{"id":479,"date":"2008-04-25T10:15:43","date_gmt":"2008-04-25T09:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/04\/25\/bundestrojaner-beim-afghanen\/"},"modified":"2010-12-05T15:11:33","modified_gmt":"2010-12-05T13:11:33","slug":"bundestrojaner-beim-afghanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/04\/25\/bundestrojaner-beim-afghanen","title":{"rendered":"Bundestrojaner beim Afghanen?"},"content":{"rendered":"<p align=left><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/04\/250408_1.jpg\" alt=\"Amin Farhang\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p align=left>Stefan Krempl scheibt bei <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Bundestrojaner-gegen-afghanischen-Minister--\/meldung\/106977\">Heise<\/a>: &#8222;Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat Berichten zufolge eine heimliche Online-Durchsuchung beim afghanischen Handels- und Industrieminister <a href=\"http:\/\/www.afghanmania.com\/en\/cms\/cat\/Politics\/Who_is_Who\/Mohammad_Amin_Farhang.html\">Amin Farhang<\/a> durchgef\u00fchrt, bei der auch die Kommunikation mit einer Spiegel-Reporterin erfasst worden sein soll.&#8220; Ich glaube vorsichtshalber erst einmal gar nichts. Weiter hei\u00dft es: &#8222;Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp war es dem BND gelungen, mit Hilfe eines Trojaners auf der Festplatte von Farhang ein Sp\u00e4hprogramm zu installieren.&#8220; Was sagen die Quellen?<\/p>\n<p>Krempl zitiert sich in <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/01\/24\/bayerntrojaner-zum-abhoren-von-internet-telefonie\/\">typischer Manier<\/a> selbst: &#8222;Die monatelange Observation der Journalistin zwischen Juni und November 2006, die das Nachrichtenmagazin am Wochenende bekannt machte, war demnach offenbar ein &#8218;Nebenprodukt&#8216; der Bespitzelung des Spitzenpolitikers&#8220;. Das &#8211; der zweite Satz des Artikels &#8211; suggeriert, als sei die Observation eine &#8222;Online-Durchsuchung&#8220; gewesen. Das war aber mitnichten so. Hinter dem verlinkten &#8222;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,548450,00.html\">bekannt geworden<\/a> verbirgt sich ein Artikel von Spiegel Online, in dem es lediglich hei\u00dft: &#8222;Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat monatelang die E-Mail-Korrespondenz der 42-j\u00e4hrigen SPIEGEL-Reporterin mit dem afghanischen Politiker \u00fcberwacht und mitgeschnitten.&#8220; Das Abh\u00f6ren des Kommunikation hat mit einer Online-Durchsuchung nichts zu tun und ist ein Kinderspiel, wenn die Beteiligten ihre Korrespondenz nicht verschl\u00fcsseln. Typisch f\u00fcr das Niveau deutscher Recherche ist auch, dass das &#8222;Opfer&#8220; <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/author_new\/author.jsp?per=197646&#038;frm=true\">Susanne Koelbl<\/a> meinte, an einen afghanischen Politiker Postkarten schreiben zu m\u00fcssen und &#8222;nicht ahnte&#8220;, dass auch andere Leute die lesen wollten &#8211; und das nat\u00fcrlich getan haben. Die Kollegin antwortet \u00fcbrigens nicht auf meine E-Mails zum Thema.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/welt_print\/article1932827\/BND-Trojaner_bei_afghanischem_Minister.html\">Welt online<\/a> berichtet: &#8222;&#8230;wurde zum Absch\u00f6pfen des E-Mail-Verkehrs zwischen der &#8222;Spiegel&#8220;-Journalistin Susanne Koelbl und dem Politiker aus Kabul zwischen Juni und November 2006 ein &#8218;Trojaner&#8216; eingesetzt. Das Spionageprogramm, f\u00fcr dessen Einsatz das Bundesverfassungsgericht unl\u00e4ngst hohe H\u00fcrden gesetzt hat, sei auf der Festplatte des Computers des Afghanen installiert worden, hie\u00df es. Dabei seien auch &#8218;intime Bereiche&#8216; der pers\u00f6nlichen Lebensf\u00fchrung der Journalistin ausgesp\u00e4ht worden.&#8220;<\/p>\n<p>Da haben wir&#8217;s. Jede Wette, dass der BND den physischen Zugriff auf den Rechner hatte und entweder einen Keylogger oder so etwas sie <a href=\"http:\/\/www.guidancesoftware.com\/products\/fim_index.asp\">EnCase\u00ae Field Intelligence Model<\/a> eingesetzt hat. [Vgl. c&#8217;t: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/security\/Bundestrojaner-Geht-was-was-geht--\/artikel\/86415\/2\">Der weisse Spion<\/a>]. Die <a href=\"http:\/\/www.stattweb.de\/baseportal\/ArchivDetail&#038;db=Archiv&#038;Id=937\">Stattzeitung f\u00fcr S\u00fcdbaden<\/a> erw\u00e4hnt ein weiteres interessantes Detail: Der heutige afghanische Wirtschaftsminister, ein ehemaliges Mitglied der deutschen Gr\u00fcnen uind &#8222;langj\u00e4hrig in Nord-Rhein-Westfalen ans\u00e4ssig,&#8230; (&#8230;) Die Aussp\u00e4hung geschah ab 2006 per Trojaner. Also existiert schon ein funktionsf\u00e4higes Modell. Dabei wurde offiziell immer wieder ge\u00e4chzt, wie teuer so was sei und wie schwer zu installieren.&#8220; Und genau das ist die Pointe: Der ber\u00fcchtigte &#8222;Bundestrojaner&#8220; wird im \u00f6ffentlichen Diskurs als heimlciher Zugriff \u00fcber das Internet verstanden. Darum geht es hier aber gar nicht, sondern um ein Spionageprogramm, dass auf der Festplatte installiert worden war. Und so etwas ist gar nicht teuer und auch nicht kompliziert und existiert nat\u00fcrlich schon in verschiedenen Varianten. <\/p>\n<p>Farhang hat das selbst best\u00e4tigt, wie die <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:BND%20Opfer%20Farhang%20Vorw%FCrfe\/347821.html\">FTD<\/a> meldet: &#8222;Er habe erfahren, dass der BND <em>seinen Computer im B\u00fcro<\/em> manipuliert habe. Er gehe davon aus, dass nicht nur einer seiner Computer f\u00fcr wenige Monate \u00fcberwacht worden sei, wie der BND behaupte. &#8222;Ich habe das Vertrauen verloren und nehme an, dass deutsche Agenten alle meine Telefonate und E-Mails noch immer \u00fcberwachen.&#8220; Quod erat deminstrandum.<\/p>\n<p>Falsch im Heise-Bericht ist definitiv: &#8222;Im Januar war bekannt geworden, dass der Geheimdienst bereits rund 60 Mal heimlich Zielrechner Verd\u00e4chtiger im Ausland \u00fcber das Internet ausgeschn\u00fcffelt haben soll&#8220;. Soll. Nicht hat. Dass das gar nicht stimmt und auch im damaligen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/online-razzia-sie-haben-post\n_aid_232597.html\">Focus-Artikel<\/a> falsch war, hat man mir  mir telefonisch best\u00e4tigt. Es soll  damals &#8211; durch den BND &#8211; nur <em>eine<\/em> &#8222;Online-Durchsuchung&#8220; gegeben haben, und daf\u00fcr auch nur eine Quelle. Es ist also gar nichts verifizierbar.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/479?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/479?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_479 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_479')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_479').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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