{"id":27766,"date":"2015-07-17T15:04:24","date_gmt":"2015-07-17T13:04:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=27766"},"modified":"2015-07-18T12:27:43","modified_gmt":"2015-07-18T10:27:43","slug":"was-ist-drin-in-griechenland-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/07\/17\/was-ist-drin-in-griechenland-teil-1","title":{"rendered":"Was ist drin in Griechenland? (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/07\/170715_1.jpg\" alt=\"spartiat und Helot\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p><sup>Vorsicht! Warnung! Das wird ein anspruchsvoller, dr\u00f6ger und langer Text, der zudem historisches Wissen und die Kenntnis einiger wissenschaftlicher Begriffe voraussetzt!<\/sup><\/p>\n<p><i>&#8222;Es ist eine grausame Form von Selbstbetrug zu glauben, dass Entscheidungen, die durch eine gro\u00dfe Mehrheit erreicht wurden, automatisch ethisch und richtig w\u00e4ren.&#8220; (<a href=\"http:\/\/psychology.wikia.com\/wiki\/John_David_Garcia\">John David Garcia<\/a>, Psychologe)<\/p>\n<p>&#8222;Die am weitesten verbreitete und dauerhafteste Quelle von Parteiungen ist jedoch immer die ungleiche Verteilung des Eigentums gewesen. Besitzende und Besitzlose haben immer verschiedene Interessengruppen innerhalb der Gesellschaft gebildet.&#8220; (James Madison, Pr\u00e4sident der USA 1809\u20131817)<\/i><\/p>\n<p>Was wird jetzt aus der griechischen Linken? Man kann das vorhersagen, wenn man nach historischen Parallelen sucht und analysiert, was denen gemeinsam ist. Leider besitzen die meisten Journalisten keinerlei Wissen \u00fcber Geschichte; von denen kann man nichts erwarten. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die aktuelle Geschichtswissenschaft in Deutschland zu einem gro\u00dfen Teil pure Apologetik des Status quo ist, den Kapitalismus also ahistorisch als das Ende der Geschichte ansieht. (Wer hierzulande etwas anderes meint, bekommt an einer Universit\u00e4t keinen Fu\u00df an die Erde.) Wenn in einem englischen Artikel &#8222;class struggle&#8220; st\u00fcnde, \u00fcbersetzte das ein deutscher Wissenschaftler nicht korrekt mit &#8222;Klassenkampf&#8220;, weil jemand, der diesen Begriff benutzte, automatisch sozial ge\u00e4chtet w\u00fcrde. Das ist in Medien und Talkshows bekanntlich genau so.<\/p>\n<p>Der Satz &#8222;die Geschichte ist eine Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen&#8220; aus dem <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me04\/me04_459.htm\">Kommunistischen Manifest<\/a> ist in Wahrheit banal, weil sogar b\u00fcrgerliche Historiker das so sehen, es aber anders ausdr\u00fccken. (Vgl. Zitat Madison) &#8222;Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftb\u00fcrger und Gesell, kurz, Unterdr\u00fccker und Unterdr\u00fcckte standen in stetem Gegensatz zueinander, f\u00fchrten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolution\u00e4ren Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der k\u00e4mpfenden Klassen.&#8220; Das ist immer noch wahr und korrekt beschrieben.<\/p>\n<p>Die &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Synaspismos_Rizospastikis_Aristeras\">Koalition der radikalen Linken<\/a>&#8220; in Griechenland, die jetzt noch regiert (aber nicht mehr lange), hat nur zwei Optionen: Sie k\u00f6nnte erstens versuchen, den Kapitalismus zu reparieren. Das muss scheitern, weil dessen Eigendynamik &#8211; die Reichen reicher zu machen und die Armen \u00e4rmer &#8211; nur gebremst, aber nicht au\u00dfer Kraft gesetzt werden kann. Zweitens k\u00f6nnte sie genau das tun, was die sektiererische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kommunistische_Partei_Griechenlands\">Kommunistische Partei Griechenlands<\/a> fordert oder auch <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2015\/07-16\/055.php\">Mikis Theodorakis<\/a>: Verstaatlichung der relevanten Industrien und der Banken usw.. Eine linke Regierung w\u00fcrde nat\u00fcrlich auch verhindern, dass das staatliche Tafelsilber wie etwa die H\u00e4fen an das <a href=\"http:\/\/fd.nl\/ondernemen\/1110869\/maersk-wil-twee-griekse-havens-overnemen\">internationale Kapital<\/a> verscherbelt w\u00fcrde. Wer aber unter den gegegeben Umst\u00e4nden in Griechenland fordert, den Sozialismus sofort zu installieren (was nur durch eine Diktatur ginge), hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das Parteienb\u00fcndnis Syriza ist aber nicht wirklich &#8222;links&#8220;, sondern h\u00f6chstens linkspopulistisch.<\/p>\n<p>Die Sache mit dem Klassenkampf und die Frage, wann wer warum gewonnen und verloren hat, wird sehr interessant und spannend, wenn man &#8211; was die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser mir verzeihen m\u00f6gen! &#8211; einen <a href=\"http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Parforceritt\">Parforceritt<\/a> durch die Geschichte unternimmt. (Wir sind bescheiden und nehmen nur die letzten 2000 Jahre.)<\/p>\n<p>Was war mit Sparta und seinen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sparta#Helots\">Heloten<\/a>? (Sorry, der deutsche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sparta#Gesellschaftsschichten_im_spartanischen_Staatswesen\">Wikipedia-Eintrag<\/a> zu &#8222;Sparta&#8220; ist totaler Bullshit.) Die Heloten waren die unterdr\u00fcckte Klasse: Sie stellten zwar die Mehrheit, galten aber als &#8222;\u00f6ffentliche Sklaven&#8220; und arbeiteten vorwiegend in der Landwirtschaft. Wenn man mehr \u00fcber den Klassenkampf im antiken Griechenland wissen will, sollte man sich mit dem Terrorinstrument der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krypteia\">Krypteia<\/a> oder der &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herrschaft_der_Drei%C3%9Fig\">Herrschaft der Drei\u00dfig<\/a>&#8220; besch\u00e4ftigen. (Griechenland hat eine 2000-j\u00e4hrige Tradition des Milit\u00e4rputsches.) Es ist schon witzig, dass sich unsere politische Klassen auf eine sogenannte &#8222;demokratische&#8220; Tradition der Antike beruft, die auf einer Sklavenhaltergesellschaft fu\u00dft. Thukydides <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/q64fexw\">schreibt<\/a> in seinem &#8222;Peloponnesische Krieg&#8220;, dass die Spartaner die Heloten oft sogar <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Helots#Massacre_at_Taenarus\">umbrachten<\/a> &#8222;aus Furcht vor ihrer g\u00e4renden Masse&#8220;. Die Heloten erhoben sich 464 v. Chr., \u00e4hnlich wie beim Spartacus-Aufstand in Rom, scheiterten aber. Diese Furcht teilt unsere herrschende Klasse immer noch, geht aber zur Zeit anders damit um (als etwa im Faschismus).<\/p>\n<p>Warum dieser Exkurs? Eine Revolution der unterdr\u00fcckten Klassen kann zwar milit\u00e4risch siegen, aber nicht das System an sich beseitigen, wenn die Zeit daf\u00fcr nicht &#8222;reif&#8220; ist (Marx w\u00fcrde sagen: Wenn die Pruduktivkr\u00e4fte noch nicht im Widerspruch zu den Produktionsverh\u00e4ltnissen stehen.) Spartakus zum Beispiel konnte nur f\u00fcr seine pers\u00f6nliche Freiheit k\u00e4mpfen, nicht aber das r\u00f6mische Wirtschaftssystem als solches abschaffen, das eben aus der Kombination von Sklavenarbeit auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Latifundium\">Latifundien<\/a> bestand und aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gracchische_Reform\">kleinb\u00e4uerlicher Produktion<\/a>. Spartacus war kein Revolution\u00e4r.<\/p>\n<p>In den antiken Gesellschaften gab es keine massenhafte Lohnarbeit &#8211; warum eigentlich nicht? Ganz einfach: Kleinbauern sind nicht dazu in der Lage, ausreichend Produkte f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Markt herzustellen. Das aber ben\u00f6tigten die r\u00f6mische Milit\u00e4rmaschinerie und <a href=\"http:\/\/www.cosmiq.de\/qa\/show\/2487616\/Einwohnerzahl-antiker-Staedte-des-Mittelmeerraums\/\">die gro\u00dfen St\u00e4dte<\/a>. (Wer mir nicht glaubt, der lese das Original Marcus Terentius Varros: &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/De_re_rustica_%28Varro%29\">De re rustica<\/a>&#8222;). Menschen zu rechtlosen &#8222;Sachen&#8220; zu machen, war tempor\u00e4r ein Fortschritt &#8211; , der die Produktivkr\u00e4fte revolutionierte &#8211; bis zu einer Grenze, deren \u00dcberschreiten eine neue Gesellschaftform schuf &#8211; den Feudalismus. <\/p>\n<p>Wie unterscheidet sich die Klassenstruktur Spartas (Spartiaten als elit\u00e4re Kriegerkaste, versklavte Heloten als b\u00e4uerliche Produzenten) vom Feudalismus (Samurai in Japan als Kriegerkaste, Ritter im so genannten &#8222;Hochmittelalter&#8220;, Bauern jeweils als unterdr\u00fcckte Klasse)? Die Antwort k\u00f6nnen die <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/12\/24\/ciompi-und-andere\">Ciompi<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_M%C3%BCntzer\">Thomas M\u00fcntzer<\/a> und seine <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/mu\/mu_005.htm\">Mansfelder Bergknappen<\/a> geben. (Sehr schwierige Frage!) Ab wann erlaubt der Stand der Produktivkr\u00e4fte, dass Menschen nur noch ihre Arbeitskraft besitzen, die sie auf dem Markt verkaufen an die, die \u00fcber die Produktionsmittel verf\u00fcgen &#8211; und genau das die vorherrschende Form gesellschaftlicher Arbeit wird? Oder: Warum arbeiten unfreie Bauern nicht im Bergwerk im 16. Jahrhundert, sondern freie Bergknappen?<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt \u00fcbermorgen.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27766?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27766?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_27766 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_27766')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_27766').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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