eintausendf\u00fcnf-hundert DM \u00fcber mich verh\u00e4ngt&#8230;<br \/>\nAber ein solcher Bericht wird Sie, die Sie zumeist mit S\u00fcchtigen arbeiten, nicht \u00fcberraschen, stellt er doch absolut kein Einzelschicksal dar. Das Besondere daran ist, dass sich f\u00fcr meinen Sohn wirksame Hilfe abzeichnete, zum erstenmal nach vierzehn Jahren: Er wurde in eine Methadon-Behandlung aufgenommen. Die Erleichterung war unvorstellbar. Von Straff\u00e4lligwerden konnte keine Rede mehr sein, der Gesundheitszustand verbesserte sich erstaunlich, er hatte wieder Hoffnungen und Pl\u00e4ne, machte die ersten Schritte, um eine Ausbildung nachzuholen und was eben sonst zu einem normalen Leben geh\u00f6rt&#8230;<\/p>\n<p>Dann, nach einer f\u00fcr meinen Sohn und mich recht kurzen Zeit des hoffnungsvollen Neubeginns, kam die Katastrophe: Der Arzt wurde verhaftet, (5) die Praxis geschlossen und einige hundert Patienten zur\u00fcckgesto\u00dfen in Elend, Not und Verzweiflung. Nun sah mein Sohn keinen anderen Ausweg mehr, er strangulierte sich mit einem Kabel. Ich fand ihn, baumelnd, und konnte ihn noch rechtzeitig abschneiden. Erneut Einweisung in die Psychiatrie, wiederum Pflegschaft und Androhung einer Unterbringung auf Dauer. Davongekommen nur durch die Bereitschaftserkl\u00e4rung f\u00fcr eine neuerliche Langzeittherapie&#8230;<\/p>\n<p>Ich klage an &#8211; im Namen Tausender von S\u00fcchtigen und ihren Angeh\u00f6rigen wegen K\u00f6rperverletzung durch unterlassene Hilfeleistung und wegen der Verweigerung einer Behandlungsm\u00f6glichkeit. Ich klage an -wegen Duldung und Erzeugung unsagbaren Elends und Sch\u00e4digungen an K\u00f6rper und Seele bei Tausenden von S\u00fcchtigen, ihren Angeh\u00f6rigen und den ihrer Verantwortung folgenden \u00c4rzten. Ich z\u00f6gere nicht, dies alles als inhuman zu bezeichnen. Heute, am 2.6.1988, will ich diesen meinen \u2018Bericht einer Mutten endg\u00fcltig zum Abschluss bringen. Mein Sohn, seit 15 Jahren gehetzt und gejagt, sah keinen anderen Ausweg mehr und machte seinem verzweiflungsvollen Leben ein Ende.\u00bb<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_5kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Das alles kann einen gestandenen deutschen Drogenexperten nicht ersch\u00fcttern. Nehmen wir zum Beispiel den Leiter einer Kieler Drogenberatungsstelle, ehemals Kampfschwimmer der Bundeswehr, seit 20 Jahren im Gesch\u00e4ft. Bei meinem Besuch ist die Beratungsstelle g\u00e4hnend leer: Es werden ausschlie\u00dflich Therapie-Pl\u00e4tze angeboten, die auf Abstinenz setzen. \u00abWir kriegen unser Geld\u00bb, sagt der Mann, \u00abegal, ob wir das oder das machen.\u00bb Man m\u00fcsse sich eben entscheiden, welche M\u00f6glichkeit der \u00abBehandlung\u00bb der Junkies man w\u00e4hle. In einem Leserbrief an ein Nachrichtenmagazin hat er eine Reportage \u00fcber Gorm Grimm als \u00abLore-Roman\u00bb abgetan. Die Substitution sei die \u00abEndl\u00f6sung des Drogenproblems\u00bb und tauge \u00abnicht zur ernsthaften Diskussion\u00bb.<\/p>\n<p>Nur wenige hundert Meter weiter, in der Praxis von Gorm Grimm, dr\u00e4ngeln sich die Patienten. Ein Soldat der Bundeswehr &#8211; er kommt mit Marschbefehl des Truppenarztes &#8211; holt sich seine Codein-Dosis f\u00fcr mehrere Wochen. Sein Vorgesetzter, der ihn vor kurzem belobigt hat, wei\u00df nicht von der \u00abSucht\u00bb des Untergebenen, der Truppenarzt h\u00e4lt auf seine Schweigepflicht.<\/p>\n<p>Ein Leiter eines Heimes f\u00fcr Behinderte schluckt t\u00e4glich achtzig Remedacen. \u00abWenn das jemand in meinem Heimatort erfahren w\u00fcrde, w\u00e4re ich unten durch\u00bb, sagt der Patient. Er war noch vor zehn Jahren heroinabh\u00e4ngig. Durch die Codein-Substitution hat er den Absprung geschafft, kann aber von der Ersatzdroge nicht lassen. \u00abOhne Codein w\u00fcrde ich wahrscheinlich wieder r\u00fcckf\u00e4llig.\u00bb Er hat sich seinen Camping-Bus umgebaut. Wenn er in den Urlaub f\u00e4hrt, stopft er sich mehrere tausend Remedacen-Jabletten unters Dach. Der Vorrat h\u00e4lt mehrere Wochen.<\/p>\n<p>Ein Tischlermeister, er ist Innungsmeister in Norddeutschland und war bis vor vier Jahren noch heroinabh\u00e4ngig, substituiert sich mit Codein-Kompretten. Ein Werftarbeiter aus Hamburg kommt in die Praxis. Die Kollegen ahnen nichts von seiner \u00abSucht\u00bb. Der Chef wei\u00df Bescheid: Sein Arbeiter beichtete ihm das \u00abSuchtproblem\u00bb erst, als er mehrere Monate unter h\u00e4rtesten Bedingungen geschuftet hatte. Der Boss entgegnete lapidar: \u00abWenn du drei Monate mit dem Sandstrahl gearbeitet hast, kann ich ja wohl nichts dagegen haben, dass du drogenabh\u00e4ngig bist.\u00bb Der Patient s\u00fcffelt jeden Tag vier Flaschen des Schmerzmittels <a href=\"https:\/\/www.medikamente-per-klick.de\/images\/ecommerce\/08\/49\/08491983_2013-02_de_o.pdf\">Valoron IV<\/a> auf ex. Das Medikament enth\u00e4lt das Opiat <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/wirkstoffe\/Tilidin_18896\">Tilidin<\/a>. Die Herstellerfirma hat Valoren seit einigen Jahren mit einem Opiat-Antagonisten versetzt. Deshalb f\u00e4llt es nicht unter das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz und hei\u00dft jetzt \u00abN\u00bb wie \u00abneu\u00bb. Der Wirkstoff ist der alte, man muss nur wissen, wie man es einnimmt, damit der Brechreiz und der \u00abTurkey\u00bb \u2014 als Folge des Antagonisten &#8211; nicht zu sp\u00fcren sind.<\/p>\n<p>Eine junge T\u00fcrkin, ehemals heroinabh\u00e4ngige Prostituierte, kommt mit ihrer Mutter zu Gorm Grimm. Sie ist HIV-positiv und hat nur noch kurze Zeit zu leben. Sie wird \u2014 wahrscheinlich zum letzten Mal &#8211; in ihre Heimat reisen und braucht dazu mehrere hundert Remedacen. Beim Abschied bricht sie in Tr\u00e4nen aus und f\u00e4llt ihrem Doktor um den Hals. \u00abIch liebe Sie\u00bb, ruft die schwer gezeichnete junge Frau immer wieder.<\/p>\n<p>Beispiele dieser Art gibt es genug. Die Gegner der CodeinSubstitution k\u00f6nnen den Effekt der \u00ab<a href=\"https:\/\/scholar.google.de\/scholar?q=medikamente+gest%C3%BCtzten+Therapie+der+Drogensucht&amp;hl=de&amp;as_sdt=0&amp;as_vis=1&amp;oi=scholart\">medikamentengest\u00fctzten Therapie der Drogensucht<\/a>\u00bb (MTD), wie sie Gorm Grimm nennt, kaum bestreiten: Die Mehrzahl der Patienten hat sich von der kriminellen Drogensubkultur distanziert, geht einem Beruf oder einer Ausbildung nach und hat sich ein neues soziales Umfeld geschaffen. So bezieht sich die stark emotional gef\u00e4rbte Kritik eher auf die Vergabepraxis der \u00abErsatzdroge\u00bb. Codein hat f\u00fcr die Abh\u00e4ngigen den Vorteil, dass es nicht unter Aufsicht des Arztes eingenommen werden muss &#8211; wie etwa Methadon. Ein Arztbesuch ist nur einmal pro Woche oder noch seltener n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Patienten, die l\u00e4ngere Zeit in Behandlung sind, kommen nur alle paar Monate.<br \/>\nDamit hat sich Grimm den Vorwurf eingehandelt, er verzichte auf die obligatorische psychosoziale Betreuung. Der \u00c4rger der orthodoxen Drogenexperten ist verst\u00e4ndlich, w\u00fcrde doch die Methode des Dr. Grimm in erheblichem Ma\u00dfe Arbeitspl\u00e4tze \u00fcberfl\u00fcssig machen &#8211; in den Drogenberatungsstellen, die in der Regel die psychosoziale Betreuung \u00fcbernehmen, und in therapeutischen Einrichtungen.<\/p>\n<p>Deshalb pflegt man die F\u00e4lle in der \u00d6ffentlichkeit zu zitieren, in denen Patienten des Kieler Arztes an den Folgen des Drogenmissbrauchs gestorben sind. Prof. Dr. Wolfram Keup, ein Gegner der Substitution \u00e0 la Grimm, wies als Sachverst\u00e4ndiger in einem Proze\u00df darauf hin, dass der Arzt kontrollieren m\u00fcsse, dass und wie das Ersatzmittel eingenommen werde. Es best\u00fcnde die Gefahr, dass der S\u00fcchtige die Substitution nur als bequeme M\u00f6glichkeit ansehe, zu seinem Stoff zu kommen. \u00abDer S\u00fcchtige\u00bb sei au\u00dferstande, das Suchtmittel selbst zu dosieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_8gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_8kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Gerichte sehen das anders: In einem Prozess wegen \u00abfahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung\u00bb gegen Gorm Grimm &#8211; einer seiner Patienten war an Tabletten gestorben, die ihm der Arzt verschrieben hatte stellte das Gericht fest: Eine \u00abBeeintr\u00e4chtigung der Einsichts- und Steuerungsf\u00e4higkeit\u00bb sei \u00abbei einem S\u00fcchtigen nicht generell gegeben\u00bb. Merkmal der Sucht sei zwar ein Kontrollverlust, diese \u00absuchtbedingte Einengung der Willensfreiheit\u00bb reiche jedoch nicht generell so weit, dass ein S\u00fcchtiger \u00abnicht oder nur erheblich eingeschr\u00e4nkt in der Lage ist, das Risiko einer \u00dcberdosis zu verstehen, zu erkennen und diesem Risiko Widerstand entgegenzusetzen\u00bb. Gorm Grimm habe den Patienten \u00fcber die t\u00f6dlichen Risiken eines Medikamentenmissbrauchs aufgekl\u00e4rt. Au\u00dferdem, so folgerte das Gericht, werde ja auch die \u00abstrafrechtliche Verantwortlichkeit S\u00fcchtiger bei Beschaffungsdelikten in der Regel ohne Einschr\u00e4nkung bejaht\u00bb.<\/p>\n<p>Da die Justiz immer noch davon ausgeht, dass Drogenabh\u00e4ngige zu bestrafen seien, also den freien Willen zu kriminellen Delikten voraussetzt und nicht etwa verminderte Zurechnungsf\u00e4higkeit \u2014 wie h\u00e4ufig bei Alkoholikern -, kann man schwerlich argumentieren, dass ein S\u00fcchtiger nicht wei\u00df, was er tut. Gorm Grimm wurde freigesprochen. Schlie\u00dflich ist bisher auch niemand auf die Idee gekommen, einen Arzt zu verklagen, der seinem Patienten Barbiturate verschrieben hat, mit denen man sich ebensogut umbringen kann.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die Methode des Doktor Grimm, seinen langj\u00e4hrigen Patienten zu vertrauen und ihnen die Mengen zu verschreiben, die sie vorgeben zu brauchen, einen Nebeneffekt: In Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es einen ausgedehnten Schwarzmarkt f\u00fcr Codein. Nur hinter vorgehaltener Hand munkeln die Junkies, dieses Codein stamme aus der Praxis des Kieler Arztes. Es geht sogar das Ger\u00fccht, dass ehemalige Heroinabh\u00e4ngige, die mittlerweile mit Polamidon substituiert w\u00fcrden, sich weiterhin ihr Codein in Kiel abholten und das dann an Junkies verkauften, die sonst keine M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, sich zu substituieren. Zu beweisen ist das nicht.<\/p>\n<p>Es ist kaum anzunehmen, dass sich Gorm Grimm \u00fcber dieses Problem nicht seine Gedanken gemacht hat. Er kann den \u00dcberblick dar\u00fcber behalten, ob seine Patienten pl\u00f6tzlich nach mehr verlangen. Diesen Wunsch wird er ablehnen. Er kann jedoch nicht kontrollieren, ob sich einer der Drogenabh\u00e4ngigen herunterdosiert und das \u00fcbersch\u00fcssige Codein an andere Bed\u00fcrftige abgibt. Aber was w\u00e4re dagegen einzuwenden? Jeder Abstinenz-Theoretiker m\u00fcsste doch erfreut sein, wenn ein S\u00fcchtiger pl\u00f6tzlich weniger Suchtmittel konsumiert. Und wenn Fixer, die nicht \u00e4rztlich betreut werden, Codein statt Heroin bevorzugen, was das Risiko einer letalen Dosis verringert, ist das ebensowenig zu verurteilen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof urteilt zum Problem des Schwarzmarktes: \u00abGesundheitliche Sch\u00e4den durch Einverleibung von<br \/>\nBet\u00e4ubungsmitteln, die sich Patienten auf dem schwarzen Markt besorgen, sind dem behandelnden Arzt ebensowenig anzulasten wie den Personen, die Langzeittherapien durchf\u00fchren. Derartige Sch\u00e4digungen sind nicht vermeidbar.\u00bb (6)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_9gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/06\/190623_9kl.jpg\" alt=\"\ndrugs\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Aber sollte ein Arzt nicht darauf dringen, dass ein drogens\u00fcchtiger Patient m\u00f6glichst bald versucht, sich aus seiner Abh\u00e4ngigkeit zu befreien? \u00abNiemand sollte den Vormund spielen\u00bb, antwortet Gorm Grimm. Man m\u00fcsse realistisch denken. Immerhin lebe ein Drittel seiner Patienten nach sieben Jahren SubstitutionsTherapie v\u00f6llig opiatfrei. Und auch den meisten anderen habe kontrollierte Abh\u00e4ngigkeit ein besseres Leben erm\u00f6glicht. \u00abBesser ist es\u00bb, sagt der \u00abDrogenarzt\u00bb, \u00absie holen sich regelm\u00e4\u00dfig ihren Suchtstoff bei mir ab, als wenn sie als Junkie verelenden.\u00bb<\/p>\n<p>Vielleicht brauchen manche Menschen aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden k\u00fcnstlich erzeugte Lustgef\u00fchle, um ihr Leben meistern zu k\u00f6nnen. Sie nehmen daf\u00fcr die Abh\u00e4ngigkeit und Nebenwirkungen in Kauf. Was allein z\u00e4hlen sollte, ist der gesellschaftliche Schaden, den sie anrichten. Und der ist bei den Opiat-Abh\u00e4ngigen, die sich in die Behandlung des Kieler Arztes begeben, ohne Bedeutung. Der Zwang im Gefolge ihrer Abh\u00e4ngigkeit, jeden Tag Drogen zu konsumieren, ist vergleichbar mit dem von Zuckerkranken, die darauf angewiesen sind, jeden Tag Insulin spritzen zu m\u00fcssen. Mehr Unheil richten ganz andere Dinge an. \u00abAlles, was Euphorie ausl\u00f6sen kann, ist eine Droge\u00bb, sagt Gorm Grimm. \u00abDie Nebenwirkung extremer Formen der christlichen Religion ist Paranoia.\u00bb<br \/>\n_________________________________________<\/p>\n<p>(1) G. Grimm (1992), S. 196<br \/>\n(2) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3540155600\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder\">W. Keup<\/a> (1983), S. 26<br \/>\n(3) G. Grimm (1992), S. 198<br \/>\n(4) G. Grimm (1992), S. 349<br \/>\n(5) Der Arzt Dr. Johannes Kapuste wurde ein Jahr in Untersuchungshaft gehalten, zwangsweise einer psychiatrischen Behandlung zugef\u00fchrt, f\u00fcr unzurechnungsf\u00e4hig erkl\u00e4rt und mit einem Berufsverbot f\u00fcr die Behandlung Drogens\u00fcchtiger belegt.<br \/>\n(6) zit. nach G. Grimm (1992), S. 238<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52536?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52536?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_52536 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_52536')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_52536').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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