{"id":27563,"date":"2015-06-20T14:19:20","date_gmt":"2015-06-20T12:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=27563"},"modified":"2020-08-26T15:12:59","modified_gmt":"2020-08-26T13:12:59","slug":"machs-besser-katja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/06\/20\/machs-besser-katja","title":{"rendered":"Mach&#8217;s besser, Katja!"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/06\/200615_1.jpg\" alt=\"wortsalat\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\"\/><\/p>\n<p>Neuer <i>Tag<\/i> dieses Blogs: Mach&#8217;s besser, Katja! (nat\u00fcrlich eine Teilmenge von &#8222;Deutsch des Grauens&#8220;.) Ich helfe gern, wenn Politikerinnen kein verst\u00e4ndliches Deutsch sprechen oder schreiben k\u00f6nnen. Wer dem Volk nicht auf&#8217;s Maul schauen kann, hat den Kontakt mit ihm verloren. Das steht Linken nicht gut an. Ich werde das Geschwurbel der linken Parteivorsitzenden hier verbessern: Es ist zwar gut gemeint und oft auch richtig, aber was n\u00fctzt das, wenn es niemand verstehen kann und lesen mag?<\/p>\n<p><strong>Beispiel 1:<\/strong><\/p>\n<p>Kipping: <i>Ich war gestern bei einer Lesung der britischen Feministin Laurie Penny. Einer ihrer Punkte war: der neoliberale Kapitalismus l\u00e4sst uns in vielem die Wahl, aber nicht die Freiheit, diese Wahl auch anzunehmen.<\/i><\/p>\n<p>Die indirekte Rede verlangt den Konjunktiv. Vorsicht bei Adjektiven, zumal den doppelt gemoppelten. (Nicht nur der &#8222;neoliberale&#8220; Kapitalismus, sondern auch der ganz normale Kapitalismus, vgl. K.M.) Dass das Zitat &#8222;einer ihrer Punkte war&#8220;, wei\u00df ohnehin jeder &#8211; also \u00fcberfl\u00fcssig. Neun W\u00f6rter pro Satz: Das ist die Obergrenze der optimalen Verst\u00e4ndlichkeit (laut dpa, Kippings hat 21).<\/p>\n<p>Besser also: &#8222;Penny sagte: &#8222;Der Kapitalismus lasse uns in vielem die Wahl, aber nicht die Freiheit, diese Wahl anzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Beispiel 2:<\/strong><\/p>\n<p>Kipping: <i>Griechenland soll mit den Waffen der Finanzmacht eine demokratische Regierung, die Nein zur Austerit\u00e4tspolitik sagt, hinwegfegt werden, in dem das Land in ein \u00f6konomisches und soziales Chaos getrieben wird.<\/i><\/p>\n<p>Zuerst die W\u00f6rter: Was soll &#8222;mit den Waffen der Finanzmacht&#8220; hei\u00dfen? Welche Waffen g\u00e4be es sonst noch &#8211; die des Kapitals? Aber das Finanzkapital ist doch nur eine Teilmenge desselben &#8211; und ohne das nicht lebensf\u00e4hig! Wer zwingt wen womit? &#8222;Soll mit&#8220; verschweigt das handelnde Subjekt, weil die Waffen &#8211; wessen auch immer &#8211; bekanntlich nicht allein handeln. (Das w\u00e4re schlimm!) Die europ\u00e4ischen Gro\u00dfbanken? Klingt schon besser, wir nehmen das als Arbeitshypothese.<\/p>\n<p>&#8222;Austerit\u00e4tspolitik&#8220;? Ich wusste noch nie, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Austerit%C3%A4t\">was das hei\u00dfen soll<\/a>. Versteht das Volk dieses Wort? H\u00e4tte es die <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/category\/die-rote-fahne\">Rote Fahne<\/a> damals benutzt? <i>Austerit\u00e4t (von altgr. \u03b1\u1f50\u03c3\u03c4\u03b7\u03c1\u03cc\u03c4\u03b7\u03c2 &#8222;Herbheit&#8220;, &#8222;Ernst&#8220;, &#8222;Strenge&#8220;) bedeutet &#8222;Disziplin&#8220;, &#8222;Entbehrung&#8220; oder &#8222;Sparsamkeit&#8220;.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Wer den Begriff &#8222;Austerit\u00e4t&#8220; benutzt, geht der Propaganda des Kapitals auf den Leim: Die EU will die griechische Regierung zwingen, die Armen noch \u00e4rmer zu machen, das Tafelsilber des Landes an ausl\u00e4ndische Konzerne zu verkaufen, und das System als solches so zu lassen, wie es ist. Wer das euphemistisch als &#8222;Sparen&#8220; verkaufen will, l\u00e4sst sich als Lautsprecher des Kapitals missbrauchen.<\/p>\n<p>&#8222;In dem&#8220;, schreibt man zusammen.<\/p>\n<p>Und nun zu uns, Satzbau Katja Kippings! Wichtiges geh\u00f6rt in den Hauptsatz, <i>nicht<\/i> in einen Nebensatz. Nebens\u00e4tze sind nur dazu da, Teile des Hauptsatzes zu erl\u00e4utern. Meister der Sprache wie Kleist, Lichtenberg, Heine und Brecht d\u00fcrfen diese Regeln durchbrechen, aber nicht Politikerinnen.<\/p>\n<p>Wagen wir&#8217;s? Wie viel Logik darf es denn sein? 1. Die griechische Regierung will etwas nicht (ihre Wahlversprechen brechen). 2. Die europ\u00e4ischen Gro\u00dfbanken wollen sie dennoch dazu zwingen. 3. Falls sie Erfolg h\u00e4tten, st\u00fcrzte das Land in ein Chaos. 4. Dann w\u00fcrde die griechische Regierung hinweggefegt. 5. Das w\u00e4re von den Banken so gewollt.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Teile hat die Aussage, und so sehen die aus, wenn man sie logisch ordnet. Bei Kipping aber wirbelt alles durcheinander. Wer nur fl\u00fcchtig liest, kapiert nichts. &#8222;Wer wen?&#8220; &#8211; darauf kommt es doch an!<\/p>\n<p>Wenn wir aber mit den Banken anf\u00e4ngen wollen, wird es schwer, weil die logische Abfolge dem aktuellen Geschehen widerspricht: Das, was die Banken wollen, kommt sp\u00e4ter als das, was die griechische Regierung wollte, und die Banken wollen auch etwas, das noch sp\u00e4ter eintreten soll als ihr eigenes Wollen. (Ja, Schreiben bedeutet: man muss sich M\u00fche geben und anstrengen, wenn es gut werden soll!)<\/p>\n<p>Logisch und grammatikalisch korrekt w\u00e4re folgender Satz: Die europ\u00e4ischen Gro\u00dfbanken m\u00f6chte die griechische Regierung zwingen, ihre Wahlversprechen zu brechen, die diese (nicht jene!) gemacht hatte (Plusquamperfekt), und n\u00e4hme billigend in Kauf, dass die linke griechische Regierung dann hinweggefegt werden w\u00fcrde (Futur II, Konditional), weil das Land in ein Chaos st\u00fcrzte.<\/p>\n<p>Korrektes Deutsch &#8211; aber man versteht es dennoch nicht. Das Plusquamperfekt \u00fcberfordert fast alle Leser. Man wei\u00df am Schluss daher nicht, wann das Chaos nur eintrifft &#8211; bevor die die Regierung st\u00fcrzt, danach? Und wann wollten die Banken etwas?<\/p>\n<p>Zweiter Versuch:<br \/>\nDas europ\u00e4ische Finanzkapital will sich der linken griechischen Regierung entledigen. (Oder: Das europ\u00e4ische Finanzkapital will die linke griechischen Regierung loswerden.) Der Plan ist: Wenn die Forderungen der Banken erf\u00fcllt werden (&#8222;w\u00fcrden&#8220; w\u00e4re korrekt, die M\u00f6glichkeitsform ist aber schwer zu verstehen), st\u00fcrzt (korrekt: &#8222;st\u00fcrzte&#8220;) das Land in ein Chaos. Dann w\u00fcrde die linke Regierung hinweggefegt werden). Das n\u00e4hmen die Gro\u00dfbanken billigend in Kauf.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27563?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27563?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_27563 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_27563')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_27563').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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