{"id":46770,"date":"2021-12-05T16:38:05","date_gmt":"2021-12-05T15:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=46770"},"modified":"2021-12-05T16:48:22","modified_gmt":"2021-12-05T15:48:22","slug":"der-lange-weltpolitische-atem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/12\/05\/der-lange-weltpolitische-atem","title":{"rendered":"Der lange weltpolitische Atem"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/12\/051221_1.jpg\" alt=\"xi mao\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/p>\n<p>So ein <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus235294754\/Stefan-Aust-und-Kishore-Mahbubani-Ich-garantiere-Ihnen-dass-China-in-einem-solchen-Fall-den-Krieg-erklaeren-wird.html\">Teaser<\/a> (Paywall) machte mich extrem neugierig: <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kishore_Mahbubani\">Kishore Mahbubani<\/a> gilt als einer der kl\u00fcgsten geostrategischen Denker Asiens. Der aus Singapur stammende Ex-Botschafter wirft dem Westen im Gespr\u00e4ch mit Stefan Aust vor, China aus Arroganz falsch eingesch\u00e4tzt zu haben. Die vergangenen 200 Jahre h\u00e4lt er f\u00fcr einen Unfall der Geschichte.<\/i><\/p>\n<p>Beide Herren wollen nat\u00fcrlich auch ihre neuen B\u00fccher bewerben. Kishore Mahbubani ver\u00f6ffentlichte <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3864707730\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3864707730&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=cb1328ca5d7fa7f45c066d265e4eb524\" rel=\"noopener\">Hat China schon gewonnen?: Chinas Aufstieg zur neuen Supermacht<\/a>; Stefan Aust schrieb <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/349207006X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=349207006X&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=99ad48fcad7f16d9c52a6ef115a25501\" rel=\"noopener\">Xi Jinping \u2013 der m\u00e4chtigste Mann der Welt<\/a>. Es habe bisher <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/international\/archive\/2021\/01\/xi-jinping-china-biography\/617852\/\">keine Biografie XI Jinpings<\/a> gegeben, was &#8211; da muss ich zustimmen &#8211; einigerma\u00dfen erstaunt.<\/p>\n<p>Kishore Mahbubani: <i>Der Westen nimmt an, das 19. und 20. Jahrhundert sei der Normalzustand gewesen und die 1800 Jahre davor nicht normal. Ich sehe es genau umgekehrt: Die vorherigen 1800 Jahre waren der Normalzustand, mit China und Indien als den beiden f\u00fchrenden Volkswirtschaften der Welt. Die letzten 200 Jahre waren eine Abweichung. <\/i><\/p>\n<p>Das trifft sich mit der hier schon &#8211; aber noch nicht abschlie\u00dfend &#8211; diskutierten Frage, ob nicht der chinesische Weg \u00fcber den Kapitalismus hinaus derjenige sei, der das Land an die Spitze der &#8222;Entwicklung&#8220; stellt und nicht etwas der europ\u00e4ische und russische Weg, der in der <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/05\/05\/feudal-oder-nicht-feudal-tldr\">orthodoxen marxistischen Diskussion<\/a> bis zum Zusammenbruch des so genannten &#8222;Sozialismus&#8220; dort als solcher angesehen wurde. Im Wettrennen, wer es zuerst bis zum Kapitalismus schaffen w\u00fcrde, geriet China <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/05\/15\/agrarisch-und-revolutionaer-ii\">ins Hintertreffen<\/a>, aber wer zuletzt lacht, bei dem kommt der Kommunismus zuerst. Ich hatte schon <a href=\"https:\/\/www.chbeck.de\/mitterauer-europa\/product\/12829\">Mitterauers<\/a> &#8222;Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs&#8220; erw\u00e4hnt, der genau diese Frage auch stellt und, wie der Titel suggeriert, \u00e4hnlich beanwortet wie Kishore Mahbubani.<\/p>\n<p>Kishore Mahbubani: <i>Die Chinesen haben ihre eigene politische Geschichte, ihre eigenen politischen Traditionen und ihre eigene politische Kultur. Sie wissen, was in China funktioniert und was nicht. Ein gespaltenes Zwei-Parteien-System wie in den USA funktioniert aus ihrer Sicht nicht f\u00fcr China. Ich sage nicht, dass das meine Sicht ist. Aber aus ihrer Sicht beweist die chinesische Geschichte, dass es der Bev\u00f6lkerung unter einer starken F\u00fchrung am besten geht, und dass vor allem die sozial gesehen unteren f\u00fcnfzig Prozent der Bev\u00f6lkerung leiden, wenn die F\u00fchrung gespalten ist. Laut einer Studie der Harvard Kennedy School ist die Zustimmung zur Kommunistischen Partei Chinas von 86 Prozent im Jahr 2003 auf 93 Prozent 2016 gestiegen. Warum? Weil sie in den letzten 40 Jahren die beste sozial\u00f6konomische Entwicklung ihrer Geschichte hatten. (&#8230;)<\/i><\/p>\n<p><i>Die westlichen L\u00e4nder haben keine formale Zensur, aber eine informelle Zensur. Ich bin gerade aus den USA zur\u00fcckgekehrt und habe von Studenten dort immer wieder geh\u00f6rt, wie die politische Korrektheit die Meinungsfreiheit einengt. Oder denken Sie an den Fall der britischen Professorin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kathleen_Stock\">Kathleen Stock<\/a>, die gerade von ihrem Lehrstuhl zur\u00fccktreten musste, weil Transgender-Aktivisten ihre Forschungsergebnisse nicht mochten. Was ist das, wenn nicht Zensur?<\/i><\/p>\n<p>Wenn das die Baerbock l\u00e4se! Aber das tut sie nicht, und sie ist als Gr\u00fcne sowieso beratungsresistent.<\/p>\n<p>Kishore Mahbubani: <i>China ist in vielerlei Hinsicht der rationalste Akteur auf der internationalen B\u00fchne heute. Es kalkuliert sein nationales Interesse sehr vorsichtig. Doch beim Thema Taiwan ist China kein rationaler Akteur, sondern ein emotionaler. Es ist bereit, einen massiven \u00f6konomischen und milit\u00e4rischen Preis zu zahlen, um Taiwan zu sichern. Auch wenn das zehn Jahre Konjunkturr\u00fcckgang f\u00fcr China bedeutet, wird China das hinnehmen, wenn seine rote Linie \u00fcberschritten wird: Taiwan erkl\u00e4rt sich f\u00fcr unabh\u00e4ngig. (&#8230;) Darum kann China eine Unabh\u00e4ngigkeit Taiwans nicht akzeptieren \u2013 ich garantiere Ihnen zu hundert Prozent, dass China in einem solchen Fall Taiwan den Krieg erkl\u00e4ren wird. Sollten die USA dann zugunsten Taiwans eingreifen, k\u00f6nnte das zum Atomkrieg f\u00fchren. (&#8230;)<\/i><\/p>\n<p><i> Doch die Chinesen glauben, der beste Weg, um einen Krieg zu gewinnen, ist ohne Kampf. Als schlaue Kenner der Geopolitik werden sie vorsichtig kalkulieren und wissen: Wenn sie um das Jahr 2030 herum die Wirtschaftsmacht Nummer eins sind, werden sich die anderen L\u00e4nder ihnen gegen\u00fcber f\u00fcgsamer verhalten. Dann pfl\u00fccken sie die Frucht Taiwan, wenn sie reif ist. Warum sollten sie sich also beeilen?<\/i><\/p>\n<p>Das beantwortet nat\u00fcrlich nicht die f\u00fcr mich spannendste Frage, es ob es im <del>Staatskapitalismus<\/del> so genannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialismus_chinesischer_Pr%C3%A4gung\">Sozialismus<\/a> chinesischer Pr\u00e4gung <a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/dossiers\/china\/china.html\">Klassenkampf<\/a> gebe und <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3226842\/\">wer da gegen wen<\/a> k\u00e4mpft. In der Kulturrevolution wurde diese Frage schon einmal gestellt, mit dem bekannten chaotischen Ausgang. Und wenn man das heute in China fragt, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/lebenundlernen\/uni\/china-studentenproteste-provozieren-die-machthaber-a-1250586.html\">wird man verhaftet<\/a>.<\/p>\n<p>Es gibt immer die gleichen Indizien: Wenn sich ein Machthaber unsicher f\u00fchlt, stellt er sich ikonografisch in die Tradition seiner Vorg\u00e4nger, die jenseits von Gut und B\u00f6se sind. Xi wird zusammen mit Mao verehrt (vgl. Foto oben), f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse ziemlich kitschig und l\u00e4cherlich. Aber unser Geschmack nicht der Ma\u00dfstab, und die Chinesen sehen das vermutlich nicht so. Als Marxist fragt man sich aber: Warum hat er das n\u00f6tig? Wem gegen\u00fcber m\u00f6chte er sich rechtfertigen? Ich habe da einen Verdacht &#8211; und Bertold Brecht hatte schon eine <a href=\"https:\/\/www.deutschelyrik.de\/die-loesung.html\">L\u00f6sung<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/n.miaopai.com\/media\/RbZ3LMFsvuhwVlKT~rQk93OXgGedYRXT\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/12\/041221_1a.jpg\" alt=\"xi\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Beim Schreiben h\u00f6rte ich \u00fcbrigens <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=h86nJUHrJ1E\">Henri 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=n6GEcdh5whk\">Henri 2<\/a>.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46770?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46770?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_46770 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_46770')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_46770').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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