{"id":39964,"date":"2020-04-13T20:34:06","date_gmt":"2020-04-13T18:34:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=39964"},"modified":"2022-11-27T20:55:48","modified_gmt":"2022-11-27T19:55:48","slug":"die-ohren-der-froesche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2020\/04\/13\/die-ohren-der-froesche","title":{"rendered":"Die Ohren der Fr\u00f6sche"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_5kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_9gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_9kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_8gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_8kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_7gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_7kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_1kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_4kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Reise nach Venezuela 1998 &#8211; ich war allein unterwegs &#8211; habe ich kein richtiges Reisetagebuch gef\u00fchrt, sondern nur Notizen gemacht \u00fcber Dinge und Fakten, die ich f\u00fcr meinen Roman <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/die-konquistadoren\">Die Konquistadoren<\/a> brauchte. Der spielt genau da, nur zwischen 1534 und 1539, in der Zeit der Eroberung des Landes durch deutsche und spanische Landsknechte. Die Konquistadoren zogen pl\u00fcndernd und mordend von Coro im Norden nach S\u00fcdwesten, entlang der Anden, endlich \u00fcber den Fluss Arauca weiter ins heutige Kolumbien.<\/p>\n<p>Ich war nach sechs oder sieben Wochen und nach einigen Strapazen in <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/10\/09\/yahoo-in-den-llanos\">Palmarito<\/a> angekommen und von dort nach Amparo an der kolumbianischen Grenze gereist und hatte <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/09\/09\/34941\">meine Recherchen<\/a> so gut wie abgeschlossen. Der Rest der Reise war &#8222;Urlaub&#8220;, wenn man das so nennen kann.<\/p>\n<p>Jetzt wollte ich nach Osten zum zum <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2014\/05\/04\/23127\">Rio Meta<\/a> und zum Orinoco. Dorthin verirrt sich so gut wie nie ein Fremder. (Wie ich zum Rio Apure gelangte, <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2017\/12\/20\/am-rio-wpure\">habe ich hier vor zwei Jahren beschrieben<\/a>.)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/ven_small.jpg\" alt=\"venezuela\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/p>\n<p>In Amparo nahm ich einen Bus nach Elorza. Den (vgl. Foto unten) fand ich recht komfortabel, da ich 1979, 1982 und 1984 entweder per LKW oder Pickup gereist war oder fast immer in Bussen, die ausrangierte Schulbusse waren und f\u00fcr gro\u00dfe Europ\u00e4er daher nicht unbedingt bequem, zudem w\u00e4hrend der Fahrt meistens repariert werden mussten, wenn sie nicht ganz <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/08\/02\/transamazonica\">auseinanderfielen<\/a> (wie 1982 ein Bus auf der brasilianischen Transamazonica). Ich war trotzdem gespannt, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was mich erwartete.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_10gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2020\/04\/130420_10kl.jpg\" alt=\"elorza\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Ich sa\u00df neben einer Schwarzen, die zahllose T\u00fcten und Pakete und noch mehr Krempel um sich gestapelt hatte. Wir kamen nat\u00fcrlich ins Gespr\u00e4ch, weil ich Informationen \u00fcber mein Reiseziel Elorza brauchte. Sie war bestimmt genauso neugierig, sie hatte noch nie einen Deutschen getroffen. Sie sagte mir, ich k\u00f6nne bei ihr im Garten meine H\u00e4ngematte aufh\u00e4ngen, ich m\u00fcsse ihr jetzt nur beim Tragen ihrer Sachen helfen.<\/p>\n<p>So geschah es, es waren nur noch mehr T\u00fcten, als ich gesehen hatte &#8211; sogar ein ziemlich ramponiertes Kinderfahrrad war dabei. Wir kamen an einem Sonntag genau gegen Mittag an, bei gl\u00fchender Hitze. Mein Rucksack damals wog gut zwanzig Kilo und die Dame guckte mich fragend an. Ich lie\u00df mich nicht lumpen und nahm die T\u00fcten, Taschen und was es sonst noch gab, auch das Kinderfahrrad unter den Arm. Wir marschieren frohgemut los.<\/p>\n<p>Elorza ist ein kleines Nest (heute 26.000 Einwohner). Ich dachte, dass es nicht weit sein k\u00f6nne. Das war aber nicht so. Sie wohnte in den &#8222;Slums&#8220; im S\u00fcden des Ortes, einer \u00e4rmlichen Gegend mit roh gemauerten H\u00e4usern, meistens mit Wellblech gedeckt, oft ohne Strom und flie\u00dfend Wasser. Ich wei\u00df nicht mehr, wie lange der Fu\u00dfmarsch war, nur, dass ich fast gestorben w\u00e4re. Ich war so nassgeschwitzt, als w\u00e4re ich in einen Fluss gefallen.<\/p>\n<p>Ich konnte aber nicht aufgeben, denn vor den H\u00e4usern lungerten viele Leute herum, die Siesta machten oder in der Gluth\u00f6lle d\u00f6sten, und alle glotzten die kleine Lastenkarawane an. Die Frau kannte die meisten und plauderte angeregt auch noch ein wenig hier und da, w\u00e4hrend ich versuchte auf den Beinen zu bleiben und gute Miene zum anstrengenden Spiel machte. Sie musste unbedingt jedem erz\u00e4hlen, welch exotischen Kerl sie aufgegabelt hatte. Ich wurde besonders von einem Mann motiviert, die uns sah, offenbar alle seine Nachbarn herbeirief, auf mich zeigte und laut rief: &#8222;Mira, el toro!&#8220; [etwa: Guck dir den Stier an!] Mein &#8222;Gep\u00e4ck&#8220; war gar nicht so schwer, nur unhandlich, aber die Hitze brachte mich fast um. Bei so einem &#8222;Kompliment&#8220; musste ich nat\u00fcrlich durchhalten. Heute k\u00f6nnte ich mich kaputtlachen, aber damals fand ich das nicht lustig.<\/p>\n<p>Die H\u00fctte meine Gastwirtin war <a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/wb5wxlp\">an der \u00f6stlichen Seite einer nicht benannten Stra\u00dfe<\/a>. Es gab nur einen Raum, der als Wohnzimmer, K\u00fcche und Kinderzimmer f\u00fcr ihre drei Spr\u00f6\u00dflinge diente. Das Grundst\u00fcck war klein und hatte einen verwilderten Garten. Einen der minderj\u00e4hrigen S\u00f6hne habe ich nicht kennengelernt &#8211; er war gerade im Knast, und sie versuchte jeden Tag ihn herauszubekommen. Einen Mann hatte sie auch nicht, aber derjenige, von dem eines oder zwei der Kinder waren, hatte ihr wohl die H\u00fctte geschenkt. Ein Bad existierte ebensowenig, nur ein Wasseranschluss f\u00fcr einen Schlauch auf einer Art Waschbecken aus Steinen. Man musste \u00fcber einen Stacheldrahtzaun zu den Nachbarn klettern und dort sein Gesch\u00e4ft auf einem Plumpsklo verrichten, das mit Wellblech nach au\u00dfen notd\u00fcrftig abgeschirmt war (oberstes Foto).<\/p>\n<p>Ich kann mich fast an jedes Detail erinnern, weil ich in einer Nacht Durchfall hatte, mich aus der <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven98_elorza2gr.jpg\">H\u00e4ngematte<\/a> qu\u00e4lte und zu allem \u00dcberfluss in den Stacheldrahtzaun fiel, weil es trotz meiner kleinen Taschenlampe stockdunkel war, und blutete. (Irgendwo habe ich noch einen kleine Narbe davon.) Auf dem Plumpsklo erwartete mich ein unvergessliches Szenario: Hunderte kleiner Fr\u00f6sche sa\u00dfen \u00fcberall, sogar auf der h\u00f6lzernen Klobrille, weil die &#8222;Toilette&#8220; der einzige feuchte Fleck weit und breit war (es war Sommerzeit) Ich wei\u00df heute noch, dass ich mich fragte, ob Fr\u00f6sche Ohren haben und durch H\u00e4ndeklatschen zu vertreiben w\u00e4ren. Irgendwie habe ich mir Platz geschaffen, ich wei\u00df aber nicht mehr, wie.<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe zum Hauptplatz war ein kleiner Laden mit einem ungemein freundlichen Ehepaar, das mich jedes Mal hereinwinkte, wenn ich vorbeikam, um ein Schw\u00e4tzchen zu halten. Das Gesch\u00e4ft war so winzig, dass man sich kaum umdrehen konnte. (Die Ecke k\u00f6nnte an der Avenida Aeroperto sein &#8211; ich wei\u00df noch, dass ich nach S\u00fcden fotografiert habe &#8211; im Hintergrund, wo die gro\u00dfen B\u00e4ume zu sehen sind, biegt die Via Caribe nach Osten ab.)<\/p>\n<p>Der Inhaber kannte jede und jeden, und als ich ihm erz\u00e4hle, ich wolle versuchen, zu den  <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/01\/05\/burks-bei-den-wayapopihiwi\">Guahibos<\/a> zu gelangen, die Halbnomaden sind und mal hier und mal dort in den Llanos leben, fand er gleich eine L\u00f6sung. Er br\u00fcllte laut \u00fcber die Stra\u00dfe: &#8222;Roberto, telefono!&#8220; Der Gerufene kam herbeigerannt. Der Ladenbesitzer lachte sich kaputt und erkl\u00e4rte ihm, was ich wollte. Roberto Parra hatte einen Jeep und fuhr mich ein paar Tage sp\u00e4ter gratis zu den Guahibo am <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven09_5gr.jpg\">Rio Capanaparo<\/a>, einfach, weil er nett und neugierig war, obwohl wir einen ganzen Tag unterwegs sein mussten.<\/p>\n<p>Auf der halsbrecherischen Fahrt ist <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/08\/12\/mein-liebstes-selfie\">mein liebstes Selfie<\/a> entstanden.<\/p>\n<p>(Ich wollte etwas Politisches bloggen, aber ich habe ziemlich viel Zeit verplempert, um die Fotos aufzubereiten, die ich vor Jahren digitalisiert und archiviert hatte.)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39964?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39964?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_39964 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_39964')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_39964').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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