{"id":50030,"date":"2022-11-06T13:56:12","date_gmt":"2022-11-06T12:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=50030"},"modified":"2022-11-06T16:50:04","modified_gmt":"2022-11-06T15:50:04","slug":"unter-rechtsruckenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2022\/11\/06\/unter-rechtsruckenden","title":{"rendered":"Unter Rechtsruckenden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/netanjahu-trump-und-orban-dieses-dreigespann-lasst-ubles-ahnen-8829607.html\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2022\/11\/041122_3.jpg\" alt=\"trump netanjahu\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>So wie ich es verstehe, zeiht der &#8222;Tagesspiegel&#8220; Trump und Netanjahu des Antisemitismus.<\/sup><\/p>\n<p><i>&#8222;Um die politische Stimmung der [bitte selbst Ausf\u00fcllen] Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten in einem Wort zusammenzufassen, reicht der einfache Begriff &#8222;Rechtsruck&#8220; aus.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Das ist ja mal eine profunde Analyse, Hauptstadt-Qualit\u00e4tsmedien! Auch wenn uns hier Journalisten-Wokistan entgegenquillt: Ich muss das Geheule zum Anlass nehmen, eine meiner Arbeitshypothesen \u00fcber die Weltl\u00e4ufte zu revidieren.<\/p>\n<p>Bekanntlich buckeln die Mittelklassen im Kapitalismus nach oben und treten nach unten. Zu ihren vermeintlichen \u00dcberlebenstaktiken im Klassenkampf geh\u00f6rt, denen da unten Vorschriften \u00fcber das Verhalten (&#8222;Erziehung&#8220;, Sprache, &#8222;Benehmen&#8220;) zu machen. Man hofft irrig, das w\u00fcrde denen da oben gefallen (das klassische Motiv beim religi\u00f6sen Opfer: Man gibt etwas ab und hofft, das w\u00fcrden die h\u00f6heren Wesen <del>goutieren<\/del> bes\u00e4nftigen). So eine Attitude wirkt auch &#8222;nach Innen&#8220; reglemenetierend. Dahinter steht ebenfalls ein Hoffen: Ich halte mich an Regeln, und das werden die da oben, die das gar nicht n\u00f6tig haben, auch tun (vgl. <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/artikel\/jw798a.html\">Die B\u00f6sen sind die anderen<\/a>.)<\/p>\n<p>Bisher dachte ich, dass Wokistan, also sich prim\u00e4r um &#8222;Klima&#8220;, Rassismus und Gendersterchen zu bem\u00fchen, das Kapitalismus und die Systemfrage aber tunlichst nicht zu erw\u00e4hnen, ein Produkt des mitteleurop\u00e4ischen Protestantismus sei, zumal die Mittelklassen der USA, von denen die tr\u00fcbe weltanschauliche Br\u00fche her\u00fcberschwappt, noch protestantischer sind als in Europa. Jetzt musste ich lernen, dass es in Israel genau so ist. Und dort ist Protestantismus weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart zu finden.<\/p>\n<p>Will man in deutschen Qualit\u00e4tsmedien auf Israel eindreschen, zitiert man entweder die <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/\">Haaretz<\/a>, die in Israel so popul\u00e4r ist wie hierzulande die Jungle World,  oder sucht sich Juden, von denen man wei\u00df, dass sie genau das von sich geben, was erwartet wird. Von Zimmermann und Stein wei\u00df man, dass sie schon immer gegen Netanjahu waren &#8211; die Autoren liefern also zuverl\u00e4ssig, was man in Deutschland h\u00f6ren will, auch <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/die-israelischen-knesset-wahlen-2022-und-der-rechtsruck-der-gesamten-israelischen-gesellschaft\/\">abseits der Qualit\u00e4tsmedien<\/a>. Moshe Zuckermann behauptet eine &#8222;massive Faschisierung und Klerikalisierung eines Gro\u00dfteils der israelischen Gesellschaft.&#8220; Faschismus! In Israel!<\/p>\n<p>Im &#8222;Tagesspiegel&#8220; lesen wir: <i>Rechts bedeutet in Israel nicht unbedingt eine konservative oder neo-liberale Wirtschafts- und Sozialpolitik; auch geht es nicht nur darum, ein betont nationalistisches Programm zu f\u00f6rdern, sondern meist bedeutet es ein ethnozentrisches Verst\u00e4ndnis von Staatsb\u00fcrgerschaft. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moshe_Zimmermann\">Moshe Zimmermann<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schimon_Stein\">Shimon Stein<\/a>.<\/i>)<\/p>\n<p>&#8222;Rechts&#8220; w\u00e4re vermutlich, folgte man dieser These, wenn jemand forderte, Israel solle ein Staat der Juden sein, nicht aber f\u00fcr Araber oder <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sudanese_in_Israel\">Sudanesen<\/a>.<\/p>\n<p>Was bei j\u00fcdischen Autoren, die in deutschen Mainstream-Medien ver\u00f6ffentlichen, immer zuverl\u00e4ssig wie ein Echo folgt, ist der Textbaustein: <i>&#8222;beanspruchen f\u00fcr Israel die besetzten Pal\u00e4stinensergebiete&#8220;<\/i>.<\/p>\n<p>Welche Gebiete sind noch mal &#8222;besetzt&#8220;? Zum Erinnern: der Staat &#8222;Pal\u00e4stina&#8220; wurde am 15. November 1988 in Algier von der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) als Staat der Pal\u00e4stinenser ausgerufen. Dann ist ja alles gut. Und dieser &#8222;Staat&#8220; beansprucht laut Wikipedia &#8222;das von Israel seit 1967 besetzte Westjordanland und den Gazastreifen, mit Ostjerusalem als Hauptstadt des Staatsgebiets.&#8220;<\/p>\n<p>Was war 1967? Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sechstagekrieg\">Sechstagekrieg<\/a>. Warum nur sechs Tage? &#8222;Nach nur sechs Tagen hatten die Israelis die feindlichen Linien durchbrochen und waren kurz davor, in Kairo, Amman und Damaskus einzumarschieren.&#8220; Ach? Man m\u00f6chte also das Ergebnis diese Krieges &#8211; Israel gegen alle Nachbarn &#8211; r\u00fcckg\u00e4ngig machen? Die Israelis w\u00e4ren schon bl\u00f6d, wenn sie sich darauf einlie\u00dfen.<\/p>\n<p><i>Bereits am 11. Juni 1967 wurde der letzte Waffenstillstand unterzeichnet. Daraufhin fand im August 1967 in der sudanesischen Hauptstadt Khartum eine Gipfelkonferenz aller arabischen Staaten statt, die mit der Khartum-Resolution ihre weitere Politik auf drei klare &#8222;Nein&#8220; festlegten:<\/i><br \/>\n<i>&#8222;Kein Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Tja Araber, wenn man ein gro\u00dfen Maul hat, aber nichts dahinter, dann muss man mit den Folgen leben. Man kann nicht jemandem etwas &#8222;zur\u00fcckgeben&#8220;, was dieser nur nach eigener Ansicht besessen hat.<\/p>\n<p>Jetzt, liebes Publikum, fragt mal eure Peer Group, was 1967 im Nahen Osten geschah und welche Folgen das hatte. Die Befragten d\u00fcrfen aber nicht googeln, sondern m\u00fcssen spontan antworten.<\/p>\n<p>Nein, der Artikel ist noch nicht zu seinem wohlverdienten Ende gekommen. Ich habe die <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/historisches-debakel-fuer-die-linke-in-israel-ld.1710533\">israelische &#8222;Linke&#8220;<\/a> im Verdacht, dass sie, wie auch die deutsche &#8222;Linke&#8220;, v\u00f6lkisch denkt, also rechts, weil sie die so genannten &#8222;Pal\u00e4stinenser&#8220; f\u00fcr ein &#8222;Volk&#8220; h\u00e4lt (Echo: Kurden, Basken, Schotten, Ukrainer, Waliser &#8211; und nie an den Klassenkampf denken oder daran, dass der Proletarier kein &#8222;Vaterland&#8220; hat). Das ist zumindest strittig.<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, dass die Israelis sich f\u00fcr die \u00d6konomie interessieren, f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/de.numbeo.com\/lebenshaltungskosten\/land\/Israel?displayCurrency=EUR\">Preise<\/a>, f\u00fcr Sicherheit vor den Terrorangriffen der Hamas und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rassismus-in-Israel\/!5093099\/\">auf den Stra\u00dfen<\/a>. (Wenn israelische Frauen von illegalen Einwanderern vergewaltigt werden, dann reden deutsche Zeitungen lieber \u00fcber den &#8222;Rassismus&#8220; in Israel.) Die israelische &#8222;Linke&#8220; hat dazu genau so wenig zu sagen wie die deutsche &#8222;Linke&#8220;. Und Sympathie f\u00fcr einen &#8222;Pal\u00e4stinenserstaat&#8220; hat die Mehrheit zum Gl\u00fcck nicht. Daher das Wahldesaster f\u00fcr die Linke.<\/p>\n<p>Postscriptum. Wer wissen will, warum auch in Israel die Religioten auf dem Vormarsch sind, der lese das Buch Gilles Kepels &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/\/3492218415\/ref=nosim?tag=burkhardschroder\">Die Rache Gottes<\/a> &#8211; Radikale Moslems, Christen und Juden auf dem Vormarsch&#8220;. Das ist zwar schon vor 30 Jahren erschienen, erkl\u00e4rt aber immer noch die Gegenwart. Damals schrieb ein Rezensent: <i>Die Rache Gottes, so hatte der franz\u00f6sische Fundamentalismusforscher Gilles Kepel f\u00fcr die achtziger Jahre konstatiert, ist die Wiederkehr der verdr\u00e4ngten Religionen. Sie kamen aber nicht als blo\u00dfe Fr\u00f6mmigkeit zur\u00fcck, sondern als Griff nach der Macht, als Wille zur Herrschaft. Der politisch-religi\u00f6se Fundamentalismus sucht die Vorherrschaft zuerst \u00fcber Kultur und Gesellschaft und dann \u00fcber den ganzen Staat. Er ist heute eine Macht, nicht \u00fcberall im Zentrum des Geschehens, aber fast \u00fcberall auf dem Sprung.<\/i><\/p>\n<p>Jetzt habe ich versehentlich ein Wort zum Sonntag geschrieben.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50030?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50030?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_50030 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_50030')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_50030').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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