{"id":30827,"date":"2016-10-26T12:46:25","date_gmt":"2016-10-26T10:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=30827"},"modified":"2018-10-09T22:54:21","modified_gmt":"2018-10-09T20:54:21","slug":"arbeitsbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2016\/10\/26\/arbeitsbuch","title":{"rendered":"Arbeitsbuch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2016\/10\/251016_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2016\/10\/251016_5kl.jpg\" alt=\"Arbeitsbuch\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das so genannte &#8222;Arbeitsbuch&#8220; meines Gro\u00dfvaters Hugo Schr\u00f6der. Als mir das in die H\u00e4nde fiel, wusste ich noch nicht, worum es eigentlich geht &#8211; Geschichtsunterricht live! Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeitsbuch\">Arbeitsbuch<\/a> &#8222;war ein von staatlichen Stellen ausgestelltes Dokument, das einem <del>Arbeitgeber<\/del> [Kapitalisten] bei der Einstellung verpflichtend vorzulegen war. Ziel war es, die berufliche Mobilit\u00e4t von <del>Arbeitnehmern<\/del> [Arbeitern] zu kontrollieren und von der Zusage durch den fr\u00fcheren <del>Arbeitgeber<\/del> [Kapitalisten] abh\u00e4ngig zu machen. Damit sollte es <del>Arbeitnehmern<\/del> Arbeitern unm\u00f6glich gemacht werden, Lohnunterschiede zwischen Unternehmen oder Branchen mittels eines Firmenwechsels auszunutzen. Das Arbeitsbuch war somit ein Mittel, die Berufsfreiheit grunds\u00e4tzlich einzuschr\u00e4nken, nach 1935 zudem ein Instrument der wirtschaftlichen Mobilmachung zur Vorbereitung des Vierjahresplans. In einigen L\u00e4ndern wie Slowenien ist das Arbeitsbuch noch gebr\u00e4uchlich und f\u00fcr jeden Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschrieben. In der DDR wurde das Dokument teilweise bis 1967 gef\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n<p>Es wird gern vergessen, dass eines der wichtigsten Anliegen des Nationalsozialismus war, die Rechte des Proletariats abzuschaffen. Die NSDAP nannte sich &#8222;sozialistisch&#8220;, in Wahrheit war sie genau das Gegenteil &#8211; eine Partei, die den Interessen des Kapitals diente &#8211; mit Terror. Deswegen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP\">hat die deutsche Gro\u00dfindustrie die NSDAP<\/a> auch teilweise finanziell gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><i>Unbestreitbar ist, dass in den fr\u00fchen drei\u00dfiger Jahren Unterst\u00fctzungsgelder der Industrie an die NSDAP flossen. Spenden kamen au\u00dfer von dem bekennenden Nationalsozialisten Thyssen auch von Fritz Springorum, Paul Silverberg, Kurt Schmitt und Friedrich Flick. Kollektiv kam Geld von der so genannten Ruhrlade, dem Verein f\u00fcr die bergbaulichen Interessen, dem Arbeitgeberverband f\u00fcr den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sowie dem I.G.-Farben-Konzern. Allein Thyssen hat von 1930 bis 1933 etwa 400.000 Reichsmark der NSDAP zukommen lassen. Auch bei dem Erwerb und der Renovierung des Palais Barlow (Braunes Haus) in M\u00fcnchen war er beteiligt. Allerdings unterst\u00fctzte Thyssen wie auch die \u00fcbrigen Industriellen wenn m\u00f6glich solche Nationalsozialisten wie Hermann G\u00f6ring oder Walther Funk, die sie f\u00fcr gem\u00e4\u00dfigt hielten.<\/i><\/p>\n<p>Die Quellenlage ist allerdings relativ d\u00fcnn. Die Interessen des Kapitals waren damals genausowenig einheitlich wie heute. Deswegen halte ich die vulg\u00e4rmarxistische These, &#8222;das Kapital&#8220; habe die Nazis finanziert und damit an die Macht gebracht, f\u00fcr unsinnig.<\/p>\n<p><i>Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der deutschen Industriellen unterst\u00fctzte laut Turners Forschungen in der Endphase der Weimarer Republik n\u00e4mlich nicht Hitler und die NSDAP, sondern Papen und die DNVP. An sie ging der ganz \u00fcberwiegende Teil der politischen Spenden. (&#8230;) Erst nach der Macht\u00fcbernahme kann von einer massiven finanziellen Unterst\u00fctzung der NSDAP durch die Gro\u00dfindustrie gesprochen werden.<\/i><\/p>\n<p>Es gibt jedoch ein relativ neues Buch von Karsten Heinz Sch\u00f6nbach zum Thema, das ich mir trotz den hohen Preises bestellt habe: <a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3864640806\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3864640806&#038;linkCode=as2&#038;tag=burkhardschroder\">Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3864640806\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>. <\/p>\n<p><i>Der Historiker Karsten Heinz Sch\u00f6nbach widerspricht wiederum in seiner 2015 ver\u00f6ffentlichten Dissertation der Auffassung, die Unterst\u00fctzung der NSDAP durch die Gro\u00dfindustrie sei vor 1933 eher marginal gewesen. Nach Sch\u00f6nbach zeigten die Quellen, dass die NSDAP von Gro\u00dfindustrieellen von 1927\/28 an erheblich unterst\u00fctzt worden sei. Allerdings k\u00f6nne von einer vorwiegend NS-freundlichen Haltung der Gro\u00dfindustrie erst nach der Wahlniederlage der konservativen Rechten am 6. November 1932 die Rede sein.<\/i><\/p>\n<p>Mit dem kleinen &#8222;Arbeitsbuch&#8220; meines Gro\u00dfvaters k\u00f6nnte man ein ganzes Seminar an einer Universit\u00e4t bestreiten, und eine Schulstunde sowieso. Das &#8222;Gesetz \u00fcber die Einf\u00fchrung eines Arbeitsbuches&#8220; stammt vom 26.02.1935. <\/p>\n<p>Mein Opa war damals Bergmann, zuerst auf der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zeche_Vereinigte_Margarethe\">Zeche Margarete<\/a> in Dortmund-S\u00f6lde, die 1926 stillgelegt wurde, dann auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zeche_Caroline_(Holzwickede)\">Zeche Caroline<\/a> in Holzwickede (wo ich geboren bin). <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2011\/07\/270711_10gr.jpg\">Die Zeche wurde 1951 stillgelegt<\/a>.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30827?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30827?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_30827 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_30827')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_30827').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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