{"id":428,"date":"2008-04-06T12:36:35","date_gmt":"2008-04-06T11:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/04\/06\/neonazis-zu-blod-zum-bloggen-2\/"},"modified":"2008-05-02T18:08:22","modified_gmt":"2008-05-02T17:08:22","slug":"neonazis-zu-blod-zum-bloggen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/04\/06\/neonazis-zu-blod-zum-bloggen-2","title":{"rendered":"Neonazis &#8211; zu bl\u00f6d zum Bloggen"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Artikel von mir erschien am 30.03.2008 in der <a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/internet\/internet\/956877.html\">Netzeitung<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Neonazis im Internet &#8211; gibt es die noch? Ja und nein: Die ultrarechte Szene hat ihre Auftritte im World Wide Web professionalisiert. Parallel dazu wird es f\u00fcr Rechtsextremisten immer schwieriger, ihre Weltanschauung an den Surfer zu bringen. Wenn es im Web 2.0 interaktiv wird, versagen die braunen Kameraden j\u00e4mmerlich.<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten beiden Nazis im Netz waren US-Amerikaner. <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Milton_Kleim\">Milton John Kleim<\/a> gr\u00fcndete 1993 das Ein-Mann-Unternehmen &#8222;Aryan News Agency&#8220; und versuchte die braunen Kameraden zu lehren, wie man online Hass-Propaganda macht. Sein <a href=\"http:\/\/groups.google.com\/group\/rec.radio.shortwave\/browse_thread\/thread\/61eb5d4b0fa22166\/bf9751be187839f0?lnk=st&#038;q=On+Tactics+and+Strategy+for+Usenet#bf9751be187839f0\">Traktat <\/a> &#8222;On Tactics and Strategy for Usenet&#8220; verbreitete er im \u00e4ltesten Teil des Internet, in den Diskussionsforen (&#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Usenet\">newsgroups<\/a>&#8222;), weil noch kaum jemand das Word Wide Web benutzte. Zwei Jahre sp\u00e4ter brachte Don Black <a href=\"http:\/\/www.stormfront.org\/\">stormfront.org<\/a> ins Netz, die erste Nazi-Website, die bis heute online ist. Die deutschen Rechtsextremisten hatten derweil aufs falsche Pferd gesetzt: Die NPD versuchte damals, per <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bildschirmtext\">Bildschirmtext<\/a> (BTX) zu werben; und die militante Szene setzen auf das technisch veraltete <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bulletin_Board_System\">Bulletin Board System<\/a>. Zwar ging das <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/neonazis-und-computernetze\/\">Thule-Netz<\/a> mit den \u00fcblichen Schlagworten &#8222;<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/rechtsradikale-nationales-netz_aid_141933.html\">Bombenbauanleitungen<\/a>&#8222;, &#8222;verschl\u00fcsselte Kommunikation&#8220;, &#8222;gef\u00e4hrliche Propaganda&#8220; durch alle Medien; in den ein Dutzend Mailboxen diskutierten aber nie mehr als Hundert Ultrarechte. Die rechten Mailboxen starben vor \u00fcber einem Jahrzehnt einfach aus.<\/p>\n<p align=left><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/04\/060408_9gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/04\/060408_9kl.jpg\" alt=\"Deutsche Stimme\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left>Heute gibt es in Deutschland immer noch nicht mehr Aktivisten, die Rassismus und Antisemitismus im Internet verbreiten. Eine allgemeine Online-Strategie der Neonazis ist nicht zu erkennen. Die Wahlerfolge der NPD in einigen Regionen der neuen Bundesl\u00e4nder spiegeln sich nicht wieder: Weder hat die Zahl der Websites rechtsextremer Gruppen zugenommen noch nutzen sie das Medien zeitgem\u00e4\u00df, um Propaganda zu betreiben. Die Fluktuation ist hoch, kaum eine eine rechtsextreme Diskusisonsplattform ist \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit und kontinuierlich online. Nur ein halbes Dutzend Websites aus dem ultrarechten Milieu, die relevante Nutzerzahlen vorweisen k\u00f6nnen, muss politisch ernst genommen werden. Mit Ausnahme der NPD wird keine davon in Deutschland gehostet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.altermedia.info\">Altermedia.info<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.widerstand.info\/\">widerstand.info<\/a> (&#8222;das nationale Infoportal&#8220;) sind die beiden einflussreichsten Neonazi-Websites. Sie wenden sind an die &#8222;unabh\u00e4ngigen&#8220; und militanten Gruppen, die so genannten &#8222;freien Kr\u00e4fte&#8220;, die im Gegensatz zur offiziellen Parteilinie der NPD stehen. Der Stralsunder Neonazi Alex M\u00f6ller, Betreiber von <a href=\"http:\/\/www.stoertebeker.net\/\">stoertebeker.net<\/a>, beliefert auch die deutsche Sektion von Altermedia. M\u00f6ller ist so gut wie mit allen braunen &#8222;Kameraden&#8220; zerstritten &#8211; das macht ihn &#8222;unabh\u00e4ngig&#8220;. Sowohl &#8222;Altermedia&#8220; als auch der &#8222;Freie Widerstand&#8220; bieten eine Art t\u00e4gliche Presseschau und leben davon, Artikel aus den Medien einschl\u00e4gig kommentiert aufzubereiten. Altermedia war als eine rechtsextreme Version von Indymedia geplant, verh\u00e4lt sich aber von der Meinungsvielfalt der Kommentare wie das DDR-Staatsfernsehen zum Offenen Kanal.<\/p>\n<p>Auch im Internet gelten die Gesetze des freien Marktes f\u00fcr Meinungen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Die NPD verbreitet online nur Propaganda im Frontalunterricht, vor den typischen Features der Interaktivit\u00e4t wie Foren, Kommentare und anderen Meinungen f\u00fcrchtet man sich &#8211; nach dem Motto: Wo k\u00e4men wir denn hin, wenn bei uns Fremde schreiben d\u00fcrften. Nazis k\u00f6nnen einfach nicht bloggen. Die Websites der NPD und die der &#8222;freien Kameradschaften&#8220; verbreiten Vorurteile und mehr oder minder subtile Hetze. Dagegen helfen Argumente nichts. Das Web 2.0 lebt aber von der \u00f6ffentlichen Diskussion, von deftigen Kommentaren, ja von unterhaltsamen verbalen Kriegen &#8211; den so genannten &#8222;flame wars&#8220;. <\/p>\n<p align=left><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/04\/060408_10gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/04\/060408_10kl.jpg\" alt=\"Deutsche Stimme\" border=\"0\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left>Private &#8222;Weltnetz-Tageb\u00fccher&#8220; aus der rechtsextremen Ecke gibt es nicht: Wer interessiert sich daf\u00fcr, ob jemand heute schon das braune Hemd gewechselt hat oder f\u00fcr das ewige Jammern \u00fcber den angeblichen gro\u00dfen Einfluss der Juden? Neonazis stehen politisch und \u00e4sthetisch in direkter Konkurrenz zu zahllosen anderen Websites: Die Gegenmeinung ist immer nur einen Mausklick entfernt. Die Rechtsextremen laufen in die virtuelle Konsum-Falle: Wollen sie so interessant sein wie andere Angebote im Netz, m\u00fcssten sie auf direkte politische Indoktrination verzichten und damit ihre &#8222;corporate identity&#8220; verw\u00e4ssern. Das machte sie aber unattraktiv f\u00fcr die eigentliche Klientel.<\/p>\n<p>Die gut besuchten rechten Websites wie der deutsche &#8222;<a href=\"http:\/\/www.wikingerversand.de\/\">Wikingerversand<\/a>&#8220; oder die englische &#8222;<a href=\"http:\/\/www.skrewdriver.net\/\">Blood and Honour<\/a>&#8220; wollen zumeist etwas verkaufen, Musik, Kleidung, einschl\u00e4gige Devotionalien. Wer sich aber f\u00fcr Nazi-Film-DVDs wie das antisemitische Machwerk &#8222;<a href=\"http:\/\/video.google.com\/videoplay?docid=-5849499994484879153\">Der ewige Jude<\/a>&#8220; oder &#8222;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jud_S%C3%BC%C3%9F\">Jud S\u00fc\u00df<\/a>&#8220; online interessiert oder sich beim ultrarechten Zeitzer Online-Shop <a href=\"http:\/\/www.onlineverweise.de\/index2.html\">Enos<\/a> \u00fcber die Reichsflugscheiben &#8222;aufkl\u00e4ren&#8220; lassen will, dem ist vermulich ohnehin weltanschaulich nicht mehr zu helfen.<\/p>\n<p>Das Internet l\u00e4sst gut gemeinte Zensur-Versuche nat\u00fcrlich ins Leere laufen: Stormfront.org wird in Nordrhein-Westfalen <a href=\"http:\/\/odem.org\/informationsfreiheit\/\">ausgefiltert<\/a>; mit ein paar Mausklicks kann man aber diese primitive Methode umgehen, dem Guten, Sch\u00f6nen und Wahren zum Erfolg verhelfen zu wollen. So dumm, wie sich Rechtsextreme im Internet anstellen, gerieren sich leider auch oft ihre Gegner. Der <a href=\"http:\/\/www.nazis-raus-aus-dem-internet.de\/\">naive Ruf<\/a> &#8222;Nazis raus aus dem Internet&#8220; mag das Gewissen beruhigen, ist aber ungef\u00e4hr so effektiv wie die moraltheologische Forderung, das B\u00f6se doch endlich aus der Welt zu schaffen. &#8222;Wir d\u00fcrfen unsere Meinung hier nicht verbreiten&#8220; ist das einzig wirklich gef\u00e4hrliche Argument der deutschen Neonazis. Es fu\u00dft auf der Tatsache, dass nationale Gesetze im Internet ins Leere laufen, wenn es um &#8211; wenn auch eklige &#8211; politische Ideen geht. Wer unappetitliche braune Br\u00fche essen mag, der wird das tun &#8211; offline wie online.<\/p>\n<p><em>Screenshots: Deutsche Stimme (NPD), Bildschirmtext 1995 und Website 2008<\/em><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/428?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/428?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_428 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_428')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_428').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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