{"id":17303,"date":"2013-01-30T17:39:00","date_gmt":"2013-01-30T16:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=17303"},"modified":"2013-01-30T17:41:47","modified_gmt":"2013-01-30T16:41:47","slug":"geldpolitisch-immer-schon-locker-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/01\/30\/geldpolitisch-immer-schon-locker-bleiben","title":{"rendered":"Geldpolitisch immer sch\u00f6n locker bleiben"},"content":{"rendered":"<p>Leider m\u00fcssen wir uns heute mit dem langweiligen Thema \u00d6konomie befassen, also mit den zwei zentralen Fragen, die, w\u00fcrden sie korrekt beantwortet, auch jedes andere Thema hinreichend kl\u00e4ren: Wo kommt die Kohle her? Wo geht sie hin?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/berliner-republik\/deutschland-saniert-sich-auf-kosten-seiner-nachbarn\/53182\">Cicero<\/a> schreibt: &#8222;Die Bundesrepublik hat weit mehr von der Eurokrise profitiert als bisher angenommen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben sich auf Kosten des S\u00fcdens saniert. (&#8230;) Die Bundesregierung erzielte nicht nur satte Zinsgewinne auf die Notkredite, die sie an die Krisenl\u00e4nder zahlte. Mehrere hundert Millionen Euro wurden 2012 allein von Griechenland abkassiert. (&#8230;) Weil die Anleger aus S\u00fcdeuropa fl\u00fcchteten und einen &#8217;sicheren Hafen&#8216; in Deutschland (und Frankreich) suchten, fielen die Renditen f\u00fcr Bundesanleihen auf ein Rekordtief nach dem anderen. Bei 21 der 70 Auktionen im vergangenen Jahr musste der Bund gar keine Zinsen an seine Gl\u00e4ubiger zahlen, sondern kassierte eine Pr\u00e4mie.&#8220;<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/hans-springstein\/soros-bestaetigt-die-krise-ist-gewollt\">Freitag<\/a> und das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur\/geldpolitik\/george-soros-warnt-die-groesste-gefahr-ist-ein-waehrungkrieg\/7686186.html\">Handelsblatt<\/a> fassen zusammen, was George Soros in einem Interview mit <a href=\"http:\/\/www.cnbc.com\/id\/1004060502>CBN<\/a> gesagt hat: &#8222;Die Deutschen glauben an Einsparungen, und der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen&#8220;.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft im Klartxt: Das deutsche Kapital hat ein Interesse daran, dass die so genannte Krise weitergeht, weil die n\u00fctzlich war und ist, um die weniger produktiven L\u00e4ndern Europas auszupl\u00fcndern und um sich auf deren Kosten gesundzusto\u00dfen. Dar\u00fcber sollte man sich nicht emp\u00f6ren, das ist legitim. Man sollte sich viel eher dar\u00fcber aufregen, dass die <del>freiwillig gleichgeschalteten<\/del> deutschen Medien immer noch von finanziellen &#8222;Hilfen&#8220; sprechen, obwohl genau das Gegenteil gemeint ist, oder das die Sprachpolizei bei der Tagesschau verbietet, das Wort &#8222;Kapitalismus&#8220; zu benutzen.<\/p>\n<p>Interessant ist \u00fcbrigens eine Randnotiz im Print-Spiegel (S. 63): Banken m\u00fcssen bisher f\u00fcr Staatsanleihen, die sie besitzen, kein Eigenkapital zur\u00fccklegen &#8211; &#8222;als seien die Papiere ein ausfallsicheres Gesch\u00e4ft. &#8218;F\u00fcr Aktien und Unternehmensanleihen in ihrem Bestand sind die Institute dagegen verpflichtet, eigenes Geld vorzuhalten als Absicherung gegen m\u00f6gliche Verluste.&#8216; <a href=\"http:\/\/www.iif.com\/\">Charles Dallara<\/a>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Internationalen Bankenverbandes, will das \u00e4ndern. Staatsfinanzierung w\u00fcrde schwieriger.&#8220;<\/p>\n<p>Wir hatten das Thema hier schon einmal (&#8222;<a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/08\/03\/unter-schnellballsystemikern-und-couponschneidern\">Unter Schnellballsystemikern und Couponschneidern<\/a>&#8222;, 03.08.2012):<br \/>\n<i>Die gewerkschaftsnahe <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_study_26_2012.pdf\">Hans-B\u00f6ckler-Stiftung<\/a> formuliert in ihrer Studie &#8222;Anspruch und Wirklichkeit der Finanzmarktreform&#8220; unfreiwillig komisch:<br \/>\n&#8222;Neben der Forderung nach h\u00f6heren Eigenkapitalanforderungen f\u00fcr systemrelevante Finanzinstitute vereinbarte die G20 in ihrer <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/StatischeSeiten\/Breg\/G8G20\/uebersicht-dokumente.html\">Pittsburgh-Erkl\u00e4rung<\/a>, dass systemrelevante Finanzinstitute f\u00fcr den Fall einer Pleite Pl\u00e4ne zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Enteignung\">geordneten Abwicklung<\/a> vorhalten m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Systemrelevante&#8220; Finanzinstitute: Besser h\u00e4tte das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anshu_Jain\">Anshu Jain<\/a> auch nicht sagen k\u00f6nnen. Um mal Klartext zu reden: Das sind diejenigen Banken, die am so genannten &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Primary_dealer\">Primary-Dealer-System<\/a>&#8220; teilnehmen. Diese Finanzunternehmen m\u00fcssen dem Staat eine bestimmte Menge seiner Schulden &#8211; also known as Staatsanleihen  abkaufen &#8211; und das nach einem vorher festgelegten Zinssatz. Nicht sehr &#8222;frei marktwirtschaftlich&#8220;, m\u00f6chte man einwerfen. Zu recht, denn der Staat sorgt zwangsweise f\u00fcr eine Mindestnachfrage f\u00fcr den Kauf seiner Schulden. Da aber die Banken an den Zinsen satt verdienen und wegen der Vollkasko-Versicherung bei der EZB meckern sie nicht allzusehr.<\/i><\/p>\n<p>Das ist doch ein lustiges System. Die Finanz-Prim\u00e4rdealer aka &#8222;systemrelevanten Banken&#8220; m\u00fcssen eine bestimmte Menge an Staatsanleihen kaufen, aber Eigenkapital brauchen sie daf\u00fcr nicht. So m\u00f6chte ich auch mal wirtschaften d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Japaner haben jetzt eine andere Methode gew\u00e4hlt, um der in konjunkturellen Sch\u00fcben wiederkehrenden kapitalistischen \u00dcberproduktionskrise, im Laufe derer unproduktives Kapital vernichtet werden muss (das sich auf dem Finanzmarkt als Blase bemerkbar macht), Herr zu werden. Sie sparen nicht, sondern vermehren die Geldmenge: &#8222;Die Zentralbank muss solange Geld drucken bis die Preise um mindestens zwei Prozent steigen.&#8220;<\/p>\n<p>Kapitalistisches Vodoo at its best: Wemn man Geld druckt, dann steigen automatisch die Preise? So einen Quatsch erz\u00e4hlen doch nur die Anh\u00e4nger der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM), Studenten der &#8222;Volks&#8220;wirtschaft oder andere Sprechblasenfacharbeiter. <\/p>\n<p>Hierzu noch einmal das Handelsblatt: &#8222;Die Debatte \u00fcber die Gefahr eines globalen Abwertungswettlaufs zwischen wichtigen W\u00e4hrungen wurde zuletzt dadurch befeuert, dass die neue japanische Regierung eine h\u00f6chst expansive Finanz- wie auch Geldpolitik verfolgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in Davos ihre Sorge dar\u00fcber ausgedr\u00fcckt.&#8220;<\/p>\n<p>Schon klar. Merkel wird nichts tun, was dem deutschen Kapital und dessen finanzpolitischen Arm, den Banken, irgendwie schadet. Japan ist in einer anderen Situation &#8211; rundherum gibt es nicht so viel, was man auspl\u00fcndern kann. Und au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/japans-export-leidet-unter-streit-mit-china-a-862605.html\">sind oft schon die Chinesen<\/a> vorher da. Die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2012-11\/japan-staatsschuld-rezession\">Zeit<\/a> nennt das &#8222;Japan steckt in der Deflationsfalle&#8220;.<\/p>\n<p>Es sind also eine Menge Variablen im Spiel: Die deutsche Wirtschaft ist sehr exportabh\u00e4ngig, sie braucht die sogenannte Finanzkrise und den Euro, um zu verhindern, dass die schw\u00e4cheren \u00d6konomien &#8211; wie Griechenland &#8211; einfach ihre W\u00e4hrung abwerten, um die Exporte anzukurbeln &#8211; also genau das, was Argentinien nach dem Staatsbankrott getan hat. <\/p>\n<p>Japan hat ein anderes Problem: Die <a href=\"http:\/\/www.asien-auf-einen-blick.de\/japan\/export.php\">Exporte<\/a> sinken &#8211; man verkauft ja nicht so viele Waffen wie Deutschland und ist auch nicht an so vielen Kriegen wie wir beteiligt.<\/p>\n<p>Die &#8222;Warnungen&#8220; und &#8222;Sorgen&#8220; von Soros und Merkel dokumentieren also nur unterschiedliche Kapital-Interessen und wie deren B\u00fcttel und Helfershelfer, die Politik, meinen darauf reagieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>(Ich muss jetzt einkaufen, und die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser k\u00f6nnen ja auch allein weiterdiskutieren.)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17303?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17303?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_17303 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_17303')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_17303').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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