{"id":500,"date":"2008-05-02T22:34:07","date_gmt":"2008-05-02T21:34:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/05\/02\/blumchenshorts-des-bosen\/"},"modified":"2008-05-03T11:18:59","modified_gmt":"2008-05-03T10:18:59","slug":"blumchenshorts-des-bosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/05\/02\/blumchenshorts-des-bosen","title":{"rendered":"Kauft nicht bei Kopelke"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel von mir erschien am 03.05.2008 in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/1\/bluemchenshorts-des-boesen\/?src=ST&#038;cHash=555db06e8f\">taz<\/a> [<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/debatte\/kommentar\/artikel\/kommentarseite\/1\/bluemchenshorts-des-boesen\/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&#038;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&#038;cHash=57cf2b5323\">Kommentare<\/a>] unter der \u00dcberschrift &#8222;Bl\u00fcmchenshorts des B\u00f6sen&#8220;. Das urspr\u00fcngliche Manuskript wurde verschlimmbessert und ein wenig &#8222;entsch\u00e4rft&#8220;, daher hier das Original. Die taz setzt selbstredend auch keine Links.<\/em><\/p>\n<p>Die Marke <a href=\"http:\/\/thorsteinar.de\/\">Thor Steinar<\/a> ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Seit einem halben Jahrzehnt verkauft die Firma MediaTex Axel Kopelkes aus K\u00f6nigs Wusterhausen Textilien f\u00fcr die Dame, den Herrn und auch f\u00fcr Kinder. Die Symbole auf der Kleidung sind jedoch vielen Menschen ein Dorn im Auge. Sie sehen wie germanische Runen aus. Da muss man doch was tun?<\/p>\n<p>Diese Zeichen &#8211; etwa die <a href=\"http:\/\/www.runenprojekt.uni-kiel.de\/beschreibung\/5\/default.htm\">Tiwaz- oder die Gebo-Rune<\/a> &#8211;  bedeuten an sich nichts, sie sind genauso &#8222;nordisch&#8220; oder &#8222;v\u00f6lkisch&#8220; wie blondes Haar oder blaue Augen. Es k\u00f6nnte aber sein, bef\u00fcrchten die runenkundigen Gegner der Marke, dass Neonazis dabei etwas Neonazistisches denken und, tr\u00fcgen sie diese Textilien, sich gegenseitig als Neonazis erkennten. Das w\u00e4re wiederum nicht gut. Keinen Fu\u00dfbreit den Faschisten undsoweiter. Man muss also mahnen, warnen, sich emp\u00f6ren, entlarven und mindestens Lichterketten werfen gegen die L\u00e4den im Beitrittsgebiet, die das einschl\u00e4gige Sortiment f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es geht die M\u00e4r, dass durch Symbole rechtes Gedankengut in die K\u00f6pfe transportiert werden k\u00f6nnte. Im Land, das den protestantischen Bildersturm erfunden hat, ist ein Kampf um Symbole in der Regel in der Regel hoch emotionalisiert und regt die Leute mehr auf als politische Inhalte. Wer aber glaubt, dass Runen auf Hemden, Pullis und Jacken wie die von Thor Steinar politisch &#8222;wirken&#8220;, huldigt primitiver Magie und k\u00f6nnte genausogut an Gespenster glauben oder in eine katholische Messe gehen. Symbole unter Strafe zu stellen ist also eine Art Regenzauber wie der Internet-Disclaimer oder das Weihwasser.<\/p>\n<p>V\u00f6lkerkundler wissen das: Ein beliebiges Zeichen beeinflusst erst dann die Gruppendynamik, wenn die Mitglieder sich a priori und oft unbewusst darauf verst\u00e4ndigt haben, beim Anblick der Symbole etwas zu empfinden. Ein Baby sieht bei einem Hakenkreuz schwarze Striche, ein Inder ein Symbol f\u00fcr Gl\u00fcck, und der Deutsche, geh\u00f6rt er zu den sittlich Gefestigten, gruselt sich, wie es sich moralisch geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung, weil nicht immer stimmt, was in der Zeitung steht: Die Marke Thor Steinar war nie verboten. Das Tragen der Kleidung ist nie rechtskr\u00e4ftig zum Strafttatbestand erkl\u00e4rt worden. Keines der vom Label benutzen Symbole ist verfassungsfeindlich. \u00dcber 200 Strafverfahren wegen Thor Steinar wurden eingestellt. Der Verfassungsschutz hat nie behauptet, dass Rechtsextremisten der Firma angeh\u00f6rten. So what?<\/p>\n<p>F\u00fcr Werbefachleute w\u00e4re Thor Steinar ein Leckerbissen: Alles, was man einer Marke w\u00fcnscht und was bei einer Marketingkampange viel Geld kostet, wurde dem Label durch seine Gegner gratis und frei Haus geliefert: Mediale Aufmerksamkeit durch st\u00e4ndige Proteste, Sch\u00e4rfung des Profils durch popkulturelles Geraune: &#8222;Rechter Schick&#8220;, &#8222;Kultmarke&#8220; &#8222;Designermarke&#8220;, ein eigener Eintrag bei Wikipedia mit detaillierter Produktbeschreibung: &#8222;martialisch&#8220;, &#8222;Streetwear&#8220;, Neugier bei der potenziellen jugendlichen Kundschaft: &#8222;ein ehemaliger Mitarbeiter hat schon einmal ein Rechtsrock-Konzert besucht&#8220;, juristischer Persilschein, ein G\u00fctesiegel durch die Dauerskandalbeh\u00f6rde Verfassungsschutz, Thor Steinar sei &#8222;identit\u00e4tsstiftend&#8220;, als wichtigtes Merkmal f\u00fcr Attraktivit\u00e4t bei  Underdogs: Im Bundestag und sogar im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist es verboten die Kleidung diesen Labels verboten zu tragen. Ein Sweatshirt aus K\u00f6nigswusterhausen ist offenbar gef\u00e4hrlicher als ein Taschenmesser &#8211; das w\u00fcrde einem im Parlament nicht abgenommen.<\/p>\n<p>Was will man mehr: Wer trotz der \u00f6ffentlichen Hysterie um Thor Steiner und der saftigen Preise die Textilien erwirbt, besitzt Kleidung, die es garantiert nie von der Stange und im Kaufhaus geben wird, sondern, wie auch die klassischen Labels der Skinheads &#8211; Fred Perry, Ben Sherman, Lonsdale oder Everlast -, den Tr\u00e4ger zu einem Mitglied einer Gruppe von Eingeweihten macht, die sich untereinander erkennen. Sie f\u00fchlen sich behaglich wie Besitzer einer seltenen Automarke, die sich auf der Stra\u00dfe mit ihren Gef\u00e4hrten zuf\u00e4llig begegnen und sich fl\u00fcchtig  gr\u00fc\u00dfen, obwohl sie sich nicht kennen. Thor Steinar &#8211; da wei\u00df man, was man hat. Genau das befl\u00fcgelt den Verkauf.<\/p>\n<p>Schaut man sich das Thor-Steiner Angebot im Katalog an, ist erstaunlich, wie fantasielos die Produktpalette ist: Das &#8222;Top Turboelfe&#8220; f\u00fcr &#8222;M\u00e4dels&#8220; h\u00f6rt sich an wie ein Accessoire f\u00fcr Opel-Manta-Fahrer, &#8222;Shorts Sigrid&#8220; klingt wie ein Regal einer schwedischen M\u00f6belfirma, die wetterfeste Kleidung f\u00fcr Jungs besteht im wesentlichen aus aufgebrezelten Bomberjacken, die Feinstrickpullis erscheinen wie eine Mischung aus Matrose gewollt, aber nicht gekonnt und einem Outfit f\u00fcr Hooligans im Seniorenheim. Ganz mulitkulti kommen die Bl\u00fcmchenshorts (f\u00fcr M\u00e4nner!) &#8222;Samoa&#8220; und &#8222;Sansibar&#8220; einher. Modebewusste Rechtsextremisten mit prallem Geldbeutel tragen offenbar kein Feinripp mehr. Das l\u00e4sst immerhin hoffen f\u00fcr die doitsche Leitkultur. Dann gibt es noch die Farbauswahl schwarz, wei\u00df und rot. Ein Schelm, wer \u00fcberhaupt was dabei denkt. <\/p>\n<p>Zugeben: Diejenigen, die sich an den Kampagnen gegen Thor Steinar beteiligen, meinen es gut. Das ist aber keine Ausrede: Die Zeugen Jehovas meinen es auch gut. In Wahrheit schlummert hinter der Attitude, eine clevere und politisch zynische Gesch\u00e4ftsidee mit Mitteln des Strafrechts oder gar mit Gewalt bek\u00e4mpfen zu wollen, der typisch deutsche Obrigkeitsstaat, den auch die Linken und Lichterkettentr\u00e4ger allzugern immer wieder herbeiw\u00fcnschen: Der Staat muss doch gegen das B\u00f6se, hier: Thor Steinar, hart durchgreifen?! Melde gehorsamst: Nazi-Kleidung und gef\u00e4hrliche ultrabraune Symbole entdeckt! Bitte Verbot durchf\u00fchren!<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte sich auch bei der R\u00e4uber-und-Gendarm-Antifa herumgesprochen haben, dass mittlerweile eindeutig zweideutige Mimikri auch zum Reportoire der ganz braunen Kameraden geh\u00f6rt. Ein Rassist und Antisemit kann, wenn es hip sein soll, auch ein Che-Guevara-T-Shirt tragen, und ein Pali-Tuch sowieso. Es gibt keine subkulturelles Zeichen mehr, die politische Ideen eindeutig beschreiben. Das ist auch gut so: Wer Symbole umdeutet, sie flexibel einsetzt, schw\u00e4cht ihre stringente Bedeutung im kulturellen Kontext. Was die B\u00f6hsen Onkelz f\u00fcr die Musik, ist Thor Steinar f\u00fcr Klamotten: Kompatibel f\u00fcr den rechten Rand, f\u00fcr den &#8222;White Trash&#8220;, f\u00fcr die Verlierer mit Trotzhaltung und f\u00fcr die nur gef\u00fchlt b\u00f6sen Jungs, die am liebsten ihr Wohnzimmer mit deutscher Eiche ausstaffierten.<\/p>\n<p>Wie sehen die Kunden von Thor Steinar sich selbst? Darauf gibt eine Umfrage auf der Website Auskunft: &#8222;Mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit stuften sich die K\u00e4ufer der Marke als politisch uninteressiert oder in der Mitte der Gesellschaft befindlich ein.&#8220; Was zu beweisen war: Wer Thor Steinar tr\u00e4gt, ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit f\u00fcr rechtspopulistische Parolen empf\u00e4nglich und steht politisch genau dort, wo Rassismus und Antisemitismus ihre st\u00e4rksten Wurzeln haben &#8211; mittendrin in Deutschland.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/500?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/500?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_500 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_500')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_500').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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