{"id":17057,"date":"2012-12-29T16:08:37","date_gmt":"2012-12-29T15:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=17057"},"modified":"2012-12-30T12:00:18","modified_gmt":"2012-12-30T11:00:18","slug":"moneta-aes-signatum-und-die-ware-an-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/12\/29\/moneta-aes-signatum-und-die-ware-an-sich","title":{"rendered":"Moneta, Aes Signatum und die Ware an sich"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2012\/12\/301212_1.jpg\" alt=\"aes signatum\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p align=left><sup>Eine der ersten r\u00f6mischen M\u00fcnzen, genannt <i>aes signatum<\/i>, ca. 15 cm lang und 1,75 Kilo schwer, 3. Jh. v. Chr., British Museum<\/sup><\/p>\n<p align=left>Warum in meinem <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/12\/27\/nackte-frauen-schweine-und-die-ware-an-sich\">letzten Posting<\/a> \u00fcber <i>Gebrauchswert<\/i> und <i>Tauschwert<\/i> Schweine vorkamen, hatte ich noch nicht erw\u00e4hnt. Argumente, die gegen die Marxsche Theorie der Ware vorgebracht werden k\u00f6nnten, habe ich auch noch nicht geh\u00f6rt, zumal damit auch Aristoteles und b\u00fcrgerliche \u00d6konomen wie Adam Smith unrecht gehabt h\u00e4tten. [<i>By the way: blo\u00dfe Beschimpfungen meiner Person, w\u00fctende Hasstiraden (die ich nicht freigeschaltet habe) und die &#8222;\u00fcberzeugende&#8220; These, Marx sei tot, kann ich nicht wirklich als Gegenbeweis akzeptieren; es zeigt nur, dass die Anh\u00e4nger der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) intellektuell aber auch rein gar nichts anzubieten haben.<\/i>]<\/p>\n<p>Die Sache mit der Ware und ihrem &#8222;Doppelcharakter&#8220; h\u00f6rt sich einfach an, ist es aber nicht. Wenn man die These konsequent weiter denkt, wird es schnell kompliziert. Die Ware ist, wie Marx es ausdr\u00fcckt, ein &#8222;vertracktes Ding&#8220; und &#8222;voll theologischer Mucken&#8220;.<\/p>\n<p>These: Nur gesellschaftliche Arbeit schafft Werte. Das deutsche Wort &#8222;Wert&#8220; dr\u00fcckt leider &#8211; und missverst\u00e4ndlich &#8211; beides aus: sowohl den Gebrauchswert als auch das abstrakte Dritte, das Verh\u00e4ltnis, mit dem ein Produkt mit einem ganz anderen verglichen wird (aus dem sp\u00e4ter das Geld entsteht). \u00dcbrigens ist auch f\u00fcr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Smith\">Adam Smith<\/a>, den Gr\u00fcndervater der b\u00fcrgerlichen Wirtschaftslehre, die Arbeit die einzige Quelle gesellschaftlichen Reichtums. <\/p>\n<p>Wer das also akzeptiert, muss bei der Redewendung &#8222;das Geld arbeiten lassen&#8220; die Augen rollen. Geld <a href=\"http:\/\/de.dreamstime.com\/lizenzfreies-stockbild-geld-arbeitet-image9832206\">arbeitet nicht<\/a> und schafft auch keine Werte, auch wenn es jahrelang in einem Banktresor liegt. Jetzt haben wir ein Problem: Wo kommen denn die Zinsen her?<\/p>\n<p><i>Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, da\u00df sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenst\u00e4ndliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zur\u00fcckspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verh\u00e4ltnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein au\u00dfer ihnen existierendes gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis von Gegenst\u00e4nden. Durch dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich \u00fcbersinnliche oder gesellschaftliche Dinge. (<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me23\/me23_049.htm\">Das Kapital, Bd. 1: Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis)<\/a><\/i><\/p>\n<p>Das ist &#8211; zugegeben &#8211; ein bisschen verschwurbelt formuliert. Der von Marx so genannte &#8222;Fetischcharakter der Ware&#8220; ist nichts weniger als eine erkenntnistheoretische These, die die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wahrnehmungspsychologie\">Wahrnehmungspsychologie<\/a> m\u00fcsste verifizieren k\u00f6nnen. Marx behauptet, die blo\u00dfe Existenz der Ware zw\u00e4nge die Akteure zu einer falschen Sicht der Realit\u00e4t. <\/p>\n<p>&#8222;Falsch&#8220; in dem Sinne, wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Feuerbach\">Ludwig Feuerbach<\/a> Gott und die Religion beschreibt: &#8222;Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel steht, sondern der Mensch schuf (&#8230;) Gott nach seinem Bilde.&#8220; (Vorlesungen \u00fcber das Wesen der Religion, Leipzig 1851, XX. Vorlesung) Das heisst: Gott existiert nicht, sondern ist eine Projektion.<\/p>\n<p>Und genau das behauptet Marx \u00fcber die Eigenschaften der Ware, die ihr zugeschrieben werden: Der <i>Tauschwert<\/i>, also der &#8222;gesellschaftliche&#8220; Teil des Wertes, erscheint als Eigenschaft der Ware selbst und <i>nicht<\/i> mehr als das, was er ist &#8211; nur eine abstrakte Kategorie, um zwei Dinge miteinander vergleichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><i>Um daher eine Analogie zu finden, m\u00fcssen wir in die Nebelregion der religi\u00f6sen Welt fl\u00fcchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verh\u00e4ltnis stehende selbst\u00e4ndige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist.<\/i><\/p>\n<p align=left><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2012\/12\/301212_2.jpg\" alt=\"Juno\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p align=left>Die r\u00f6mische G\u00f6ttin <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Juno_%28Mythologie%29\">Juno<\/a> (vgl. die M\u00fcnze oben: Julia Soaemias Denarius, 22o v. Chr.) hatte den Beinamen <i>Moneta<\/i>. Bei ihrem Tempel wurde die ersten M\u00fcnzen geschlagen, die oft ein Schwein oder ein Rind zeigten. Man merkt gleich, f\u00fcr welche Produkte das Geld zuerst ben\u00f6tigt wurde. (Wer mehr dar\u00fcber lesen will, dem empfehle ich <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/kurnitz\/\">Horst Kurnitzky<\/a>: Triebstruktur des Geldes: Ein Beitrag zur Theorie der Weiblichkeit. Wagenbach, Berlin, 1974.)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17057?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17057?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_17057 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_17057')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_17057').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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