{"id":33079,"date":"2017-11-09T12:08:49","date_gmt":"2017-11-09T11:08:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=33079"},"modified":"2017-11-09T12:10:51","modified_gmt":"2017-11-09T11:10:51","slug":"surroundings-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2017\/11\/09\/surroundings-news","title":{"rendered":"Surroundings News"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2017\/11\/081117_1gr.jpg\" alt=\"meedia\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p><i>Screenshot: meedia.de. Man kann eine Website auch so unprofessionell zusammenst\u00fcckeln, dass nicht jedes Ausgabeger\u00e4t sie korrekt anzeigt. Das nennt man &#8222;nicht barrierefrei&#8220;. Der Webdesignerpappnasenfaktor ist hier hoch.<\/i><\/p>\n<p>Vorsicht! Ein schwarzer Schimmel sprengt auf uns ein! Werbefuzzys k\u00f6nnen kein verst\u00e4ndliches Deutsch! Wie meinen? Wie, wenn nicht die? Der Kunde soll nicht verstehen, was die hinausposaunen?<\/p>\n<p>These dazu: Die Werbebranche beflei\u00dfigt sich eines denglischen Jargons, a) um sich arrogant vom gemeinen Volk abzugrenzen, b) um sich in der <i>peer group<\/i> wohlzuf\u00fchlen &#8211; Gruppendynamik usw., c) weil die Leute, die meinen, so herumschwurbeln zu m\u00fcssen, dumm und faul sind. Verst\u00e4ndlich zu schreiben ist anstrengend und ein Handwerk, das man lernen muss. Die Kunst, sich mit einem Text in den K\u00f6pfen der Leser einzunisten, f\u00e4llt nicht vom Baum: Man muss es \u00fcben, \u00fcben, \u00fcben, und man muss Regeln beachten.<\/p>\n<p>1. Regel: Leser erwarten das handelnde Subjekt weit vorn im Satz. Ross und Reiter sollen sich also nicht im Geb\u00fcsch oder am Satzende verstecken. Leider l\u00e4dt die komplizierte und archaische Grammatik des Deutschen dazu ein:<br \/>\n<i>Wenn Nicolas Fromm, Gesch\u00e4ftsleiter Digital der Zeitungsh\u00e4user NOZ Medien und mh:n Medien, \u00fcber Hamburg als Digitalstandort f\u00fcr Medienh\u00e4user spricht, findet er klare Vorz\u00fcge: blabla<\/i><\/p>\n<p>Nach 19 (!) W\u00f6rtern tut Herr Fromm etwas &#8211; er spricht. Wer h\u00e4tte das gedacht? Warum h\u00fcllte er sich vorher in Schweigen &#8211; um seinen zahllosen Titeln zuzusehen, die <del>Branding, ick h\u00f6r dir trapsen<\/del> endlos lange vorbeihoppeln? (Was ist ein &#8222;Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer digital&#8220; &#8211; gibt es ihn nur in Pixelform?) Dann &#8211; wir bersten vor Spannung &#8211; findet er im n\u00e4chsten Wort Vorz\u00fcge. Stimmt aber gar nicht, weil er sie &#8211; wetten, dass? &#8211; gar nicht gesucht hat. Der Autor Gregory Lipinski hat nur das erstbeste schwache Verb gegriffen, das nicht schnell genug auf dem Baum war. <\/p>\n<p>Entweder: Fromm zieht Hamburg gegen\u00fcber anderen St\u00e4dten vor. Danach wollen wir wissen, warum.<br \/>\n<i>&#8222;Hamburg verf\u00fcgt \u00fcber eine gro\u00dfe Startup-Szene. Die Elbmetrolople ist f\u00fcr uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden&#8220;, sagt der Gesch\u00e4ftsmann.<\/i><\/p>\n<p>Wie albern ist das denn? Er sagt es. Aber das wissen wir doch schon, weil der Autor ihn zitierte! Wer sucht, der findet, und dann sagt er es. Wenn schon der bescheuerte Verlegenheitstitel &#8222;Gesch\u00e4ftsmann&#8220;, dann sollte der ganz vorn stehen; das enthebt uns der l\u00e4stigen Pflicht, die im ersten Satz unterzubringen und die Leser damit auf die Folter zu spannen.<\/p>\n<p>Also: Der Gesch\u00e4ftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegen\u00fcber anderen St\u00e4dten vor: Dort gebe es eine gro\u00dfe Startup-Szene, und man finde leicht geeignete Digitalexperten (was auch immer das sei). Fromm ist&#8230; (blabla). Die Leser zucken nat\u00fcrlich beim Konditional, den die indirekte Rede erfordert, zusammen. Daher ist ein Zitat besser.<br \/>\nDer Gesch\u00e4ftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegen\u00fcber anderen St\u00e4dten vor: Hamburg hat (&#8222;verf\u00fcgt&#8220; ist Geschwurbel)  eine gro\u00dfe Startup-Szene. Die Elbmetropole ist f\u00fcr uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden.&#8220; Ich m\u00e4kele noch an &#8222;Elbmetropole&#8220; herum &#8211; eine v\u00f6llig abgedroschene Metapher: Berlin: Spreemetropole. Kairo: Nilmetropole. Moskau: Moskwa-Metropole. Holzwickede: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emscher\">Emscher<\/a>-Metropole (SCNR).<\/p>\n<p><i>Die \u00c4u\u00dferung kommt nicht von ungef\u00e4hr.<\/i><br \/>\nTut mir leid, W\u00f6rter mit ung sind fast ausnahmslos verboten. Au\u00dferdem tut die \u00c4u\u00dferung nichts; sie kommt nicht, auch nicht aus dem Ungef\u00e4hren.<\/p>\n<p><i>Dass die NOZ-Gech\u00e4ftsf\u00fchrung mit Axel Gleie und Joachim Lieber gerade die Hansestadt ausgew\u00e4hlt hat, ist auch geographisch bedingt.<\/i><br \/>\nIch zeige mit verquollenen Augen auf Regel Eins: Wer tut was? Ach so: niemand? Dass m\u00fcssen wir jetzt investigativ recherchieren. Wir haben eine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungungungung und zwei Mal einen Menschen. Die Menschen, die einen Titel haben (vermutlich: Gesch\u00e4fsf\u00fchrer), suchten etwas aus. Warum versteckt der Autor das in einem Nebensatz? Falsch.<\/p>\n<p>Regel 2: Das zentrale Verb geh\u00f6rt in einen Hauptsatz. Unwichtiges geh\u00f6rt in Nebens\u00e4tze.<\/p>\n<p><i>&#8222;Wir hoffen, dass die Mitarbeiter Anfang n\u00e4chsten Jahres das B\u00fcro beziehen und wir schon im ersten Quartal operativ t\u00e4tig sind&#8220;, betont Fromm.<\/i><br \/>\nHoffen. Beziehen. T\u00e4tig sein. Das vergleichen wir jetzt mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Lied_von_der_Glocke\">Friedrich Schiller<\/a>: Gl\u00fchn, krachen, st\u00fcrzen, klirren, jammern, irren, wimmern rennet, rettet, fl\u00fcchtet. Starke, alte, kurze Verben treiben einen Satz voran wie mit einer Peitsche. Das fesselt die Leser. Oder <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/anekdoten-9440\/6\">Heinrich von Kleist<\/a>, wahrlich ein dynamisches Meisterst\u00fcck: Reihte man nur die Verben aneinander, verst\u00fcnde man, was geschehen ist.<\/p>\n<p>Das reicht jetzt. Ach ja, der Titel: Was sind &#8222;ambient news&#8220;? Ein Synonym f\u00fcr &#8222;ambient&#8220; ist &#8222;surrounding&#8220;. Das verstehe ich aber immer noch nicht. <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33079?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33079?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_33079 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_33079')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_33079').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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