{"id":42254,"date":"2020-11-05T19:52:18","date_gmt":"2020-11-05T18:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=42254"},"modified":"2025-05-08T12:07:14","modified_gmt":"2025-05-08T10:07:14","slug":"doppeldenk-oder-die-politische-macht-kommt-aus-den-legionen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/11\/05\/doppeldenk-oder-die-politische-macht-kommt-aus-den-legionen-teil-1","title":{"rendered":"Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil 1]"},"content":{"rendered":"<p><i>Pl\u00f6tzlich ist das Thema aktuell: Wenn nicht geregelt worden ist, wie die Macht an den jeweils nachfolgenden Vertreter der herrschenden Klasse \u00fcbergeben wird, ist alles m\u00f6glich.<\/i> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/09\/030920_1.jpg\" alt=\"prinzipat\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" align=\"right\" width=\"240\"\/><\/p>\n<p>Ich hatte eine Rezension des ganz hervorragenden Buchs von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Armin_Eich\">Armin Eich<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406720226\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3406720226&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=f351b0e2f454e0850018d012a4345399\" rel=\"noopener noreferrer\">Die r\u00f6mische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3406720226\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"\/> hier schon <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/09\/07\/meine-aktuellen-annalen\">angek\u00fcndigt<\/a>. Vorab sei den Nachgeborenen aber erkl\u00e4rt, warum man sich mit so einem exotischen Thema besch\u00e4ftigen sollte bzw. muss.<\/p>\n<p><b>Erstens<\/b> ist das Buch ein gut lesbares Standardwerk und insofern einzigartig, weil es die \u00f6konomischen Grundlagen der Macht im antiken Rom dokumentiert, was sonst nirgendwo so analysiert wird. Wer sich so, wie ich, f\u00fcr die Sklavenaufst\u00e4nde der Antike interessiert, muss auch wissen, wie die \u00d6konomie der Herrschaft funktioniert.<\/p>\n<p><b>Zweitens<\/b>: Weil bei dem Thema auch gleich viele andere Fragen folgen, als da zum Beispiel w\u00e4ren: Warum w\u00e4hlten die herrschenden Klassen Roms eine Gesellschaftsform, die dazu f\u00fchrte, dass eben die, die daraus Vorteile zogen, sich ununterbrochen gegenseitig massakrierten &#8211; also nicht nur w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6mische_B%C3%BCrgerkriege\">B\u00fcrgerkriege<\/a> <i>vor<\/i> dem fr\u00fcher so genannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prinzipat\">Prinzipat<\/a> bzw. des Augustus, sondern auch danach? Ist das nicht unpraktisch oder gar &#8222;masochistisch&#8220;? Ging es nicht anders, und warum nicht? Warum ist das im Kapitalismus anders?<\/p>\n<table body=\"\" bgcolor=\"#DCDCDC\" text=\"#FFFFFF\" link=\"#FF9966\" vlink=\"#FF9966\" alink=\"#FFFFFF\" border=\"0\" width=\"480\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<b>Exkurs<\/b>:<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> Wer die &#8222;Klassiker&#8220; des Marxismus als ewige Wahrheit nutzt und nur deren heilige B\u00fccher zitiert, ist dumm und w\u00fcrde von Marx ausgelacht. Marx&#8216; Kenntnisse der &#8222;Sklavenhaltergesellschaft&#8220; fu\u00dften weniger auf antiken Quellen, sondern auf oft falschen Analogien, die er aus der US-amerikanischen Sklaverei in den S\u00fcdstaaten zog. [Dazu gibt es ein hervorragendes Buch von Wilhelm Backhaus: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3590181036\/\/\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder&#038;th=1\">Marx, Engels und die Sklaverei. Zur \u00f6konomischen Problematik der Unfreiheit<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> Auch Friedrich Engels lag meines Erachtens falsch, wenn er in <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me21\/me21_152.htm\">Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates<\/a> schrieb: &#8222;So war der antike Staat vor allem Staat der Sklavenbesitzer zur Niederhaltung der Sklaven&#8230;&#8220; So einfach ist es nicht, zumal es &#8222;den antiken Staat&#8220; rund 800 Jahre lang gab, aber keineswegs zwingend und immer eine Dominanz einer Wirtschaftsform, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sklaverei_im_R%C3%B6mischen_Reich#Entwicklung_der_Sklaverei\">auf der Arbeit von Sklaven<\/a> beruhte. Man muss aber zugeben, dass sogar die \u00e4rmsten r\u00f6mischen B\u00fcrger sich einen oder zwei Sklaven leisten konnte. Sie hatten damit ein gemeinsames Interesse mit ihren Klassengegnern, dern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Latifundium\">gro\u00dfen Grundbesitzer\u0144<\/a>, die die kleinen Bauern ruinierten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zu <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/11\/02\/spartacus-revisited\">Spartacus<\/a> und den Sklavenaufst\u00e4nden hatten einige marxistische Historiker die These aufgestellt, dass der Wechsel von der Republik zur &#8222;Kaiserzeit&#8220; von den Herrschenden unter anderem als Option gew\u00e4hlt wurde, weil sie Angst vor weiteren Aufst\u00e4nden gehabt h\u00e4tten und eine \u00d6konomie, die massenhaft auf Sklavenarbeit beruht, nicht mehr effizient genug gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ich schrieb: Man k\u00f6nnte die These aufstellen, dass der Wandel des &#8222;\u00dcberbaus&#8220; von der Republik zur Diktatur des Kaiserreichs vor allem durch den Klassenkampf der Sklaven verursacht wurde. Die These halte ich bis jetzt f\u00fcr ziemlich wackelig und nicht verifiziert, zumal noch andere Klassen mitmischten &#8211; freie Bauern etwa und verschiedenen Fraktionen der Herrschenden, zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eques\">eques Romanus<\/a>, die jeweils gegens\u00e4tzliche Interessen hatten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/11\/051120_1.jpg\" alt=\"r\u00f6mische Legion\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><br \/>\n<sup>R\u00f6mische Legion auf dem Marsch (aus &#8222;Ben Hur&#8220;)<\/sup><\/p>\n<p>Um 29 v.u.Z. endet die Phase der B\u00fcrgerkriege, die zwei Jahrzehnte gedauert hatte. Gaius Octavius, sp\u00e4ter: &#8222;Kaiser&#8220; Augustus, war als Sieger aus dem Gemetzel hervorgegangen. Als Gro\u00dfneffe des legend\u00e4ren Julius Caesar hatte er Anspruch auf dessen riesiges Privatverm\u00f6gen. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6mische_Republik\">R\u00f6mische Republik<\/a> endete nach rund 400 Jahren; jetzt begann das so genannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prinzipat\">Prinzipat<\/a>. Das ist aber nichts anderes als eine Milit\u00e4rdiktatur: Die Machtbasis des Imperators ruhte nicht mehr auf der Legitimation durch <i>Senatus Populusque Romanus<\/i>, sondern auf der Armee.<\/p>\n<p>Frage: &#8222;Republik&#8220; oder &#8222;Milit\u00e4rdiktatur&#8220; &#8211; sind das nur zwei Formen derselben Herrschaft, wie auch die &#8222;Demokratie&#8220; und der &#8222;Faschismus&#8220; beide Formen der Klassenherrschaft im Kapitalismus sind?<\/p>\n<p>Die Republik hatte weitgehend nach einer Art Gewohnheitsrecht funktioniert. Die herrschende Klasse der Senatoren- und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eques\">Ritter<\/a>familien definierte sich \u00fcber den (Grund)Besitz und kungelte die \u00c4mter unter sich aus, mit denen man <a href=\"http:\/\/www.imperiumromanum.com\/wirtschaft\/geld\/steuern_erhebung_01.htm\">reich werden konnte<\/a>. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Plebejer\">Plebejer<\/a>, vor allem Handwerker und Bauern, hatte in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gaius_Sempronius_Gracchus\">zum Teil blutigen<\/a> und ebenso vier Jahrhunderte dauernden Klassenk\u00e4mpfen gewisse Rechte erreicht; ihre Volkstribune waren zum Beispiel &#8222;Beamte&#8220; des Staates. Es gab in der Republik keine Berufsarmee.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend der B\u00fcrgerkriege waren aber die Soldaten auf die jeweiligen Befehlshaber eingeschworen worden. Der sp\u00e4tere Alleinherrscher Augustus st\u00fctzte sich hierauf: <i>Doch Gaius Octavius hatte niemals Skrupel, eben diese urw\u00fcchsige Treue der &#8222;caesarischen&#8220; Soldaten zur Eroberung einer milit\u00e4risch abgesicherten Machtposition zu nutzen. Diese Veteranen hatten zudem in ersten Linie von den Vertreibungen und Enteignungen im Italien der 50er und 30er Jahre profitiert, so dass ein Band des Komplizentums den jungen Kriegsherrn und seine bewaffneten Leute aneinanderkn\u00fcpfte. Im Falle seines Sturzes h\u00e4tten die Veteranen ihren Raub kaum behaupten k\u00f6nnen.<\/i><\/p>\n<p>Die Senatoren h\u00e4tten die faktische Alleinherrschaft des Augustus nur um den Preis des erneuten B\u00fcrgerkriegs in Frage stellen k\u00f6nnen. Sie mussten das Spiel mitspielen, dass die Institutionen der Republik, die einstige Basis ihrer Klassenherrschaft, pro forma erhalten blieben, aber so ausgeh\u00f6hlt wurden, dass man noch nicht einmal von einer &#8222;Mitbestimmung&#8220; reden konnte. Der neue <i>Prinzeps<\/i> legitimierte sich in Zukunft durch eine Art Notstandsrecht, das die Senatoren selbst vorschlagen mussten. Er durfte gegen alles, was der Senat vorschlug, sein Veto einlegen. Armin Eich schreibt s\u00fcffisant: <i>Da nur wenige Monate zuvor die allgemeine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pax_Romana\">Befriedung<\/a> (..) mit gro\u00dfem Aufwand gefeiert worden war, war die Begr\u00fcndung f\u00fcr den Staatsnotstand, der jetzt verk\u00fcndet werden sollte, eine semantisch anspruchsvolle Aufgabe. (&#8230;) Die Notstandsfiktion gab hingegen Gelegenheit, B\u00fcrger und Untertanen an das &#8222;Doppeldenken&#8220; der neuen Zeit zu gew\u00f6hnen: Augustus war zur selben Zeit Friedensherrscher und erfolgreicher Feldherr an zahlreichen Fronten&#8230;<\/i><\/p>\n<p>Augustus erhielt durch diesen &#8222;Notstand&#8220; zahlreiche Provinzen als <i>besonderen Kommandobereich<\/i>. Dort sollte er f\u00fcr Frieden sorgen &#8211; &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; waren in diesen Provinzen auch die kampfkr\u00e4ftigsten und meisten Legionen stationiert. Und &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; w\u00e4hlte der neue Herrscher auch pers\u00f6nlich die Gouverneure aus &#8211; also die, die die Steuern dort eintrieben. <i>&#8222;De jure&#8220; h\u00e4tte ihm der Senat die Soldauszahlungen sperren k\u00f6nnen.<\/i> De facto war das jetzt irrelevant, weil Augustus die Soldaten zun\u00e4chst selbst finanzieren konnte, die er brauchte, um die ehemalige herrschende Klasse in Schach zu halten. Die zeigte zwar, wie Eich das ausdr\u00fcckt, <i>eine gewissen Renitenz<\/i>, blieb aber passiv: F\u00fcr manche \u00c4mter gab es gar keine Bewerber mehr, die traditionelle Oberschicht ging kaum noch Ehen ein; viele hatte keine Kinder mehr. Der Diktator verbot daher die Ehelosigkeit, und wer keine Kinder zeugte, wurde systematisch benachteiligt. Alle B\u00fcrger wurden zudem per Gesetz verpflichtet, alle zu denunzieren, die sich illoyal gegen\u00fcber dem neuen Herrscher verhielten oder sich abf\u00e4llig \u00e4u\u00dferten.<\/p>\n<p>Interessant wird es, wenn man die materiellen Grundlagen untersucht, die dem Wechsel von der Republik zur Alleinherrschaft einer Person zugrunde liegen. In Wahrheit herrschte der Imperator nicht &#8222;allein&#8220;; das System funktionierte nur, wenn es im Interesse aller herrschenden Klassen war. Wer aber war das jetzt?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/medium.com\/@voshart\/photoreal-roman-emperor-project-236be7f06c8f\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/10\/161020_3kl.jpg\" alt=\"r\u00f6mische Kaiser\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><br \/>\n<sup>Credits: <a href=\"https:\/\/medium.com\/@voshart\/photoreal-roman-emperor-project-236be7f06c8f\">Daniel Voshart\/medium.com<\/a>: Photoreal Roman Emperor Project<\/sup><\/p>\n<p>Der r\u00f6mische Historiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cassius_Dio\">Cassius Dio<\/a> hat das h\u00fcbsch auf den Punkt gebracht:<br \/>\n<i>Ich rate [dir,] der Unversch\u00e4mtheit der Massen Einhalt [zu] gebieten und die Leitung der Staatsgesch\u00e4fte in deine eigenen H\u00e4nde und die der Besten [zu] legen, damit die n\u00f6tigen \u00dcberlegungen von den verst\u00e4ndigsten M\u00e4nnern angestellt werden und die t\u00fcchtigsten M\u00e4nner die F\u00fchrungspositionen wahrnehmen, w\u00e4hrend der S\u00f6ldnerdienst in der Armee den kr\u00e4ftigsten, dabei wirtschaftlich schw\u00e4chsten B\u00fcrgern \u00fcberlassen bleibt. Denn auf solche Weise erledigen die einzelnen Klassen eifrig die ihnen jeweils zufallenden Aufgaben.<\/i> (R\u00f6mische Geschichte, Buch 52)<\/p>\n<p>Hunderttausende r\u00f6mischer B\u00fcrger waren bereit, unter F\u00fchrung eines <i>Warlords<\/i> f\u00fcr Beute und den sozialen Aufstieg zu k\u00e4mpfen. Sie waren der Rohstoff f\u00fcr Umst\u00fcrze, der sp\u00e4ter von den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Soldatenkaiser\">Soldatenkaisern<\/a> genau so instrumentalisiert wurden. Die Armee machte die bisherigen Klassenschranken durchl\u00e4ssiger, verpflichtete aber den jeweiligen <i>Prinzeps<\/i>, den Sold zu zahlen und f\u00fcr Geld und Land zu sorgen, wenn die Soldaten zu Veteranen wurden. Gelang ihm das nicht, drohte <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/24811402?seq=1\">Meuterei<\/a>. <i>Indem junge M\u00e4nner aus \u00e4rmeren Familien zum Milit\u00e4rdienst an die entlegenen Grenzen des Imperiums beordert wurden, wurden potentielle Unruhestifter (dem Kalk\u00fcl zufolge) aus Italien entfernt und zudem durch milit\u00e4rischen Drill diszipliniert.<\/i> Das innenpolitische Gewaltpotential wurde exportiert.<\/p>\n<p>Woher kam das Geld? W\u00e4hrend der Republik hatte der Staat reichlich Einnahmen, aber kaum Ausgaben, weil die Armee de facto eine B\u00fcrgermiliz gewesen war. Augustus lie\u00df zum ersten Mal die Reicht\u00fcmer des Imperiums systematisch erfassen, dazu sogar <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tabularium\">Archive<\/a> bauen. <i>Augustus erw\u00e4hnt in seinem posthum publizierten Rechenschaftsbericht, dass er die zentrale Staatskasse durch Zusch\u00fcsse aus seinem Privatverm\u00f6gen mehrfach vor dem Bankrott retten musste. Wenn aber der reichste Staat der Welt dauerhaft aus einer einzigen Privatkasse finanziell \u00fcber Wasser gehalten wurde, dann war die Finanzlage dieses Staates offenbar nicht befriedigend.<\/i><\/p>\n<p>Man ahnt schon, was jetzt folgt: Die klassische imperialistische Eroberungsstrategie und anschlie\u00dfend die <i>fiskalische Erschlie\u00dfung<\/i> der neuen Territorien. Anders h\u00e4tte das gar nicht funktioniert. Der Imperator war eine &#8222;Charaktermaske&#8220; der neuen Herrschaftsform. S\u00e4mtliche St\u00e4mme rechts des Rheins wurden attackiert und teilweise ausgerottet, sogar wenn sie Rom freundlich gesinnt waren. Auf dem heutigen Balkan wurde der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pannonischer_Aufstand\">pannonische Aufstand<\/a> niedergeschlagen, dazu waren zeitweilig 100.000 Soldaten im Einsatz, ein Drittel der Gesamtst\u00e4rke der r\u00f6mischen Armee. In Afrika r\u00fcckten die Legionen bis in den heutigen Sudan vor. Einer der sp\u00e4teren Imperatoren, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trajan\">Trajan<\/a> eroberte den Staatschatz der Daker: &#8222;Die gewaltige r\u00f6mische Kriegsbeute soll sich auf 50.000 Kriegsgefangene, 500.000 Pfund (165.000 kg) Gold und 1.000.000 Pfund (331.000 kg) Silber belaufen.&#8220; Damit kann man eine Weile &#8222;wirtschaften&#8220;. (Zum Vergleich: Als die Republik 168 v.u.Z. das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_von_Pydna\">makedonische Reich eroberte<\/a>, wurden nach antiken Quellen 700.000 (!) Menschen versklavt.)<\/p>\n<p>Warum Germanien? Bauern, J\u00e4ger und Hirten waren uninteressant, die brachten keine Einnahmen. <i>Um Z\u00f6lle und Tribute an das Imperium abf\u00fchren zu k\u00f6nnen, musste die Bev\u00f6lkerung zun\u00e4chst an die \u00fcberregionalen Geldkreisl\u00e4ufe angeschlossen werden und dann monet\u00e4re \u00dcbersch\u00fcsse erzielen, also einen Teil ihrer Ernten oder handwerklichen Produkte auf lokalen oder sogar \u00fcberregionalen M\u00e4rkten verkaufen. Nicht zuletzt diesem Zweck, n\u00e4mlich der Bereitstellung von Marktpl\u00e4tzen, diente der Ausbau von st\u00e4dtischen Zentren&#8230;<\/i> Die R\u00f6mer wollten also auch ihre <b>Produktionsordnung<\/b> per Gewalt exportieren. In Germanien ging das bekanntlich schief. In Britannien erwies sich das Vorhaben als zu kostspielig, die Besetzung der Britischen Inseln war langfristig ein Zuschussgesch\u00e4ft, weil zu aufw\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Eine der zentralen Thesen Armin Eichs: <i>&#8230;dass die Einnahmen aus dem Imperium in der Ausdehnung der 20er Jahre v. Chr. die Kosten der neuen Berufsarmee nicht deckten und dass Augusts aus diesen Gr\u00fcnden eine systematische Vergr\u00f6\u00dferung des imperialen Territoriums und zugleich dessen intensivere Ausbeutung anstrebte. <\/i><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/10\/281020_1.jpg\" alt=\"roman villa\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><br \/>\n<sup>Antike Darstellung einer r\u00f6mischen &#8222;Villa&#8220;<\/sup><\/p>\n<p>Was genau meint <b>Produktionsordnung<\/b>? Niemand, der alle Sinnen beisammen hat und die wesentlichen Quellen kennt, wird bezweifeln, dass das R\u00f6mische Reich eine &#8222;Sklavenhaltergesellschaft&#8220; war. Das ist aber eine <i>analytische<\/i> \u00f6konomische Kategorie und meint mitnichten eine bestimmte Zeitspanne, die man exakt benennen k\u00f6nnte. In der Kaiserzeit war rund ein Viertel der Bev\u00f6lkerung versklavt. Zum Vergleich: Die Anzahl der Sklaven verhielt sich zu der Anzahl der Freien fast exakt so wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeiter#Statistik\">Anzahl der klassischen Arbeiter heute<\/a> zur Anzahl der anderen Erwerbst\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Armin Eich erkl\u00e4rt die Details im Kapitel &#8222;Die soziale und politische Verfassung&#8220;.  Ein Teil des imperialen Bodens geh\u00f6rte dem Imperator direkt. Der wurde landwirtschaftlich genutzt oder diente dem Gewinnen von Rohstoffen. Auch die Legionen hatten Grundbesitz. Daneben existierten &#8222;Gemeindestaaten&#8220; [wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_Athens#R%C3%B6mische_Zeit_(146_v._Chr.%E2%80%93582_n._Chr.)\">Athen<\/a>], deren Land und Forste ihnen geh\u00f6rte. Der kleinste Teil des Landes war st\u00e4dtischer Boden. Der \u00fcbergro\u00dfe und die \u00d6konomie ma\u00dfgeblich bestimmende Teil des r\u00f6mischen Imperiums bestand aus landwirtschaftlich genutztem Privateigentum.<\/p>\n<p><i>Vor allem im Westen des Imperiums war die vorherrschende Nutzungseinheit die <\/i><b>villa<\/b><i>, ein nach italischem Vorbild gestalteter kombinierter Wohn- und Produktionsbereich, dessen agrarisch genutzte, an den Wohnbereich angrenzende Fl\u00e4chen sich \u00fcber wenige Hektar bis zu deutlich \u00fcber hundert Hektar<\/i> [das sind rund 140 Fu\u00dfballfelder]<i>. Besonders verbreitet waren, jedenfalls im Nordwesten des Reiches, Gr\u00f6\u00dfen zwischen 20 und 120 Hektar. (&#8230;) In den obersten Gesellschaftsklassen war der Besitz mehrerer verstreuter Villen \u00fcblich.<\/i><\/p>\n<p>Meistens wurden diverse <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/De_re_rustica_(Varro)\">landwirtschaftliche Produkte<\/a> angebaut, Oliven, Wein, Getreide, Obst. Manche Latifundien betrieben aber auch reine Monokultur &#8211; wie beim Weizen Siziliens und Nordafrikas oder den Oliven Spaniens. Kleine Bauern arbeiteten wegen der Konkurrenz der Gro\u00dfbetriebe sehr oft am Rand des Bankrotts. Waren sie \u00fcberschuldet oder sahen keine Hoffnung mehr, ihren Betrieb zu halten, wurden sie, vor allem am Ende des Prinzipats, zu von einem Grundbesitzer abh\u00e4ngigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolonat_(Recht)\">P\u00e4chtern<\/a>, eine Vorform der sp\u00e4teren feudalen Leibeigenschaft.<\/p>\n<p><i><b>Die Eigent\u00fcmer der villae waren die dominante soziale Klasse des Imperiums. (&#8230;) Die Gesamtzahl (&#8230;) ist auf etwa 200.000 bis 250.000 Personen gesch\u00e4tzt worden. Diese lokale Grundbesitzeraristokratie profitierte von der Schaffung des imperialen Friedensraumes, der einen weitgehend ungest\u00f6rten Handelsverkehr zwischen weit auseinanderliegenden Regionen erm\u00f6glichte.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Wird fortgesetzt.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42254?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42254?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_42254 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_42254')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_42254').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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