{"id":17311,"date":"2013-01-28T18:59:05","date_gmt":"2013-01-28T17:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=17311"},"modified":"2013-01-28T19:23:35","modified_gmt":"2013-01-28T18:23:35","slug":"stoppschilder-gegen-sexismus-und-andere-nebenwiderspruche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/01\/28\/stoppschilder-gegen-sexismus-und-andere-nebenwiderspruche","title":{"rendered":"Stoppschilder gegen Sexismus und andere Nebenwiderspr\u00fcche"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2013\/01\/280113_1.jpg\" alt=\"porno\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p algin=left>Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser erwarten zu Recht, dass ich auch meine unma\u00dfgebliche Meinung zum gegenw\u00e4rtigen <del>Twitter<\/del> Sexismus-Hype kundtue, zumal ich bekanntlich ExpertIn f\u00fcr alles bin. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/pures-politisches-kalkuel-steinbach-haelt-sexismus-debatte-fuer-voellig-ueberzogen_aid_907460.html\">Erika Steinbach<\/a>, die Superoberexpertin zum Thema, sagt: &#8222;Als Frau habe ich jederzeit die M\u00f6glichkeit, ein Stoppschild zu setzen.&#8220; Vermutlich hatte die Frau, die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/obdachlose-frau-in-berlin-vergewaltigt-und-schwer-verletzt-a-879954.html\">am Samstag in Berlin vergewaltigt wurde<\/a>, nur gerade ihr Stoppschild vergessen. Steinbach, <del>du dummschw\u00e4tzende Vertriebenen-Nuss, halt einfach die Fresse<\/del>, manchmal sollte man auch als Frau das Wasser halten k\u00f6nnen, wenn es angebracht ist.<\/p>\n<p>Leider gleiten alle <del>S\u00e4ue<\/del> Themen, die in Deutschland \u00f6ffentlich durchs mediale Dorf getrieben werden, schnell ins Moralische ab. Politische Debatten sind weniger erw\u00fcnscht. Frauen d\u00fcrfen zum Beispiel erst seit 1977 ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten gehen. Das hat damals im Westen niemanden aufgeregt, obwohl laut Grundgesetz alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Die Ossis k\u00f6nnen heute \u00fcber die hinterw\u00e4ldlerische BRD nur den Kopf sch\u00fctteln. <\/p>\n<p>Mit dem Sexismus ist es wie mit anderen Ismen: Sie kochen so schnell hoch wie der Schaum vor den M\u00e4ulern des Feuilletons wieder abgewischt wird. Folgen hat das nicht. Und eine d\u00e4mliche Bemerkung Br\u00fcderles im Halb- oder Viertelsuff ist beileibe kein glaubw\u00fcrdiger kein Anlass, \u00fcber das Thema zu diskutieren. Hatten wir nicht neulich bei <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/panorama\/zweiter-vergewaltigungsvorwurf-staatsanwaelte-stellen-verfahren-gegen-strauss-kahn-ein-1904006.html\">Strauss-Kahn<\/a> schon die Gelegenheit dazu?<\/p>\n<p>Neben dem moralinsauren Mehltau, der schnell jede Diskussion bedeckt, kommt in Deutschland erschwerend dazu, dass der insgesamt restaurative Trend immer mit einer ekelhaften protestantischen Bigotterie und Pr\u00fcderie einhergeht. Alice Schwarzer hatte sicher immer Recht, wenn sie \u00fcber die nicht vorhandene Balance der Macht zwischen den Geschlechtern und deren Symbolik redete. Bei den Themen Pornografie oder gar Internet faselt sie nur dummes reaktion\u00e4res Zeug.<\/p>\n<p>Die Linke hat schon seit mindestens einem Jahrhundert mit Sexismus das gleiche Problem wie mit dem Antisemitismus: Man liebsten w\u00fcrde man(n) sich hinter der These der schlichten Gem\u00fcter verkriechen, dass die Ausbeutung im Kapitalismus an allem schuld sei, und die Sache mit den Frauen und Juden nur &#8222;Nebenwiderspr\u00fcche&#8220; und\/oder Relikte vergangener und weniger aufgekl\u00e4rter Epochen. Das ist nat\u00fcrlich grober Unfug. Es ist keinesfalls so, dass der Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit sich nur zeitweilig als Gender-Debatte kost\u00fcmierte. Wer wie welche Macht hat von den Geschlechtern, ist genau so ein eigenes Thema wie der <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/12\/12893\/1.html\">2000-j\u00e4hrige Hass der Christen auf die Juden<\/a>, der eben schon vor dem Kapitalismus existierte.<\/p>\n<p>Die Angelegenheit erscheint mir jedoch komplizierter als es auf den ersten Blick aussieht. &#8222;Sexistisch&#8220; heisst ja nur, dass man meint, bestimmte Dinge zeigen, sagen oder tun zu m\u00fcssen und sie gleichzeitig mit Sexualit\u00e4t verbindet. Inder Schule geht es darum, Jugendlichen wissen zu vermitteln &#8211; der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schulm%C3%A4dchen-Report:_Was_Eltern_nicht_f%C3%BCr_m%C3%B6glich_halten\">Schulm\u00e4dchenreport<\/a> machte vor mehr als vierzig Jahren etwas ganz anders daraus.<\/p>\n<p>M\u00e4nner haben mehr Macht als Frauen und werden, wie immer und \u00fcberall, diese Macht nur abgeben, wenn sie glauben, dadurch langfristig Vorteile zu haben. Alles andere w\u00e4re von der Evolution nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Pornofilme sind hier sehr lehrreich: Sie zeigen nicht, was wirklich ist, sondern was der (durchschnittliche) Markt will, was also symbolisch dargestellt werden soll. Pornofilme haben also mit der Realit\u00e4t genau so wenig oder viel zu tun wie Computerspiele oder deren Teilmenge Ego-Shooter. <\/p>\n<p>Bei japanischen Pornos (vgl. Screenshot unten) f\u00e4llt zum Beispiel auf, dass sie oft ganz andere Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen scheinen. Pornos sind wie Karikaturen &#8211; sie reduzieren auf das Wesentliche, das auch noch im Zeitraffer geschehen muss. Japanische Pornos zeigen oft Gruppen von M\u00e4nnern, die \u00fcber eine Frau herfallen, der das angeblich Lust bereitet &#8211; <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bukkake\">Bukkake<\/a> ist ein pr\u00e4gnentes Beispiel. Nur in der englischen Wikipedia finden wir diese Passage:<br \/>\n<i>American editor and publisher Russ Kick, quoting a sexologist, states that men enjoy a &#8222;sense of closure and finality about sex&#8220;, something that watching other men ejaculate provides. The viewer identifies with the ejaculating men, experiencing a sense of vicarious pleasure.  According to English\u2013American anti-pornography campaigner Gail Dines, the ejaculate on the female performer&#8217;s body &#8222;also marks the woman as used goods&#8220;, conveying a sense of ownership; she quotes veteran American porn actor and producer Bill Margold stating: &#8222;I&#8217;d like to really show what I believe the men want to see: violence against women. I firmly believe that we serve a purpose by showing that. The most violent we can get is the cum shot in the face. Men get off behind that because they get even with the women they can&#8217;t have.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Das stimmt nicht, ist zu einfach, tr\u00e4fe auch auf &#8222;normale&#8220; Pornografie zu und erkl\u00e4rt auch nicht, warum Bukkake aus Japan stammt und in japanischen Pornofilmen viel h\u00e4ufiger thematisisert wird. Anders ist dort auch, dass sexuelle \u00dcbergrffe wie das Begrabschen einer Frau in der U-Bahn oder in der \u00d6ffentlichkeit durch mehrere M\u00e4nner gleichzeitig oft Thema von (Kurz-)Porno-Filmen sind, w\u00e4hrend der Trend bei russischen und US-amerikanischen Filmen eher dahin geht, &#8222;normale&#8220; Frauen auf der Strasse (scheinbar) anzusprechen und sie f\u00fcr reichlich Geld das tun zu lassen, was in Pornofilmen eben getan wird; US-Pornos hatte eh schon die Kategorien &#8222;girl next door&#8220; oder &#8222;amateur&#8220;.<\/p>\n<p align=left><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2013\/01\/280113_2.jpg\" alt=\"porno\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/p>\n<p align=left>Es geht immer und \u00fcberall darum, dass der Hans seine Grete kriegt oder umgekehrt. Es w\u00e4re also unrealistisch, &#8222;Sex&#8220;, also Anmache in jeder Form, aus dem Alltag oder Bereichen des t\u00e4glichen Lebens verbannen zu wollen. Frauen sind &#8211; so wurde mir glaubhaft berichtet &#8211; genau so &#8222;sexistisch&#8220; wie M\u00e4nner, besonders, wenn die gar nicht dabei sind. Auch die US-Amerikaner sind nicht wirklich pr\u00fcde, aber Sex hat eben in der \u00d6ffentlichkeit nichts zu suchen &#8211; man k\u00f6nnte sogar sagen: Die pr\u00fcde Obsession in den USA macht den Sex erst richtig interessant, was ja an sich nicht unbedingt falsch ist, solange alles freiwilig bleibt.<\/p>\n<p>Die &#8222;h\u00e4rtesten&#8220; Pornos (das Wort &#8222;hart&#8220; ist einfach bl\u00f6dsinnig daf\u00fcr) sind zur Zeit die, in denen Frauen Dinge tun bzw. \u00fcber sich ergehen lassen, die im normalen Leben \u00e4u\u00dferst schmerzhaft und erniedrigend sind (Ausnahme: Sado-Maso-Filme), und heucheln m\u00fcssen, dass sie das lustvoll finden. Man k\u00f6nnte vermuten, dass M\u00e4nner, die sich das gern ansehen, etwas kompensieren m\u00fcssen, dass die Rezeption wie katharsis wirken k\u00f6nnte, aber eben auch das Gegenteil. Wie kennen das aus der populistischen Pseudo-Diskussion \u00fcber &#8222;Killerspiele&#8220; und den damit verbundenen Theorien, wie Medien wirkten oder nicht. Nur mal unter uns M\u00e4nnern: Wenn man einen &#8222;flotten Dreier&#8220;, also zwei M\u00e4nner und eine Frau, beim Sex beobachtet und das geil findet, k\u00f6nne das nicht auch bedeuten, das man allein sich gar nicht traut, also noch die Hilfe eines anderen ben\u00f6tigt, weil die Frau allein zu bedrohlich ist? Hahahaha. <\/p>\n<p>Ich halte &#8222;Sexismus&#8220; viel eher f\u00fcr einen genderm\u00e4\u00dfig &#8222;innenpolitischen&#8220; Diskurs: M\u00e4nner best\u00e4tigen sich gegenseitig in der Gruppe, wie viel Macht sie angeblich im Geschlechterkampf haben. Warum sind denn Frauen nicht einfach genau so sexistisch &#8211; dann k\u00f6nnte sich doch niemand mehr beklagen? Ich halte die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spam\/satire-spiegel-online-gibt-es-einen-schutz-vor-rainer-bruederle-a-879459-3.html\">Spam<\/a>-Tipps f\u00fcr hilfreich: &#8222;Ich bin sch\u00f6n wie eine Weink\u00f6nigin? Okay, durch diese Ladung Pfefferspray werden Sie mein Weink\u00f6nig.&#8220; Oder: &#8222;Gehen Sie eigentlich regelm\u00e4\u00dfig zur Prostataprophylaxe?&#8220;<\/p>\n<p>Ich bin bekanntlich Zyniker und glaube, dass moralische Appelle rein gar nichts bewirken. Deswegen bin ich auch f\u00fcr Frauenquoten. Freiwillig geht gar nichts. Aber ein politisch korrektes moralpolizeilich total\u00fcberwachtes Sprach- und Gestik-Umfeld ist auch Unsinn. Jedermann sollte das Recht haben, Bl\u00f6dsinn daherzuqatschen. In einem Land, das fromme Legenden als Teil des Schulunterricht erlaubt, sollte man sich weniger \u00fcber sexistische Spr\u00fcche aufregen. Vielleicht gibt es da sogar einen Zusammenhang. <\/p>\n<p>Wenn ich eine Frau w\u00e4re, w\u00fcrde ich bei dem, was zum Beispiel <href =\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/gesellschaft\/die-bruederle-debatte-und-der-alltaegliche-sexismus-a-879502.html\">Patricia Dreyer, Chefin vom Dienst beim Spiegel, schildert (&#8222;Verbinden Sie mich bitte mit dem Chef vom Dienst&#8220;), vermutlich ausrasten oder Dinge sagen, die niemand wirklich h\u00f6ren m\u00f6chte. Liebe Frauen, H\u00f6flichkeit ist eine Zier, aber im Geschlechterkampf geht es besser ohne ihr.<\/p>\n<p>Mehr f\u00e4llt mir nicht ein. Das Publikum hat das Wort.<\/href><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17311?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17311?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_17311 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_17311')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_17311').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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