{"id":27633,"date":"2015-06-25T12:52:41","date_gmt":"2015-06-25T10:52:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=27633"},"modified":"2015-06-25T12:58:03","modified_gmt":"2015-06-25T10:58:03","slug":"unter-fremden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/06\/25\/unter-fremden","title":{"rendered":"Unter Fremden"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/06\/250615_1.jpg\" alt=\"fremd\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p>Katja Kipping: &#8222;Dass Pegida von Anbeginn nie irgendetwas anderes war, als rassistische, fremdenfeindliche Stimmungsmache, sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden. Im s\u00e4chsischen Freital vollzieht sich nun der \u00dcbergang von verbaler zu permanenter physischer Bedrohung in erschreckendem Tempo.&#8220;<\/p>\n<p>Das kann man noch verbessern. &#8222;Wenn wir etwas mit M\u00fche lesen, so ist der Autor gescheitert.&#8220; (Jorge Luis Borges)<\/p>\n<p>Das Wichtigste steht vorn, hier aber nicht. Was also will die Politikern uns sagen?<\/p>\n<p><i>Pegida war von Anbeginn rassistische Stimmungsmache.<\/i><br \/>\nGibt es auch Rassismus <i>ohne<\/i> &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220;, was auch immer das sein mag? Ist also doppelt gemoppelt. &#8222;Nie irgendetwas anderes&#8220; sind \u00fcberfl\u00fcssige F\u00fcllworter &#8211; der Satz ergibt auch ohne sie genau den gewollten Sinn. <\/p>\n<p><i>Das sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden.<\/i><br \/>\nDen letzten &#8211; oder auch den ersten? Verstehe ich nicht. Besser also:<br \/>\n<i>Das sollten jetzt auch die Pegida-Versteher begreifen.<\/i><br \/>\nEin Verb wie &#8222;begreifen&#8220; ist immer besser als das vage &#8222;klar werden&#8220;.<\/p>\n<p><i>Im s\u00e4chsischen Freital vollzieht sich nun der \u00dcbergang&#8230;<\/i><br \/>\nO nein, das ist wieder B\u00fcrokraten-Kauderwelsch. Der \u00dcbergang des Kraftfahrzeugs \u00fcber eine Autobahnbr\u00fccke vollzog sich wegen \u00fcberh\u00f6hter Geschwindigkeit schneller als gedacht? Wer schwurbelt, m\u00f6chte gern kaschieren, nicht nachgedacht zu haben. Wer tut was? Wo ist, verdammt noch mal, das handelnde Subjekt? Und was ist das Gegenteil von &#8222;erschreckendem Tempo&#8220;? Ein nicht erschreckendes Tempo? Gefasel!<\/p>\n<p><i>Der braune Mob im s\u00e4chsischen Freital bedroht nicht nur mit Worten. Die Fl\u00fcchtlinge werden jetzt auch k\u00f6rperlich bedroht und angegriffen.<\/i><\/p>\n<p><sup>Hier noch einmal zum Vergleich:<br \/>\nDass Pegida von Anbeginn nie irgendetwas anderes war, als rassistische, fremdenfeindliche Stimmungsmache, sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden. Im s\u00e4chsischen Freital vollzieht sich nun der \u00dcbergang von verbaler zu permanenter physischer Bedrohung in erschreckendem Tempo. (38 W\u00f6rter. Ungs: 2)<\/sup><\/p>\n<p><sup>Pegida war von Anbeginn rassistische Stimmungsmache. Das sollten sogar Pegida-Versteher begreifen. Der braune Mob im s\u00e4chsischen Freital bedroht nicht nur mit Worten. Die Fl\u00fcchtlinge werden jetzt auch k\u00f6rperlich bedroht und angegriffen. (33 W\u00f6rter. Ungs: 0)<\/sup><\/p>\n<p>Noch <del>ein<\/del> mehrere W\u00f6rter zur omin\u00f6sen &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220;. Ich <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=2462\">schrob (SCNR) vor zw\u00f6lf Jahren<\/a>:<br \/>\nDer Begriff &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; &#8211; auch &#8222;Xenophobie&#8220; &#8211; wird meistens in suggestivem Sinn gebraucht: man vermutet, es g\u00e4be ein dem Homo sapiens angeborenes Gef\u00fchl, jemandem, der unbekannt ist, &#8222;automatisch&#8220; zu f\u00fcrchten oder ihm aggressiv zu begegnen. Die These vom angeborenen &#8222;Fremdenhass&#8220; entstammt einer falschen Analogie aus dem Tierreich und wird von einigen rechtskonservativen Forschern wie Iren\u00e4us Eibl-Eibesfeld vertreten. Der &#8222;Hass&#8220; gegen das oder den Fremden sei ein evolutionsgeschichtliches \u00dcberbleibsel, eine Art Instinkt, der die eigenen Vorr\u00e4te zum \u00dcberleben vor dem Zugriff Fremder sch\u00fctze. Der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld behauptet, &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; sei &#8222;stammesgeschichtlich&#8220; angeboren. Jedes Volk wehre sich gegen &#8222;\u00dcberfremdungen&#8220;. <\/p>\n<p>Den &#8222;Fremden&#8220; an sich gibt es nicht &#8211; genausowenig wie &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220;. Soziale und physische Aggression eines Kollektivs gegen bestimmte Gruppen von Menschen setzt voraus, dass man sich vorher dar\u00fcber verst\u00e4ndigt hat, welche Eigenschaften diejenigen haben sollen, gegen die man negative Gef\u00fchle wie Hass zeigt. Die &#8222;Fremden&#8220; werden immer konstruiert, durch Gesetze oder durch den gesellschaftlichen Diskurs, der sich bestimmter Vorurteile bedient. Die Theorien, die die Begriffe &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; oder &#8222;Xenophobie&#8220; vertreten, reduzieren den Menschen auf Natur und interpretieren soziale Tatsachen biologistisch. <\/p>\n<p>Auch die oft vertretene These, die so genannte &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; l\u00e4ge in der menschlichen Pyche begr\u00fcndet, ist schlicht grober Unfug. Wer &#8222;Fremdenfeindichkeit&#8220; <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/fulltext\/asfo\/00256006.htm\">psychologisch<\/a> definiert, muss auch Rassismus und Antisemitismus aus der Seele ableiten, wom\u00f6glich aus der deutschen, brasilianischen oder chinesischen Seele ganz speziell. Als &#8222;fremd&#8220; gelten manchen Leuten auch Behinderte, Obdachlose, emanzipierte Frauen oder Angeh\u00f6rige bestimmter Subkulturen wie Punks oder Grufties. Im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt man &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; jedoch meistens f\u00fcr Immigranten mit oder ohne deutschen Pass. Psychologische Spekulationen, die &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; als abweichendes Verhalten klassifizieren zu wollen, bleiben oberfl\u00e4chlich. Sie lassen ausser acht, dass auch &#8222;normale&#8220; und unauff\u00e4llige Menschen Vorurteile haben, also Gruppen von Menschen zu &#8222;Fremden&#8220; machen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wer &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; bestimmen will, muss genau sagen, welche Gruppe als &#8222;fremd&#8220; angesehen wird, wie sich diese &#8222;Feindschaft&#8220; \u00e4ussert,. und wie sie sich von anderen &#8222;Feindlichkeiten&#8220; wie rassistischen und antisemitischen Vorurteilen oder sexueller Diskriminierung unterscheidet. Das <a href=\"http:\/\/www.documentarchiv.de\/ksr\/1913\/reichs-staatsangehoerigkeitsgesetz.html\">Reichs- und Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetz<\/a> aus dem Jahr 1913 bestimmt zum Beispiel, dass eine deutsche Frau, die einen Ausl\u00e4nder heiratet, automatisch zu einer Fremden, das heisst Ausl\u00e4nderin wird..Die deutschen Juden wurden durch 1933 durch das &#8222;Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre&#8220;, die so genannten &#8222;N\u00fcrnberger Rassegesetze&#8220;, juristisch zu Fremden gemacht. Das aktuelle Staatsb\u00fcrgerschaftsrecht aus dem Jahr 2000 bestimmt, dass Immigranten im juristischen Sinn Fremde bleiben, also nicht eingeb\u00fcrgert und Deutsche werden k\u00f6nnen, wenn sie nicht in der Lage sind, &#8222;sich selbst zu unterhalten.&#8220; F\u00fcr einen eingefleischten Rassististen wird der deutsche Fussballnationalspieler Gerald Asamoah &#8222;fremd&#8220; bleiben, weil der afrikanischer Abstammung ist. <\/p>\n<p>&#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; ist eine politisch bewusst gewollte soziale Ausgrenzung und kann &#8222;k\u00fcnstlich&#8220; erzeugt werden. Wird eine Gruppe von Menschen per Gesetz oder durch soziale und wirtschaftliche Diskriminierung ausgegrenzt, zieht sie automatisch Vorurteile nach sich. Wer von der Gesellschaft ferngehalten wird, entwickelt automatisch alternative Existenz- und Verhaltensweisen, die wiederdem der Mehrheit fremd sind. Soziale Diskriminierung erzeugt &#8222;Fremdheit&#8220; auf beiden Seiten &#8211; der Mehrheit und der Minderheit. Daf\u00fcr gibt es den Begriff der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.google.com\/search?hl=en&#038;lr=&#038;ie=UTF-8&#038;oe=UTF-8&#038;as_qdr=all&#038;q=+%22Selbstethnisierung%22&#038;btnG=Google+Search\">Selbstethnisierung<\/a>&#8222;: Im Kampf um Anteile an der gesellschaftlichen Macht muss sich jeder eine Gruppe zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, um eine Chance zu bekommen, gemeinsam mit anderen etwas zu erreichen. Im angels\u00e4chsischen Sprachraum gibt es schon lange eine Diskussion dar\u00fcber, wie und ob die urspr\u00fcndlich &#8222;Fremden&#8220;, zumeist die Einwanderer und deren Nachfahren, die Nachteile ihrer Herkunft in das Gegenteil zu verkehren. In Deutschland hat vor allem die Gruppe <a href=\"http:\/\/www.kanak-attak.de\/ka\/\">kanak attack<\/a> diese Diskussion angestossen. <\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27633?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27633?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_27633 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_27633')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_27633').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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