{"id":23888,"date":"2014-07-03T01:23:50","date_gmt":"2014-07-02T23:23:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=23888"},"modified":"2020-06-25T18:12:01","modified_gmt":"2020-06-25T16:12:01","slug":"uru-chipaya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2014\/07\/03\/uru-chipaya","title":{"rendered":"Uru Chipaya"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/n4wvzgm\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_1.jpg\" alt=\"chipaya\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><sup>Eine Ansichtskarte aus Boliven (1984) von Chipaya. Die Dorfbewohner wollten nicht fotografiert werden; diesen Wunsch habe ich respektiert.<\/sup><\/p>\n<p align=\"left\">Der exotischste und auch abgelegenste Ort, den ich in meinem Leben jemals besucht habe, ist zweifellos <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/n4wvzgm\">Chipaya<\/a> in der Salzw\u00fcste im Westen Bolivens. Nur in diesem kleinen Dorf wohnen die letzten Ureinwohner Boliviens, also diejenigen, die vor der Eroberung Boliviens durch die Inka die W\u00fcste besiedelten. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.bolivia-travels.com\/sajama-lauca\/chipayas.htm\">Uro Chipaya<\/a> findet man im Netz nur wenige Informationen, und das was es gibt, stammt oft von christlichen Missionaren, die bald den letzten Rest dieser urspr\u00fcnglichen Sprache und Kultur ausgerottet haben werden, wie an so vielen Orten der Welt.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Urus\">Urus<\/a> am Titicaca-See werden den Touristen oft als &#8222;Ureinwohner&#8220; verkauft Das ist aber mitnichten so; sie sind meistens <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aymara_%28Sprache%29\">Aymara<\/a>. &#8222;Die urspr\u00fcngliche Sprache der Urus (Urukilla bzw. Uruquilla) war mit der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Puquina\">Chipaya-Sprache<\/a> eng verwandt bzw. wird mit dieser als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uru-Chipaya\">Uru-Chipaya<\/a> zusammengefasst. Die Urus selbst bezeichneten ihre Sprache bisweilen als &#8218;Pukina&#8216;; dieses darf jedoch nicht mit dem historischen Puquina (Pukina) derselben Region verwechselt werden, das eine v\u00f6llig andere Sprache war.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_3gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_3kl.jpg\" alt=\"chipaya\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><sup><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Chullpa\">Chullpas<\/a> und Getreidespeicher in der Salzw\u00fcste in der N\u00e4he von <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/ojh4ygy\">Sabaya<\/a>. Im Hintergrund kann man die schneebedeckte chilenische <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cordillera_de_los_Andes\">Kordillere<\/a> erkennen.<\/sup><\/p>\n<p align=\"left\"><i>The Uru Chipaya is one of the most ancient people of South America, originating from 1500-2000 B.C. In the 16th century, the Uru Chipaya represented a quarter of the Altiplano Andean population. Nowadays, their territory represents a mere 920 km2, and the Uru Chipaya population counts little more than 2 000 individuals. The Uru Chipaya live in the Bolivian Altiplano bordering the salt desert of Coipasa, <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_4gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_4kl.jpg\" alt=\"chipaya\" border=\"0\" hspace=\"10\" align=\"left\" vspace=\"10\" width=\"240\"\/><\/a>at an altitude of 3640 m. Their territory is organized in 4 ayllus (or communities): Uni\u00f3n Barras, Aranzaya, Manazaya and Wistrullani. The traditional habitat consists of a group of circular houses built with mud and straw. One house serves as kitchen, another one as room, and so on and so forth.<\/i><\/p>\n<p>Wie ich dort hingekommen bin &#8211; von der Bergarbeiterstadt Oruro in die Salzw\u00fcste in der N\u00e4he der chilenischen Grenze -, habe ich hier schon <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/04\/08\/in-der-salzwuste-un-poco-mas-atletismo\">am 08.04.2013<\/a> (&#8222;In der Salzw\u00fcste: Un poco mas Atletismo&#8220;) beschrieben.<\/p>\n<p>Von Escara aus waren es noch knapp 30 Kilometer Fu\u00dfmarsch. Meine damalige Freundin und ich lie\u00dfen das schwere Gep\u00e4ck in Escara und nahmen nur einen leichten Rucksack mit Lebensmitteln f\u00fcr ein paar Tage und das N\u00f6tigste mit &#8211; wie einen Schlafsack, weil es trotz der br\u00fcllenden Hitze tags\u00fcber in der Nacht schneidend kalt sein kann. Immerhin liegt die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salar_de_Coipasa\">Salar de Coipasa<\/a> 3500 Meter hoch. Es gibt weder B\u00e4ume noch B\u00fcsche.<\/p>\n<p>Wir kamen vollig ersch\u00f6pft am sp\u00e4ten Nachmittag an; man hatte uns den &#8222;Weg&#8220; beschrieben, aber die Beschreibung war nicht viel mehr als ein Fingerzeig in die richtige Himmelsrichtung. Wir waren doch froh, dass wir irgendwann am Horizont die Rundh\u00fctten sahen. Eine Frau in der Tracht der Chipaya verkaufte uns f\u00fcr einen Pfennigbetrag frisch im Backofen gebackenes Brot &#8211; ich denke, das war das leckerste Brot meines Lebens.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_5kl.jpg\" alt=\"chipaya\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><sup>Die traditionellen Rundh\u00e4user der Poquina aka Uro Chipaya sind am besten f\u00fcr die extremen Temperaturunterschiede geeignet. Leider werden sie immer mehr, auch durch den schlechten Einfluss der Missionare, durch Wellblech ersetzt.<\/sup><\/p>\n<p align=\"left\">Da zwei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ayllu\">Clans<\/a> das Dorf regierten, gab es auch zwei &#8222;B\u00fcrgermeister&#8220; (Alcalden), die unterschiedlicher Meinung waren, wie wir zu behandeln seien. Der eine begr\u00fc\u00dfte uns freundlich und wies und den einzigen Raum der winzigen Dorfschule als Schlafplatz. Der andere bedeutete uns mehr oder weniger h\u00f6flich, das wir unerw\u00fcnscht seien. Die Fotos habe ich daher auch nur heimlich gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/bolivia\/020714_2kl.jpg\" alt=\"chipaya\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><sup>Der <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/k86wjzb\">Friedhof<\/a> von Chipaya ist auch via Google Maps noch gut zu erkennen. Am Fu\u00dfe der Berge im Hintergrund liegt der winzige Ort Escara, vom dem aus wir losmarschiert waren.<\/sup><\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch an die Nacht. Ich musste austreten, aber nat\u00fcrlich gab es in ganz Chipaya nichts, was auch nur ann\u00e4hern nach einer Toilette aussah, noch nicht einmal einen &#8222;Donnerbalken&#8220;. Man geht einfach an den Dorfrand und verrichtet sein Gesch\u00e4ft dort. Es war klirrend kalt und eine sternenklare Nacht, einige Hunde bellten halb im Schlaf. Sonst h\u00f6rte man rein gar nichts. Das kann sich ein Mensch, der in der Stadt wohnt, nicht vorstellen. Es war unglaublich intensiv.<\/p>\n<p>Wer einmal den s\u00fcdlichen Sternenhimmel gesehen hat, mit dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kreuz_des_S%C3%BCdens\">Kreuz des S\u00fcdens<\/a>, das man mit blo\u00dfem Auge wandern sieht, der wird das nie vergessen. Der gro\u00dfe Wagen, den man hier gut sehen kann, verschwindet in S\u00fcdamerika fast am Horizont. Man bekommt ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie weit man von Europa weg ist.<\/p>\n<p>Wir blieben einen Tag in Chipaya. Man sagte uns, am n\u00e4chsten Tag k\u00e4me ein Lastwagen, der wieder nach Norden f\u00fchre, der w\u00fcrde uns mitnehmen &#8211; was auch geschah. Der Fahrer, selbst Aymara-Indio, machte sich \u00fcber die Dorfbewohner lustig und nannte sie &#8222;pielroja&#8220; (&#8222;Roth\u00e4ute&#8220;), wieder ein Beweis, dass &#8222;indianisch&#8220; nichts mit der Haut oder der Abstammung zu tun hat, sondern eine Lebensweise im Verh\u00e4ltnis zum Mainstream meint.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23888?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23888?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_23888 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_23888')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_23888').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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