{"id":43120,"date":"2021-01-03T02:05:49","date_gmt":"2021-01-03T01:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=43120"},"modified":"2021-01-03T13:51:24","modified_gmt":"2021-01-03T12:51:24","slug":"zur-emergenten-methode-und-produktive-kraefte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2021\/01\/03\/zur-emergenten-methode-und-produktive-kraefte","title":{"rendered":"Zur emergenten Methode und produktive Kr\u00e4fte"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/12\/301220_1.jpg\" alt=\"roman family\" border=\"0\" \"hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><br \/>\n<sup>Gem\u00e4lde aus Pompeji, jetzt im <a href=\"https:\/\/www.museoarcheologiconapoli.it\/en\/\">Museo Archeologico Nazionale<\/a> (Neapel): Ein Bankett oder eine famili\u00e4re r\u00f6mische Zeremonie<\/sup><\/p>\n<p>Das neue Jahr sollte mit hochgestochener Wissenschaft beginnen <del>um ein Zeichen zu setzen<\/del>. Ich wurde angeregt durch die <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/12\/27\/doppeldenk-oder-die-politische-macht-kommt-aus-den-legionen-teil-2#comments\">Kommentare<\/a> der wohlwollenden Leserschaft, ein paar Worte zur Methode zu formulieren. Au\u00dferdem habe ich das h\u00f6chst interessante und originelle Buch Egon Flaigs <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3525367007\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3525367007&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=320b8a7b35182630dabd2f3e8938c3b7\" rel=\"noopener\">Ritualisierte Politik &#8211; Zeichen, Gesten und Herrschaft im Alten Rom<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3525367007\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"\/> jetzt gelesen und kann einige Argumente nachlegen.<\/p>\n<p>1. Ich <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/11\/05\/doppeldenk-oder-die-politische-macht-kommt-aus-den-legionen-teil-1\">schrieb<\/a> am 05.11.20: Zu <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/11\/02\/spartacus-revisited\">Spartacus<\/a> und den Sklavenaufst\u00e4nden hatten einige marxistische Historiker die These aufgestellt, dass der Wechsel von der Republik zur &#8222;Kaiserzeit&#8220; von den <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/01\/020121_2.jpg\" alt=\"ritualisierte politik\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" width=\"240\" align=\"left\"\/>Herrschenden unter anderem als Option gew\u00e4hlt wurde, weil sie Angst vor weiteren Aufst\u00e4nden gehabt h\u00e4tten und eine \u00d6konomie, die massenhaft auf Sklavenarbeit beruht, nicht mehr effizient genug gewesen sei.<\/p>\n<p><b>Der erste Teil dieser These ist eindeutig <i>falsch<\/i>, durch keine Quellen belegt und beruht vermutlich auf Wunschdenken.<\/b> Ich neige mittlerweile sogar dazu zu behaupten, dass der Klassenkampf zwischen den Freien und den Sklaven <i>nicht<\/i> der bestimmende f\u00fcr den Charakter der Sklavenhaltergesellschaft war, sondern der zwischen den &#8222;St\u00e4nden&#8220; der Senatoren und Rittern einerseits und den Freien, insbesondere den Bauern, andererseits. Man muss auch bedenken, dass sich der \u00f6konomische Charakter des r\u00f6mischen Reiches von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Punische_Kriege\">Punischen Kriegen<\/a> bis zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Justinian_I.\">Justinian<\/a> &#8211; also fast 800 Jahre! &#8211; nicht wesentlich \u00e4nderte. Die Rebellion des Spartacus fand aber schon im 1. Jahrhundert v. Chr. statt. Danach sind zwar zahlreiche kleinere Sklavenaufst\u00e4nde bekannt, aber keiner, der das Imperium oder gar die Form der Klassenherrschaft real bedrohte.<\/p>\n<p>Im Klippschulen-Marxismus hei\u00dft es: Engen die Produktionsverh\u00e4ltnisse die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte ein, so geraten beide in Widerspruch zueinander. Es folgt eine sozialen Revolution, die die Produktionsverh\u00e4ltnisse und den juristischen und politischen \u00dcberbau umw\u00e4lzt. Gab es am Ende der Sklavenhaltergesellschaft, die hier mit dem R\u00f6mischen Reich identisch ist, eine <i>soziale Revolution<\/i>, die irgendetwas umw\u00e4lzte? Ich sehe keine. Es kommt aber darauf an, was man unter &#8222;Revolution&#8220; versteht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Egon_Flaig\">Egon Flaig<\/a> schreibt: &#8222;Nicht bedachte oder tats\u00e4chlich unabsch\u00e4tzbare Folgen ergeben sich unentwegt aus menschlichen Handlungen; sie geh\u00f6ren zum Ph\u00e4nomen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emergenz\">Emergenz<\/a>: Neues taucht auf, ohne dass richtig zu erkennen w\u00e4re, woher es eigentlich kommt. Die objektive Folgewirkung eines Ereignisses und die Bedeutung, die ihm in den Augen der Akteure anhaftet, driften in der Regel auseinander.&#8220;<\/p>\n<p>Man kann also eine Revolution machen oder erleben, ohne es zu wissen. F\u00fcr das R\u00f6mische Reich hei\u00dft das: Massenhafte Sklavenarbeit wurde in der Sp\u00e4tantike \u00f6konomisch immer unwichtiger oder sogar unprofitabel, ohne dass das jemand geplant oder vorhergesehen h\u00e4tte. Das hatte aber mehrere Gr\u00fcnde, u.a. den Zusammenbruch der \u00fcberregionalen Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die Produkte der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Latifundium\">Latifundien<\/a>. Man kann vermuten, dass b\u00e4uerliche Arbeit im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolonat_(Recht)\">Kolonat<\/a> und sp\u00e4ter und feudalen Verh\u00e4ltnissen schlicht effektiver war als die Arbeit von Sklaven.<\/p>\n<p>Eine Tendenz ist unstrittig: <b>Die freien Bauern im R\u00f6mischen Reich &#8211; zu Beginn dessen Basis &#8211; wurden mehrheitlich komplett ruiniert und ihres Landes beraubt.<\/b> Das kann man vergleichen mit der Landflucht w\u00e4hrend der Industrialisierung in Europa: Der Kapitalismus braucht Menschen, die nichts mehr besitzen als ihre Arbeitskraft &#8211; das ist die klassische Definition des <i>Proletariats<\/i>. Im Sp\u00e4tfeudalismus hie\u00df das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bauernlegen_(Geschichte)\">Bauernlegen<\/a> &#8211; nur dass die enteigneten Bauern nicht in die St\u00e4dte abwandern konnten, sondern unter die Fuchtel der immer m\u00e4chtigeren Feudalherrn gerieten. Erst die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Industrielle_Revolution\">Industriellen Revolution<\/a> schuf f\u00fcr landlose Bauern eine Alternative.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/01\/020121_3.jpg\" alt=\"roman mosaic\" border=\"0\" \"hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><br \/>\n<sup>R\u00f6misches Bankett nach der Jagd, aus der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Villa_Romana_del_Casale\">Villa Romana del Casale<\/a> in Sizilien<\/sup><\/p>\n<p>Zur Methode: Man kann Zuf\u00e4lle nicht als den treibenden Motor der Geschichte ansehen. (Ich will jetzt nicht die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_von_Salamis\">Schlacht von Salamis<\/a> diskutieren.) Es hat auch im r\u00f6mischen Reich zum Beispiel immer wieder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Epidemien_und_Pandemien\">Seuchen<\/a> gegeben wie etwa die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antoninische_Pest\">Antoninische Pest<\/a>; aber die haben den Lauf der Geschichte nicht wesentlich ge\u00e4ndert, obwohl die Pandemie vermutlich mindestens 20 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung ausl\u00f6schte. Auch die Pest im 14 Jahrhundert und der 30-j\u00e4hrige Krieg haben die Produktionsverh\u00e4ltnisse nicht umgew\u00e4lzt. (Das gilt auch f\u00fcr &#8222;Klima\u00e4nderungen&#8220; oder Vulkanausbr\u00fcche.)<\/p>\n<table body=\"\" bgcolor=\"#DCDCDC\" text=\"#FFFFFF\" link=\"#FF9966\" vlink=\"#FF9966\" alink=\"#FFFFFF\" border=\"0\" width=\"480\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<i>An drei Orten kann das r\u00f6mische Volk am meisten sein Urteil und seinen Willen bez\u00fcglich der Res publica \u00e4u\u00dfern: bei den Informationsveranstaltungen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Contio\">contiones<\/a>), bei den Stimmversammlungen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Comitia\">comitia<\/a>) sowie bei den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludi_publici\">ludi<\/a> und bei Gladiatorendarbietungen.<\/i> (Marcus Tullius Cicero: <a href=\"http:\/\/www-gewi.uni-graz.at\/spectatores\/entry?id=111&amp;action=detail\">Pro Sestio<\/a> (56 v. Chr.)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lateinisch ist hier viel k\u00fcrzer und eleganter: <i>Etenim tribus locis significari maxime de re publica populi Romani iudicium ac voluntas potest, contione, comitiis, ludorum gladiatorumque consessu.<\/i><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table body=\"\" bgcolor=\"#ffffff\" text=\"#FFFFFF\" link=\"#FF9966\" vlink=\"#FF9966\" alink=\"#FFFFFF\" border=\"0\" width=\"480\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p align=\"left\">\n2. Ich fragte mich selbst: <b>&#8222;Republik&#8220; oder &#8222;Milit\u00e4rdiktatur&#8220; \u2013 sind das nur zwei Formen derselben Herrschaft<\/b>, wie auch die &#8222;Demokratie&#8220; und der &#8222;Faschismus&#8220; beide Formen der Klassenherrschaft im Kapitalismus sind?<\/p>\n<p>Die Antwort ist eindeutig <b>ja<\/b>! Fraig schreibt: &#8222;Die r\u00f6mische Republik ist untergegangen, weil die politischen Institutionen zusehends wehrloser wurden gegen die Konzentration riesiger Machtpotentiale in den H\u00e4nden einzelner Nobiles. (&#8230;) Im Rom lie\u00dfen sich \u00f6konomische Ressourcen m\u00fchelos in soziale Macht verwandeln, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patronat_(R%C3%B6mer)\">Klientelsystem<\/a> eignete sich daf\u00fcr bestens. Wo aber machten r\u00f6mische Aristokraten ihre gr\u00f6\u00dften \u00f6konomischen Gewinne? Nicht in der Landwirtschaft und nicht im Handel, sondern bei der Verwaltung von Provinzen und im Kriege. Die Kriegsbeute war erheblicher als die Gewinne, die ein Statthalter normalerweise aus seiner Provinz herauszog. Mit ihr erwarb der Feldherr schlagartig Reicht\u00fcmer in einem solchen Umfang, dass andere Senatoren keine Chance hatte, durch eine allm\u00e4hliche Optimierung ihrer landwirtschaftlichen Einkommen den Vorsprung aufzuholen.&#8220;<\/p>\n<p>Je weiter der r\u00f6mische Imperialismus sich ausdehnte, um so mehr untergrub er also die Basis der traditionell herrschenden Klasse der Senatoren. Der Senat verlor die Kontrolle \u00fcber den Staat, aber nicht zugunsten der Plebs &#8211; sein klassischer Gegenpart in den Fr\u00fchzeiten der Republik. &#8222;Als die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse sich zuungunsten des aristokratischen Leitungsgremiums verschoben, profitierten vielmehr herausragende Adlige, die riesige Ressourcen ansammelten , wie z. B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gaius_Marius\">Marius<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lucius_Cornelius_Sulla_Felix\">Sulla<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gnaeus_Pompeius_Magnus\">Pompeius<\/a> und Caesar&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Die Herrschaft eines Imperators (also de facto eine Milit\u00e4rdiktatur) ist daher die effektivste Form der Klassenherrschaft der r\u00f6mischen Sklavenhaltergesellschaft und musste zwangsl\u00e4ufig irgendwann eintreten &#8211; eine Republik ist eher eine &#8222;Ausnahme&#8220;. Nach der Lekt\u00fcre Flaigs, dessen Ansatz und zentrale Thesen ich hier gar nicht analysieren kann, habe ich den Eindruck, dass die Republik nur eine Art N\u00e4hrboden war &#8211; von einer urspr\u00fcnglich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6mische_K%C3%B6nigszeit\">tribalistischen<\/a> Bauernrepublik bis hin zur Milit\u00e4rdiktatur mit massenhafter Versklavung von Kriegsgefangenen und Schuldnern und deren Einsatz in der Produktion.<\/p>\n<p>In der marxistischen Diskussion wurde vereinzelt auch die Frage gestellt, ob die antike Sklavenhaltergesellschaft zwangsl\u00e4ufig erforderlich sei als Vorstufe des Feudalismus, oder ob sich feudale Gesellschaften auch ohne diese &#8222;Vorstufe&#8220; zum Kapitalismus entwickelten k\u00f6nnten? Daraus folgt die Frage, ob die Tatsache, dass der Kapitalismus sich zuerst in Mitteleuropa entwickelt habe, kein historischer &#8222;Vorsprung&#8220; war und auch kein Vorteil in Richtung Sozialismus? Man sieht nat\u00fcrlich heute, dass die Annahme, der Sozialismus w\u00fcrde eben darum zuerst in Europa siegen, falsch war.<\/p>\n<p>Mein Argument, nur als Arbeitshypothese: Die Sklavenhaltergesellschaft des r\u00f6mischen Reiches schuf die &#8222;besten&#8220; Voraussetzungen f\u00fcr den Ruin der kleinb\u00e4uerlichen Landwirtschaft und somit f\u00fcr deren Abh\u00e4ngigkeit vom Grundherrn &#8211; die Basis des entwickelten Feudalismus. (Man m\u00fcsste das anhand der chinesischen Geschichte verifizieren oder falsifizieren &#8211; da kenne ich mich aber zu wenig aus.)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2021\/01\/020121_1.jpg\" alt=\"gladiatoren\" border=\"0\" \"hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><br \/>\n<sup>Gladiatorendarstellung auf einem Mosaik in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leptis_Magna\">Leptis Magna<\/a>, heutiges Libyen, etwa 80 bis 100 n. Chr.<\/sup><\/p>\n<p>Noch ein Detail &#8211; ich musste meine Meinung zu den Gladiatoren \u00e4ndern. Flaigs These: Die Spiele und die K\u00e4mpfe der Gladiatoren hatten rituellen und einen politischen Charakter. Spiele waren ein Barometer, das die aktuelle Popularit\u00e4t der Senatoren anzeigte. Sie waren genauso wichtig wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Contio\">contiones<\/a> und die Stimmversammlungen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Comitia\">comitia<\/a>. Die Gladiatoren galten als <i>exemplum<\/i> r\u00f6mischen Verhaltens &#8211; die sozialen Regeln wurden durch eine Art Referenzkultur einge\u00fcbt und durchgesetzt (der Vergleich mit dem britischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Common_Law\">Common Law<\/a> liegt nahe).<\/p>\n<p>&#8222;Die Verfemten und Ausgesto\u00dfenen fungierten als lebendige <a href=\"https:\/\/www.enzyklo.de\/Begriff\/mnemisch\">mnemische<\/a> Zeichen, Eben die Verfemten, deren Leben eigentlich verwirkt war, f\u00fchren nun ein Verhalten vor, das von r\u00f6mischen Werten gesteuert wurde, von Disziplin, Technik, Gehorsam und Todesverachtung. Ausgesto\u00dfene und Kriminelle inszenierten r\u00f6mische Werte, choreografierten r\u00f6mische Tugenden. (&#8230;) Tierk\u00e4mpfe (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tierhetzen_im_R%C3%B6mischen_Reich\">venationes<\/a>) Hinrichtungen und Gladiatorenk\u00e4mpfe wurden wahrscheinlich erst am Ende der Republik zu einem kanonischen Ensemble kombiniert, in welchem &#8211; nach Tageszeichen geschieden, die r\u00f6mische Ordnung sich darstellt. Morgens bei der Tierhatz als siegreicher Kampf der Kultur gegen die Natur, mittags bei den Hinrichtungen als schonungslose Ausmerzung der nicht integrierbaren Feinde, diese Ordnung nach nachmittags bei der Gladiatur als disziplinierender Rahmen, innerhalb dessen Verfemt und Ge\u00e4chtete eine Chance hatte, unter Einsatz ihres Lebens sich vor einer versammelten \u00d6ffentlichkeit zu bew\u00e4hren.&#8220;<\/p>\n<p>Die historische Realit\u00e4t war &#8211; wen wundert&#8217;s &#8211; anders als in ausnahmslos allen Gladiatorenfilmen: Die meisten Gladiatoren \u00fcberlebten die K\u00e4mpfe, obwohl manche fast nie siegten. &#8222;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/2728300100\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=2728300100&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=f8b57e93dbb5d31247d6b2f52eaaa688\" rel=\"noopener\">Georges Ville<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=2728300100\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"\/> hat gesch\u00e4tzt, dass im ersten Jahrhundert ein Gladiator pro Kampf im Durchschnitt eine 80-prozentige Chance hatte, zu \u00fcberleben, allerdings verschlechterten sieh die Chancen im dritten Jahrhundert, wo sie durchschnittlich nur noch 50% betrug.&#8220; Es gibt keinerlei Hinweise oder Quellen, dass das Publikum jemals unterschiedlicher Meinung gewesen ist, ob ein Besiegter begnadigt wurde oder nicht &#8211; das ist merkw\u00fcrdig und muss erkl\u00e4rt werden: &#8222;&#8230;die r\u00f6mische Plebs verf\u00fcgte \u00fcber keine Organe und kein Forum, wo sie ihren politischen Willen in einem institutionalisierten Kommunikationsprozess h\u00e4tte bilden k\u00f6nnen. Doch im Amphitheater konnte sie das tun.&#8220; Es war also das Gegenteil der Comitien: &#8222;Dort legte der Magistrat eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rogatio\">rogatio<\/a> vor, das Volk stimmte zu und f\u00fchre mit der Zustimmung ein <i>iussum populi<ii>, einen Volksbeschluss herbei; im Amphitheater richtete das Volk seine Bitte an den Spielgeber (&#8230;), das Volk stellt mit dieser Bitte einen Antrag, eine <i>rogatio<\/i>, an den Spielgeber; der stimmte normalerweise zu&#8230;&#8220; Der Spielgeber musste best\u00e4tigen, dass er mit den Grundwerten der r\u00f6mischen B\u00fcrger \u00fcbereinstimmte.<\/ii><\/i><\/p>\n<p>Das Ritual \u00e4nderte sich nat\u00fcrlich im Lauf der Jahrhunderte. Caesar zum Beispiel befahl, dass besiegte Gladiatoren schlicht die Arena zu verlassen hatten, auch wenn das Volk deren Tod wollte &#8211; er sparte sie f\u00fcr weitere K\u00e4mpfe auf. Wie wichtig das Ritual des Gladiatorenkampfes war, beweist, dass Augustus ein Gesetz erlie\u00df, das K\u00e4mpfe verbot, die keine Begnadigung (<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/fussball-wm-2006\/stars-stories\/interview-der-gladiator-richtete-seinen-daumen-gegen-die-kehle-1329900.html\">missio<\/a>)  vorsahen. Die Senatoren k\u00e4mpfen auch verbittert dagegen, dass Adlige als Gladiatoren auftraten. Kaiser Tiberius erlie\u00df sogar ein Gesetz, dass daf\u00fcr die Todesstrafe vorsah, auch f\u00fcr die Verwandten des Adligen, der es \u00fcbertreten hatte. Flaig spricht von einem &#8222;Kulturkampf&#8220; in Rom gegen die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agon_(Wettstreit)\">Hellenisierung<\/a> der Gladiatorenk\u00e4mpfe. Nur Kaiser Nero sah das anders, er gestaltete &#8222;&#8230;.gezielt den sozialen Rahmen de Rituals um. Er scheiterte letztlich an der stadtr\u00f6mischen B\u00fcrgerschaft, welche sich den kulturellen Zumutungen des Kaisers erbittert widersetzte. Der Kampf um die politische Symbolik der r\u00f6mischen <i>ludi<\/i> endete mit einer totalen Niederlage der Hellenisierer.&#8220;<\/p>\n<p>Die Gladiatorenk\u00e4mpfe nahmen erst in der sp\u00e4ten Kaiserzeit ab; die B\u00fcrger des Reiches hatten zunehmend Angst um ihre zivile und politische Sicherheit, &#8222;so wurde ihnen der \u00f6ffentlich inszenierte t\u00f6dliche Kampf inmitten einer befriedeten Gesellschaft immer unzumutbarer.&#8220; Das Christentum gab den Gladiatoren und auch den Tierk\u00e4mpfen den Rest.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43120?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43120?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_43120 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_43120')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_43120').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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