{"id":3453,"date":"2009-10-19T19:22:02","date_gmt":"2009-10-19T18:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=3453"},"modified":"2009-10-19T19:52:46","modified_gmt":"2009-10-19T18:52:46","slug":"gebt-die-drogen-frei-oder-arbeit-macht-drogenfrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2009\/10\/19\/gebt-die-drogen-frei-oder-arbeit-macht-drogenfrei","title":{"rendered":"Gebt die Drogen frei! Oder: Arbeit macht drogenfrei"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/heroin\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2009\/10\/191009_3.jpg\" alt=\"Hedonismus\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left>Zeit Online, Ihr habt jetzt zehn linkfreie &#8222;online&#8220;-Artikel frei, ohne dass ich meckere! Warum? Wegen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/43\/op-ed-Gray?page=1\">dieses Artikels<\/a>: &#8222;Gebt die Drogen frei! &#8211; Eine k\u00fchle Kalkulation von Kosten und Nutzen zeigt, dass der Kampf gegen das Rauschgift gescheitert ist. Weil er scheitern musste&#8220;. (Ein kausaler Nebensatz als Hauptsatz? Gut, man kann nicht alles haben, aber das ist Asthma-Stil).<\/p>\n<p>Zentrale Botschaft: &#8222;Der &#8218;Krieg gegen die Drogen&#8216; ist eine gescheiterte Strategie, die weit mehr Schaden als Nutzen gebracht hat. (&#8230;) Der Kreuzzug gegen die Drogen wird als eine der gr\u00f6\u00dften Torheiten der Neuzeit in die Geschichte eingehen.&#8220; <\/p>\n<p>Ja, jedes Wort wahr. Jetzt aber verrate ich euch was. Seit meinem Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/heroin\">Heroin<\/a>&#8220; (erschienen 1993) und auch schon vorher hat es immer wieder einzelne vern\u00fcnftige Menschen gegeben, die genau das sagten, was man jetzt bei Zeit online liest. Ich empfehle die Artikel des Nobelpreistr\u00e4gers <a href=\"http:\/\/www.druglibrary.org\/special\/friedman\/milton_friedman.htm\">Milton Friedman<\/a>, ganz besonders: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.druglibrary.org\/special\/friedman\/war_we_are_losing.htm\">The War We Are Losing<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Aber das alles ist vergebliche M\u00fche. Es geht nicht um Argumente. Damals schrieb ich (in alter Rechtsschreibung): <\/p>\n<p>&#8222;Was der Gesellschaft gerade an der Heroinsucht so aufst\u00f6\u00dft, hat wenig mit der Droge selbst, um so mehr mit der damit zusammenh\u00e4ngenden Subkultur zu tun. Kompliziert formuliert: &#8218;Die strukturelle Anf\u00e4lligkeit westlicher Gesellschaften f\u00fcr Konflikte \u00fcber die moralische und rechtliche Bewertung des Drogenkonsums ergibt sich aus der delikat ausbalancierten Stellung des Drogenkonsums in einer sowohl am Leistungs- wie auch am hedonistischen Prinzip orientierten Gesellschaft.&#8216; <\/p>\n<p>Einfacher: Wer etwas leistet, erfreut sich in Gesellschaften, die im weitesten Sinne auf den moralischen Prinzipien der protestantischen Arbeitsethik fu\u00dfen, eines hohen Ansehens &#8211; und darf sich dann auch mal was Sch\u00f6nes g\u00f6nnen. Wer freiwillig faul ist, gilt, je nach Rigidit\u00e4t der Norm, als sozialer Abweichler. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, hie\u00df es im alten Preu\u00dfen. Wer dem Rausch fr\u00f6nt und s\u00fcchtig ist, genauer: nach oder von illegalen Drogen s\u00fcchtig ist, sei arbeitsunf\u00e4hig und damit auch moralisch verwerflich &#8211; so jedenfalls das Klischee der \u00f6ffentlichen Meinung. Man darf dem individuellen Lustprinzip huldigen, wenn man vorher etwas geleistet hat, nur dann. Erst die Arbeit, dann das Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Frage ist nur: Wie viele Arbeitsunwillige kann unsere Gesellschaft vertragen? Nicht ihre reale Zahl ist wichtig, sondern ihre symbolische Ausstrahlungskraft, die Faszination einer Drogen-Subkultur, die den normal arbeitenden B\u00fcrger zutiefst verunsichert. Die &#8218;Sucht&#8216;, die gleichzeitig das Lustprinzip auf die Spitze treibt, ist ein Angriff auf die Moral. Sucht ist nur in der Freizeit gestattet, als Ausgleich zum Stre\u00df des Arbeitslebens, als versch\u00e4mt genossenes Privatvergn\u00fcgen oder im Rahmen akzeptierter Rituale wie beim Fu\u00dfball oder im Vereinswesen.<\/p>\n<p>Das Klischee der &#8218;Sucht&#8216; als Verweigerung der Leistung ist so in den K\u00f6pfen etabliert, da\u00df die Realit\u00e4t kaum eine Chance hat: Heroinabh\u00e4ngige, die problemlos mit ihrer Droge versorgt w\u00fcrden oder werden &#8211; was wegen der Illegalisierung des Heroins kaum der Fall ist -, sind genauso arbeitswillig und -f\u00e4hig wie jemand, der jeden Tag drei Schachteln Zigaretten raucht. Ihre Leistungsf\u00e4higkeit ist nicht wesentlich beeintr\u00e4chtigt, noch nicht einmal, im Gegensatz zu Alkoholikern, die Fahrt\u00fcchtigkeit. Sie richten also keinen Schaden an, jedenfalls nicht mehr als diejenigen, die ohne Drogen auskommen Warum sollte also die Heroin-Sucht \u00fcberhaupt behandelt oder gar therapiert werden?&#8220;<\/p>\n<p>Der &#8222;Kampf gegen Drogen&#8220; ist ein zentrales Element der protestantisch-asketischen Alltagskultur, die Mitteleuropa seit dem Mittelalter und vor allem die puritanische USA gepr\u00e4gt haben. Das &#8222;Sich-gehen-Lassen&#8220; im Rausch ist das Gegenteil der Arbeit, also verboten. Und Arbeit (oder Sport) machen angeblich &#8222;drogenfrei&#8220;, wenn man der moraltheologischen Werbung und den Leits\u00e4tzen der &#8222;Therapien&#8220; glauben will. Das aber ist Unfug.<\/p>\n<p>&#8222;Im neuzeitlichen Mitteleuropa ist der Konsum von Drogen nicht, wie im Orient, in das soziale Leben integriert, er wird vom herrschenden Tugendkanon als abschreckendes Beispiel definiert, wie man es nicht machen soll. Selbstkontrolle und -disziplin gelten als unabdingbar f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der sozialen Ordnung. Wer sich gehenl\u00e4\u00dft und dem Rausch fr\u00f6nt, kann seine Arbeitskraft nicht mehr eigenverantwortlich auf dem Arbeitsmarkt verkaufen. Der franz\u00f6sische Philosoph <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Michel_Foucault\">Michel Foucault<\/a> hat die These aufgestellt, die Irrenanstalten &#8211; Vorl\u00e4ufer der heutigen psychiatrischen und Nervenkliniken -, die es erst in der modernen Gesellschaft gibt, h\u00e4tten zur Wiederherstellung der &#8218;kollektiven Selbstdisziplin&#8216; gedient. Die Gesellschaft erkl\u00e4rt einige Verhaltensweisen f\u00fcr \u00abnormal\u00bb und \u00abn\u00fctzlich\u00bb, andere f\u00fcr verwerflich und krank. Vor diesen mu\u00df man sich sch\u00fctzen, indem man die Betreffenden, die sich uneinsichtig verweigern, wegsperrt&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;&#8218;Sucht&#8216; als Ph\u00e4nomen, das sowohl repressive staatliche Ma\u00dfnahmen nach sich ziehen mu\u00df als auch nach therapeutischem Bem\u00fchen verlangt, taucht erst dann auf, wenn sich die S\u00fcchtigen als soziale Randgruppe und\/oder als subversive Subkultur im Bild der \u00d6ffentlichkeit etabliert haben. Das hat mit der Realit\u00e4t wenig zu tun, sondern dient den jeweiligen Interessen, das Verh\u00e4ltnis des B\u00fcrgers zum Staat zu definieren. Die Vorstellung von &#8218;Sucht&#8216; als Krankheit ist untrennbar verbunden mit der Unterdr\u00fcckung von unerw\u00fcnschtem Verhalten und von Minderheiten.&#8220;<\/p>\n<p>Womit wir bei der Drogen<i>politik<\/i> w\u00e4ren. &#8222;Der SS- und Polizeichef Heinrich Himmler schreibt am 5.12.1937: &#8218;Kein Deutscher hat daher das Recht, die Kraft seines K\u00f6rpers und Geistes durch Alkoholmi\u00dfbrauch zu schw\u00e4chen. Er sch\u00e4digt damit nicht nur sich, sondern seine Familie und vor allem sein Volk&#8216;.&#8220;  [Ersetze &#8222;Alkohol&#8220; heute durch &#8222;Heroin&#8220; oder &#8222;Marihuana&#8220;.]<\/p>\n<p>Ceterum censeo: Wer beim Thema Drogen auf Vernunft und Argumente baut, hat verloren und kann auch gleich Perlen vor die S\u00e4ue werfen. Es geht viel mehr um Vorurteile und Moraltheologie. Und dagegen ist kein Kraut gewachsen.<\/p>\n<p><i>Die Fotos stammen aus einem <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=5292\">Wahlwerbespot<\/a> der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands (<a hrer=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/APPD\">APPD<\/a>), der vom WDR 2005 abgelehnt wurde. Begr\u00fcndung des WDR: &#8222;Als offen\u00adsichtlich schwer jugendgef\u00e4hrdende Tr\u00e4ger\u00admedien und daher als unzul\u00e4ssige Angebote im Sinne der genann\u00adten Norm hat die Rechtsprechung insbesondere solche ange\u00adsehen, die die Darstellung sexueller Erniedrigungen auch unter\u00adhalb der Pornographie\u00adgrenze (vor allem sog. &#8222;Sado-Maso&#8220; und &#8222;Bondage&#8220;-Inhalte), die Verherrlichung des sexuellen Auslebens, wahlloser Partnerwechsel oder sexueller Lust oder die Verherr\u00adlichung oder Anpreisung des Alkohol- und Drogenkonsums sowie von Gewalt beinhalten.&#8220;<\/i><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3453?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3453?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3453 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3453')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3453').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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