{"id":2548,"date":"2009-08-19T12:45:23","date_gmt":"2009-08-19T11:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=2548"},"modified":"2023-05-05T12:10:24","modified_gmt":"2023-05-05T10:10:24","slug":"lest-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2009\/08\/19\/lest-mal","title":{"rendered":"Lest mal!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Was ich so von tag zu Tag mit mir anfange? ich schreibe, wenn ich kann, und ich schreibe nicht, wenn ich nicht kann. (&#8230;) Ich bekomme dauernd Aufs\u00e4tze zu Gesicht, in denen Schriftsteller sich dar\u00fcber auslassen, dass sie grunds\u00e4tzlich nie auf Inspiration wareten; sie setzen sich einfach jeden Morgen um acht an ihren kleinen Schreibtisch, ob&#8217;s regnet oder ob die Sonne scheint, ob sie einen Kater haben oder einen gebrochenen Arm oder was wei\u00df ich sonst, und knallen ihr bisschen Pensum hin. Wie leer ihr Kopf auch sein mag und wie \u00f6de alles, was ihnen durch die Gedanken trudelt, mit solchen Quatsch wie Inspiration haben sie nichts im sinn. Ich entbiete ihnen meine Bewunderung und gehe ihren B\u00fcchern sorgf\u00e4ltig aus dem Weg.<\/p>\n<p>Ich hingegen, ich warte auf Inspiration, obwohl ich sie nicht unbedingt bei diesem Namen nenne. Ich glaube, dass alles Schreiben, das auch nur etwas Leben in sich hat, aus dem Slarplexus kommt. Es ist harte Arbeit insofern, als man hinterher todm\u00fcde sein kann, sogar total ersch\u00f6pft. Im Sinne bewusster Bem\u00fchung freilich ist es \u00fcberhaupt keine Arbeit. Wichtig ist dabei vor allem eins: der Berufsschriftsteller sollte einen bestimmten Zeitraum haben, sagen wir mindestens vier Stunden am Tag, wo er nichts anderes tut als schreiben. Er muss nicht unbedingt schreiben, und wenn ihn nicht danach ist, sollte er&#8217;s auch nicht versuchen. Er kann aus dem Fenster schauen oder einen Kopfstand machen oder sich auf dem Fu\u00dfboden schl\u00e4ngeln, aber er soll nichts vollkommen anderes tun, soll nicht lesen, Briefe schreiben, in Zeitschriften bl\u00e4ttern oder Schecks ausf\u00fcllen. Entweder schreiben oder gar nichts.&#8220; (Raymond Chandler: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/mdr-figaro\/literatur\/6301624.html\">Die simple Kunst des Mordes<\/a>&#8222;, meine v\u00f6llig zerlesene Ausgabe Z\u00fcrich 1975 (ich mag nur \u00dcbersetzungen von  <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Wollschl%C3%A4ger\">Hans Wollschl\u00e4ger<\/a>, ohne ihn h\u00e4tte ich eines der gr\u00f6\u00dften Werke der Weltliteratur, den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulysses\">Ulysses<\/a>, nie verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich lese gerade &#8211; immer noch mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen &#8211; einen ungarischen Schriftsteller: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Attila_Bartis\">Attila Bartis<\/a>: &#8222;Die Ruhe&#8220; (Duhrkamp), Freiburg 2005. Mein <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/12\/30\/was-sonst-noch-geschah\/\">Verdikt<\/a>, das Buch sei langweilig, nehme ich mit dem allergr\u00f6\u00dften Bedauern zur\u00fcck. Vielleicht habe ich in zu kleinen H\u00e4ppchen gelesen (ja, auf dem Klo). Das Buch hat den allerschw\u00e4rzesten Humor, den man sich vorstellen kann, mit einem geh\u00f6rigen Schuss Melancholie und Absurdistan frei nach Kafka. Ein Schriftsteller lebt mit seiner geisteskranken Mutter zusammen, einer exatierten Ex-Schauspielerin.<br \/>\n&#8222;Wowarstdumeinsohn?<br \/>\nIch war nur spazieren, Mutter.<br \/>\nWasch dich wenigstens, bevor du das n\u00e4chste Mal heimkommst. Du stinkst nach K\u00f6lnischwasser.<br \/>\nTut mir leid, Mutter.<br \/>\nDas ist wohl wieder so eine billige kleine Nutte. Die so ein Parf\u00fcm benutzen, sind alle Nutten.<br \/>\nSo hat das doch alles keinen Sinn, Mutter.<br \/>\nDu hast mir nicht zu sagen, was Sinn hat. Wasch dir lieber den Vaginageruch ab, bevor du heimkommst, verstanden?&#8220;<\/p>\n<p>Dann lese ich noch &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3870618639\/\/ref=nosim?tag=burkhardschroder\">Tod am Tocuyo<\/a> &#8211; Die Suche nach den Hintergr\u00fcnden der Ermordung Philipps von Hutten 1541-1550&#8243; sowie zum waswei\u00dfwei\u00dfcihwievielten Male eines der besten und interessantesten B\u00fccher, das ich jemals gelesen habe (nichts f\u00fcr intellektuelle Warmduscher): Giorgio de Santillana, <a href=\"http:\/\/web.uni-frankfurt.de\/fb13\/ign\/people\/dechendnachruf.html\">Hertha von Dechend<\/a>: Die <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hamlet%27s_Mill\">M\u00fchle des Hamlet<\/a>. Ein Essay \u00fcber Mythos und das Ger\u00fcst der Zeit. Berlin 1992. ISBN 3-926763-23-X.<\/p>\n<p>Aus einem <a href=\"http:\/\/web.uni-frankfurt.de\/fb13\/ign\/people\/dechendnachruf.html\">Nachruf<\/a>: &#8222;Um von Dechends theoretisches Konzept weitgehend zu verstehen, ben\u00f6tigt man unerme\u00dfliche Kenntnisse, vor allem aber unumst\u00f6\u00dfliche \u00dcberzeugung davon, dass man vor zehntausend Jahren genauso wie wir heute zum Denken f\u00e4hig war \u2013 ganz zu schweigen von dem Willen jede alte Sprache zu verstehen. Ohne diese Bereitschaft, und ohne ungeheuren Flei\u00df, kann man zwar die dechendschen Erkenntnisse auf jede Ebene beliebig reduzieren, trotzdem ger\u00e4t man in Gefahr sich in der F\u00fclle des historischen Stoffes zu verlieren. In Anfl\u00fcgen von Selbstironie erz\u00e4hlte mir von Dechend hin und wieder, sie sei \u00fcberall sowohl von fachlichen Feinden als auch von Anh\u00e4ngern, diese jedoch meist schlichten Gem\u00fcts, umgeben&#8220;.<\/p>\n<p>Mir scheint, die Kritiker Dechends haben das Buch gar nicht oder nur fl\u00fcchtig gelesen oder sind schlicht beleidigt, dass ihnen fundmentale Irrt\u00fcmer nachgewiesen wurden. Man sollte \u00fcbrigens <a href=\"http:\/\/members.westnet.com.au\/Gary-David-Thompson\/index1.html\">diese Website<\/a> zur Hand haben, wenn man sich an Hamlets M\u00fchle traut: &#8222;Studies of Occidental Constellations and Star Names to the Classical Period&#8220;.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2548?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2548?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2548 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2548')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2548').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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