{"id":34633,"date":"2018-07-30T09:19:52","date_gmt":"2018-07-30T07:19:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=34633"},"modified":"2018-07-30T09:26:47","modified_gmt":"2018-07-30T07:26:47","slug":"die-raramuri-tarahumara-mennoniten-und-der-chepe-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/07\/30\/die-raramuri-tarahumara-mennoniten-und-der-chepe-2","title":{"rendered":"Die Raramuri (Tarahumara), Mennoniten und der Chepe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc1kl.jpg\" alt=\"Cuauht\u00e9moc\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc2kl.jpg\" alt=\"Cuauht\u00e9moc\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc3kl.jpg\" alt=\"Cuauht\u00e9moc\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc4kl.jpg\" alt=\"Cuauht\u00e9moc\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc5kl.jpg\" alt=\"tarahumara\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc8gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc8kl.jpg\" alt=\"tarahumara\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"240\" height=\"360\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc7gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc7kl.jpg\" alt=\"chepe\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"240\" height=\"360\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc6gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc6kl.jpg\" alt=\"chepe\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"240\" height=\"360\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc9gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc9kl.jpg\" alt=\"chepe\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"240\" height=\"360\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc10gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc10kl.jpg\" alt=\"barranca del Cobre\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc11gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/mexico\/bdc11kl.jpg\" alt=\"barranca del Cobre\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left><sup>Dieser Artikel erschien auf Burks.de am <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/05\/25\/die-raramuri-tarahumara-mennoniten-und-der-chepe\">25.05.2015<\/a>. Einige Links wurden aktualisiert.<\/sup><\/p>\n<p>Manchmal \u00e4rgere ich mich dar\u00fcber, dass ich meine Reisen in den siebziger und achtziger Jahren nicht als Buch oder journalistisch ausgeschlachtet habe. Vor kurzem las ich bei <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/mit-dem-chepe-zug-durch-den-norden-mexikos-reisen-a-901399.html\">Spiegel online<\/a> eine Reportage \u00fcber eine Zugreise durch den wilden Norden Mexikos. Alles kommt dort vor, wor\u00fcber ich auch h\u00e4tte berichten k\u00f6nnen: Die deutschsprachigen Mennoniten, die karg-wilde Berglandschaft, eine der gr\u00f6\u00dften Schluchten der Welt, die aber kaum jemand kennt, und die aztekischen Tarahumara.<\/p>\n<p>Mit dem Zug &#8222;<a href=\"http:\/\/www.chepe.com.mx\/estac\/chihu.html\">Chepe<\/a>&#8220; von Chihuahua nach Los Mochis bin ich 1979 und 1982 gefahren, vorbei an der &#8222;Kupferschlucht&#8220; (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Barranca_del_Cobre\">Barranca del Cobre<\/a>), die vier Mal so gro\u00df ist wie der wesentlich ber\u00fchmtere Gran Canyon in den USA. Damals gab es noch keine komfortablen Waggons, der Chepe war mehr ein G\u00fcterzug mit einigen einfachen Waggons f\u00fcr Reisende. <\/p>\n<p>Ich war einige Zeit in dem Ort <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cuauht%C3%A9moc_%28Chihuahua%29\">Cuauht\u00e9moc<\/a>, der nach dem letzten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cuauht%C3%A9moc\">Herrscher der Azteken<\/a> benannt ist, und wohnte bei den dortigen strenggl\u00e4ubigen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mennoniten\">Mennoniten<\/a>, die mich als angeblichen &#8222;Lutheraner&#8220; als Gast akzeptieren. Die Bauern liehen mir einen Pickup, mit dem ich die Gegend erkundete (Foto oben); mit Pferd und Wagen, wie die meisten der Mennoniten sich fortbewegen, h\u00e4tte ich nicht wirklich umgehen k\u00f6nnen. Rund um den Ort in den Bergen findet man zahlreiche H\u00f6hlen, die vermutlich schon <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cave_dweller\">seit Jahrtausenden<\/a> von Menschen benutzt wurden.<\/p>\n<p>In Cuauht\u00e9moc sah ich auch die ersten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tarahumara\">Tarahumara<\/a>, eines der geheimnisvollsten indianischen V\u00f6lker Amerikas, nicht nur wegen ihrer F\u00e4higkeit, unglaublich lange Strecken laufen zu k\u00f6nnen, M\u00e4nner wie Frauen gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich hatte extra vor der Reise einige Worte ihrer Sprache gelernt, aber es ist sehr kompliziert, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Ein Tarahumara sagt oft zu einem anderen nicht einfach &#8222;Hallo&#8220; oder &#8222;guten Tag&#8220;, sondern stellt sich seitlich hin, dass die Schulter zum anderen zeigt &#8211; der andere macht es auch so. Dann tauscht man die sinngem\u00e4\u00dfge Gru\u00dfformel aus &#8222;Ich geh grad so zuf\u00e4llig hier vorbei und f\u00fchre nichts B\u00f6ses im Schilde&#8220;. Die Tarahumara oder Raramuri (&#8222;die Menschen&#8220;), wie sie sich selbst nennen, sind unglaublich stolz und selbstbewusst und k\u00f6nnen sehr aggressiv sein, auch untereinander, und der Gru\u00df soll wohl dokumentieren, dass man friedlich gestimmt ist. \u00dcber mich haben sie nur gegrinst, obwohl sie mich wohl verstanden, weil sie den Gru\u00df erwiderten &#8211; aber mehr nicht. <\/p>\n<p>Die Tarahumara laufen \u00fcbrigens in den Bergen immer hintereinander im G\u00e4nsemarsch, auch wenn Platz genug ist (vgl. das 5. Foto von oben). Manchmal verdingen sie sich als Tagel\u00f6hner, aber nur solange, wie sie wollen. An Vertr\u00e4ge halten sie sich nicht. Leider scheint die Drogenmanfia einige von ihnen heute <a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/mexican-drug-wars-next-victims-tarahumara-indian-runners-65101\">als Kuriere zu missbrauchen<\/a>. Ihre Heimat ist auch durch Abrodung durch holzverarbeitende Konzerne (Kapitalismus, Profit usw, wie bekannt) bedroht und auch durch die von der Regierung Mexikos erzwungene Hispanisierung von Verwaltung und Sprache.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tarahumara\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2013\/05\/250513_2.jpg\" alt=\"tarahumara\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left><i>Text aus: Claus <a href=\"http:\/\/www.germananthropology.com\/short-portrait\/claus-deimel\/439\">Deimel<\/a> : &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Tarahumara-Indianer-Norden-Mexikos-Edition\/dp\/3810801461\">Tarahumara: Indianer im Norden Mexikos<\/a>&#8220; (1980) &#8211; das beste und leider fast das einzige ernst zu nehmende wissenschaftliche Buch \u00fcber die Tarahumara.<\/i><\/p>\n<p>Die Raramuri sind neben den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seminolen\">Seminolen<\/a> Floridas das einzige Volk Nordamerikas, das nie bezwungen wurde, die Tarahumara haben es sogar geschafft, die Missionierungsversuche sowohl der Jesuiten als auch aktuell der Mennoniten weitgehend abzuwehren. Das ist eine Leistung, die man nur bewundern kann. Die Jesuiten wurden im 17. Jahrhundert erst ignoriert und dann verhauen und fortgejagt oder gar get\u00f6tet. Wenn ihnen etwas befohlen werde, klagte der Jesuitenpater Neumann 1686, w\u00fcrde die Indianer es extra nicht tun oder genau das Gegenteil. Sympathische Leute also und genau das Gegenteil vom deutschen Nationalcharakter. Rauschdrogen nehmen sie auch sehr gern, eine Peyote-Art, die sie <a href=\"http:\/\/archive.org\/stream\/abhandlungenderk18542deut\/abhandlungenderk18542deut_djvu.txt\"><i>hicoli<\/i><\/a> nennen. Deimel schreibt:<br \/>\n<i>Mit der Gutm\u00fctigkeit der Gemeinschaft kann der einzelne nicht lange rechnen. Man erwartet, dass jeder seine Arbeit allein ausf\u00fchrt. Spontane oder unbezahlte Hilfeleistungen sind nicht \u00fcblich und gelten gegebenenfalls als unh\u00f6flich, weil sie zu ungewollten Gegenleistungen zwingen. Auch Alte tragen schwerste Lasten, ohne da\u00df dabeistehende Jugendliche ihnen zu Hilfe kommen. (&#8230;) Mann und Frau behalten jeder das Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber ihr mitgebrachtes Erbe. Handel unter den Tarahumaras dauert deshalb so lange, weil beispielsweise ein Mann in der Regel nichts aus dem gemeinsamen Besitz verkauft, ohne seine Frau vorher zu fragen.<\/i><\/p>\n<p>Man sieht, welche Vorteile es hat, wenn das Christentum niemals viel zu melden hatte. Die Tarahumaras sind daf\u00fcr bekannt, dass sie ihre Kinder nie schlagen. H\u00e4uptlinge gibt es auch nicht, sie kennen noch nicht einmal ein Wort daf\u00fcr: &#8222;Von einem gebietenden Herrn haben die Tarahumaras keinen Begriff&#8220;, schreibt ein katholischer Pfaffe 1791 missmutig. Das einzige &#8222;Amt&#8220;, das die Tarahumara zu vergeben haben, ist eine Art Redner &#8211; der &#8222;Stabtr\u00e4ger&#8220; &#8211; bei j\u00e4hrlichen rituellen Trinkgemeinschaften (&#8222;tesg&uuml;inada&#8220; &#8211; ein Maisbier) &#8211; und das will niemand gern haben, weil es dazu verpflichtet, die gleichen Geschichten im Wortlaut zu erz\u00e4hlen, die allen schon immer erz\u00e4hlt wurden. Die Missionare waren \u00fcber die Sitten und Gebr\u00e4uche entsetzt: &#8222;Mehr oder weniger alle Teilnehmer einer <i>tesg&uuml;inada<\/i> nehmen an diesen schauspielerischen Formen des Geschlechtsverkehrs teil.&#8220;<\/p>\n<p>Die Tarahumara haben mit Fremden, die sie <i>chavochi<\/i> nennen, fast nur schlechte Erfahrungen gemacht. Touristen interessieren sie nicht.<\/p>\n<p>Der Zug hatte 1982 an mehreren Bahnh\u00f6fen lange Aufenthalte, einmal sogar einen ganzen Tag, daher k\u00f6nnte ich mich ausgiebig in den kleinen Siedlungen an der Bahnstrecke umsehen. Das Foto mit den drei Tarahumara habe ich in <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/pg2qcd2\">Creel<\/a> gemacht, das damals noch ein winziges Nest war.<\/p>\n<p>Und nun zu etwas ganz anderem, der Barranca (spanisch f\u00fcr Schlucht oder Canyon) del Cobre. Hm, nun ja, die ist sehr sch\u00f6n, wie die Fotos zeigen. El condor no pasa, weil er fast <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kalifornien-Kondor\">ausgestorben ist<\/a>. Mehr wei\u00df ich dazu nicht zu sagen.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34633?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34633?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_34633 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_34633')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_34633').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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