{"id":15356,"date":"2012-08-17T12:55:49","date_gmt":"2012-08-17T11:55:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=15356"},"modified":"2012-08-17T16:32:52","modified_gmt":"2012-08-17T15:32:52","slug":"finnische-sonderbehandlungen-bei-kreditfazilitaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/08\/17\/finnische-sonderbehandlungen-bei-kreditfazilitaten","title":{"rendered":"Finnische Sonderbehandlungen bei Kreditfazilit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2012\/08\/170812_1.jpg\" alt=\"capitalism\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\" \/><\/p>\n<p align=left>Ich wei\u00df nicht, ob bei Spiegel Online \u00fcberhaupt jemand die Artikel gegenliest &#8211; offenbar nicht. Oder nur eine Software. Heute hei\u00dft es:<\/p>\n<p><i>Finnland geh\u00f6rt zu den Geldgebern in der W\u00e4hrungsunion und hat in den vergangenen Monaten mehrfach eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sonderbehandlung\">Sonderbehandlung<\/a> durchgesetzt. Im Falle Spaniens und Griechenlands forderte und bekam Helsinki ein Pfand als Gegenleistung f\u00fcr die Hilfskredite. Auch den Kurs der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen von Krisenl\u00e4ndern zu kaufen, lehnt Finnland ab.<\/i><\/p>\n<p>Das kommt davon, wenn man Worte mit -ung erlaubt: Dann f\u00e4llt auch Nazi-Jargon wie &#8222;Sonderbehandlung&#8220; nicht weiter auf.<\/p>\n<p>Abgesehen von diesem Deutsch des Grauens muss auch der Inhalt \u00fcbersetzt werden. Journalismus bedeutet bekanntlich: B\u00fcrokratensprech, Politiker-Jargon, Werbefuzzy-Gefasel und suggestive Propaganda-Sprechblasen f\u00fcr&#8217;s gemeine Volk verst\u00e4ndlich zu formulieren.<\/p>\n<p>Finnland (und <i>nicht<\/i> die Hauptstadt Helsinki, ihr Passnasen!) bekam also ein Pfand f\u00fcr seine Kredite? Welcher Art? Drei Millionen Teddy-B\u00e4ren? Oder einen Schuldschein des Sparkassenverbands von Lagos, Nigeria?<\/p>\n<p>Dann schauen wir mal, was der deutsche Qualit\u00e4tsjounalismus zu bieten hat. Die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/europas-schuldenkrise\/eurokrise-finnland-bekommt-kein-pfand-von-griechenland-11124895.html\">FAZ<\/a> meldet am 25.08.2011: &#8222;Finnland bekommt kein Pfand von Griechenland&#8220;. &#8222;Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble (CDU) wird im Hinblick auf die Sondervereinbarung mit dem Satz zitiert: &#8218;Das ist vom Tisch.'&#8220; <\/p>\n<p>Ach ja? Erschwerend f\u00fcr unsere \u00dcbersetzung ins Deutsche kommt hinzu, dass die hiesige Journaille meint, das Neusprech aus den Propagandaministerien unkritisch \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen: Was zum Henker ist ein &#8222;Hilfspaket&#8220;, wenn es nur darum geht, dass die Steuerzahler die Profirate der exportierenden Unternehmen und auch noch das Geld absichern sollen, was die Banken beim Roulett auf dem Finanzmarkt verzockt haben? Wer hilft hier wem &#8211; und womit? <\/p>\n<p>Ihr denkt wohl, wenn man irgendetwas mit &#8222;Helfen&#8220; vor ein Wort setzt, dann w\u00fcrde es gleich besser? Die USA <i>halfen<\/i> chilenischen Putschisten, Salvador Allende umzubringen. Die Waffen-SS sendete <i>Hilfs<\/i>mannschaften ins Konzentrationslager. Der Kolonialismus <i>half<\/i> Afrika, sich in Richtung Kapitalismus weiterzuentwickeln. Oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de\/2012\/02\/38515\/\">Deutschen Mittelstands-Nachrichten<\/a> am 20.02.2012: &#8222;Gut verhandelt: Finnen erhalten Pfand von Griechenland&#8220;. <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/finanzen\/griechenland-zahlt-pfand-an-finnland-1.2318323\">RP Online<\/a> am 16.08.2011: &#8222;Das finnische Finanzministerium teilte mit, beide Regierungen h\u00e4tten sich darauf geeinigt, dass Athen in Finnland eine Summe hinterlege, die zusammen mit den damit erzielten Zinsen langfristig den Griechenland geliehenen Mittel entspreche. (&#8230;)  Das Pfand schlie\u00dfe keine realen Garantien wie Immobilien ein, erkl\u00e4rte Venizelos. (&#8230;) Das finnische Finanzministerium erkl\u00e4rte, sobald Griechenland seinen Verpflichtungen gegen\u00fcber dem Rettungsfonds EFSF nachgekommen sei, werde es sein Pfand zuz\u00fcglich der bis dahin angefallenen Zinsen zur\u00fcckerhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Da das ja nie passieren wird, fragen wir uns: Was mussten die Griechen den Finnen geben, damit die den griechischen Banken Geld liehen, was diese auch nicht zur\u00fcckzahlen werden? Die <a href=\"http:\/\/www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de\/2011\/10\/26972\/\">DMN<\/a> am 05.10.2011: &#8222;Griechenland werde Finnland Staatsanleihen im Wert von 880 Millionen Euro als Sicherheit geben&#8220;.<\/p>\n<p>Ach ja? Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Griechenlands Staatsanleihen sind ja bekanntlich sicher.<\/p>\n<p>Die finnische Regierung m\u00f6chte also auch nicht, dass die Europ\u00e4ischen Zentralbank (<a href=\"http:\/\/www.ecb.int\/ecb\/html\/index.de.html\/\">EZB<\/a>) Staatsanleihen &#8211; also known as &#8222;Schuldtitel&#8220; also known as &#8222;<a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/08\/08\/wertpapiere-oder-banken-im-kapitalismus-revisited\">Wertpapiere<\/a>&#8220; &#8211; kauft. Mit guten Grund: Das ist der EZB <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/123.html\">verboten<\/a>. Wir lesen gemeinsam den &#8222;Vertrag \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union&#8220;, Artikel 123:<br \/>\n<i>\u00dcberziehungs- oder andere Kreditfazilit\u00e4ten bei der Europ\u00e4ischen Zentralbank oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (im Folgenden als &#8222;nationale Zentralbanken&#8220; bezeichnet) f\u00fcr Organe, Einrichtungen oder sonstige Stellen der Union, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietsk\u00f6rperschaften oder andere \u00f6ffentlich-rechtliche K\u00f6rperschaften, sonstige Einrichtungen des \u00f6ffentlichen Rechts oder \u00f6ffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die Europ\u00e4ische Zentralbank oder die nationalen Zentralbanken.<\/i> <\/p>\n<p>Journalisten, die ihren Beruf ansatzweise ernst nehmen, m\u00fcssten den wohlwollenden Lesern und geneigten Lesern zun\u00e4chst erkl\u00e4ren, warum die EZB etwas macht, was ihr verboten ist und warum sich niemand beschwert? Aber das interessiert ja eh niemanden.<\/p>\n<p>Das Thema des Tages war der so genannte &#8222;Bruch der Eurozone&#8220;. Dann sammeln wir mal Fakten. <\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.dihk.de\/presse\/meldungen\/2012-08-16-weltkonjunkturbericht\">Deutsche Industrie- und Handelskammertag<\/a> (DIHK) meldet: &#8222;Die aktuelle Umfrage, die DIHK-Au\u00dfenwirtschaftschef Volker Treier heute in Berlin vorstellte, zeigt zudem, dass die deutsche Exportwirtschaft ihre Stellung im Welthandel im kommenden Jahr ausbauen wird: &#8218;Die Position eins bleibt mit China fest besetzt, im Kampf um Platz zwei setzt sich Deutschland aber gegen die USA durch und holt sich den Vizeweltmeistertitel zur\u00fcck&#8216;, fasste Treier die Erwartungen zusammen.&#8220; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/dihk-wachstum-deutscher-exporte-halbiert-a-850376.html\">Spiegel Online<\/a> hingeben an demselben Tag: &#8222;Die drohende Rezession in der Euro-Zone schadet der deutschen Exportwirtschaft. Laut einer Prognose des Industrie- und Handelskammertags werden die Ausfuhren 2012 nur um vier Prozent zulegen &#8211; halb so viel wie im Vorjahr.&#8220;<\/p>\n<p>Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um die Leser so zu verarschen? Es droht etwas, wenn sich der <i>Anstieg<\/i> des Exports sich verringert? In verst\u00e4ndlichem Deutsch: Das deutsche Kapital exportiert immer mehr, nur etwas weniger?! Und m\u00fcssen &#8222;wir&#8220; uns jetzt Sorgen machen um den <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me25\/me25_221.htm\">tendenziellen Fall der Profirate<\/a>?<\/p>\n<p><i>Die deutschen Importe d\u00fcrften 2013 erstmals die Umsatzmarke von einer Billion Euro knacken, die von den Exporten bereits 2011 durchbrochen wurde. &#8218;Die nicht zuletzt wegen der soliden Binnenwirtschaft und des stabilen Arbeitsmarktes robuste wirtschaftliche Lage hierzulande erweist sich als Anker f\u00fcr Europa&#8216;, so der DIHK.<\/i><\/p>\n<p>Yeah. Quod erat demonstrandum. Es gibt offenbar <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/harman\/2007\/xx\/snapshots.htm\">gar keine Krise<\/a>, weder eine Euro- noch eine &#8222;Schuldenkrise&#8220;. Alles solide und stabil.<\/p>\n<p>Ich darf mich noch einmal selbst zitieren: Nach einem Austritt Griechenlands oder dem Zerfall der Union w\u00fcrde das deutsche Kapital weit weniger Profite machen, da die Landesw\u00e4hrungen abgewertet w\u00fcrden. Es w\u00e4re genauso wie das Verh\u00e4ltnis zwischen Dollar und Euro. Ein schwacher Euro <a href=\"http:\/\/www.time.com\/time\/business\/article\/0,8599,1969981,00.html\">ist gut f\u00fcr den Export<\/a>. Das hei\u00dft: Die deutschen Kapitalisten m\u00fcssen alles daf\u00fcr tun, dass Exporte des Ausland <i>nach<\/i> Deutschland <i>nicht<\/i> billiger werden.&#8220;<\/p>\n<p>Aber bevor wir jetzt weiterdiskutieren, sollten wir alle gemeinsam <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nobuo_Okishio\">Nobuo Okishio<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.oekonomiekritik.de\/313Tend%20Fall.pdf\">Michael Heinrich<\/a> lesen, studieren und ihre Weisheiten in unserem Herzen bewegen. Oder, wie <a href=\"http:\/\/www.infopartisan.net\/archive\/maobibel\/maobibel.html\">jemand<\/a> einmal sagte: &#8222;Die Umst\u00e4nde \u00e4ndern sich st\u00e4ndig, und wenn unsere Gedanken stets der neuen Lage entsprechen sollen, m\u00fcssen wir studieren.&#8220;<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15356?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15356?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_15356 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_15356')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_15356').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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