{"id":26315,"date":"2015-02-02T10:33:11","date_gmt":"2015-02-02T09:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=26315"},"modified":"2015-02-02T10:34:48","modified_gmt":"2015-02-02T09:34:48","slug":"eine-der-frage-des-standpunktes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2015\/02\/02\/eine-der-frage-des-standpunktes","title":{"rendered":"Eine Frage des Standpunktes"},"content":{"rendered":"<p><i>Sag mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst!<br \/>\nWir haben ein Recht darauf, dich zu erkennen,<br \/>\nauch nickende Masken n\u00fctzen uns nicht.<br \/>\nIch will beim richtigen Namen dich nennen.<br \/>\nUnd darum zeig mir dein wahres Gesicht!<\/i><br \/>\n(<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sag_mir,_wo_du_stehst\">Hartmut K\u00f6nig<\/a>)<\/p>\n<p>Man muss <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Standpunkt-Theorie\">Wikipedia<\/a> nicht glauben, aber: &#8222;Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Gruppe bestimmt weitgehend den Standpunkt, den das Individuum einnimmt. (&#8230;) Alle Standpunkte sind voreingenommen, aber einige Standpunkte k\u00f6nnen objektiver sein als andere. (&#8230;) Der Standpunkt einer untergeordneten Gruppe ist vollst\u00e4ndiger, weil diese mehr Grund hat, eine dominante Gruppe zu verstehen, und weil sie weniger Interesse hat, den Status quo aufrechtzuerhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Vor allem der letztere Punkt ist interessant. Ich hatte <a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/02\/12\/mainstream-medien\">hier<\/a> schon <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/38\/38515\/1.html\">das Buch von Uwe Kr\u00fcger<\/a> erw\u00e4hnt: &#8222;Meinungsmacht &#8211; Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-\u00adJournalisten \u2013 eine kritische Netzwerkanalyse&#8220;. Darin wird nachgewiesen, dass die Journalisten, die in Deutschland den diskursiven Mainstream pr\u00e4gen, einen klaren Klassenstandpunkt beziehen &#8211; sie sind Lautsprecher des Kapitals, haben also ein Interesse daran, &#8222;den Status quo aufrechtzuerhalten&#8220;. Sie werden nie und nimmer die Systemfrage stellen. Die Mehrheit der journalistischen Zunft hingegen hat Angst vor dem sozialen Abstieg und geh\u00f6rt gef\u00fchlt der &#8222;Mittelschicht&#8220; an, wird also demn\u00e4chst zwischen den Fronten zerrieben werden und verh\u00e4lt sich weltanschaulich dementsprechend.<\/p>\n<p>Wir erleben zur Zeit den gr\u00f6\u00dften <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/economy_finance\/indicators\/labdev\/stats\/index_en.html\">Angriff auf die L\u00f6hne<\/a> seit Ende des zweiten Weltkriegs. Ziel des Kapitals ist es theoretisch, m\u00f6glichst alle auf Mindestlohnniveau zu dr\u00fccken. Das ist nicht boshaft, sondern die Konsequenz aus dem tendenziellen Fall der Profitrate. (Hatten wir gestern). <\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/angeschlagener-warenhauskonzern-karstadt-plant-billigloehne-1.2330525\">S\u00fcddeutsche<\/a> schreibt heute: &#8222;Karstadt plant Billigl\u00f6hne&#8220;.<br \/>\n<i>In den einzelnen H\u00e4usern wird es k\u00fcnftig drei Gruppen von Karstadt-Mitarbeitern geben: Verk\u00e4ufer, Kassierer und solche, die in neu geschaffene Warenservice-Teams wechseln sollen. Diese Mitarbeiter sollen vor allem die Ware auspacken und die Regale einr\u00e4umen. Das er\u00f6ffnet Karstadt die M\u00f6glichkeit, diese Besch\u00e4ftigten k\u00fcnftig nur noch nach den deutlich niedrigeren Tarifen f\u00fcr die Logistikbranche zu bezahlen.<\/i><\/p>\n<p>Das ist ein Konzept, das auch im Gesundheitssektor gerade praktiziert wird. Um die L\u00f6hne zu dr\u00fccken, werden ganze Abteilungen ausgegliedert. Die Mitarbeiter werden dann zu wesentlich schlechteren Bedingungen wieder angestellt oder k\u00f6nnen gehen, wenn ihnen das nicht passt. Wer unter diesen Umst\u00e4nden als Arbeiter oder Angestellter immer noch nicht Mitglied in einer Gewerkschaft ist, ist eine d\u00e4mliche Pappnase, auch wenn die deutschen Gewerkschaften oft auch aus d\u00e4mlichen Pappnasen bestehen. Man muss mit dem k\u00e4mpfen, was man hat.<\/p>\n<p>Je nach <del>Klassen<\/del>Standpunkt kann man den Sachverhalt so oder so ausdr\u00fccken. Wenn man gern die &#8222;freie Marktwirtschaft&#8220;(TM) verherrlicht und alles aus der Perspektive des Kapitals sehen m\u00f6chte, schreibt man: &#8222;Karstadt will sparen und die Lohnkosten senken.&#8220; Nimmt man den Standpunkt der &#8222;weniger dominanten Gruppe&#8220; ein, der laut Wikipedia objektiver w\u00e4re. schreibt man: &#8222;Karstadt will mehr Profit machen und senkt die L\u00f6hne.<\/p>\n<p>So einfach ist das, aber keiner merkt was. &#8222;Sparen&#8220; und &#8222;Kosten senken&#8220; sind keine Begriffe, die man als Journalist einfach mal so verwenden darf, ohne die Fakten dahinter zu benennen, sondern Propaganda.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26315?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26315?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_26315 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_26315')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_26315').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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