{"id":38303,"date":"2019-11-03T22:59:02","date_gmt":"2019-11-03T21:59:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=38303"},"modified":"2019-11-03T23:02:27","modified_gmt":"2019-11-03T22:02:27","slug":"im-auftrag-oder-buergerliche-und-andere-presse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/11\/03\/im-auftrag-oder-buergerliche-und-andere-presse","title":{"rendered":"Im Auftrag oder: B\u00fcrgerliche und andere Presse"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/Alle-Buecher\/Sabotierte-Wirklichkeit.html\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2019\/11\/031119_1.jpg\" alt=\"sabotierte Wirklichkeit\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p>Habe gerade Marcus B. Kl\u00f6ckners Buch <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3864892740\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3864892740&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=d4eb2f2f9576dcba7d1c23d7a93c3367\" rel=\"noopener noreferrer\">Sabotierte Wirklichkeit: Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3864892740\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"\/> gelesen. Auch wenn man schon \u00c4hnliches zum Thema konsumiert hat, sollte man es kennen.<\/p>\n<p>Ich <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/01\/05\/33526\">schrieb<\/a> am 03.01.2019: &#8222;Uwe Kr\u00fcger zum Beispiel behauptet in seinem Buch <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3869620706\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3869620706&amp;linkCode=as2&amp;tag=burkhardschroder&amp;linkId=e0f6dfcd14ef4832c3b8bdde23e89981\" rel=\"noopener noreferrer\">Meinungsmacht &#8211; Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3869620706\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"\/>, dass die Mehrheit der Journalisten die Sicht der herrschenden Klasse \u00fcbernehme. Ich gehe sogar weiter: Mehr als 95 Prozent aller deutscher Journalisten haben sich mit dem Kapitalismus nicht nur arrangiert, sondern halten ihn f\u00fcr das teleologische Ziel der Geschichte. Danach kommt nichts mehr, vielleicht nur noch das j\u00fcngste <del>Ger\u00fccht<\/del> Gericht.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn man das &#8222;wissenschaftlich&#8220; <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/6685\">mit zahllosen Beispielen<\/a> noch einmal best\u00e4tigt haben will und wenn man wissen will, wie offene und verdeckte Zensur funktioniert, muss man Kl\u00f6ckner zu Rate ziehen.<\/p>\n<p>Kl\u00f6ckner setzt die Thesen und Erkenntnisse <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Bourdieu\">Pierre Bordieus<\/a> und seines Opus magnum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_feinen_Unterschiede\">Die feinen Unterschiede<\/a> um.<\/p>\n<p>(F\u00fcr diejenigen des hiesigen Publikums, die eine umfassende humanistische Bildung noch wertsch\u00e4tzen, seien die <a href=\"https:\/\/www.isa-sociology.org\/en\/about-isa\/history-of-isa\/books-of-the-xx-century\/\">Books of the XX Century&#8220;<\/a> des ISA World Congress of Sociology empfohlen &#8211; mir reichen aber Elias und Weber. Bordieu muss man kennen, aber Altvater Marx hat das auch schon alles gesagt, nur mit anderen Worten. Die Kritik Bordieus an Marx teile ich nicht: Ohne die &#8222;marxistische&#8220; Konzeption der sozialen Klasse und des Klassenbewusstseins g\u00e4be die es die Fragestellung Bordieus gar nicht. Marx hat sich aber mit dem Problem, wie Klassenbewusstsein entstehe und wie sich das im \u00dcberbau, zu dem auch die Medien geh\u00f6ren, widerspiegelt, nur marginal besch\u00e4ftigt. <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?s=eribon\">Eribon<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?s=christian+baron\">Christian Baron<\/a> sind von Bordieu stark beeinflusst worden und haben auch eine vergleichbare Biografie.)<\/p>\n<p><i>Zensur in einem System freier Medien bedeutet, dass bestimmte Perspektiven, Meinungen, Themen und Informationen bewusst oder unbewusst von Journalisten aufgrund von sozialstrukturellen, sozialisationsbedingten, weltanschaulichen Ursachen und Antrieben<\/i> <b>medien\u00fcbergreifend dauerhaft<\/b> <i>und<\/i> <b>weitestgehend<\/b> <i>nicht dem Diskurs zug\u00e4nglich gemacht werden. (&#8230;) Diese Zensur entsteht dann, wenn eine Vielzahl von Journalisten \u00fcber eine sehr \u00e4hnlich bis identische weltanschaulich gepr\u00e4gte Wahrnehmungs- und Denkweisen verf\u00fcgen und diese kollektiv handlungsleitend bei der Selektion [sic, &#8222;Auswahl&#8220; h\u00e4tte es auch getan], Einordnung und Gewichtung von Informationen, Nachrichten und Ereignissen sind.<\/i> (Kl\u00f6ckner S. 25f.)<\/p>\n<p>Beispiel: Wann zuletzt wurden in einer deutschen TV-Talkshow die Begriffe Klasse, Klassenbewusstsein oder gar Klassenkampf (<i>class struggle<\/i> im Englischen) benutzt? Gar nie. Aber nicht, weil das jemand verboten h\u00e4tte.<\/p>\n<p><i>Durch transformierte Verinnerlichung der \u00e4u\u00dferen (klassenspezifisch verteilten) materiellen und kulturellen Existenzbedingungen entstanden, stellt der Habitus ein dauerhaft wirksames System von (klassenspezifischen) Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata dar, das sowohl den Praxisformen sozialer Akteuer als auch den mit dieser Praxis verbundenen allt\u00e4glichen Wahrnemung konstitutiv zugrund liegt.<\/i> (Die Definition von Bordieu; da das Original Franz\u00f6sisch ist, verzichte ich darauf, das Geschwurbel in verst\u00e4ndliches Deutsch zu \u00fcbersetzen.)<\/p>\n<p>&#8222;Habitus&#8220; ist nichts anderes als das &#8222;marxistische&#8220; Klassenbewusstsein. <i>DerHabitus der Mittelschicht [aus der die gro\u00dfe Mehrhheit der Journalisten stammt oder in die sie aufsteigen wollen, B.S..] l\u00e4sst oft auch den Hang erkennen, sich in die herrschenden Strukturen bestm\u00f6glich zu integrieren. (&#8230;) Ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil der Akteure, die sich in ihm bewegen, solidarisiert sich, wenn es darauf ankommt, eher mit den oberen Schichten als mit den unteren.<\/i> (Kl\u00f6ckner, 33ff.) In der diesem Blog eigenen drastischen Sprache k\u00f6nnte man sagen: Allesamt Opportunisten &#8211; mit Ansage und mit Ausnahmen.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr den ebenso von Bordieu stammenden Begriff &#8222;Feld&#8220; (der, wenn er kein Fachjargon ist, eher f\u00fcr Bl\u00e4h- und Furzdeutsch steht). Das <i>Feld<\/i> hat <i>sichtbare und unsichtbare Grenzen<\/i>,<i>&#8230;die f\u00fcr die Akteure, die sich in ihm bewegen &#8211; insbesondere die Neuank\u00f6mmlinge &#8211; nicht oder nur durch intensive K\u00e4mpfe \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.<\/i> (Kl\u00f6ckner, S. 60)<\/p>\n<p><i>Die handlungsanleitenden, tief internalisierten Glaubens\u00fcberzeugungen f\u00fchren dazu, dass viele Journaliste die Zensur, die sie aus\u00fcben, als solche nicht ansatzweise erkennen.<\/i> (Kl\u00f6ckner, S. 65)<\/p>\n<p><i>Journalisten akzeptieren die zum gro\u00dfen Teil von ihnens elbst in einem Akt des vorauseilenden Gehorsams gezogene &#8222;rote Linie&#8220; in der Hoffnung &#8211; etwas zugespitzt formuliert &#8211; Belohnung &#8222;von oben&#8220; zu erfahren.<\/i> (Kl\u00f6ckner, S. 208)<\/p>\n<p>Jetzt haben wir ein Problem: Fast alles richtig, was Kl\u00f6ckner schreibt. Es gibt aber keine L\u00f6sung. Wenn alle Journalisten bewusst oder unbewusst &#8222;parteiisch&#8220; sind (Mittelschicht\/rotgr\u00fcnliberal), k\u00f6nnte man das Kind mit dem Bade aussch\u00fctten und gerade das gleich fordern. &#8222;Was man nicht verhindern kann, kann man auch gleich begr\u00fc\u00dfen.&#8220; (Japanisches Sprichwort)<\/p>\n<p>In den Staaten, die sich sozialistisch nannten, und im heutigen China ist es ohnehin so &#8211; der Rahmen war\/ist der &#8222;Parteiauftrag&#8220;. Objektivit\u00e4t ist also die Lebensl\u00fcge des Journalismus, wie Demokratie im Kapitalismus auch nur der formale Rahmen ist, in dem sich die Minderheit der Herrschenden letztlich durchsetzt. Die Medien &#8211; ein Teil der \u00dcberbaus &#8211; sollen das positiv orchestrieren.<\/p>\n<p>Meint jemand ernsthaft, ein Journalist k\u00f6nne die Systemfrage in den Mainstream-Medien stellen? Das macht der nur einmal, danach wird man exkommuniziert, das heisst: vom Diskurs ausgeschlossen. Das f\u00e4llt nur deshalb nicht auf, weil es auch keine linke Partei gibt, die das macht.<\/p>\n<p>Ceterum censeo: Ich bin daf\u00fcr, wieder den Begriff &#8222;b\u00fcrgerliche Presse&#8220; zu benutzen. Das bringt es auf den Punkt, obwohl die Nachgeborenen vermutlich mit <i>bourgeois<\/i> gar nichts anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38303?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38303?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_38303 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_38303')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_38303').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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