{"id":28594,"date":"2015-11-07T15:39:32","date_gmt":"2015-11-07T14:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=28594"},"modified":"2015-11-09T11:46:35","modified_gmt":"2015-11-09T10:46:35","slug":"der-grossmufti-und-die-islamogermanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/11\/07\/der-grossmufti-und-die-islamogermanen","title":{"rendered":"Der Gro\u00dfmufti und die Islamogermanen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/11\/071115_1.jpg\" alt=\"Amin el-Husseini | Hitler\" width=\"480\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p><sup>Amin al Husseini und Adolf Hitler, Fotograf Heinrich Hoffmann, Quelle: Wikipedia | Bundesarchiv<\/sup><\/p>\n<p><i>Dieser Artikel von mir erschien 1996 in der Berliner Stadtzeitschrift tip &#8211; unter dem Titel &#8222;F\u00fchrer unter sich&#8220;. Viele der Quellen zum Thema, die heute <a href=\"http:\/\/www.helmut-zenz.de\/hzislam8.html\">online verf\u00fcgbar<\/a> sind, haben daraus abgeschrieben. Ich habe ihn geringf\u00fcgig aktualisiert.<\/i> <\/p>\n<p>Im Sommer 1933 entdeckten Spazierg\u00e4nger am Ufer eines Sees im Grunewald eine Leiche: Der Ertrunkene war <a href=\"http:\/\/www.eslam.de\/begriffe\/t\/tschelebi_muhammad_nafi.htm\">Mohammed Nafi Tschelebi<\/a>, ein syrischer Student an der Technischen Universit\u00e4t Charlottenburg. Mit ihm verloren die Muslime im Deutschen Reich ihre herausragenste Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Islamische Gemeinde in Berlin trauerte, kam Tschelebis Tod den Nationalsozialisten sehr gelegen: Er enthob sie der unangenehmen Pflicht, gegen den prominenten Muslim vorzugehen und sich dadurch bei den Anh\u00e4ngern der Lehre des Propheten unbeliebt zu machen. Die Umst\u00e4nde seines Todes blieben ungekl\u00e4rt. Auch was mit seiner Leiche geschah und wo sie bestattet wurde, ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>Man kann vermuten, dass  Mohammed Nafi Tschelebi schon von dern Schergen Hitlers beobachtet wurde. Am 30 Mai 1930 hatte sich, von Tschelebi angeregt, die Deutsche Moslemgemeinde gegr\u00fcndet, sp\u00e4ter &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_des_Islams_in_Deutschland\">Deutsch-Muslimische Gesellschaft<\/a>&#8222;. Ihr Ziel war, &#8222;das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Islam zu f\u00f6rdern&#8220; und die &#8222;Kameradschaft unter den Muslimen in ganz Europa zu pflegen&#8220;.<\/p>\n<p>Nicht nur Muslime, sondern auch Andersgl\u00e4ubige \u2013 wie Juden und Christen \u2013 durften Mitglied werden. Die Nazis hielten diese Organisation zeitweilig f\u00fcr einen &#8222;<a href=\"http:\/\/www.eslam.de\/bildergalerien\/d\/deutsche_muslimische_gesellschaft\/deutsche_muslimische_gesellschaft_bildergalerie.htm\">Zufluchtsort f\u00fcr Kurf\u00fcrstendammjuden<\/a>&#8222;, reiche Deutsche mosaischen Glaubens, die im vornehmen Westend lebten. Auch der kosmopolitische Zuschnitt des Vereins war den Nationalsozialisten suspekt. Bei einigen Mitgliedern witterten sie &#8222;bolschewistische Gedanlen.&#8220;<\/p>\n<p>Erst mit Mohammed Nafi Tschelebi war ein frischer politischer Wind durch die islamische Gemeinde Berlins gezogen. Eine Gruppe arabischer und nationalistischer Studenten im Tschelebi hatte 1927 die F\u00fchrung \u00fcbernommen. Ihr autokratischer Leite, der Inder <a href=\"http:\/\/encyclopedia.1914-1918-online.net\/article\/berlin_indian_independence_committee\">Abdel Jabbar Kheiri<\/a>, wurde abgesetzt. Tschelebi \u00fcbernahm auch den Vorsitz der muslimischen Studentenvereinigungen &#8222;Islamia&#8220; und &#8222;El-Arabyia&#8220;. <\/p>\n<p>Im selben Jahr gr\u00fcndete Tschelebi das &#8222;Islam-Institut&#8220;* im <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/owfo3qt\">Humboldt-Haus in der Fasanenstrasse<\/a> (heute: Literaturhaus) als Gegenpol zu der traditionell mehr konservativen und unpolitischen Islamischen Gemeinde. Das Institut sollte die &#8222;Entfremdung zwischen Europa und der islamischen Welt&#8220; \u00fcberwinden helfen. Seine Gr\u00fcnder verstanden sich als &#8222;ehrliche Makler&#8220; in v\u00f6lkerverbindender Mission. Auch bei der Gr\u00fcndung des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allgemeiner_Islamischer_Kongress_1931\">Islamischen Weltkongresses<\/a> 1932 in Berlin sass Tschelebi im Vorstand.<\/p>\n<p>Nach Tschelebis Tod f\u00fchrten das Islam-Institut und die Deutsch-Muslimische Gesellschaft nur noch ein Schattendasein. Seine Nachfolger verstrickten sich in endlose Intrigen und Profilierungsk\u00e4mpfe. Das v\u00f6lkerverbindende Motto und der Gedanke der Verst\u00e4ndigung zwischen den drei grossen Buchreligionen wurde zu den Akten gelegt. <\/p>\n<p>Dabei mischten die Nazis wenig sp\u00e4ter kr\u00e4ftig mit. Die deutsche Wehrmacht marschierte 1941 in Richtung \u00c4gypten, und im Irak putschte eine anti-britische Offiziersclique. Die Nationalsozialisten definierten ihre Interessen im Nahen Osten neu. Nach der Eroberung Nordafrikas sollte das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina\">britische Mandatsgebiet Pal\u00e4stina<\/a> von zwei Seiten in die Zange genommen werden. Deutsche Truppen sollten \u00fcber den Kaukasus vorstossen und im Irak eine Marionettenregierung etablieren.<\/p>\n<p>Der \u00e4gyptische Journalist <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/zweiter-weltkrieg-wie-ein-muslim-eine-juedin-vor-den-nazis-rettete-1.2294553-3\">Kamal Eldin Galal<\/a> gr\u00fcndete am 21.9.41 im Restaurant Berliner Kindl am Kurf\u00fcrstendamm das &#8222;Islamische Zentral-Institut e. V.&#8220; &#8211; unter wohlwollender Billigung des Ausw\u00e4rtigen Amtes, das sich eine Propagandawirkung in der arabischen Welt versprach. Die meisten Mitarbeiter des neugegr\u00fcndeten Instituts arbeiteten auch als Journalisten f\u00fcr das Amt, Galal unter dem Decknamen Baschir Sufian. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/11\/071115_2.jpg\" alt=\"SS Mullahschule\" width=\"480\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p>Im Juni marschierten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_des_Irak#Britische_Herrschaft_und_K.C3.B6nigreich\">die Engl\u00e4nder in den Irak<\/a> ein. Einer der Drahtzieher des Putsches war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mohammed_Amin_al-Husseini\">Amin El-Husseini<\/a> gewesen, ein fanatischer Antisemit und Mufti von Jerusalem. El-Husseini hatte seine Finger in mehrere Aufst\u00e4nden arabischer Nationalisten in Pal\u00e4stina gehabt und stand auf der englischen Fahndungsliste ganz oben. Der Gesuchte floh \u00fcber Teheran und Italien nach Berlin. <\/p>\n<p>Dort traf der Mufti am 6.11.41 ein, nannte sich fortan &#8222;Grossmufti von Pal\u00e4stina&#8220; und verlangte gleich, dass ihm &#8222;eine gr\u00f6ssere Judenwohnung&#8220; zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollte. Das geschah &#8211; Adresse: Goethestrasse 27 in Zehlendorf. Bald darauf wurde er von Hitler pers\u00f6nlich empfangen.<\/p>\n<p>Amin el-Husseini gelang es in kurzer Zeit, sowohl das &#8222;Islamische Zentralinstitut&#8220; als auch die Islamische Gemeinde zu instrumentalisieren und alle seine Gegenspieler kaltzustellen. Bei der Einweihung des Instituts im Prinz-Albrecht-Palais, dem &#8222;Haus der Flieger&#8220;, wurde der Mufti von der Islamischen Gemeinde als &#8222;F\u00fchrer der arabischen Welt&#8220; begeistert empfangen. In seiner antisemitischen Hetzrede behauptete er unwidersprochen, die Juden seien die &#8222;erbittersten Feinde&#8220; der Moslems und seit jeher ein &#8222;zersetzendes Element&#8220;. &#8222;Das Weltjudentum&#8220; h\u00e4tte den Krieg entfesselt. <\/p>\n<p>In den letzten Kriegsjahren intervenierte el-Husseini von Berlin aus bei diversen Beh\u00f6rden, um zu verhindern, dass osteurop\u00e4ische Juden auswandern konnten. Adolf Eichmann hatte Mai 1943 den Briten vorgeschlagen, 5000 j\u00fcdische Kinder aus Bulgarien nach Pal\u00e4stina emigrieren zu lassen, im Austausch gegen die Freilassung internierter Deutscher im Ausland. Der Mufti protestierte bei der SS &#8211; erfolgreich. Die Kinder wurden stattdessen nach Polen geschickt, in den sicheren Tod. Ein deutscher Beamter protokollierte, dass der Mufti die Juden &#8222;am liebsten alle umgebracht&#8220; s\u00e4he.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/11\/071115_3.jpg\" alt=\"Amin el-Husseini | Bosnische Freiwillige\" width=\"480\" border=\"1\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p><sup>Der Gro\u00dfmufti von Jerusalem bei den bosnischen Freiwilligen der Waffen-SS. Der Gro\u00dfmufti schreitet die Front mit Hitlergru\u00df ab. Credits: Wikipedia | Bundesarchiv<\/sup><\/p>\n<p>1944 reiste el-Husseini mehrfach nach Bosnien, wo er im Auftrag der SS muslimische Regimenter rekrutierte. Die bosniakische &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/13._Waffen-Gebirgs-Division_der_SS_%E2%80%9EHandschar%E2%80%9C_%28kroatische_Nr._1%29\">Waffen-Gebirgs-Division-SS Handschar<\/a>&#8220; erfreute sich des Wohlwollens Heinrich Himmlers, der sich um die religi\u00f6se Erziehung k\u00fcmmerte. In Dresden wurde eine <a href=\u201chttp:\/\/www.zukunft-braucht-erinnerung.de\/die-ss-mullah-schule-und-die-arbeitsgemeinschaft-turkestan-in-dresden\/\u201c>Mullah-Schule der SS<\/a> eingerichtet. Himmler schw\u00e4rmte von der &#8222;weltanschaulichen Verbundenheit&#8220; zwischen dem Nationalsozialimus und dem Islam. <\/p>\n<p>Bei Kriegsende floh Amin el-Husseini in die Schweiz. Von Frankreich aus gelangt er nach Kairo, dann in den Libanon. Obwohl Jugoslawien ihn als Kriegsverbrecher ausgeliefert sehen wollte, lie\u00dfen ihn die Alliierten laufen: Sie hofften, sich seiner in Pal\u00e4stina bedienen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Der Mufti genoss die Unterst\u00fctzung der Arabischen Liga und finanzierte mit dem von den Nazis erhaltenen Geld die sogenannte <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Arab_Liberation_Army\">Arab Liberation Army<\/a>, die die Juden in Pal\u00e4stina terrorisierte. 1949 rief das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Arab_Higher_Committee\">Arab Higher Comittee<\/a>, eine einflussreiche Gruppe pal\u00e4stinensischer Notablen, el-Husseini zum Pr\u00e4sidenten einer Gesamt-Pal\u00e4stinensischen Regierung im Gaza-Streifen aus. 1951 wurde der jordanische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abdallah_ibn_Husain_I.\">K\u00f6nig Abdullah<\/a> ermordet. Die T\u00e4ter geh\u00f6rten zu einer Geheimorganisation, die der Grossmufti 1948 gegr\u00fcndet hatte, um &#8222;Pal\u00e4stina vor den Zionisten zu sch\u00fctzen&#8220;. Einer der zum Tode verurteilten Verschw\u00f6rer, Dr. Mussa Abdullah el-Husseini, war ein Vetter des Muftis. <\/p>\n<p>Im selben Jahr immatrikulierte sich ein weiterer Verwandter El-Husseinis an der Universit\u00e4t Kairo: Rahman Abdul Rauf el-Qudwa el-Husseini. Der Student hielt es f\u00fcr ratsam, seinen genauen Namen zu verschweigen, um sich von der kompromisslosen und fanatisch antisemitischen Politik des Grossmuftis zu distanzieren. Er nannte sich sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Yasser_Arafat\">Yassir Arafat<\/a>.<br \/>\n_______________________________________<\/p>\n<p>* Das damalige &#8222;Islam-Institut&#8220; hat nichts mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zentralinstitut_Islam-Archiv-Deutschland\">Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland<\/a> zu tun, obwohl dieses immer wieder &#8211; historisch falsch &#8211; eine Kontinuit\u00e4t behauptet.<\/p>\n<p>Literatur: Kurt Gensicke: <a rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3534248023\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3534248023&#038;linkCode=as2&#038;tag=burkhardschroder\">Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten: Eine politische Biographie Amin el-Husseinis<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=burkhardschroder&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3534248023\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, 1988<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28594?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28594?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_28594 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_28594')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_28594').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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