{"id":31055,"date":"2016-11-21T12:52:04","date_gmt":"2016-11-21T11:52:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=31055"},"modified":"2016-11-26T13:28:18","modified_gmt":"2016-11-26T12:28:18","slug":"revolt-of-the-poor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/11\/21\/revolt-of-the-poor","title":{"rendered":"Revolt of the Poor"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.christian-baron.com\/index.html\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2016\/11\/201116_2.jpg\" alt=\"Proleten, P\u00f6bel, Parasiten\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" align=\"left\" width=\"240\" \/><\/a>Ich empfehle ausnahmeweise ein Buch, das ich noch gar nicht ausgelesen habe. <a href=\"http:\/\/www.christian-baron.com\/index.html\">Christian Baron<\/a>: &#8222;<a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3360013115\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3360013115&#038;linkCode=as2&#038;tag=burkhardschroder\">Proleten, P\u00f6bel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3360013115\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>&#8220; &#8211; \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/rueckkehr_nach_reims-didier_eribon_7252.html\">das Thema Eribons<\/a>, ist aber besser und geht mehr auf die speziellen deutschen Zust\u00e4nde ein. Baron schreibt mit einem Furor, der mir ausnehmend gut gef\u00e4llt. Er legt sich mit allen an: den &#8222;Gef\u00fchlslinken&#8220;, den Gr\u00fcnen, Veganern, Verteidigern des Islam, Fu\u00dfball-Hassern; es bleibt kein Auge trocken und alle kriegen ihr Fett ab. Viel Freunde im &#8222;linken Milieu&#8220; wird er jetzt nicht mehr haben. Das Gef\u00fchl kenne ich irgendwie&#8230; <\/p>\n<p><i>Deutschland l\u00e4sst sich dennoch nur als Klassengesellschaft begreifen.<\/i> (Baron)<\/p>\n<p>Frage: Warum w\u00e4hlen die Arbeiter Parteien, die <i>nicht<\/i> die Interessen des Proletariats vertreten? Die Frage wurde f\u00fcr Frankreich, Deutschland und die USA schon gestellt, aber nie beantwortet. <\/p>\n<p>Deutsche Journalisten stammen fast ausnahmslos aus der Mittelschicht. Das bedeutet: Sie nehmen den Klassenstandpunkt der Mittelschicht ein &#8211; und nur den &#8211; und leugnen es gleichzeitig. Sie leugnen auch unisono, dass es Klassen gebe, und wenn doch, dann h\u00f6chstens, was &#8222;Bildung&#8220; angeht.<\/p>\n<p><i>Das Buch konfrontiert die Leserin und den Leser mit verzweifelten Menschen, die nicht wissen, wie sie mitten in diesem schwerreichen Land ihre Kinder sattkriegen sollen; derer letzter Stolz aber darauf gr\u00fcndet, dass sie sich dennoch selbst zur Mittelschicht z\u00e4hlen. (&#8230;) Das Buch handelt auch von Menschen, deren Ohnmacht in diffuser Fremdenfeindlichkeit m\u00fcndet und deren real empfundenen \u00c4ngste eine in Selbstgewissheit lebende Bildungselite einfach nicht zur Kenntnis nehmen will.<\/i><\/p>\n<p>Ich glaube, dass es sehr schwer ist eine Perspektive einzunehmen, die \u00fcber die der Klasse hinausgeht, in die man hineingeboren und in der man sozialisiert wurde. Das ist das Thema sowohl bei Eribon als auch bei Baron. Beide stammen aus dem Proletariat und sind &#8222;aufgestiegen&#8220;. (Beide sind als <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Trickster\">Trickster<\/a>, sagt der V\u00f6lkerkundler.) F\u00fcr mich gilt das auch. Ich musste bei der Lekt\u00fcre Borons st\u00e4ndig nicken &#8211; ich konnte alle seine Gedanken nach vollziehen.<\/p>\n<p><i> Das Treten nach unten ist dennoch leider auch in linken Milieus auf dem Vormarsch.<\/i> (Baron)<\/p>\n<p>Ganz einfach: Weil diese &#8222;Gef\u00fchlslinken, auf die Baron eindrischt, eben meistens Kinder aus der Mittelschicht sind. Die k\u00f6nnen nicht anders. (Nmat\u00fcrlich gibt es Ausnahmen.)<\/p>\n<p><i>Warum m\u00fcssen linke Akademiker so arrogant sein? (&#8230;) &#8230;was mir an so vielen linken Aktivisten mittlerweile so \u00fcbel aufst\u00f6\u00dft: diese Unf\u00e4higkeit, aber oft genug auch eine start ausgepr\u00e4gte Weigerung, die Perspektive v\u00f6llig anders sozialisierter Menschen einzunehmen.<\/i> (Baron)<\/p>\n<p>Peter Nowak schreibt auf <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Wird-die-Rechte-stark-weil-die-Linke-die-Arbeiter-verachtet-3452409.html?seite=2\">Telepolis<\/a>: &#8222;Doch leider kann man ein Buch, das dieses Thema in den Mittelpunkt stellt, wohl kaum einem gr\u00f6\u00dferen Publikum verkaufen. (&#8230;) Dabei aber \u00fcbersieht Baron, dass die theoretische Arbeit durchaus ein eigenes Feld ist und nicht immer und von allen gleich verstanden werden kann und muss.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist Unfug, Kollege Nowak. Wer sich nicht so ausdr\u00fccken kann, dass ein normaler Mensch ihn versteht, muss an sich arbeiten &#8211; wenn es um Politik und \u00d6konomie geht. Wer nicht verst\u00e4ndlich schreiben kann, denkt auch wirr. Marx, Brecht und Freud haben Kompliziertes so formuliert, dass man es versteht, wenn man nicht ganz bekloppt ist. Proletarier sind eben nicht dumm. Ich habe viele Arbeiter und Gewerkschaftler kennengelernt, die gebildeter also heutige Studenten waren und auch mehr wussten. Mehr Lebenserfahrung hatten sie sowieso.<\/p>\n<p><i>Selbsthass kennzeichnet viele aus der Unterschicht, w\u00e4hrend die Mittelschicht das Radfahrer-Prinzip anwendet: Nach oben buckeln und nach unten treten. Die Oberschicht verf\u00fcgt als Einzige \u00fcber das, was man fr\u00fcher als &#8222;subjektives Klassenbewusstein&#8220; bezeichnet hat. Ihre Aufgabe sieht sie darin, eigene Privilegien zu sichern und Unfrieden unter den Lohnabh\u00e4ngigen zu stiften.<\/i> (Baron)<\/p>\n<p>Einen gewaltigen Shitstorm wird Baron auch f\u00fcr seine These ernten: &#8222;Multikulti ist gescheitert&#8220;. Das habe ich schon in &#8222;<a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/nazis-sind-pop\">Nazis sind Pop<\/a>&#8220; vor 16 Jahren gesagt, und auch damals wollte es niemand h\u00f6ren, obwohl es eine Kritik aus einer radikal linken Perspektive war.<\/p>\n<p><i>Linke verirren sich nur selten in soziale Brennpunkte. Und wenn doch, dann meiden sie den Kontakt zum &#8222;white trash&#8220; und wenden sich &#8211; was allein nat\u00fcrlich unterst\u00fctzenswert ist &#8211; den dort lebenden Fl\u00fcchtlingen zu.<\/i><\/p>\n<p>Har har. Jemand, der das in der &#8222;Taz&#8220; schriebe, w\u00fcrde sofort sozial ge\u00e4chtet und in Zukunft totgeschwiegen. Es ist aber bezeichnend und wahr.<\/p>\n<p><i>Leider hat die Linke die Religionskritik den Rechten \u00fcberlassen.<\/i> (Baron)<\/p>\n<p>Das erinnert wieder an Frankreich, wo sich die rechte Front National als <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article136839959\/Der-Islam-bedroht-den-europaeischen-Laizismus.html\">Verteidigerin des Laizismus<\/a> aufspielen kann &#8211; leider zu Recht: Vertreter der Linken <a href=\"https:\/\/www.dasmagazin.ch\/2016\/11\/18\/die-schwelle-des-sagbaren-hat-sich-verschoben\/\">eiern beim Thema oft nur elendlich herum<\/a>.<\/p>\n<p>Und was ist mit dem Rassismus? Die <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2016\/46\/55193.html\">Jungle Word<\/a> l\u00e4sst Tuvia Tenenbom zu Wort kommen, der wie gew\u00f6hnlich den argumentativen Kn\u00fcppel dem Degen vorzieht:<\/p>\n<p><i>Man k\u00f6nnte durchaus von einer \u00bbrevolt of the poor\u00ab sprechen. Das erste Mal in der Geschichte der USA stand mit Donald Trump ein Kandidat zur Wahl, der rassistische \u00c4u\u00dferungen von sich gab und all den Rassisten ein Sprachrohr war. Er lieferte einen Tabubruch nach dem anderen. Hat es die Leute gest\u00f6rt? Nein. Man war dankbar, dass das Diktat der Political Correctness durchbrochen wurde. Besonders in New York hat dieser Irrsinn dazu gef\u00fchrt, dass alles furchtbar berechenbar und harmlos geworden ist. Schwarze hei\u00dfen dort \u00bbAfroamerikaner\u00ab, Europ\u00e4er \u00bbKaukasier\u00ab und Obdachlose nennt man \u00bbanders Ausgestattete\u00ab. Alle m\u00fcssen sich andauernd lieb haben. Und dann kommt einer, der endlich mal sagt: \u00bbIch habe nicht alle lieb.\u00ab Es geht also um zwei Dinge. Einerseits gibt es die Revolte von denen, die sich durch die Regierung im Stich gelassen f\u00fchlen, andererseits die Leute, die dankbar daf\u00fcr sind, dass sie endlich wieder sagen d\u00fcrfen, was sie wirklich denken.<\/i><\/p>\n<p>Ein wunderbares Beispiel linker Arroganz ist \u00fcbrigens D. Watkins auf <a href=\"http:\/\/www.salon.com\/2016\/11\/20\/dear-hard-working-white-people-congratulations-you-played-yourself\/\">Salon.com<\/a>: &#8222;Dear hard-working white people: Congratulations, you played yourself&#8220;. Was er \u00fcber den Rassismus und die ultrarechten Unterst\u00fctzer Trumps feststellt, ist nat\u00fcrlich richtig, aber die W\u00e4hler Trumps zu beschimpfen, hilft nicht wirklich weiter. Baron hat dazu eine sehr interessante Formulierung, die \u00e4hnlich auch eine der zentralen Thesen Eribons ist:<\/p>\n<p><i>Eine Gesellschaft von finanzieller und kultureller Teilhaben an ihrem unermesslichen Wohlstand systematisch ausschlie\u00dft, darf sich nicht wundern, wenn diese ausgeschlossenen im \u00dcbertreten b\u00fcrgerlicher Wertvorstellungen ihr letztes Refugium widerst\u00e4ndigen Verhaltens und damit eine Art letzter Restw\u00fcrde zu finden hoffen,&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Demn\u00e4chst noch mehr dazu in diesem Online-Theater.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31055?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31055?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_31055 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_31055')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_31055').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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