{"id":34060,"date":"2018-04-24T16:37:03","date_gmt":"2018-04-24T14:37:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=34060"},"modified":"2018-04-24T16:37:03","modified_gmt":"2018-04-24T14:37:03","slug":"phantasus-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2018\/04\/24\/phantasus-revisited","title":{"rendered":"Phantasus, revisited"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Artikel erschien in leicht ver\u00e4nderter Form in Pl@net im November 1996 (!). Die <a href=\"http:\/\/www.damaschke.de\/planet\/\">Pl@net<\/a>, das erste deutsche Internet-Magazin, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Trendwechsel-bei-Pl-net-3411026.html\">wurde 1997<\/a> zu Internet Professionell. Das Thema: Die virtuelle Welt Phantasus alias &#8222;Worldsaway&#8220; alias &#8222;vzones&#8220;. Virtuelle Welten, die mit Avataren bev\u00f6lkert waren &#8211; wie heute <a href=\"http:\/\/secondlife.com\/\">Second Life<\/a> -, gab es also schon vor fast zwanzig Jahren. (Vgl. <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=6686\">spiggel.de<\/a>, 26.02.2007: &#8222;Kein Ort. nirgends&#8220;) Es gibt nur noch sehr wenige <a href=\"http:\/\/vzn.eddcoates.com\/rarepics.shtml\">Screenshots<\/a> von Phantasus aka <a href=\"https:\/\/www.pcworld.com\/article\/3005781\/software-games\/this-old-tech-remembering-worldsaways-avatars-and-virtual-experiences.html\">WorldsAway<\/a> aka <a href=\"http:\/\/www.digitalspace.com\/avatars\/book\/fullbook\/chwa\/chwa3.htm\">Dreamscape<\/a>. Ich habe Phantasus 1995 auch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Habitat_(video_game)#WorldsAway\">via Compuserve<\/a> gespielt.<\/i> <\/p>\n<p>Ave Avatar! So nannten sich die indischen G\u00f6tter, die die Menschen aufsuchten. Gliedma\u00dfen, K\u00f6pfe und K\u00f6rper suchen sie sich nach Gutd\u00fcnken aus. Die Erdlinge sollten sich in der Illusion hingeben, die G\u00f6tter seien wie sie, so wie der heutige Avatar angeblich dem realen Menschen \u00e4hnelt. <\/p>\n<p>Am Anfang ist der Avatar allein und so ung\u00fcnstig gekleidet wie der Terminator bei seiner Ankunft in der Gegenwart. Nicht nackt, aber in h\u00e4\u00dfliches Dunkelblau gewandet, auf den Planken eines virtuellen Schiffes, das auf dem Meer dahind\u00fcmpelt. Der K\u00f6rper schm\u00e4chtig, aber im Profil mit dem Robbenbaby-Effekt ausgestattet, Kulleraugen und Schmollmund. Ein bi\u00dfchen d\u00fcmmlich und hilflos blickt man noch namenlos in die knallbunte Welt.  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/wl07\/pix\/260207_1.jpg\" alt=\"phantasus\" align=\"right\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\"\/><\/p>\n<p>Der Neuling trampelt per Mausklick ein wenig hin und her, dreht sich, schlenkert mit den Armen, winkt dem Alter Ego vor dem Bildschirm zu, hopst versuchsweise auf und ab und wartet auf etwas Aufregendes, Seejungfrauen oder \u00e4hnliche Ungeheuer. Nichts passiert, nur, da\u00df man zwangsweise auf die Uferpromenade verfrachtet wird und sich entscheiden mu\u00df, ob man in Zukunft M\u00e4nnchen oder Weibchen sein will.<\/p>\n<p>Drei K\u00f6rper stehen pro Geschlecht zur Auswahl: schlank, athletisch oder dick, ganz wie im wirklichen Leben. Wer Mann ist, neigt spontan zur Schwarzenegger-Variante oder, wenn man Computer-Freak ist und ehrlich sich selbst gegen\u00fcber, mehr zum leptosomen Typus, der leicht vorn\u00fcbergebeugt daherschlurft. Athletische Frauen haben den M\u00e4nnern etwas voraus: Sie k\u00f6nnen sich, wiederum per Mausklick, eine kurze Zeit in die L\u00fcfte erheben und schweben, mit den Armen ausgestreckt flatternd, \u00fcber dem virtuellen Erdboden. <\/p>\n<p>Fast wehm\u00fctig habe ich mir meinen ersten Screenshot auf den Bildschirm geholt: &#8222;This is my first minute as an Avatar&#8230;&#8220; sagt das blaue M\u00e4nnchen unsicher zu sich selbst. Hinter ihm wartet ein weiteres blaues M\u00e4nnchen, das beim Anklicken seine Identit\u00e4tsnummer ausspuckt, 2735, auch ein Neuling. Das Ambiente in sanften Farben, ein paar S\u00e4ulen, die an nichts erinnern In fast unendlichen Weiten blaue Berge Fu\u00dfg\u00e4ngerzonenkompatibles Kleinpflaster. Und nat\u00fcrlich die anderen, wegen derer man Phantasus betreten hat und mit denen man chatten will. Ein athletischer Kerl mit Birne auf dem Kopf und Schiffchen unter dem Arm. Eine schwarzgelockte Sch\u00f6nheit mit weiblicher Fu\u00dfstellung, also nicht so breitbeinig wie die M\u00e4nner. Daf\u00fcr kann sie nichts, aber die Programmierer, die sich diesen interaktiven Comicstrip ausgedacht haben. Alles hat seine Ordnung. <\/p>\n<p>Aber vielleicht ist die junge Sch\u00f6ne keine Sie, sondern ein \u00e4ltlicher Er? Und das schm\u00e4chtige Hutzelm\u00e4nnchen, das sich soeben etwas ruckelnd von links ins Bild schleicht, im wahren Leben Kate Moss oder Linda Hamilton? Die Phantasie darf schweifen, aber nicht zu ausschweifend. Au\u00dfer Winken, Hopsen, Achselzucken und den Mimik-Varianten Trauer, Frohsinn, Wut und &#8222;Normal&#8220; ist nichts vorgesehen, nur reden, reden, reden. Die Worte schweben als eckige Sprechblasen \u00fcber der Szenerie. Ein ideales Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr die frauen- und m\u00e4nnergruppengest\u00e4hlten neuen Mittelschichten. <\/p>\n<p>Und warum sollte ich etwa Herren mit Froschk\u00f6pfen, Damen mit Katzensch\u00e4deln oder den Typen mit dem Astronautenhelm anquatschen? Den Fischkopf, der ausnahmsweise nicht aus Hamburg, sondern aus M\u00fcnchen stammt? Oder den, der einen Computer statt Kopf auf den Schultern balanciert? Oder einen Ghettoblaster? Ein Psychologe w\u00fc\u00dfte interessante Fragen zu stellen. Rollenspiel? Regression? Ich bin wieder ein Kleinkind und alle sind lieb zu mir! Streichle mich! Ich bin eine Maschine und funktioniere pr\u00e4chtig! Ich werde bewundert, weil ich einen Kopf trage, den niemand tr\u00e4gt! Den niemand sich leisten kann! Mein Rasenm\u00e4her ist der schnellste! <\/p>\n<p>Wer die Regeln und Rituale einer fremden Welt nicht kennt, bewegt sich mi\u00dftrauisch und vorsichtig. Wer wei\u00df, ob nicht irgendwo eine virtuelle Gottheit lauert, die unbotm\u00e4\u00dfiges Verhalten mit Dematerialisation bestraft oder allzu kecke Neulinge an unfreundliche Orte beamt? Also tastet man sich vor in Phantasus und erreicht den Eingang des Jungle Parks. Auch dort lungern diverse Gestalten herum, die sich in englisch unterhalten. Smileys tauchen auf und ab. Wer neu kommt, wird angewinkt. Hello, hallo, hi. Park your Butt, Newbie! Hinsetzen funktioniert nicht, ist also nur metaphorisch gemeint. We\u2019re having a helluva time! Oops. Gobsmacking! <\/p>\n<p>Das &#8222;umwerfend&#8220; ist leider nicht auf mich gem\u00fcnzt, sondern auf eine schlanke Dame, die soeben materialisiert. Ganz in rot, blonde L\u00f6ckchen, mit geheimnisvoller Kapuze und schwarz umrandeten Augen wie die Panzerknacker-Bande. Die will mir etwas zeigen, ein Geheimnis, sagt sie per ESP. Das ist so etwas wie &#8222;personal mail&#8220;, eine Nachricht, die niemand au\u00dfer mir lesen kann. Wie hei\u00dft das Fr\u00e4ulein? Mausklick. &#8222;Headhunter Temptress.&#8220; Nomen est omen? Schon fordert sie mich auf, meinen virtuellen Kopf auf den Fu\u00dfboden zu legen. Anklicken und &#8222;put on the floor.&#8220; Denkste. Die will doch etwas anderes als mir ihre digitalisierte Briefmarken oder etwas Pikanteres zu zeigen. Ich lasse meinen Kopf dort, wo man ihn am ehesten erwartet. Headhunter Temptress verwandelt sich in einen &#8222;Geist&#8220;, eine winzige Wolke am Bildrand, in deren Mitte ein Auge blinzelt. <\/p>\n<p>Bald begegne ich anderen blauen Neulingen, deren Hals kopflos im Nichts endet. Also gibt es auch in WorldsAway das B\u00f6se, das zu unserem edlen Charakter geh\u00f6rt wie der Schatten zum Licht. Zeit, sich einen Namen zu geben und zu machen! Doch wie? Der Mitmensch und Avatar an sich ist hilfreich und gut und beantwortet diesbez\u00fcgliche Fragen, ja, die betreffende Ente in gelben Hosen erkl\u00e4rt sich bereit, den Weg zum Tempel zu zeigen. Wohin des Wegs, m\u00fcder Wanderer? Berlin, Germany. I\u2019m from California. Oh, nice. Mr. Bill Gates, I presume? Fr\u00f6hliches Smiley. My name is Angela. A female Duck, eine \u00dcberraschung inmitten der netzsurfenden M\u00e4nnergruppen. How old are you? Twentytwo. K\u00f6nnte meine Tochter sein. I\u2019m just the double oder wie hei\u00dft das noch mal? Darf man online The Advanced Learner\u2019s Dictionary for Current English benutzen? Das ist also chatten. <\/p>\n<p>Der Tempel, ein leicht esoterisch angehauchtes Geb\u00e4ude, das mit antiken Vorbildern architektonisch so viel zu tun hat wie das Hauptquartier der Mormonen mit der Akropolis. Die Ente zeigt das Buch der B\u00fccher, in dem sich jeder Avatar mit einem Pseudo verewigt. Sunray Dream Keeper. Big Kahoona. Duckolyte Sr. Wing, Doc Moriarty, Mischi, Thomas, Perry Rhodan und Vagabund. Alien 1, Kiwi-Schokoline, Crusader Obi, Ronny und Cloachrd. Ich hei\u00dfe jetzt ganz profan Burks. Und bald werfe ich meinen Kopf in den Recycling-Automaten. F\u00fcr ihn bekomme ich eine Handvoll Tokens. F\u00fcr eine Handvoll mehr kaufe ich mir in einem Automaten einen braungebrannten und b\u00e4rtigen Fakir-Sch\u00e4del. Zu dem pa\u00dft der leptosome K\u00f6rper. Wo gibt es nur schwarzes Spray f\u00fcr Hemd und Hose?<\/p>\n<p>Was machst Du denn so, Avatar? Avatare spiegeln die reale Welt und nichts anderes als die. Wer glaubt, ein weiblicher K\u00f6rper in einer virtuellen Stadt wie Phantasus verwandle einen in eine Frau, der wei\u00df nichts von Frauen. Aus einem Puttchen am PC wird trotz athletischem Avatar keine Emanze. WorldsAway lebt von der Illusion, zweidimensionale bewegte und sprechende Bildchen k\u00f6nnten irgendetwas mit dem realen Leben zu tun haben. Weit gefehlt: Kommunikation per Chat funktioniert wie alle andere Formen der Kommunikation auch. Man nimmt nur das zur Kenntnis, was man schon kennt und das redundante Weltbild nicht irritiert. <\/p>\n<p>Von wegen Rollenspiel: Wer in virtuellen Welten plaudert und chattet, macht nur soziale Ger\u00e4usche, deren Erfahrungswert dem eines traditionellen Kaffekr\u00e4nzchens oder Stammtisches gleicht. Daf\u00fcr sorgt schon die infantile Sprache. Man mu\u00df schon lange suchen, um in Phantasus einen ganz normalen deutschen Satz, wom\u00f6glich durch Kommata unterteilt, zu finden. Einwand: Eine Million Fliegen k\u00f6nnen nicht irren. Chatten ist eine der beliebtesten Besch\u00e4ftigungen der Netzgemeinde. Die Wirklichkeit spielt ihrer virtuellen Widerspiegelung einen Streich. Man lernt sich online kennen, verliebt sich sogar in das, was der andere sagt, versp\u00fcrt das Bed\u00fcrfnis, sein gegen\u00fcber kennenzulernen. Das funktioniert aber so gut wie nie. Man lebt von der Hoffnung und der Hand im Mund. <\/p>\n<p>Avatar-Treffen, wie sie in der RW (Realen Welt) stattfinden, sind nicht mehr oder weniger als ein Kegelabend von Kaninchenzuchtfreunden, die sich \u00fcber ein gemeinsames Hobby kennenlernten. Und behaupte jemand, die Zucht von Karnickeln und die damit verbundene menschliche Interaktion sei sozial weniger wertvoll als eine Versammlung von Computer-Besitzern, die &#8211; als Comic-Strip-Figur &#8211; online gemeinsam Bingo gespielt haben!  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/wl07\/pix\/260207_2.jpg\" alt=\"phantasus\" align=\"left\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\"\/><\/p>\n<p>Apropos: Aktiver als Chatten ist das gemeinsame Spiel im Spiel. Wer das fucking englische manual der bingo.exe aus der Forums-Bibliothek verstanden hat, kann so sein virtuelles Konto auff\u00fcllen.. Dem unbedarften Neuling passiert es, da\u00df er soeben mit M\u00fche vom Geist zum Avatar materialisiert ist, weil nicht mehr als sieben Figuren auf einen Screen passen. Statt eines Gespr\u00e4chs der Anwesenden erscheinen kryptische Zahlenk\u00fcrzel, N-43, O-69, N-35, B-15. Wenn er Pech hat, fordert ihn jemand h\u00f6flich, aber bestimmt auf, schleunigst wieder zum Geist zu werden, weil man das Spiel verlangsame. Das ist Bingo. \u00c4hnlich niveauvoll, der Name sagt es, kann sich jeder an Trivial Pursuit beteiligen, auf deutsch oder englisch. Oder Ghostracing: Wer am schnellsten vom Geist zum Avatar materialisiert oder umgekehrt oder von einem Ort an Phantasus zum anderen gelangt. Die Teilnehmer versammeln sich anschlie\u00dfend zum Gruppenscreenshot. <\/p>\n<p>\u00dcberhaupt die Deutschen. Die sorgen f\u00fcr Kultur. Der deutschsprachige &#8222;Traumbote&#8220; ist die meistgelesene Zeitschrift in WorldsAway, erstellt von Idealisten und Idealistinnen, mit einer gr\u00f6\u00dferen Auflage als der &#8222;offizielle&#8220; englische &#8222;Clarion&#8220;. Der &#8222;Traumbote&#8220; bietet alles, was ein Vereinsbl\u00e4ttchen braucht und was die positiven Vibrations der Leser garantiert. Lesen und gelesen werden: Was ich neulich erlebt habe. Steckbriefe der bekannten Diebe. The Yellow Pages. Stadtf\u00fchrung f\u00fcr Neulinge. Veranstaltungskalender: Demn\u00e4chst Lesung mit dem ber\u00fchmten Gedicht &#8222;Ode-to-your-Head&#8220; &#8222;Ich suche eine liebe (!) Partnerin f\u00fcr eine WG. Allein kann ich mir nur ein Zimmer leisten.&#8220; <\/p>\n<p>Gemeint sind die virtuellen Zimmer im neuerrichteten Geb\u00e4ude gleich hinter dem &#8222;Magic Shop&#8220;. Die Miete ist nicht von Pappe und wird vom Token-Konto abgezogen. Wer sich nicht lange genug in Phantasus aufh\u00e4lt, goes to Moscow (wird gepf\u00e4ndet). Man verdient Tokens, die W\u00e4hrung in WorldsAway, automatisch, ohne den Finger r\u00fchren zu m\u00fcssen, pro Stunde Aufenthalt, aber nicht als Geist, sondern als Avatar. Manchmal trifft man einen bewegungslos vor sich hin starrenden Avatar, der auf keinerlei provokative Anmache reagiert. Richtig vermutet: Das wahre Selbst der Figur verlustiert sich anderweitig und l\u00e4\u00dft sein virtuelles Ich durch blo\u00dfes Dasein in Phantasus Tokens horten. Mehrere Token-Automaten stehen in WorldsAway herum und spucken die goldigen M\u00fcnzen aus. <\/p>\n<p>Wer Geld hat, staffiert sich aus. Im NuYu und im U-Mart warten Automaten mit neuen K\u00f6pfen, Utensilien, die man in Kisten verpacken und mit sich herumtragen kann, Spraydosen, um Teile seine K\u00f6rpers in allen Farben des Regenbogenspektrums zu f\u00e4rben, und unn\u00fctzer Schnickschnack wie Teddyb\u00e4ren. Je seltener die Gegenst\u00e4nde sind, um so mehr gewinnen sie an &#8222;Wert&#8220; und um so h\u00f6her werden sie bei virtuellen Auktionen eingesch\u00e4tzt. Kleine Lektion Sp\u00e4tkapitalismus gef\u00e4llig? Da will jemand f\u00fcr einen extrem originellen Rosenkopf 1800 Tokens. Das sind 30 Stunden online, &#8222;die kosten mich sage und schreibe 105 echte Deutschmark&#8220;, schreibt ein Avatar verbittert. <\/p>\n<p>Die flei\u00dfigen Deutschen sind nicht so beliebt wie sie selbst meinen. Nat\u00fcrlich bleiben die amerikanischen Avatare h\u00f6flich und korrekt, aber lieber unter sich. Schon wieder haben die Krauts die Mehrheit. Blo\u00df weg hier. Drei aus Florida &#8222;ghosten&#8220;. Wahrscheinlich haben sie sich im Starway-Cafe verabredet oder im Meditation-Park. Germany? I\u2019m from Great Britain. Don\u2019t like Huns. We win every war against you. &#8211; And Falkland? Shut up. Weg isser. <\/p>\n<p>Wo bleibt das Abenteuer? Das schleimige Monster, das hinter der Stahlt\u00fcr lauert und sich mit Gebr\u00fcll auf einen st\u00fcrzt, wenn man als virtueller Krieger ahnungslos um die Ecke biegt? Will ich per Computer das erleben, was ich sonst auch erlebe? Oder haben sich Chat-Foren die ausgedacht, f\u00fcr die die mittlere Beamtenlaufbahn der ultimative Thrill ist? Der frisch eingef\u00fchrte Kopf des Tyrannosaurus Rex ist the most popular bei neuen Avataren. Sch\u00f6n gruselig. Einmal jemand sein, vor dem die anderen Angst haben. Oder das Gegenteil: Ausleben des Krankenschwester-Syndroms. Diese Avatare lauern nur darauf, da\u00df ein Newbie, wie die Neulinge genannt werden, auftaucht, um den mit gut gemeinten Ratschl\u00e4gen und Warnungen zu \u00fcbersch\u00fctten. Du kannst mich in deine Freundesliste aufnehmen! Danke. Oops. <\/p>\n<p>Kennst du die Golden Handcuffs-Technik? Eine der befreundeten Avatarinnen will dir ein gro\u00dfes und rotes Herz zeigen, eines der seltensten Dinge in Phantasus, im Wert vergleichbar nur mit der legend\u00e4ren One-Pence-Briefmarke. Das hat sie anl\u00e4\u00dflich der &#8222;Ladies Night at the Duckolyte Auction&#8220; erstanden, 11. September 11 art 6pm Pacific Time. Dazu mu\u00df sie die Kiste, die sie unsichtbar mit sich tr\u00e4gt, auf den Boden stellen. Dort ist die dem Zugriff der bitzschnell materialisierenden diebischen Geister schutzlos ausgeliefert. Einem R\u00e4uber, der etwas ergreift, kann man das nicht mehr abnehmen, und erst recht nicht, wenn der sich im selben Augenblick in ein W\u00f6lkchen verwandelt. Also ein Trick: Du nimmst eine deiner Tokens in die Hand. In dem Augenblick, wenn die Freundin die Kiste virtuell abstellt und ein Dieb auftaucht, w\u00e4hlst du per Mausklick die Option &#8222;give Token to&#8220;. Der B\u00f6sewicht kann nur einen Gegenstand auf einmal greifen und steht nun mit vollen H\u00e4nden da, w\u00e4hrend die Freundin des Herzens ihre Kiste wieder greift. Nur dein mickriger Token ist weg. <\/p>\n<p>Avatar Claudy hat schon einen Hilfsfonds f\u00fcr diejenigen gegr\u00fcndet, die Opfer eines &#8222;Inworld&#8220;-Verbrechens&#8220; geworden sind, ein virtueller &#8222;Wei\u00dfer Ring&#8220;, der dem Initiator ein garantiert gutes Gewissen verschafft. Das Gute siegt, auch deshalb, weil die Phantasie-Welt nicht ohne soziale Hierarchie auskommt. Da gibt es &#8222;Acolyte von Morpheus&#8220;, die immer die Wahrheit sagen und die sich nicht imitieren lassen, Kymer Guardians, die Ermahnungen aussprechen und Verfehlungen notieren, ein besonders bei den deutschen Avataren begehrter Job, Sunray Knights und Helpolytes. <\/p>\n<p>Und &#8222;Geistliche&#8220;, die Trauungen vornehmen, nach selbst erfundenen Ritualen und ohne Ansehen des realen Geschlechts. Screenshots der digitalen Einladungen und der Heiratsurkunden von Duckolyte Ropes und Princess Di in der Forums-Bibliothek gratis erh\u00e4ltlich! Vagabond und Aphrael werden ihre Verlobung im Turf (Wohnhaus) X-Bies Club feiern! &#8222;Von dieser Stelle aus w\u00fcnsche ich, Mivo, der einzige deutschsprachige Acolyte im Dreamscape, den beiden alles Gute, und m\u00f6gen sie den Traum ab nun gemeinsam tr\u00e4umen!&#8220; N\u00e4chste Sprechstunde f\u00fcr Probleme Freitag 20 bis 21 Uhr MEZ im Kaminzimmer des Turfs.  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/grafik\/wl07\/pix\/260207_3.jpg\" alt=\"phantasus\" align=\"right\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\"\/><\/p>\n<p>Avatare, die Chat-Foren wie WorldsAway gegen den Rest der realen Welt verteidigen, meinen, auf der virtuellen Spielwiese etwas lernen zu k\u00f6nnen: Wer sich ungeh\u00f6rig benimmt (&#8222;nice breasts&#8220; per ESP), gegen den kann man kaum etwas ausrichten. Virtuelle Faustschl\u00e4ge sind genausowenig m\u00f6glich wie ein Ku\u00df. Also, so k\u00f6nnte man vermuten, mu\u00df sich jeder Teilnehmer des Chat-Forums \u00fcberlegen, ob es nicht zivilisierte Formen gibt, Druck auszu\u00fcben, da\u00df die B\u00f6sen resozialisert werden. Nur ist auch das eine Illusion. Wer es darauf anlegt, gegen die Phantasus-Nettiquette zu versto\u00dfen (kinderfreundlich, no sexual harrasment) und endlich, nach mehrfachen Ermahnungen, von den Machern ins virtuelle Nichts geschleudert wird, der taucht einfach unter anderem Namen am n\u00e4chsten Tag wieder auf. Gewalt ist sprachlos und stellt eine soziale Hierarchie auf eine Weise her, die den alles verbalisierenden Netz-Sozialarbeitern nicht zug\u00e4nglich ist. Wer chattet, wird nicht mehr oder weniger gewaltt\u00e4tig als er schon war. <\/p>\n<p>Und auch die Gef\u00fchle \u00e4ndern sich nicht. Ein stotternder J\u00fcngling, der es nicht wagt, seine Madonna in einer Bar anzusprechen, kann das per chatten \u00fcben. Aber das Stottern verlernt er dadurch nicht. Eine virtuelle Welt bev\u00f6lkert sich mit genau den Charakteren, die man im realen Leben findet Es tauchen Leute auf, die sich sofort f\u00fcr den Job des Vereins-Kassenwarts bewerben. Frauen unterhalten sich \u00fcber ihr Outfit und sonst gar nichts. Frankfurter tauschen mit K\u00f6lnern per Rechner in Houston die neuesten Bundesliga-Ergebnisse aus. Da findet man in zwanzig Sekunden &#8222;Freunde&#8220;, die nett daherplaudern und tunlichst verschweigen, da\u00df sie zuhause ihre Gattin verpr\u00fcgeln. Mag sein, da\u00df es ein Edeka-Filialleiter aufregend findet, mit einem Amerikaner \u00fcbers Wetter in Ohio zu reden. Aber trotzdem ist das nicht zu vergleichen mit der warnenden Meldung des R\u00fcckenmarks, wenn man auf einem 60 Meter hohen Kran steht und sich am Gummiseil in den Abgrund st\u00fcrzen will.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34060?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34060?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_34060 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_34060')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_34060').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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