{"id":17095,"date":"2013-01-02T16:10:47","date_gmt":"2013-01-02T15:10:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=17095"},"modified":"2013-01-02T16:17:58","modified_gmt":"2013-01-02T15:17:58","slug":"von-grozer-arebeit-und-ihrer-fantastischen-gestalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2013\/01\/02\/von-grozer-arebeit-und-ihrer-fantastischen-gestalt","title":{"rendered":"Von gr\u00f4zer arebeit und ihrer fantastischen Gestalt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.saelde-und-ere.at\/Hauptseite\/Arbeitsgruppen\/Mhdt\/MhdtBegriffe\/arebeit.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2013\/01\/010113_4.jpg\" alt=\"nibelungenlied\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=left>Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch auf der Welt, dem bei &#8222;Nibelungenlied&#8220; und &#8222;Das Kapital&#8220; von Karl Marx gleichzeitig etwas einf\u00e4llt. Da die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dieses kleinen und gesellschaftlich irrlevanten Blogs vermutlich zu einer bildungsb\u00fcrgerlichen Elite geh\u00f6ren, die die <a href=\"http:\/\/www.gottwein.de\/Grie\/hom\/il01.php\">Hexameter Homers<\/a> und das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doppelt_verschanzter_Dogmatismus\">Geschwurbel<\/a> Hegels auswendig zitieren k\u00f6nnen und gleichzeitig bei &#8222;<a href=\"http:\/\/www.python.org\/\">Python<\/a>&#8220; nicht nur Schlangen assoziieren, die das <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jCOCiXk6ZMM\">Hildebrandslied<\/a> beim Duschen summen und die wissen, was das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zahlk%C3%B6rpersieb\">Zahlk\u00f6rpersieb<\/a> mit asymmetrischer Kryptografie zu tun hat, kann ich heute die intellektuelle Schraube noch weiter anziehen. Nein, die allgemeine Relativit\u00e4tstheorie kommt nicht vor. (Noch jemand hier?)<\/p>\n<p>Ich habe in den letzten Tagen den ersten Band des Marxschen &#8222;Kapital&#8220; durchgebl\u00e4ttert, was ich seit den 70-er Jahren so ausf\u00fchrlich nicht mehr getan hatte. Man fragt sich nat\u00fcrlich, warum man sich das antun sollte und warum Marx mehr als hundert Seiten braucht, um den Begriff &#8222;Ware&#8220; zu analysieren, anstatt das auf Wikipedia-Niveau mit ein paar S\u00e4tzen abzuhandeln. Nur damit das klar ist: Wenn man mit der Marxschen Theorie nicht hinreichend und einleuchtend erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, was es mit der so genannten &#8222;Krise&#8220; in Griechenland auf sich hat, oder wenn man den tendenziellen Fall der Profitrate nur gebrauchen k\u00f6nnte, um bei einer Party von &#8222;Volks&#8220;wirtschaftlern die G\u00e4ste zu erschrecken, dann k\u00f6nnten wir uns das auch ersparen und Marx im Ordner &#8222;Alles, was die Welt dringend nicht braucht&#8220; abheften, gleich neben <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adalbert_Stifter\">Adalbert Stifter<\/a>, dem Vordenker des Lebensgef\u00fchls der Gr\u00fcnen, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anaximander\">Anaximander<\/a> und dem Vaterunser auf <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pr%C3%A4germanisch\">Pr\u00e4germanisch<\/a>.<\/p>\n<p>Das Publikum stritt hier herum, was &#8222;Arbeit&#8220; und &#8222;gesellschaftlich&#8220; bedeute. Im Nibelungenlied (mittelhochdeutsch, 12. Jh.) zum Beispiel ist von &#8222;gr\u00f4zer arebeit&#8220; die Rede: Das Wort hat aber mitnichten mit dem etwas zu tun, was wir darunter verstehen. Im <a href=\"http:\/\/www.koeblergerhard.de\/germanistischewoerterbuecher\/althochdeutscheswoerterbuch\/ahdA.pdf\">Althochdeutschen<\/a>, das ungef\u00e4hr zur Zeit Karl des Gro\u00dfen gesprochen wurde, bedeutet &#8222;Arbeit&#8220; nur &#8222;M\u00fchsal&#8220; oder &#8222;Beschwernis&#8220;. &#8222;Arbeit&#8220; als ein Tun, das Werte schafft, ist bis zum hohen Mittelalter in der gesamten Literatur unbekannt. Im Neblungenlied steht es als Synonym f\u00fcr &#8222;Kampf&#8220;. <\/p>\n<p>Marx <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me23\/me23_049.htm\">arbeitet<\/a> (sic!) sich ja deswegen am Wort &#8222;Arbeit&#8220; ab, weil diese in der Zeit vor dem entwickeltem Kapitalismus anders organisisiert war. Ein abstrakter Begriff &#8222;Arbeit&#8220; im Sinne von &#8222;Wertsch\u00f6pfung&#8220; war im Sinne des Wortes <i>undenkbar<\/i>, genausowenig wie die Himmelsmechanik <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isaac_Newton#Astronomie\">Isaac Newtons<\/a> im antiken Griechenland h\u00e4tte <i>erdacht<\/i> werden k\u00f6nnen &#8211; die alten Griechen hatten zwar von Mechanik Ahnung, aber f\u00fcr eine wissenschaftliche Theorie der Astronomie waren zu ihrer Zeit die Produktivkr\u00e4fte und die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spiegelteleskop\">Technik<\/a> noch nicht genug entwickelt. Denken und abstrakte Begriffe fallen eben nicht einfach vom Himmel. \u00d6konomie ist eine Wissenschaft, und f\u00fcr die gilt das auch. Marx schreibt:<\/p>\n<p><i>Versetzen wir uns nun (&#8230;)in das finstre europ\u00e4ische Mittelalter. Statt des unabh\u00e4ngigen Mannes finden wir hier jedermann abh\u00e4ngig &#8211; Leibeigne und Grundherrn, Vasallen und Lehnsgeber, Laien und Pfaffen. Pers\u00f6nliche Abh\u00e4ngigkeit charakterisiert ebensosehr die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der materiellen Produktion als die auf ihr aufgebauten Lebenssph\u00e4ren. Aber eben weil pers\u00f6nliche Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse die gegebne gesellschaftliche Grundlage bilden, brauchen Arbeiten und Produkte nicht eine von ihrer Realit\u00e4t verschiedne phantastische Gestalt anzunehmen. Sie gehn als Naturaldienste und Naturalleistungen in das gesellschaftliche Getriebe ein. Die Naturalform der Arbeit, ihre Besonderheit, und nicht, wie auf Grundlage der Warenproduktion, ihre Allgemeinheit, ist hier ihre unmittelbar gesellschaftliche Form. Die Fronarbeit ist ebensogut durch die Zeit gemessen wie die Waren produzierende Arbeit, aber jeder Leibeigne wei\u00df, da\u00df es ein bestimmtes Quantum seiner pers\u00f6nlichen Arbeitskraft ist, die er im Dienst seines Herrn verausgabt. Der dem Pfaffen zu leistende Zehnten ist klarer als der Segen des Pfaffen. Wie man daher immer die Charaktermasken beurteilen mag, worin sich die Menschen hier gegen\u00fcbertreten, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Personen in ihren Arbeiten erscheinen jedenfalls als ihre eignen pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse und sind nicht verkleidet in gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse der Sachen, der Arbeitsprodukte.<\/i><\/p>\n<p>Wir sind also immer noch beim &#8222;Warenfetisch&#8220;. Lauschen wir Stefan Niemann und der &#8222;Tagesschau&#8220; vom 29.12.2012, der als aktuelles p\u00e4dagogisch wertvolles Beispiel dienen kann:<br \/>\n<i><\/i><i>Sp\u00e4testens dann m\u00fcssen auch die republikanischen Abgeordneten \u00f6ffentlich bekennen, was ihnen am Ende wichtiger ist: ihre Parteilinie oder die \u00c4ngste des amerikanischen Volkes oder die Nerv\u00f6sit\u00e4t der M\u00e4rkte.<\/i><\/p>\n<p>Die Nerv\u00f6sit\u00e4t der M\u00e4rkte?! Im Marxschen &#8222;Kapital&#8220; heisst es dazu: &#8222;Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt f\u00fcr sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren.&#8220;<\/p>\n<p>Das Geld, die Waren, das Kapital, der &#8222;Markt&#8220; erscheinen als beseelte Dinge, die eigenst\u00e4ndig agieren  &#8211; also wie ein Fetisch, dem Eigenschaften zugesprochen werden, die das Ding in Wahrheit nicht hat. Friedrich Engels nannte das &#8222;ein Naturgesetz, das auf der Bewu\u00dftlosigkeit der Beteiligten beruht.&#8220; Marx: &#8222;Derartige Formen bilden eben die Kategorien der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie. Es sind gesellschaftlich g\u00fcltige, also objektive Gedankenformen f\u00fcr die Produktionsverh\u00e4ltnisse dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise, der Warenproduktion.&#8220; <\/p>\n<p>(Wer sich das im Detail antun will, lese die <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me23\/me23_049.htm#M32\">Anmerkung 32<\/a>, in der Marx die M\u00e4ngel und Beschr\u00e4nktheit der damaligen Theorie der \u00d6konomie referiert. Die heutige &#8222;Volks&#8220;wirtschaftslehre verzichtet ganz auf die Anaylse und &#8222;argumentiert&#8220; nur noch auf auf dem Niveau des gesunden Volskempfindens &#8211; mit dementsprechenden Ergebnissen.)<\/p>\n<p>Jetzt wird es aber Zeit, dass wir endlich zu(m) Geld kommen. In K\u00fcrze mehr in diesem Theater.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17095?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17095?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_17095 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_17095')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_17095').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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