{"id":35871,"date":"2019-01-02T11:33:56","date_gmt":"2019-01-02T10:33:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=35871"},"modified":"2019-01-02T11:34:13","modified_gmt":"2019-01-02T10:34:13","slug":"unter-fremdenhassern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2019\/01\/02\/unter-fremdenhassern","title":{"rendered":"Unter Fremdenhassern"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der T\u00e4ter \u00e4u\u00dferte sich fremdenfeindlich&#8220;. Oder: &#8222;Autofahrer verletzt aus Fremdenhass vier Menschen.&#8220; Was f\u00fcr ein Unsinn.<\/p>\n<p>Ich schrieb in <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/nazis-sind-pop\">Nazis sind Pop<\/a> (2000):<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; \u2013 auch &#8222;Xenophobie&#8220; \u2013 wird meistens in suggestivem Sinn gebraucht: man vermutet, es g\u00e4be ein dem Homo sapiens angeborenes Gef\u00fchl, jemandem, der unbekannt ist, &#8222;automatisch&#8220; zu f\u00fcrchten oder ihm aggressiv zu begegnen. Die These vom angeborenen &#8222;Fremdenhass&#8220; entstammt einer falschen Analogie aus dem Tierreich und wird von einigen rechtskonservativen Forschern wie Iren\u00e4us Eibl-Eibesfeld vertreten. Der &#8222;Hass&#8220; gegen das oder den Fremden sei ein evolutionsgeschichtliches \u00dcberbleibsel, eine Art Instinkt, der die eigenen Vorr\u00e4te zum \u00dcberleben vor dem Zugriff Fremder sch\u00fctze. Der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld behauptet, &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; sei &#8222;stammesgeschichtlich&#8220; angeboren. Jedes Volk wehre sich gegen &#8222;\u00dcberfremdungen&#8220;.<\/p>\n<p>Den &#8222;Fremden&#8220; an sich gibt es nicht \u2013 genausowenig wie &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220;. Soziale und physische Aggression eines Kollektivs gegen bestimmte Gruppen von Menschen setzt voraus, dass man sich vorher dar\u00fcber verst\u00e4ndigt hat, welche Eigenschaften diejenigen haben sollen, gegen die man negative Gef\u00fchle wie Hass zeigt. Die &#8222;Fremden&#8220; werden immer konstruiert, durch Gesetze oder durch den gesellschaftlichen Diskurs, der sich bestimmter Vorurteile bedient. Die Theorien, die die Begriffe &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; oder &#8222;Xenophobie&#8220; vertreten, reduzieren den Menschen auf Natur und interpretieren soziale Tatsachen biologistisch.<\/p>\n<p>Auch die oft vertretene These, die so genannte &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; l\u00e4ge in der menschlichen Pyche begr\u00fcndet, ist schlicht grober Unfug. Wer &#8222;Fremdenfeindichkeit&#8220; psychologisch definiert, muss auch Rassismus und Antisemitismus aus der Seele ableiten, wom\u00f6glich aus der deutschen, brasilianischen oder chinesischen Seele ganz speziell. Als &#8222;fremd&#8220; gelten manchen Leuten auch Behinderte, Obdachlose, emanzipierte Frauen oder Angeh\u00f6rige bestimmter Subkulturen wie Punks oder Grufties. Im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt man &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; jedoch meistens f\u00fcr Immigranten mit oder ohne deutschen Pass. Psychologische Spekulationen, die &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; als abweichendes Verhalten klassifizieren zu wollen, bleiben oberfl\u00e4chlich. Sie lassen ausser acht, dass auch &#8222;normale&#8220; und unauff\u00e4llige Menschen Vorurteile haben, also Gruppen von Menschen zu &#8222;Fremden&#8220; machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; bestimmen will, muss genau sagen, welche Gruppe als &#8222;fremd&#8220; angesehen wird, wie sich diese &#8222;Feindschaft&#8220; \u00e4ussert, und wie sie sich von anderen &#8222;Feindlichkeiten&#8220; wie rassistischen und antisemitischen Vorurteilen oder sexueller Diskriminierung unterscheidet. Das Reichs- und Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetz aus dem Jahr 1913 bestimmt zum Beispiel, dass eine deutsche Frau, die einen Ausl\u00e4nder heiratet, automatisch zu einer Fremden, das heisst Ausl\u00e4nderin wird&#8230; Die deutschen Juden wurden durch 1933 durch das \u201eGesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre\u201c, die so genannten &#8222;N\u00fcrnberger Rassegesetze&#8220;, juristisch zu Fremden gemacht. (&#8230;)<\/p>\n<p>&#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; ist eine politisch bewusst gewollte soziale Ausgrenzung und kann &#8222;k\u00fcnstlich&#8220; erzeugt werden. Wird eine Gruppe von Menschen per Gesetz oder durch soziale und wirtschaftliche Diskriminierung ausgegrenzt, zieht sie automatisch Vorurteile nach sich. Wer von der Gesellschaft ferngehalten wird, entwickelt automatisch alternative Existenz- und Verhaltensweisen, die der Mehrheit fremd sind. Soziale Diskriminierung erzeugt &#8222;Fremdheit&#8220; auf beiden Seiten \u2013 der Mehrheit und der Minderheit. Daf\u00fcr gibt es den Begriff der &#8222;Selbstethnisierung&#8220;: Im Kampf um Anteile an der gesellschaftlichen Macht muss sich jeder eine Gruppe zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, um eine Chance zu bekommen, gemeinsam mit anderen etwas zu erreichen. Im angels\u00e4chsischen Sprachraum gibt es schon lange eine Diskussion dar\u00fcber, wie und ob die urspr\u00fcndlich &#8222;Fremden&#8220;, zumeist die Einwanderer und deren Nachfahren, die Nachteile ihrer Herkunft in das Gegenteil zu verkehren.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35871?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35871?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_35871 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_35871')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_35871').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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