{"id":19400,"date":"2013-07-22T15:36:53","date_gmt":"2013-07-22T14:36:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=19400"},"modified":"2013-07-22T21:26:22","modified_gmt":"2013-07-22T20:26:22","slug":"keine-alternative-fur-deutschland-unter-vulgarokonomen-und-geldfetischisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/07\/22\/keine-alternative-fur-deutschland-unter-vulgarokonomen-und-geldfetischisten","title":{"rendered":"(K)eine Alternative f\u00fcr Deutschland &#8211; unter Vulg\u00e4rokonomen und Geldfetischisten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2013\/07\/220713_1.jpg\" alt=\"heilige Kuh des Kapitalismus\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p align=left><sup>Die Abbildung zeigt eine Pflichtveranstaltung der Erstsemester im Fachbereich Volkswirtschaftslehre in deutschen Universit\u00e4ten<\/sup><\/p>\n<p align=left>Ich habe mir das <a href=\"https:\/\/www.alternativefuer.de\/de\/wahlprogramm.html\">Wahlprogramm<\/a> der so genannten &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220; und deren &#8222;wissenschaftlichen&#8220; <a href=\"https:\/\/www.alternativefuer.de\/de\/beirat.html\">Beirat<\/a> angesehen. Nicht, dass mich die AfD interessiert h\u00e4tte, aber es immer gut zu wissen, welche Fraktionen der Apologeten des Systems warum miteinander im Streit liegen. F\u00fcr Menschen, die ernsthaft wissen wollen, wie \u00d6konomie funktioniert, ist das so wichtig wie f\u00fcr Atheisten der Zoff zwischen Papt Paul II. und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcel_Lefebvre\">Marcel Lefebvre<\/a>.<\/p>\n<p>Durch pseudo-seri\u00f6ses Mainstream-Outfit bin ich schon gar nicht zu beeindrucken. Wenn jemand einen professoralen Titel tr\u00e4gt und einen Schlips, dann ist der vermutlich Talkshow-kompatibel, aber kann trotzdem ein Idiot sein. Also vorab ein Wort zur so genannten &#8222;Volkswirtschaftslehre&#8220;. Allein schon der Begriff ist eine Heuchelei und schmiert einem Senf in die Augen: Wer suggeriert, es gebe in der kapitalistischen \u00d6konomie ein &#8222;Volk&#8220; von kleinsten \u00f6konomisch handelnden &#8222;gleichen&#8220; Einheiten, argumentiert bewusst boshaft und zynisch: Ob jemand Produktionsmittel besitzt oder nicht, ist nicht naturgegeben, und es stimmt auch nicht, dass man nur hart genug arbeiten m\u00fcsse, um reich und gl\u00fccklich zu sein. (Wer etwas \u00fcber die Geschichte nachlesen will, schaue unter &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Urspr%C3%BCngliche_Akkumulation\">Urspr\u00fcngliche Akkumulation<\/a>&#8220; nach.)<\/p>\n<p>Die &#8222;Volks&#8220;wirtschaftslehre ist unstrittig <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vulg%C3%A4r%C3%B6konomie\">Vulg\u00e4r\u00f6konomie<\/a>, weil sie den Anspruch, die \u00d6konomie wissenschaftlich erkl\u00e4ren zu wollen, gar nicht erhebt. Es gibt auch nicht <i>die<\/i> Lehre, etwa wie in der Physik oder Chemie &#8211; die sich immerhin auf die Naturgesetze berufen k\u00f6nnen -, sondern zahllose mehr oder minder anspruchsvolle &#8222;Schulen&#8220;, wie \u00d6konomie zu beschreiben und zu verstehen sei, die sich gegenseitig wiedersprechen. Die &#8222;Volks&#8220;wirtschaftslehre muss sogar hinter der Niveau der klassischen b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Smith\">Adam Smith<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Ricardo\">David Ricardo<\/a> zur\u00fcckfallen. Diese haben sich noch ernsthaft bem\u00fcht, die Wirtschaft zu beschreiben, und Marx w\u00e4re ohne ihre Forschungen nicht denkbar. Alles nach Marx ist nur noch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apologetik\">Apologetik<\/a> eines s\u00e4kularen Glaubenssystems, das sogar seine eigenen Wurzeln verleugnen muss, weil es ausschlie\u00dflich darum geht, den Kapitalismus und das ihm immanente Ausbeutungsverh\u00e4ltnis zu verherrlichen. Die Methoden der Vulg\u00e4rokonomie gleichen etwa denen katholischer Theologen, die gegen Galilei antraten.<\/p>\n<p>Die Vulg\u00e4r\u00f6komonie hat bisher Marx und diejenigen, die sich auf seine \u00f6konomischen Lehren berufen k\u00f6nnen, nicht widerlegen k\u00f6nnen. Das geht auch gar nicht, weil die &#8222;Volks&#8220;wirtschafter erstens sogar die Arbeitswerttheorie der klassischen Nationalk\u00f6nomie ablehnen und zweitens wie ein Vampir Kreuz und Knoblauch f\u00fcrchten, sich mit Marx auseinanderzusetzen. Es geht ausschlie\u00dflich darum, dass ihnen das Ergebnis der Marxschen \u00f6konomischen Lehre nicht gef\u00e4llt, und deshalb darf man sich damit nicht besch\u00e4ftigen. <\/p>\n<p>Die Briten <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/world\/2012\/jul\/04\/the-return-of-marxism\">sind da wesentlich entspannter<\/a>: &#8222;Yes, Karl Marx is going mainstream \u2013 and goodness knows where it will end&#8220;. So etwas w\u00fcrde sich ein deutscher &#8222;Volks&#8220;wirtschaftler nie trauen zu sagen, genausowenig wie ein Christ zugeben w\u00fcrde, dass zwei Drittel seiner Glaubenslehre vom Judentum abgeschrieben wurde und der Rest aus dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mithraismus#Mithraismus_und_Christentum\">Mithras-Kult<\/a> stammt.<\/p>\n<p>Der Marxsche Begriff <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Warenfetisch#Der_Geldfetisch\">Geldfetisch<\/a> zum Beispiel beschreibt die (falschen) Bewusstseinsformen, die \u00f6konomisches Handeln im Kapitalismus notwenig erzeugt. Das ist eine These, die die Wahrnehmungspsychologie leicht best\u00e4tigen k\u00f6nnte, w\u00fcsste die von Marx und blickte sie ins Wahlprogramm der so genannten &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220;. Marx verf\u00fcgte noch nicht \u00fcber das wissenschaftliche Instrumentarium der Psychologie; er musste also einen Begriff aus der V\u00f6lkerkunde oder Theologie w\u00e4hlen, wie etwa den &#8222;<a href=\"http:\/\/marxandphilosophy.org.uk\/assets\/files\/society\/pdfs\/schulz2011.pdf\">Fetisch<\/a>&#8222;: Einem Ding wird eine Eigenschaft zugesprochen, die es nicht hat, \u00fcber die sich aber eine Gruppe von Menschen geeinigt hat, daran zu glauben. Bei dem &#8222;niederen&#8220; Wesen &#8222;Markt&#8220; &#8211; eine der wichtigsten Gottheiten der &#8222;<a href=\"https:\/\/www.alternativefuer.de\/de\/unterstuetzer.html\">Glaubensgemeinschaft<\/a> Freier Markt&#8220; &#8211; denken die Anh\u00e4nger sich: Wenn man den Markt nur in Ruhe und allein handeln lie\u00dfe, dann w\u00e4re alles in Butter. Es ist wie bei Esoterikern: Man kann mit Gl\u00e4ubigen nur schlecht rational argumentieren.<\/p>\n<p>Die so genannte &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220; hat \u00fcberhaupt kein ernst zu nehmendes Wirtschaftsprogramm, sondern beschr\u00e4nkt sich weitgehend auf den W\u00e4hrungs- und Finanzsektor. &#8222;Wir fordern die Wiedereinf\u00fchrung nationaler W\u00e4hrungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer W\u00e4hrungsverb\u00fcnde. Die Wiedereinf\u00fchrung der DM darf kein Tabu sein&#8220;, schreiben die da. Du meine G\u00fcte! Da hat Angela Merkel ja vom Kapitalismus zehn Mal mehr verstanden!<\/p>\n<p>Ich <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/01\/30\/geldpolitisch-immer-schon-locker-bleiben\">zitiere<\/a> eine des linken Gedankenguts v\u00f6llig unverd\u00e4chtige Zeitung &#8211; Cicero, das Zentralorgan f\u00fcr konservative Oberstudienr\u00e4te, die f\u00fcr die &#8222;Zeit&#8220; keine Zeit haben:<br \/>\n<i>Die Bundesrepublik hat weit mehr von der Eurokrise profitiert als bisher angenommen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben sich auf Kosten des S\u00fcdens saniert. (..) Die Bundesregierung erzielte nicht nur satte Zinsgewinne auf die Notkredite, die sie an die Krisenl\u00e4nder zahlte. Mehrere hundert Millionen Euro wurden 2012 allein von Griechenland abkassiert.<\/i><\/p>\n<p align=left><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2012\/08\/030812_2.jpg\" alt=\"Wohlstand\" border=\"01hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p align=left>Liebe Geldfetischisten von der &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220;: Der Euro n\u00fctzt dem deutschen Kapital! Die W\u00e4hrungs&#8220;gemeinschaft&#8220; sch\u00fctzt die deutsche Wirtschaft davor, dass die \u00f6konomisch &#8222;schwachen&#8220; Staaten S\u00fcdeuropas ihre Produkte hierzulande billig anbieten k\u00f6nnen! Ist das so schwer zu verstehen? Lernt man noch nicht mal das im &#8222;Volks&#8220;wirtschaftsstudium?<\/p>\n<p>Ich <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/08\/03\/unter-schnellballsystemikern-und-couponschneidern\">zitiere noch einmal<\/a> mich selbst (&#8222;Unter Schnellballsystemikern und Couponschneidern&#8220;, 03.08.2012):<br \/>\n&#8222;Deutschland ist bekanntlich der gr\u00f6\u00dfte Exporteur in Europa. Was gesch\u00e4he, wenn zum Beispiel Griechenland aus der Europ\u00e4ischen Union austr\u00e4te und die Drachme wieder einf\u00fchrte? Die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/02\/Ruestung-Griechenland\">Zeit<\/a>, die des Linksextremismus ganz unverd\u00e4chtig und dem Marxschen Gedankengut abhold ist, schreibt im Januar 2012:<br \/>\n<i>Laut dem gerade ver\u00f6ffentlichten <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Redaktion\/PDF\/Publikationen\/ruestungsexportbericht-2010,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf\">R\u00fcstungsexportbericht 2010<\/a> sind die Griechen nach den Portugiesen \u2013 auch ein Staat kurz vor der Pleite \u2013 die gr\u00f6\u00dften Abnehmer deutscher Kriegswaffen. Spanische und griechische Zeitungen verbreiteten gar das Ger\u00fccht, Angela Merkel und Frankreichs Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy h\u00e4tten Griechenlands Ex-Premier Giorgos Papandreou noch Ende Oktober am Rande eines Gipfeltreffens daran erinnert, bestehende R\u00fcstungsauftr\u00e4ge zu erf\u00fcllen oder gar neue abzuschlie\u00dfen.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Nach einem Austritt Griechenlands oder dem Zerfall der Union w\u00fcrde das deutsche Kapital weit weniger Profite machen, da die Landesw\u00e4hrungen abgewertet w\u00fcrden. Es w\u00e4re genauso wie das Verh\u00e4ltnis zwischen Dollar und Euro. Ein schwacher Euro <a href=\"http:\/\/www.time.com\/time\/business\/article\/0,8599,1969981,00.html\">ist gut f\u00fcr den Export<\/a>: &#8222;European companies are rubbing their hands at the sales boost they should get from the euro&#8217;s 10% decline against the greenback in recent weeks&#8220;.&#8220;<\/p>\n<p>Ganz typisch f\u00fcr Geldfetischisten sind die S\u00e4tze aus dem Wahlprogramm der so genannten &#8222;Alternvative f\u00fcr Deutschland&#8220;: &#8222;Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Gro\u00dfanleger sind die Nutznie\u00dfer dieser Politik. Sie m\u00fcssen zuerst daf\u00fcr geradestehen.&#8220; <\/p>\n<p>Als wenn es das gute &#8222;schaffende&#8220; Kapital und das &#8222;b\u00f6se&#8220; Finanzkapital gebe! Eines geh\u00f6rt zum anderen wie der Schatten zum Licht. Man kann auch keine katholische Kirche fordern, die auf den Glauben an ein h\u00f6heres Wesen verzichtet! Will man dem Finanzkapital verbieten, Profite auf seine Weise zu machen? Was sagt denn der Freie Markt(TM) dazu? Ist das nicht schon <del>Gottstehunsbei<\/del> Kommunismus? Zur Erholung ein Originalzitat von Marx:<\/p>\n<p><i>Im zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und tr\u00e4gt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr. Das gesellschaftliche Verh\u00e4ltnis ist vollendet als Verh\u00e4ltnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst. Statt der wirklichen Verwandlung von Geld in Kapital zeigt sich hier nur ihre inhaltlose Form. [\u2026] In G-G&#8216; haben wir die begriffslose Form des Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverh\u00e4ltnisse in der h\u00f6chsten Potenz: zinstragende Gestalt, die einfache Gestalt des Kapitals, worin es seinem eignen Reproduktionsproze\u00df vorausgesetzt ist; F\u00e4higkeit des Geldes, resp. der Ware, ihren eignen Wert zu verwerten, unabh\u00e4ngig von der Reproduktion &#8211; die Kapitalmystifikation in der grellsten Form.<\/i> (Marx: Das Kapital Bd. 3, <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me25\/me25_404.htm\">MEW 25: 405<\/a>)<\/p>\n<p>&#8222;Grell&#8220; ist ein sch\u00f6nes Adjektiv f\u00fcr den Unfug, den man bei der AfD liest. Was mir aber nicht ganz klar ist: Welche Fraktion der Kapitalisten h\u00e4tte eigentlich einen Vorteil davon, wenn einige dieser Forderungen umgesetzt w\u00fcrden? <\/p>\n<p>Da m\u00fcssen die Kapitalismus-kundigen Leserinnen und \u00d6konomie-geschulten Leser jetzt ran.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19400?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19400?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_19400 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_19400')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_19400').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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