{"id":51721,"date":"2023-04-25T17:04:05","date_gmt":"2023-04-25T15:04:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=51721"},"modified":"2023-04-25T17:04:06","modified_gmt":"2023-04-25T15:04:06","slug":"das-kreuz-mit-der-sucht-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2023\/04\/25\/das-kreuz-mit-der-sucht-ii","title":{"rendered":"Das Kreuz mit der Sucht II"},"content":{"rendered":"<p><b>Wider die Verwilderung der Sitten<\/b><\/p>\n<p><i>&#8211; aus meinem Buch <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/heroin\">Heroin &#8211; Sucht ohne Ausweg?<\/a>&#8220; (1993)<\/i><\/p>\n<p>\u00abSucht\u00bb kommt nicht von \u00absuchen\u00bb, sondern von \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/siech\">siech<\/a>\u00bb, was noch in der fr\u00fchen Neuzeit synonym f\u00fcr alle m\u00f6glichen Krankheiten gebraucht wurde. Die Trunksucht, gegen die schon Martin Luther wetterte, galt als Laster, war somit eine freiwillige Entscheidung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sebastian_Franck#\/media\/Datei:Sebastian_Franck,_On_the_horrible_vice_of_drunkenness.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_2.jpg\" alt=\"sebastian franck\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>In den Moralpredigten gegen das \u00abgre\u00fcwliche laster der trunckenhayt\u00bb, wie es im 16. Jahrhundert der Theologe und Drogenexperte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sebastian_Franck\">Sebastian Franck<\/a> nennt, ist die N\u00e4he zur \u00abS\u00fcnde\u00bb oder zur verwerflichen Leidenschaft zu sp\u00fcren. Luther predigt gegen die Sitten des \u00absatanischen Zeitalters\u00bb, in dem selbst Kinder \u00abdestillierte und gebrannte Weine\u00bb zu sich n\u00e4hmen. Es erscheinen Schriften mit Titeln wie \u00ab<a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/45U3QAJZLV4SNWI2LOJ6VP5GNSJ3XYJR\">Wider den Saufftheuffel<\/a>\u00bb (1552) oder, von einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Wilhelm_Petersen_(Theologe)\">Johann W. Petersen<\/a> (1782): \u00ab<a href=\"https:\/\/www.digitale-sammlungen.de\/de\/view\/bsb10017436?page=,1\">Geschichte der deutschen Nationalneigung zum Trunke<\/a>\u00bb, in der der Autor missbilligend feststellt, schon die alten Germanen h\u00e4tten sich &#8211; vom Rausch eingeschl\u00e4fert &#8211; allzuoft \u00fcberfallen und besiegen lassen. (1)<\/p>\n<p>Erst im 19. Jahrhundert beginnen einige \u00c4rzte, von der Trunksucht als \u00abkrankhaftem Zustand\u00bb zu sprechen, der nicht durch blo\u00dfe moralische Ermahnungen zu heilen sei. Diese Vorstellung von \u00abKrankheit\u00bb steht am Ende eines mehrere Jahrhunderte dauernden \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%9Cber_den_Proze%C3%9F_der_Zivilisation\">Prozesses der Zivilisation<\/a>\u00bb, den der Soziologe Norbert Elias beschrieben hat: Der Mensch im beginnenden b\u00fcrgerlichen Zeitalter nimmt sein Leben selbst in die Hand, er wird nicht, wie noch im Mittelalter, vom Schicksal heimgesucht, das er nicht beeinflussen kann. \u00abSucht\u00bb, verstanden als Krankheit, beruht damit auf eigener Verantwortung, oder &#8211; diese Idee entwickelt sich parallel &#8211; es liegt an den Substanzen: Drogen an sich machen s\u00fcchtig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.digitale-sammlungen.de\/de\/view\/bsb10017436?page=,1\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_3.jpg\" alt=\"Johann W. Petersen\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Im neuzeitlichen Mitteleuropa ist der Konsum von Drogen nicht, wie im Orient, in das soziale Leben integriert, er wird vom herrschenden Tugendkanon als abschreckendes Beispiel definiert, wie man es nicht machen soll. Selbstkontrolle und -disziplin gelten als unabdingbar f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der sozialen Ordnung. Wer sich gehenl\u00e4sst und dem Rausch fr\u00f6nt, kann seine Arbeitskraft nicht mehr eigenverantwortlich auf dem Arbeitsmarkt verkaufen. Der franz\u00f6sische Philosoph Michel Foucault hat <a href=\"https:\/\/www.grin.com\/document\/1216296\">die These aufgestellt<\/a>, die Irrenanstalten &#8211; Vorl\u00e4ufer der heutigen psychiatrischen und Nervenkliniken -, die es erst in der modernen Gesellschaft gibt, h\u00e4tten zur Wiederherstellung der \u00abkollektiven Selbstdisziplin\u00bb gedient. Die Gesellschaft erkl\u00e4rt einige Verhaltensweisen f\u00fcr \u00abnormal\u00bb und \u00abn\u00fctzlich\u00bb, andere f\u00fcr verwerflich und krank. Vor diesen muss man sich sch\u00fctzen, indem man die Betreffenden, die sich uneinsichtig verweigern, wegsperrt.<\/p>\n<p>Diese Ideen waren doppelt sinnvoll: Zum einen entlasteten sie die \u00abS\u00fcchtigen\u00bb. Die Alkohol- und sp\u00e4ter die Morphin-Konsumenten konnten ihr von der etablierten Norm abweichendes Verhalten als \u00abZwang\u00bb erkl\u00e4ren, der irgendwo in ihrem Inneren hauste und den sie nicht ohne fremde Hilfe zu bek\u00e4mpfen in der Lage waren. Der Ausschluss aus der Gesellschaft als \u00abS\u00fcchtiger\u00bb bedeutete gleichzeitig die Wiedereingliederung \u00abals Kranker\u00bb, um den man sich zu k\u00fcmmern und den man zu rehabilitieren hatte.<\/p>\n<p>Zum anderen war die Idee einer \u00abSucht\u00bb eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diejenigen Schichten der Bev\u00f6lkerung, die ihr abweichendes und unerw\u00fcnschtes Begehren st\u00e4ndig in Schach halten mu\u00dften: Wenn man die soziale Sicherung nicht schaffte, lag das an \u00abdunklen Trieben\u00bb, die man noch nicht unter Kontrolle gebracht hatte, am \u00abkrankhaften\u00bb Verlangen, das soziale Elend mit Drogen zu bet\u00e4uben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Beer_Street_and_Gin_Lane#\/media\/File:Beer-street-and-Gin-lane.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_4.jpg\" alt=\"William Hogarth\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Hogarth\">William Hogarth<\/a>: Beer Street (1751)<\/sup><\/p>\n<p>Philanthropen und b\u00fcrgerliche Abstinenzapostel erkl\u00e4ren Kriminalit\u00e4t und Verelendung als Folge der moralischen Zerr\u00fcttung durch den Rauschgiftkonsum und die \u00abSucht\u00bb. Nicht der kontrollierte Umgang wird gefordert, sondern der Verzicht. Gerade in Deutschland und in den puritanisch gepr\u00e4gten USA f\u00e4llt diese Idee auf fruchtbaren Boden. Da das Leben ohnehin ein Jammertal ist, w\u00e4re der Rausch, der zumindest zeitweilig \u00abAbhilfe\u00bb schafft, geradezu eine Verh\u00f6hnung der sittlichen Grundlagen. Jegliche Erinnerung an m\u00f6gliche mentale Erfahrungen, die den m\u00fchsam erarbeiteten eigenen Verhaltenskodex in Frage stellen, soll getilgt werden. Nicht zuf\u00e4llig wettern heute ehemalige Theologen, die durch politische Wirrungen in verantwortliche Posten in der Drogenpolitik katapultiert wurden, gegen den \u00abHedonismus\u00bb, der drohe, wenn man im Krieg gegen die Drogen nur ein wenig nachlasse.<\/p>\n<p>Diese Vorstellung von Sucht hat fatale Folgen. Ihre Definition beruht letztlich auf ethischen und moralischen Leits\u00e4tzen, die in einer bestimmten Gesellschaft \u2014 und nur in einer \u2014 relativ sinnvoll sind. Niemand wei\u00df, warum Wasserb\u00fcffel <a href=\"https:\/\/boingboing.net\/2015\/01\/20\/why-animals-eat-psychoactive-p.html\">manchmal Mohnkapseln schlucken<\/a> und danach orientierungslos herumtorkeln, warum Elefanten alkoholisch vergorene <a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com\/animals\/article\/news-elephants-drunk-wild-myth\">Fr\u00fcchte verzehren<\/a> und regelrecht \u00abausflippen\u00bb, warum Katzen wild auf <a href=\"https:\/\/www.zooroyal.de\/magazin\/katzen\/katzenminze\/\">Katzenminze<\/a> sind, Schafe sich vors\u00e4tzlich mit <a href=\"https:\/\/www.suchtmittel.de\/seite\/tags.php\/narrenkraut.html\">Narrenkraut<\/a> bedr\u00f6hnen oder <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/npp2016285\">Rhesusaffen<\/a>, wenn sie die Auswahl haben, Kokain bevorzugen und Heroin verschm\u00e4hen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Beer_Street_and_Gin_Lane#\/media\/File:Beer-street-and-Gin-lane.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_5.jpg\" alt=\"William Hogarth\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Hogarth\">William Hogarth<\/a>: Gin Lane (1751)<\/sup><\/p>\n<p>Die Sucht, der exzessive Konsum von Rauschdrogen, soll beim Menschen jedoch eine Krankheit sein. Man verweigert ihm die Droge, und ist das nicht konsequent m\u00f6glich, wird er selbst so isoliert, dass er nicht an sie herankommt. Nicht der m\u00f6gliche Schaden f\u00fcr das Individuum ist relevant, sondern der \u00abSchaden\u00bb f\u00fcr die Gesellschaft. Der besteht darin, da\u00df die zwar nie reale, aber daf\u00fcr um so mehr bef\u00fcrchtete massenhafte Verweigerung der \u00abn\u00fctzlichen\u00bb T\u00e4tigkeiten, eben der Arbeit, das System als solches in Frage stellen k\u00f6nnte. Das ist aber ein politisches, kein medizinisches Problem.<\/p>\n<p>\u00abSucht\u00bb als Ph\u00e4nomen, das sowohl repressive staatliche Ma\u00dfnahmen nach sich ziehen muss als auch nach therapeutischem Bem\u00fchen verlangt, taucht erst dann auf, wenn sich die S\u00fcchtigen als soziale Randgruppe und\/oder als subversive Subkultur im Bild der \u00d6ffentlichkeit etabliert haben. Das hat mit der Realit\u00e4t wenig zu tun, sondern dient den jeweiligen Interessen, das Verh\u00e4ltnis des B\u00fcrgers zum Staat zu definieren. Die Vorstellung von \u00abSucht\u00bb als Krankheit ist untrennbar verbunden mit der Unterdr\u00fcckung von unerw\u00fcnschtem Verhalten und von Minderheiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sheg.stanford.edu\/history-lessons\/jacob-riis\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_6.jpg\" alt=\"Jacob Riis\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/sheg.stanford.edu\/history-lessons\/jacob-riis\">Jacob Riis<\/a>: Street children in &#8222;sleeping quarters&#8220; (1890). From the <a href=\"https:\/\/www.loc.gov\/item\/2002710294\/\">Library of Congress<\/a>.<\/sup><\/p>\n<p>Noch im 19. Jahrhundert galten die Morphin-S\u00fcchtigen im Gegensatz zu Alkoholikern nicht als gesellschaftliche Problemf\u00e4lle. Ihre \u00abMotivation\u00bb, von Opiaten nicht lassen zu k\u00f6nnen, war ehrenhaft. <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/2198872.Die_Genese_der_Bet_ubungsmittelgesetze_in_der_Bundesrepublik_Deutschland_und_in_den_Niederlanden_Kriminologische_Studien_\">Sebastian Scheerer<\/a> fasst den Konsens der damals herrschenden Moralvorstellung \u00fcber Morphinsucht so zusammen: \u00abRespektabel war die Suchtursache, weil am Beginn der Abh\u00e4ngigkeit zumeist nicht die hedonistische Motivation des sp\u00e4teren S\u00fcchtigen, sondern die therapeutische Notwendigkeit bei Operationen von Kriegsverletzungen stand. Konform mit den Normen und Werten der Gesellschaft war der S\u00fcchtige im Gegensatz zu seinen \u2018Nachfolgern\u2019 in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts, weil sein Konsumverhalten weder Protest gegen anerkannte Werte oder Normen noch den R\u00fcckzug aus dem gesellschaftlichen Leben symbolisierte. Weder war das Suchtverhalten in diesem Sinne als Innovation, Revolte oder R\u00fcckzug von den Konsumenten gemeint, noch wurden ihm diese Bedeutungen im Sozialprozess zugeschrieben. Der durch \u00e4rztliche Behandlung erzeugte (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Iatrogen\">iatrogene<\/a>) Morphiumhunger wurde nicht als feindseliger Angriff auf die normative Verfassung der Gesellschaft, sondern als bemitleidenswerte Krankheit definiert.\u00bb Der Konsument \u00abentt\u00e4uscht\u00bb zwar die Verhaltenserwartungen seiner Umwelt, \u00abindem er entgegen der Konvention zu Substanzen griff, die eine besondere Wirkung auf das Zentralnervensystem und damit den geistig-seelischen Zustand des Menschen haben. Trotz dieser Verletzung informeller Normen stellte er jedoch deren generelle G\u00fcltigkeit nicht in Frage.\u00bb<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nga.gov\/collection\/art-object-page.78701.html\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_7.jpg\" alt=\"morphin addicts\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Besnard\">Albert Besnard<\/a>: Morphine Addicts (Morphinomanes), 1887<\/sup><\/p>\n<p>Dieser akzeptierende Umgang mit der Opiatsucht beginnt sich erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu \u00e4ndern. Das erste deutsche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Opiumgesetz\">Opiumgesetz<\/a> vom 30.12.1920 [gemeint ist das <a href=\"https:\/\/alex.onb.ac.at\/cgi-content\/alex?apm=0&amp;aid=dra&amp;datum=1921&amp;page=273&amp;size=45l\">Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Internationalen Opiumabkommens<\/a> vom 23. Januar 1912 vom 30. Dezember 1920 (RGBl. 1921 S. 2)] verbietet Rauchopium, stellt aber den nichtmedizinischen Gebrauch unter nur milde Strafandrohung. \u00dcber Heroin sagt es gar nichts.<\/p>\n<p>Das hatte seine Gr\u00fcnde: Schon <a hef=\"https:\/\/www.unodc.org\/unodc\/en\/frontpage\/this-day-in-history-the-shanghai-opium-commission-1909.html\">1909 in Schanghai<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationale_Opiumkonferenz\">1912 in Den Haag<\/a> hatten internationale Konferenzen &#8211; auf Dr\u00e4ngen der USA &#8211; stattgefunden. Das Thema war vor allem der schwungvolle englische Opiumhandel mit China, der eine hundertj\u00e4hrige Tradition und sogar zu zwei Kriegen gef\u00fchrt hatte. Vor allem die US-amerikanische Regierung versuchte die Rauchopium-Exporte der Engl\u00e4nder zu verhindern. Diese jedoch hatten in Den Haag geschickt den Schwarzen Peter den deutschen Firmen zugeschoben &#8211; den gr\u00f6\u00dften industriellen Drogenproduzenten der Welt und Marktf\u00fchrern f\u00fcr Morphin, Heroin, Kokain und Codein. Wenn der englische Opiumhandel strengen Kontrollen unterworfen werden sollte, dann auch der der Deutschen. Die aber weigerten sich, irgendwelche Verpflichtungen zu unterschreiben. Dazu wurden sie erst nach dem Ersten Weltkrieg gezwungen. Die Siegerm\u00e4chte f\u00fcgten einen Passus in den Versailler Vertrag ein, der an die fehlende Unterschrift unter die Opiumkonvention von Den Haag erinnerte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationale_Opiumkonferenz#\/media\/Datei:Deutsches_Reichsgesetzblatt_29T2_033_0407.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_8.jpg\" alt=\"opiumabkommen 1925\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Gesetz \u00fcber das internationale Opiumabkommen vom 19. Februar 1925 (Deutschland, 1929)<\/sup><\/p>\n<p>1929 wird das deutsche Opiumgesetz ge\u00e4ndert. Es verbietet jetzt Rauchopium, Haschisch und Marihuana, aber immer noch nicht Heroin. Die Verbote fruchten jedoch nicht. Wenn die S\u00fcchtigen keinen Arzt finden, der ihnen Opium-Pr\u00e4parate verordnet, weichen sie auf Ersatzstoffe aus &#8211; wie heute auf <a href=\"https:\/\/www.emcdda.europa.eu\/publications\/drug-profiles\/benzodiazepines_de\">Benzodiazepine<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Codein\">Codein<\/a>. Selbst die sch\u00e4rferen Gesetze der folgenden Jahre helfen wenig. Die Propaganda der Rauschmittel-Gegner wendet sich daher weniger gegen die Drogen selbst, sondern gegen die Unf\u00e4higkeit des Staates, seinen Gesetzen Geltung zu verschaffen. Die S\u00fcchtigen findet man angeblich in der Halb- und Unterwelt, unter so windigen Gestalten wie \u00abKellnern, Garderobenangestellten, Kaffeehausmusikern, Chauffeuren, der weiblichen wie der m\u00e4nnlichen Prostitution\u00bb.<\/p>\n<p>Man fordert das ausnahmslose Verbot aller Substanzen, \u00abdie eine Euphorie zu erzeugen verm\u00f6gen\u00bb, um \u00abdie \u00dcberflutung unseres Volkes mit Opiaten und Kokainpr\u00e4paraten zu verhindern\u00bb. \u00abAhnungslose M\u00e4dchen\u00bb, schreiben die Zeitungen, werden \u00abnach Verabfolgung von Bet\u00e4ubungsmitteln durch M\u00e4dchenh\u00e4ndler den Freudenh\u00e4usern zugebracht.\u00bb Die S\u00fcchtigen werden in den Medien als sch\u00fctzenswerte Gruppe dargestellt, die gleichzeitig als potentielle Klientel des staatlichen Zugriffs erscheint. Scheerer: \u00abDas Bestreben, die Konsumenten in ihrem wohlverstandenen eigenen Interesse einzugrenzen und sozial sichtbar zu machen, erforderte von der Mitte der zwanziger Jahre an eine bis heute andauernde Ausdehnung des sachlichen und personalen Geltungsbereichs der Bet\u00e4ubungsmittelgesetze, die nat\u00fcrlich immer weitere Verdr\u00e4ngungseffekte hervorbrachte und damit die jeweils neue Ausdehnung rechtfertigte&#8230;\u00bb&#8220;<\/p>\n<p>Die Produzenten, die Alkaloid-Industrie, bleiben von den repressiven Ma\u00dfnahmen verschont. Ganz im Gegenteil: die Branche erlebt einen ungeahnten Aufschwung. Nicht nur der Export boomt. Im Wettlauf mit der ersten deutschen \u00abDrogenszene\u00bb der zwanziger Jahre, die auf immer neue Ersatzstoffe ausweicht, bringt sie eine Unzahl von pharmazeutischen Pr\u00e4paraten auf den Markt, die in der Mehrheit genauso wie Opiate abh\u00e4ngig machen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.archiv.ekir.de\/2015\/08\/19\/nuechternheitsbewegung-1924\/volk-und-alkohol\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_9.jpg\" alt=\"alkoholismus\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Mitteilungsblatt Ausstellung zur Bek\u00e4mpfung des Alkoholismus, aus Bestand: Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland Boppard<\/sup><\/p>\n<p>Die Propaganda der Abstinenzbewegung und die gleichzeitige Versch\u00e4rfung der polizeilichen Repression gehen nahtlos in die Zeit des Nationalsozialismus \u00fcber. Nur die Zielrichtung \u00e4ndert sich. Die Anti-Drogen-Kampagnen werden in den Dienst der \u00abRassenhygiene\u00bb gestellt. Schon im ersten Jahr der Nazi-Herrschaft regeln das \u00ab<a href=\"https:\/\/www.landesarchiv-bw.de\/stal\/grafeneck\/grafeneck02_1.htm\">Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses<\/a>\u00bb und das \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gewohnheitsverbrechergesetz\">Gesetz gegen gef\u00e4hrliche Gewohnheitsverbrecher<\/a> und \u00fcber Ma\u00dfregeln der Sicherung und Besserung\u00bb eine genaue Erfassung und Kontrolle der S\u00fcchtigen.<\/p>\n<p>Die Abstinenzlerverb\u00e4nde verpflichten sich, die \u00aberblich schwer Belasteten\u00bb zwecks Sterilisation an die staatlichen Organe zu melden. Publikationen der \u00abEvangelischen Reichsarbeitsgemeinschaft zur Bek\u00e4mpfung der Alkoholnot\u00bb fordern in vorauseilendem Gehorsam, \u00abdas \u00dcberwuchern der Erbkranken und Unterwertigen durch Ausschaltung ihres Nachwuchses m\u00f6glichst einzud\u00e4mmen\u00bb.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.socialnet.de\/buchversand\/?isbn=9783833490149\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2023\/04\/250423_10.jpg\" alt=\"genu\u00dfgifte leistung rasse\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Reichsstelle gegen die Alkohol- und Tabakgefahren Berlin-Dahlem. Von Prof.Dr. H. Reiter \/ Berlin (Pr\u00e4sident des Reichsgesundheitsamtes) und Dr. G\u00fcnther Hecht (Rassenpolitisches Amt der NSDAP, Reichsleitung Berlin) (1940)<\/sup><\/p>\n<p>Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Opiate ist die \u00ab<a href=\"https:\/\/uwe-spiekermann.com\/2019\/07\/30\/jugend-und-genussgifte-im-nationalsozialismus\/\">Reichsstelle gegen die Alkohol- und Tabakgefahren<\/a>\u00bb in Berlin-Dahlem unter F\u00fchrung des \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalsozialistischer_Deutscher_%C3%84rztebund\">Reichsgesundheitsf\u00fchrers<\/a>\u00bb <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leonardo_Conti_(Mediziner)\">Conti<\/a>. Der Dachverband \u00ab<a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/reb-8139\">Reichsarbeitsgemeinschaft f\u00fcr Rauschgiftbek\u00e4mpfung<\/a>\u00bb (3) fordert die Selektion der \u00aberbbiologisch Minderwertigen\u00bb. Genussgifte, so <a href=\"https:\/\/www.booklooker.de\/B%C3%BCcher\/Angebote\/titel=Genu%C3%9Fgifte+Leistung+Rasse+Reichsstelle+gegen+die+Alkohol-+und+Tabakgefahren\">Prof. Dr. H. Reiter<\/a>, Pr\u00e4sident des Reichsgesundheitsamtes, verminderten die Leistung und schadeten der Rasse. Das \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rassenpolitisches_Amt_der_NSDAP\">Rassenpolitische Amt der NSDAP<\/a>\u00bb macht die Juden f\u00fcr den Handel mit Drogen, vor allem mit Tabak und Alkohol, verantwortlich.<\/p>\n<p>Der SS- und Polizeichef Heinrich Himmler schreibt am 5.12.1937: \u00abKein Deutscher hat daher das Recht, die Kraft seines K\u00f6rpers und Geistes durch Alkoholmi\u00dfbrauch zu schw\u00e4chen. Er sch\u00e4digt damit nicht nur sich, sondern seine Familie und vor allem sein Volk.\u00bb Nicht die pharmazeutische Industrie, sondern die \u00abausl\u00e4ndischen\u00bb Drogendealer verk\u00f6rpern das B\u00f6se schlechthin, sie sind die Verf\u00fchrer. Die Juden sind schuld, nicht nur am Handel mit Opiaten, sondern mit Drogen \u00fcberhaupt: dank ihrer \u00abbesonderen Begabung des raffinierten Beobachtenk\u00f6nnens\u00bb, wodurch \u00abder Jude seine Alkoholpropaganda sehr geschickt dem deutschen Grundcharakter anzupassen\u00bb versteht. (4)<\/p>\n<p>___________________________<\/p>\n<p>(1)  Vgl. <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3769211480\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder\">M. Kreutel<\/a> (1987), S. 53 ff<br \/>\n(2) <a href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/book\/show\/2198872.Die_Genese_der_Bet_ubungsmittelgesetze_in_der_Bundesrepublik_Deutschland_und_in_den_Niederlanden_Kriminologische_Studien_\">S. Scheerer<\/a> (1982), S. 51, ebd., S. 55<br \/>\n(3) Diesem Dachverband schl\u00f6ssen sich die meisten kirchlichen, \u00fcberwiegend protestantischen Verb\u00e4nde an, die den Kampf gegen Drogen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Ein Ideologe der Abstinenz-Bewegung, Dr. <a href=\"https:\/\/www.buchfreund.de\/de\/d\/p\/68691469\/deutsche-jugend-monatsschrift-der-wehrlogen-des\">Theo Gl\u00e4\u00df<\/a>, der sich in der Nazi-Zeit um die \u00abRassen-Hygiene\u00bb k\u00fcmmert, wird nach dem Krieg Pr\u00e4sident der \u00abDeutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.dhs.de\/die-dhs\">DHSTilman Holzer<\/a>: Die Geburt der Drogenpolitik aus dem Geist der Rassenhygiene &#8211; Deutsche Drogenpolitik von 1933 bis 1972, 2007]<br \/>\n(4) Zit. nach einer Schrift des \u00abRassenpolitischen Amtes der NSDAP\u00bb<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51721?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51721?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_51721 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_51721')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_51721').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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