{"id":34941,"date":"2018-09-09T15:57:23","date_gmt":"2018-09-09T13:57:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=34941"},"modified":"2018-09-09T16:07:32","modified_gmt":"2018-09-09T14:07:32","slug":"34941","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/09\/09\/34941","title":{"rendered":"Der wilde Fluss"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro1kl.jpg\" alt=\"Masparro\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>[Reprint vom <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=1423\">26.12.2003<\/a>]<\/p>\n<p><i>Im Febuar 1998, Venezuela.<\/i> Der Bus fuhr in der Nacht von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Qu%C3%ADbor\">Quibor<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Acarigua\">Acarigua<\/a> nach <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Barinas,_Barinas\">Barinas<\/a>. In der staubigen Provinzstadt &#8211; es war Trockenzeit &#8211; suchte ich mir ein billiges Hotel direkt am kleinen Busbahnhof. In Barinas gab es nichts von touristischem Interesse: eine kleine Plaza, Gesch\u00e4fte, deren Inhaber arabischer Herkunft zu sein schienen wie so oft im Westen Venezuelas. Und ein paar Banken. Ich brauchte drei Tage, um meine Dollars in venezolanischen Geld zu tauschen, weil sich die Banken weigerten, das zu tun. Man wird geduldig, wenn man in Schlangen vor s\u00fcdamerikanischen Bankschaltern steht&#8230; Ich musste mich erst durchfragen, eine hilfsbereite Dame in einem Reiseb\u00fcro vermittelte mir eine Frau, die wohl h\u00e4ufig private Geldgesch\u00e4fte machte&#8230; <\/p>\n<p>In der Region um Barinas wollte ich mir den Fluss <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Masparro_River\">Masparro<\/a> ansehen, der sich aus den Anden in die weiten Ebenen, die Llanos, ergiesst und im Osten in den Apure m\u00fcndet. Die Konquistadoren blieben damals an den Ausl\u00e4ufern der Berge stecken, viele wurden fieberkrank und starben. Doch wo war der historische &#8222;Flecken Mo\u00dfpaw&#8220; alias Masparro? <\/p>\n<p>Am 16. September 1535 schrieb der deutsche Konquistador <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philipp_von_Hutten\">Philipp von Hutten<\/a>: <i>&#8222;Zohen \u00fcber ain grosse Refier [Fluss], Wannawanain genandt, darinnen vns ain Christ ertrunken. Den 2. Tag im Feld. Schickt der Gubernator [Gouverneur von Venezuela, hier: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Hohermuth_von_Speyer\">Georg Hohermuth von Speyer<\/a>] Steffan Martin mit sechtzig zue Fue\u00df vnd zehen Pferden, Weg zu suechen, vnd bliben wir hie ligen. Den 16. embot <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/conq\/persgl.html#M\">Steffan Martin<\/a> dem Gubernator, er wartet sein ain Tagrai\u00df von hinnen inn ainem gueten Flecken mit vil Prouiant, het 26 Indier gefangen. Fertigt der Gubernator viertzig Pferd ab, embot seinem Statthalter, so in Hacke Rigua [Acarigua] lag, er solt mit dem anderen Volck hernachkommen. Zoch er gedachten Flecken, Mo\u00dfpaw [Masparro] genannt, wurden fast alle Christen krank. wie nun die Indier sahen, das vnser wenig waren, auch fast kranck, vnderstunden sy sich, vns mit Gewallt au\u00df jrem Land zu schlahen. Kamen auff ain Morgen bi\u00df in f\u00fcnff- oder sechstausent Indianer mit Geschray&#8230;&#8220;<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/@8.8106207,-70.1114816,15852m\/data=!3m1!1e3?hl=de\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/weblog\/histmapaven.jpg\" alt=\"Masparro\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weite Teile der venezolanischen Llanos sind in der Regenzeit \u00fcberschwemmt. Die historischen Orte <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/conq\/orte.html\">Itabana, Mo\u00dfpaw und Tharobeia<\/a>, die in den <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3870618620\/burkhardschroder\">Papieren des Konquistadors Philipp von Hutten<\/a> erw\u00e4hnt werden und die auch in meinem Roman <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/die-konquistadoren\">Die Konquistadoren<\/a> Schaupl\u00e4tze des Geschehens sind, k\u00f6nnen heute nicht mehr exakt lokalisiert werden. Der Masparro war der gr\u00f6sste und in der Regenzeit wohl auch der gef\u00e4hrlichste Fluss der Region. Der auf historischen Karten noch eingezeichnete Ort lag im Dreieck Sabaneta-Barinas-Obispo. Die Konquistadoren unter Hohermuth folgten ungef\u00e4hr der heutigen Eisenbahnlinie von Guanare \u00fcber Barinas nach S\u00fcdwesten und brauchten vier Monate &#8211; von M\u00e4rz bis Juni 1536 &#8211; um Rio Apure, Rio Arauca und den Casanare &#8211; im heutigen Kolumbien &#8211; zu passieren. <\/p>\n<p>Auf der heutigen Karte des Bundesstaats Barinas sucht sich der Fluss zwischen Sabaneta im Norden und Barinas seinen Weg. Ein Ort Maspara \u00f6stlich von Barinas, der auf historischen Karten eingezeichnet ist, existiert heute nicht. Die Augenzeugen der Konquista wie <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/conq\/persgl.html#F\">Nikolaus Federmann<\/a> und Philipp von Hutten \u00fcberlieferten die Namen der Orte nur lautmalerisch. Man kann davon ausgehen, dass die historische Bezeichnung Masparro sowohl den Ort als auch den Fluss oder gar die ganze Region meinte. Eine Karte der heutigen indianischen V\u00f6lker Venezuelas gibt keine Informationen dar\u00fcber, ob es sich um ein Wort aus dem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Arawak\">Arawak<\/a> handelt. Vielleicht waren die kriegerischen &#8222;Indier&#8220;, von denen Hutten berichtete, die Vorfahren der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Guahibo\">Guahibos<\/a>, die sich heute in das <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/01\/05\/burks-bei-den-wayapopihiwi\">Grenzgebiet zu Kolumbien<\/a> zur\u00fcckgezogen haben. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro3kl.jpg\" alt=\"Masparro\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich nahm einen klapperigen Lokalbus, meine detaillierte Karte zur Hand und sagte dem Busfahrer, er m\u00f6ge mich an einer Br\u00fccke \u00fcber den Masparro absetzen. Doch der gef\u00e4hrliche und reissende Fluss, in dem um 1536 mehrere Soldaten ertrunken waren, entpuppte sich als harmloses Rinnsal (Fotos oben). In <a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/y8f748t4\">Sabaneta<\/a> redete ich mit den Taxifahrern, die sich im Zentrum des Dorfes langweilten. Der \u00c4lteste von ihnen erbot sich, f\u00fcr sehr wenig Geld mit mir in der Gegend herumzufahren und das R\u00e4tsel um den Masparro zu l\u00fcften. Wir tuckerten in der gl\u00fchenden Hitze gem\u00fctlich in Richtung der Berge im Westen, und der alte Herr redete unentwegt auf mich ein, erz\u00e4hlte von seinen Kindern in den USA und welche Sorten Fische es im Masparro gebe. Und dann wurde mir klar, warum der Fluss heute keine Gefahr mehr ist: ein Staudamm! Das Wasser donnerte in einem mehrere Meter dicken Strahl in die Tiefe &#8211; und das in der Trockenzeit, in der der Fluss extrem wenig Wasser f\u00fchrt. Man kann sich vorstellen, wie es aussehen k\u00f6nnte, wenn es mehrere Monate lang geregnet hat: Die Ebene \u00f6stlich der Berge &#8211; der venezolanischen Anden &#8211; verwandelt sich in einen See. Und das erkl\u00e4rt auch, warum die Konquistadoren damals meinten, sie w\u00e4ren am Ufer des indischen &#8222;S\u00fcdmeers&#8220; und die <a href0\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Molukken\">Molukken<\/a> fast in Reichweite&#8230; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/masparro2kl.jpg\" alt=\"Masparro\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34941?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34941?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_34941 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_34941')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_34941').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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