{"id":2705,"date":"2009-09-07T14:39:02","date_gmt":"2009-09-07T13:39:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=2705"},"modified":"2009-09-07T14:48:37","modified_gmt":"2009-09-07T13:48:37","slug":"internet-manifest-schwarmverhalten-update","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2009\/09\/07\/internet-manifest-schwarmverhalten-update","title":{"rendered":"Internet-Manifest (Schwarmverhalten, update)"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Das Internet ist anders.<\/strong><\/p>\n<p>Es schafft andere \u00d6ffentlichkeiten, andere Austauschverh\u00e4ltnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien m\u00fcssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realit\u00e4t anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bek\u00e4mpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verf\u00fcgung stehenden Technik den bestm\u00f6glichen Journalismus zu entwickeln &#8211; das schlie\u00dft neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.<\/p>\n<p><strong>2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.<\/strong><\/p>\n<p>Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es \u00fcberwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Ver\u00f6ffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverst\u00e4ndnis des Journalismus wird seiner Schl\u00fcssellochfunktion beraubt &#8211; zum Gl\u00fcck. Es bleibt nur die journalistische Qualit\u00e4t, die Journalismus von blo\u00dfer Ver\u00f6ffentlichung unterscheidet.<\/p>\n<p><strong>3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt geh\u00f6ren Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverst\u00e4ndlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienh\u00e4user weiter existieren wollen, m\u00fcssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu geh\u00f6ren die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuh\u00f6ren und Reagieren, auch bekannt als Dialog.<\/p>\n<p><strong>4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.<\/strong><\/p>\n<p>Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen ver\u00e4ndert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gef\u00e4hrden den freien Austausch von Informationen und besch\u00e4digen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.<\/p>\n<p><strong>5. Das Internet ist der Sieg der Information.<\/strong><\/p>\n<p>Bisher ordneten, erzwungen durch die unzul\u00e4ngliche Technologie, Institutionen wie Medienh\u00e4user, Forschungsstellen oder \u00f6ffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder B\u00fcrger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, w\u00e4hrend Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschlie\u00dfen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.<\/p>\n<p><strong>6. Das Internet ver\u00e4ndert verbessert den Journalismus.<\/strong><\/p>\n<p>Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu geh\u00f6rt die Darstellung der Information als sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unver\u00e4nderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Aussch\u00f6pfen der neuen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>7. Das Netz verlangt Vernetzung.<\/strong><\/p>\n<p>Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schlie\u00dft sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch f\u00fcr die Online-Auftritte klassischer Medienh\u00e4user.<\/p>\n<p><strong>8. Links lohnen, Zitate zieren.<\/strong><\/p>\n<p>Suchmaschinen und Aggregatoren f\u00f6rdern den Qualit\u00e4tsjournalismus: Sie erh\u00f6hen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten \u00d6ffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate \u2013 auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers \u2013 erm\u00f6glichen \u00fcberhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt sch\u00fctzenswert.<\/p>\n<p><strong>9. Das Internet ist der neue Ort f\u00fcr den politischen Diskurs.<\/strong><\/p>\n<p>Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die \u00dcberf\u00fchrung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.<\/p>\n<p><strong>10. Die neue Pressefreiheit hei\u00dft Meinungsfreiheit.<\/strong><\/p>\n<p>Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht f\u00fcr Berufsst\u00e4nde oder technisch tradierte Gesch\u00e4ftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit f\u00fcr jeden gelten, der zur Erf\u00fcllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.<\/p>\n<p><strong>11. Mehr ist mehr \u2013 es gibt kein Zuviel an Information.<\/strong><\/p>\n<p>Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut un\u00fcberpr\u00fcfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklop\u00e4disten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit f\u00fchren &#8211; sowohl f\u00fcr den Einzelnen wie auch f\u00fcr die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>12. Tradition ist kein Gesch\u00e4ftsmodell.<\/strong><\/p>\n<p>Mit journalistischen Inhalten l\u00e4sst sich im Internet Geld verdienen. Daf\u00fcr gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Gesch\u00e4ftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten L\u00f6sungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielf\u00e4ltige Umsetzung zu investieren<\/p>\n<p><strong>13. Im Internet wird das Urheberrecht zur B\u00fcrgerpflicht.<\/strong><\/p>\n<p>Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, \u00fcber Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, \u00fcberholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschlie\u00dfen. Eigentum verpflichtet.<\/p>\n<p><strong>14. Das Internet kennt viele W\u00e4hrungen.<\/strong><\/p>\n<p>Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit f\u00fcr Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuh\u00f6rers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang geh\u00f6rt seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien f\u00fcr Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.<\/p>\n<p><strong>15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.<\/strong><\/p>\n<p>Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online m\u00fcssen Texte, T\u00f6ne und Bilder nicht mehr fl\u00fcchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitber\u00fccksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.<\/p>\n<p><strong>16. Qualit\u00e4t bleibt die wichtigste Qualit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n<p>Das Internet entlarvt gleichf\u00f6rmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubw\u00fcrdig und besonders ist. Die Anspr\u00fcche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erf\u00fcllen und seinen oft formulierten Grunds\u00e4tzen treu bleiben.<\/p>\n<p><strong>17. Alle f\u00fcr alle.<\/strong><\/p>\n<p>Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts \u00fcberlegene Infrastruktur f\u00fcr den gesellschaftlichen Austausch dar: Die \u201cGeneration Wikipedia\u201d wei\u00df im Zweifel die Glaubw\u00fcrdigkeit einer Quelle abzusch\u00e4tzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu gewichten \u2013 f\u00fcr sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesd\u00fcnkel und ohne den Willen, diese F\u00e4higkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es m\u00f6glich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuh\u00f6rer oder Zuschauer nannte &#8211; und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.<\/p>\n<p>Internet, 07.09.2009<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.internet-manifest.de\/\">www.internet-manifest.de<\/a>, unterzeichnet von den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen<\/p>\n<p>Es g\u00e4be einiges anzumerken, zum Beispiel dass es &#8222;das Web&#8220; nicht gibt, sondern dass <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/World_Wide_Web\">WWW<\/a> eine Art und Weise meint an Daten zu gelangen (&#8222;ein \u00fcber das Internet abrufbares Hypertext-System&#8220;). Das &#8222;Web&#8220; ist mitnichten ein Synonym f\u00fcr Internet. Das Manifest soll ja auch f\u00fcr das Usenet und IRC gelten. (Erbsenz\u00e4hlmodus off)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2705?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2705?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2705 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2705')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2705').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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