{"id":34409,"date":"2018-06-21T11:39:40","date_gmt":"2018-06-21T09:39:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=34409"},"modified":"2018-06-21T12:40:32","modified_gmt":"2018-06-21T10:40:32","slug":"unter-produktmanagern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/06\/21\/unter-produktmanagern","title":{"rendered":"Unter Produktmanagern"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2011\/07\/080711_1.jpg\" alt=\"News of the world\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p align=left><i>Dieser Artikel von Roger Boyes erschien unter dem Titel &#8222;Journalisten sind Verr\u00e4ter&#8220; im Medienmagazin <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=5062\">Berliner Journalisten<\/a> (heute: <a href=\"http:\/\/www.berliner-journalisten.com\">Nitro<\/a>), Ausgabe 3, 2005. Er ist immer noch aktuell. News of the World wurde am 10.07.2011 eingestellt. Auf Burks.de wurde er <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2011\/07\/08\/news-of-the-world-ein-nachruf\">2011<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/i><\/p>\n<p><i>Aktueller Anlass: Gestern hielt ich eine Rede zum 70. Geburtstag des <a href=\"https:\/\/www.djv-berlin.de\/\">Deutschen Journalistenverbands Berlin<\/a>. Darin zitierte ich den Boyeschen Satz (vgl. unten), dass das \u00f6ffentliche Ansehen von Journalisten in Gro\u00dfbritannien gegen unter Null tendiere, &#8222;gleich dem von Immobilienmaklern und minimal \u00fcber dem von Kindersch\u00e4ndern. Das ist gesund.&#8220; Daraufhin wurde ich nach meiner Rede von einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/advertorials\/ots\/dpa-deutsche-presse-agentur-gmbh-alexander-blum-wird-produktmanager-video-bei-dpa\/20836720.html\">Kollegen von DPA<\/a> erregt angesprochen, der sinngem\u00e4\u00df meinte, mein Zitat sei unversch\u00e4mt und dem Anlass unangemessen. Er k\u00fcndigte an, aus dem DJV Berlin auszutreten. Er hatte wohl auch herumgefragt, ob der Vorstand meine Rede vorher &#8222;abgenommen&#8220; h\u00e4tte (Nat\u00fcrlich nicht, ich durfte sagen, was ich wollte.). Da zeigt sich doch gleich, wes Geistes Kind deutsche Journalisten sind.<\/i><\/p>\n<p>Jedes Jahr feiert die britische Presse, wie auch die deutsche Presse, sich selbst. Bei den Briten l\u00e4uft das nat\u00fcrlich ein bisschen anders ab. Man betrinkt sich, man fl\u00fcstert sich boshaften Tratsch zu; manchmal gibt es eine Schl\u00e4gerei in den G\u00e4ngen eines teuren Grandhotels, in dem die Preisvergabe stattfindet.<\/p>\n<p>Die britische Presseauszeichnung &#8222;Scoup of the Year&#8220; &#8211; das journalistische \u00c4quivalent zum Oskar &#8211; ging dieses Mal [<i>2005<\/i>] an <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/wiki\/News_of_the_World\">News of the World<\/a>, ein Revolverblatt. Der Medien-Oskar wurde f\u00fcr eine Geschichte verliehen, mit der erstmal die Identit\u00e4t der Geliebten von Fu\u00dfballstar David Beckham enth\u00fcllt wurde.<\/p>\n<p>Das Wort &#8222;scoop&#8220; hat eine ganz spezielle Bedeutung. Gemeint ist eine Zeitungsmeldung, die etwas von gr\u00f6\u00dftem \u00f6ffentlichen Interesse aus Licht bringt, h\u00e4ufig nach wochen- oder monatelangen Recherchen. David Beckhams Geliebte hingegegen war gekauft: Sie hatte eingewilligt, die erotischen Textnachrichten, die sie von dem Spieler erhalten hatte, an News of the World zu verkaufen.<\/p>\n<p>Als der &#8222;Scoop&#8220;-Preistr\u00e4ger verk\u00fcndet wurde, ging ein \u00c4chzen durch den Raum. Ein Journalist, der \u00fcber mehrere Monate hinweg korrupten Machenschaften in der UN nachgesp\u00fcrt war, verlie\u00df den Raum und \u00fcbergab sich im Herrenklo. Elf leitende Redakteure verk\u00fcndeten, sie w\u00fcrden nicht mehr an der allj\u00e4hrlichen Zeremonie teilnehmen. &#8222;Dies ist das Ende des investigativen Journalismus&#8220;, sagte einer, &#8222;Berichterstattung ist zur Farce verkommen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Und doch steckte mehr Leben, mehr journalistischer Geist in diesem l\u00e4cherlichen Revolverblatt als in der gesamten deutschen Presselandschaft.<\/b> Die News-of-the-World-Geschichte war zwar so wertlos wie eine Weimarer Banknote. Doch im Auftrag just dieser Zeitung arbeitet ein Redakteur namens <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/wiki\/Mazher_Mahmood\">Mazher Mahmood<\/a>, dessen Ver\u00f6ffentlichungen bereits in 118 F\u00e4llen dazu beigetragen haben, P\u00e4dophile, Schleuser, F\u00e4lscher, russische Mafiosi und Hochstapler zu \u00fcberf\u00fchren. Er ist sieben Mal zusammengeschlagen worden und mittlerweile in st\u00e4ndiger Begleitung eines Bodyguard. Das Haus seiner Eltern in Birmingham wurde bereits von einer Stra\u00dfenbande mit Macheten \u00fcberfallen. Zu allem \u00dcbel kommt die Ablehnung seiner Kollegen: Mahmood ist ein Au\u00dfenseiter. F\u00fcr mich ist so eine Art postmoderner Held. Er hat etwas von Walraff. Beide setzen auf Verkleidungstaktiken, aber Mahmood ist professioneller als jener.<\/p>\n<p>Mahmood arbeitet mit einem Team von Mitarbeitern, inklusive Technikern, die Gespr\u00e4che mutma\u00dflicher Verbrecher abh\u00f6ren. \u00dcber das Internet werden Kontobewegungen nachvollzogen; aus dem Mobilfunknetz werden Daten abgesaugt und analysiert.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich sagte er in einem Interview: &#8222;Ich habe etwa 40 000 Britische Pfund f\u00fcr Geschichten investiert, aus denen am Ende nichts geworden ist, und niemand in der Redaktion hat sich beschwert. Es ist ein Gesch\u00e4ft, da braucht es Investitionen. Unser Gesch\u00e4ft ist es, Zeitungen zu verkaufen. Die entscheidende Frage ist: Wor\u00fcber sprechen die Leute in den Kneipen? Sprechen sie \u00fcber deine Geschichte, so ist das viel mehr wert als eine journalistische Auszeichnung. (&#8230;)<\/p>\n<p>Meinungsumfragen zeigen, dass das \u00f6ffentliche Ansehen von Journalisten in Gro\u00dfbritannien gegen unter Null tendiert, gleich dem von Immobilienmaklern und minimal \u00fcber dem von Kindersch\u00e4ndern. Das ist gesund. Journalisten sollten gef\u00fcrchtet, nicht geliebt werden, so die angels\u00e4chsische Lektion.&#8220; <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34409?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34409?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_34409 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_34409')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_34409').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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