{"id":376,"date":"2008-03-20T12:42:01","date_gmt":"2008-03-20T11:42:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/03\/20\/das-braune-bit\/"},"modified":"2008-03-20T13:25:23","modified_gmt":"2008-03-20T12:25:23","slug":"das-braune-bit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/03\/20\/das-braune-bit","title":{"rendered":"Das braune Bit"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Artikel von mir in der <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/seiten\/2008\/12\/11689.php\">Jungle World<\/a> (20.03.2008). Da der gek\u00fcrzt worden ist und verschlimmbessert und Unworte wie &#8222;vermelden&#8220; autauchen, die ich nie benutze, hier das Original-Manuskript. Au\u00dferdem ist die Jungle World weder in der Lage noch willens, Links zu setzen. <\/em><\/p>\n<p>&#8222;Die Rechtsextremen haben die moderne Technik entdeckt.&#8220; Man m\u00f6chte &#8222;Kontakte zwischen &#8217;nationalen Gruppen&#8216; stabilisieren, Informationen aus dem &#8218;rechten Getto&#8216;  verbreiten, die linken und staatlichen Gegner mit &#8218;hervorragenden Verschl\u00fcsselungsprogrammen&#8216; \u00fcberlisten.&#8220; Nazis im Internet &#8211; muss man das nicht der Obrigkeit melden, verbieten und hart dagegen durchgreifen? Nazis raus aus dem Usenet, World Wide Web, Internet Relay Chat und Second Life, wie es die Linke moraltheologisch wertvoll, aber inhaltlich sinnfrei fordert? Die obigen Zitate stammen aus Focus Nr. 38 aus dem Jahr 1993 &#8211; es ging um den Mailboxverbund &#8222;Thule-Netz&#8220;. <\/p>\n<p>Das Internet schadet den Neonazis. Diese These muss deshalb betont werden, weil das Publikum durch zahllose gegenteilige Pressemeldungen abgestumpft worden ist und gar nicht mehr weiterliest. &#8222;Neonazis versch\u00e4rfen Ton im Internet&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article626703\/Neonazis_verschaerfen_Ton_im_Internet_.html\">Die Welt<\/a> 1998). &#8222;Simon-Wiesenthal-Center: Immer mehr Nazis im Internet&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.hagalil.com\/archiv\/99\/04\/cyber-nazi.htm\">1999<\/a>). &#8222;Nazis raus aus dem Internet&#8220; (<a href=\"http:\/\/archiv2007.sozialisten.de\/presse\/presseerklaerungen\/view_html\/zid14384\/bs1\/n22\">Linkspartei.PDS 2000<\/a>). &#8222;Mit der Etablierung von Rechtsextremisten im Internet w\u00e4chst die Gefahr, dass immer mehr Menschen mit rechtsextremistischem Gedankengut in Ber\u00fchrung kommen&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.verfassungsschutz.thueringen.de\/vsberichte\/2002\/rechtsextremismus.htm\">Verfassungsschutz Th\u00fcringen 2002<\/a>). &#8222;Neonazis nutzen das Internet im gro\u00dfen Stil&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.rechtgegenrechts.org\/node\/185\">netzgegenrechts.org<\/a> 2005). &#8222;Nach Angaben des Verfassungsschutzes nutzen Rechtsextreme zunehmend den Internet-Dienst des so genannten Internet Relay Chat&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/meldung202690.html\">Tagesschau 2005<\/a>). &#8222;Neonazis nutzen das Internet, um sich weltweit mit Geistesverwandten zu vernetzen.&#8220; (<a href=\"http:\/\/zuender.zeit.de\/2007\/25\/rechtsextremismus-sascha-lobo\">Die Zeit 2007<\/a>) &#8222;Politologe: Rechtsextremisten nutzen Internet alarmierend effektiv&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Politologe-Rechtsextremisten-nutzen-Internet-alarmierend-effektiv--\/meldung\/92554\">heise.de 2007<\/a>). &#8222;Neonazis setzen immer mehr auf das Internet.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/meldung21406.html\">Tagesschau 2007<\/a>) &#8222;Der Erfolg des modernisierten Rechtsextremismus in Deutschland scheint ohne das Aufkommen des Internets kaum denkbar.&#8220;(<a href=\"http:\/\/npd-blog.info\/?p=669\">NPD-Blog.info 2007<\/a> und wortgleich die <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/meldung21406.html\">Tagesschau<\/a>.)<\/p>\n<p>Zunehmend, immer \u00f6fter, immer mehr, es wird immer alles schlimmer &#8211; stimmt das? Das ultrarechte Milieu nutzt die verschiedenen Dienste im Internet genau wie alle anderen auch, zum Teil schneller und eher als der Mainstream, zum Teil langsamer und mit gro\u00dfer M\u00fche. Die Zahl aktiver Nutzer ist \u00fcberschaubar geblieben, auch die Zahl derjenigen, die sich in Foren und Web-2.0-Applikationen herumtreiben. Die technischen Trends sind nicht \u00fcberraschend: Anfang und Mitte der neuziger Jahre waren Websites und private &#8222;Homepages&#8220; eher die Ausnahme. Die deutsche Szene kommunizierte mehr oder weniger klandestin \u00fcber ein knappes Dutzend Mailboxen, setzte also, wie die damalige Antifa, auf das falsche Pferd: Die archaische Technik eines Bulletin Board Systems ist heute fast ausgestorben. Propaganda machte man vorwiegend in den Newgroups des Usenet, dem \u00e4ltesten Dienst des Internet. <\/p>\n<p>1995 publizierte der US-amerikanische Nazi Milton Klein &#8222;<a href=\"http:\/\/groups.google.com\/group\/alt.revisionism\/browse_thread\/thread\/3f4083e2a2ef11ed\/277b916943bfdcc6?lnk=st&#038;q=%22On+Tactics+and+Strategy+for+Usenet%22+1995#277b916943bfdcc6\">On Tactics and Strategy for Usenet<\/a>&#8220; &#8211; ein Traktat, das einige wenige primitive Weisheiten einer jeden Werbeagentur wiederholt und damals wie heute nicht falsch ist: Man d\u00fcrfe nicht gleich verraten, was man politisch will. Man solle nicht mit der T\u00fcr ins Haus fallen &#8211; &#8222;avoid the race issue.&#8220; Man m\u00fcsse die potenziellen Sympathisanten pers\u00f6nlich ansprechen. Man m\u00fcsse seine Thesen so oft wie m\u00f6glich wiederholen &#8211; &#8222;repeat powerful themes over and over and over.&#8220;Man solle sich mit dem politischen Gegner nicht unn\u00f6tig herumstreiten. &#8222;Electronic &#8218;guerilla warfare&#8216;, &#8218;hit and run&#8216; style, using short, &#8217;self-contained&#8216; posts is a major component of our struggle.&#8220;<\/p>\n<p>Am Ende des letzten Jahrtausends begann die Szene, das Internet kommerziell zu nutzen. Die ersten virtuellen &#8222;communities&#8220; entstanden rund um die Versandh\u00e4user, die Musik und Devotionalien des Milieus verkauften. Die Hochzeit der ultrarechten WWW-basierten Foren mit ihren zum Teil mehreren hundert Nutzern ist jetzt aus zwei Gr\u00fcnden vorbei. Wollen sie erfolgreich sein, m\u00fcssen sie einen Gemischtwarenladen aus kontinuierlichen Informationen anbieten, garniert mit dem &#8222;Kuschelfakter&#8220; der virtuellen Gemeinschaft. Neonazis verbreiten aber &#8211; mit wenigen &#8218;Ausnahmen &#8211; keine Informationen, sondern Propaganda, die nur die anspricht, die ohnehin Rassisten und Antisemiten sind. Politische Meinungen lassen sich durch Medien nur sehr schwer beeinflussen, darin sind sich die meisten Medienwissenschaftler einig. Au\u00dferdem ist der Versuch der gr\u00f6\u00dften Neonazi-Foren, dem strafrechtlichen Verfolgungsdruck in Deutschland dadurch zu entgehen, dass sie mitsamt ihren Nutzern zu ihren Gesinnungsgenossen in den USA auswichen, kl\u00e4glich gescheitert. Bei skadi.net net &#8211; das gr\u00f6\u00dfte &#8222;nationale&#8220; Web-Forum weltweit &#8211; wird immer noch vorwiegend englisch gesprochen. Der oft pseudo-religi\u00f6s verbr\u00e4mte Antisemitismus der US-Nazis entspricht nicht dem eher neuheidnischen Mainstream in Europa, und der Diskurs \u00fcber die szenetypische Musik, der in Deutschland vor allem regional verankert ist, fristet in gro\u00dfen internationalen Foren eher ein Schattendasein.<\/p>\n<p>Der Trend in Deutschland ist seit etwa zwei Jahren klar abzusehen: Die Neonazi-Szene im Internet diversifiziert sich &#8211; die &#8222;Gro\u00dfen&#8220; gewinnen. Private Homepages oder die von &#8222;Kameradschaften&#8220; werden zunehmend uninteressant, obwohl die Technik privater Blogs die Hemmschwelle, selbst etws zu publizieren, herabgesetzt hat. Es gibt aber kaum jemand im braunen Milieu, der in der Lage ist, ein auch nur ann\u00e4hernd interessantes &#8222;Tagebuch&#8220; im &#8222;Weltnetz&#8220; zu schreiben oder dort aktiv zu werden, wo sich die digitalen Massen versammeln. Die wenigen Versuche, etwa Videos bei Youtube zu verbreiten, endeten im propagandistischen Desaster: Die meisten Nutzer verstanden die grottenschlechten Machwerke als Realsatire und kommentierten diese dementsprechend. Wer bei Youtube <a href=\"http:\/\/de.youtube.com\/results?search_query=npd&#038;search_type=npd\">nach &#8222;NPD&#8220; sucht<\/a>, findet fast nur Comedy.<\/p>\n<p>Die relevanten Websites kann man an einer Hand abz\u00e4hlen, nicht alle haben etwas mit der NPD zu tun. &#8222;Relevanz&#8220; hei\u00dft: Ansatzweise verifizierbare Informationen zu bieten und nicht nur Agitprop, garantierte Kontinuit\u00e4t und Aktualit\u00e4t. <a href=\"http:\/\/whois.domaintools.com\/onlineverweise.de\">Onlineverweise.de<\/a> von Marco Kreischer und seiner Zeitzer Firma Enos-Shop bietet die zur Zeit gr\u00f6\u00dfte und aktuelle Linksammlung ultrarechter &#8222;Heimseiten&#8220;, kombiniert mit einem Online-Shop und mehreren Blogs, die aber \u00fcber das Stadium des Versuchs noch nicht weit hinausgekommen sind. Das &#8222;<a href=\"http:\/\/www.nationales-netztagebuch.de\/\">nationale Netztagebuch<\/a>&#8220; der NPD entspricht als eine der wenigen Websites dem heute m\u00f6glichen Standard. <a href=\"http:\/\/www.altermedia.info\/\">Altermedia.info<\/a>, die wichtigste Informationsquelle f\u00fcr die euro\u00e4ische rechte Szene, ist schon lange eine eingef\u00fchrte Marke. Das gilt zum Beispiel auch f\u00fcr das &#8222;<a href=\"http:\/\/www.nationales-netztagebuch.de\/\">St\u00f6rtebeker-Netz<\/a>&#8222;, ein Ein-Mann-Unternehmen des Stralsunder Neonazis Axel M\u00f6ller, der sich aber nicht nur mit allen politischen Gegner anlegt, sondern auch mit den eigenen Gesinnungsgenossen.<\/p>\n<p>Neonazis im Internet laufen aber immer wieder in die Kapitalismus-Falle. Informationen und Attribute eines Lebensgef\u00fchls sind Waren, die sich auf dem Markt gegen andere behaupten m\u00fcssen. Wenn die Konkurrenz nur ein paar Mausklicks weiter lauert, muss man sich der anpassen. Die eigene &#8222;corporate identity&#8220; verliert dann aber an Sch\u00e4rfe. Der verkrampfte Versuch, englische Lehnworte wie Internet einzudeutschen, l\u00e4sst sich im Detail ohnehin nicht durchhalten. Begriffe wie &#8222;Usenet&#8220;, &#8222;Internet Relay Chat&#8220; und Open Source kann man nicht deutscht\u00fcmeln. Je mehr das Netz virtuelle Gemeinschaften schafft, durch 3D-Welten wie Second Life, das Millionenpublikum von Computerspielen wie &#8222;World of Warcraft&#8220; oder das \u00e4ltere &#8222;Age of Empires&#8220;, um so werden offen neonazistische Gruppen an den virtuellen Katzentisch verbannt, weil sie nur f\u00fcr politische Sektierer interessant sind.&#8220;<\/p>\n<p>Im Netz werden Neonazis nur dann gef\u00e4hrlicher als in der Realit\u00e4t, wenn sie regional agieren und keine Konkurrenz haben. Dann f\u00fcllen sie eine Marktl\u00fccke &#8211; mit Angeboten, die Freizeit zu gestalten, mit Musik, die das Lebensgef\u00fchl der potenziellen Sympathisanten unterf\u00fcttert, oder mit der Attitude des Underdogs. Verbote verst\u00e4rken die Attraktivit\u00e4t. Nichts ist vorteilhafter f\u00fcr Neonazis als die Parole: &#8222;Wir w\u00fcrden gern unsere Meinung im Internet sagen, aber das ist uns verboten worden.&#8220; <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_376 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_376')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_376').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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