{"id":26613,"date":"2015-03-04T16:35:01","date_gmt":"2015-03-04T15:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=26613"},"modified":"2015-03-04T21:30:15","modified_gmt":"2015-03-04T20:30:15","slug":"landgrabbing-oder-wer-bezahlt-die-spesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/03\/04\/landgrabbing-oder-wer-bezahlt-die-spesen","title":{"rendered":"Landgrabbing oder: Wer bezahlt die Spesen?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2015\/03\/040315_1.jpg\" alt=\"ukraine\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p><i>Wohl zehn Minuten las ich in einer Zeitung, lie\u00df durch das Auge den Geist eines verantwortungslosen Menschen in mich hinein, der die Worte anderer im Munde breitkaut und sie eingespeichelt, aber unverdaut wieder von sich gibt.<\/i> (Hermann Hesse: Der Steppenwolf)<\/p>\n<p>Wer verdient eigentlich am Krieg in der Ukraine? Wer gewinnt &#8211; und wer verliert? Wer hat welche Interessen? Das sind Fragen, die ich in den Medien beantwortet haben m\u00f6chte. Mich interessiert nicht, was Putin, Merkel oder jemand anderes angeblich &#8222;wollen&#8220;. &#8222;Gro\u00dfe M\u00e4nner&#8220; (und auch Frauen) machen nicht die Geschichte. So dachte man im 19. Jahrhundert, und so &#8222;erkl\u00e4rte&#8220; man die Weltl\u00e4ufte. &#8222;Alle zehn Jahre ein gro\u00dfer Mann. Wer bezahlte die Spesen?&#8220; <a href=\"http:\/\/www.die-linke.de\/partei\/dokumente\/programm-der-partei-die-linke\/bertolt-brecht-fragen-eines-lesenden-arbeiters\/\">schrieb<\/a> Berltold Brecht. Gro\u00dfe M\u00e4nner sind Getriebene, die innerhalb der ihnen durch die Produktionsverh\u00e4ltnisse und dem Stand der Produktivkr\u00e4fte vorgegebenen Grenzen agieren. Wie sollte es anders sein? (Ich k\u00f6nnte das auch mit &#8222;volkswirtschaftlichen&#8220; Termini sagen, das w\u00e4re aber dann verschwurbelter.)<\/p>\n<p>Ich habe kurz die g\u00e4ngigen deutschen Wirtschaftsmedien zum Thema durchgesehen. Da findet man kaum etwas dazu. (Nicht, dass ich das erwartet h\u00e4tte.) Die <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik\/europa\/ukrainekrise-loehne-in-der-ukraine-sind-im-freien-fall\/11424578.html\">Wirtschaftswoche<\/a> berichtet zjm Beispiel: &#8222;Mittlerweile ist der Mindestlohn in der Ukraine unter das Niveau von Ghana gefallen. Rund 43 Euro im Monat &#8211; mehr gibts nicht.&#8220; <\/p>\n<p>In den <a href=\"http:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2015\/03\/02\/ukraine-stahl-industrie-ohne-exporte-nach-russland-im-freien-fall\/\">Deutschen Wirtschaftsnachrichten<\/a>:<br \/>\n<i>Die Ukraine besa\u00df bis 2011 die weltgr\u00f6\u00dften Lagerst\u00e4tten f\u00fcr Eisenerz. Diese Vorkommen konzentrieren sich in der Region Krywbass, im Zentrum des Landes. \u00dcberwiegend kann das Erz dort im Tagebau gewonnen werden. Und neben den bekannten Steinkohlevorkommen im nun umk\u00e4mpften Donbass-Gebiet sind vor allem die Manganvorkommen der Ukraine bedeutend. Hier besitzt die Ukraine ein Viertel der Weltreserven. Zentrum des Manganabbaus ist die Region Nikopol im zentralen S\u00fcden des Landes. Weitere wichtige Erzvorkommen gibt es f\u00fcr Titan, Aluminium und nicht zuletzt Uran.<\/i><\/p>\n<p>Damit kommen wird der Sache schon n\u00e4her. Der <a href=\"http:\/\/www.ost-ausschuss.de\/\">Ostausschuss der deutschen Wirtschaft<\/a> spricht von 400 deutschen Firmen, die in der Ukraine Gesch\u00e4fte machten.<\/p>\n<p>Land und Erze. Was wird also damit geschehen? Die Stahlindustrie liegt im umk\u00e4mpften Osten der Ukraine und ist <a href=\"http:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2015\/03\/02\/ukraine-stahl-industrie-ohne-exporte-nach-russland-im-freien-fall\/\">ohne Russland<\/a> nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig. Daran sind das europ\u00e4ische und das US-Kapital nicht interessiert.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2015\/02\/27\/kredite-aus-steuergeldern-saatgut-konzerne-kaufen-land-in-der-ukraine\/\">Deutschen Wirtschaftsnachrichten<\/a> berufen sich auf eine <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/039\/1803925.pdf\">parlamentarische Anfrage<\/a> der &#8222;Linken&#8220; unter dem Titel &#8222;Landgrabbing&#8220;:<br \/>\n<i>Die Bundesregierung hat in der Antwort auf eine Anfrage der Links-Partei zugegeben, dass nationale und internationale Konzerne in der Ukraine EU-Subventionen und Kredite erhalten. Es findet ein Transfer von fruchtbaren L\u00e4ndereien an ukrainische Oligarchen und internationale Saatgut-Konzerne statt. Im Gegenzug erh\u00e4lt die Regierung in Kiew internationale Kredite.<\/i><\/p>\n<p>Die Ukraine k\u00f6nnte zum zweitgr\u00f6\u00dften Getreideexporteur der Welt nach den USA aufr\u00fccken. Was lesen wir also konsequenterweise im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/riesige-flaechen-china-kauft-ackerland-in-der-ukraine-auf\/8826952.html\">Handelsblatt<\/a>?<br \/>\n<i>Die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber riesige Ackerfl\u00e4chen. In einem einzigartigen Deal will sich China den Zugriff auf dieses Land sichern. Es geht um eine Fl\u00e4che so gro\u00df wie Brandenburg. Und das ist erst der Anfang.<\/i><\/p>\n<p>Zum Mitschreiben: Die <a href=\"http:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/2015\/03\/03\/oligarchen-der-ukraine-gewinnen-zugriff-auf-europaeische-steuergelder\/\">korrupte Oligarchie in der Ukraine<\/a>, denen sozialdemokratische deutsche Prominenz jetzt beiseite steht, bekommt die Gelder der Steuerzahler der EU, um sich die Taschen zu f\u00fcllen. Als Kompensation erhalten die internationalen Konzerne die Ressourcen des Landes. Das nennen unsere Kapitalismus-affinnen Medien &#8222;Westorientierung&#8220;. Die Arbeiterklasse und die kleinen Leute werden nat\u00fcrlich ruiniert; das war schon immer so.<\/p>\n<p><i>Die Ukraine hat im vergangenen Jahr Milliarden-Kredite vom IWF und von der EU erhalten. Doch diese versickern oftmals in dunklen Kan\u00e4len oder werden nicht zweckgem\u00e4\u00df eingesetzt. Die Oligarchen profitieren auch von der Politik der Notenbank in Kiew. (&#8230;) Die Zentralbank hat sich bisher stets hilfsbereit gezeigt, wenn es um die St\u00fctzung der Oligarchen ging: Erst vor wenigen Tagen hat die Notenbank verk\u00fcndet, dass sie der &#8222;Privatbank&#8220; einen Liquidit\u00e4ts-Kredit von umgerechnet 62 Millionen Euro (zwei Milliarden Hryvnia) f\u00fcr zwei Jahre zur Verf\u00fcgung gestellt. Als Sicherheit f\u00fcr den Kredit wurden Immobilien der Bank und eine B\u00fcrgschaft eines Anteilseigners akzeptiert. Igor Kolomoiski und Gennadi Boholjubow halten je 37 Prozent der Bankanteile. 16,23 Prozent geh\u00f6ren einer Firma auf den British Virgin Islands. (&#8230;) Das Staatliche Statistikamt der Ukraine meldet, dass zwischen Oktober und Ende November 2014 90,6 Prozent aller ukrainischen Investitionen nach Zypern geflossen sind. Ukrainische Oligarchen legen ihre in der Ukraine wirtschaftlich erzielten Gewinne in Steuer-Oasen an.<\/i><\/p>\n<p>Noch Frage? Puls und Atmung noch normal? <\/p>\n<p>Ich finde dieses neue Gesch\u00e4ftsmodell des Kapitals interessant. Im 19. Jahrhundert wurden die Kolonien direkt ausgepl\u00fcndert. Im &#8222;klassischen&#8220; Zeitalter des Imperialismus bekriegten sich die Staaten gegenseitig, um den Zugriff auf Rohstolle zu bekommen. Der traditionelle Nationalstaat hat jetzt aber offenbar ausgedient, vor allem an der Peripherie. Er war ohenhin ein k\u00fcnstliches Konstrukt, das vor allem in Deutschland weltanschaulich \u00fcberh\u00f6ht werden musste (&#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Befreiungskriege\">Befreiungskriege<\/a>&#8222;), um sowohl die gescheiterte politische Revolution des B\u00fcrgertums zu kaschieren als auch, um das Volk nicht auf dumme Gedanken kommen lassen &#8211; mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freiheit,_Gleichheit,_Br%C3%BCderlichkeit\">Egalit\u00e9<\/a> war es eben in der Realit\u00e4t nicht weit her. Der Nationalstaat hat ausgedient, weil jetzt internationale Konzerne die Geschicke des Kapitalismus bestimmen, denen &#8222;Nationen&#8220; schnurzpiepegal sind und die das Bruttosozialprodukt eines ganzen kleineren Staates aus der Portokasse bezahlen k\u00f6nnten. Der Profit kennt eben kein Vaterland.<\/p>\n<p>Die Staaten, in denen etwas zu holen ist &#8211; wie Libyen oder auch die Ukraine &#8211; werden mit allen Mitteln zum Zusammenbruch gebracht, etwa, indem &#8222;Rebellen&#8220; mit Geld und Waffen alimentiert werden, oder indem ein Putsch gef\u00f6rdert wird, um einen Diktator durch Oligarchen zu ersetzen, die zwar das Land genauso auspl\u00fcndern, aber eben auch noch dem &#8222;Westen&#8220; das Tafelsilber \u00fcberlassen.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26613?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26613?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_26613 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_26613')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_26613').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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