{"id":13010,"date":"2012-01-25T18:49:09","date_gmt":"2012-01-25T17:49:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=13010"},"modified":"2020-09-26T20:38:10","modified_gmt":"2020-09-26T18:38:10","slug":"an-der-grenze-zur-grunen-holle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/01\/25\/an-der-grenze-zur-grunen-holle","title":{"rendered":"An der Grenze zur gr\u00fcnen H\u00f6lle"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa1gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa1kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa2gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa2kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa3gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa3kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" height=\"360\" width=\"240\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa4gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa4kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" height=\"360\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"240\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa5gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa5kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa6gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa6kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa7gr.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/grafik\/latino_america\/venezuela\/ven_pa7kl.jpg\" alt=\"San Fernando de Atabapo\" border=\"0\" hspace=\"0\" vspace=\"0\" width=\"480\"\/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><i>Vor <a href=\"http:\/\/www.burks.de\/forum\/phpBB2\/viewtopic.php?t=1690\">acht Jahren<\/a> habe ich das hier schon einmal gebloggt, heute kann ich die Bilder in besserer Qualit\u00e4t anbieten. Auch die Links sind aktueller.<\/i><\/p>\n<p align=\"left\">Das ist das Ende der Welt: <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/7h3bxth\">San Fernando de Atababo<\/a>, der letzte Ort am oberen Orinoco, den man noch mit &#8222;\u00f6ffentlichen&#8220; Verkehrsmitteln erreichen kann &#8211; sogar in der Trockenzeit nur per Boot. &#8222;Man sollte allerdings bedenken&#8220;, schreibt der Reisef\u00fchrer, &#8222;dass solche Touren auf eigene Faust nicht ganz ungef\u00e4hrlich sind, man bewegt sich hier schon am Rande der &#8222;zivilisierten&#8220; Welt. Gen S\u00fcden und Westen gibt es nur noch selten Orte &#8211; den Casiquiare aufw\u00e4rts ist das Gebiet fast menschenleer.<\/p>\n<p align=\"left\">Nur zwei Tagesreisen \u00f6stlich, und man ist auf dem Territorium der <a href=\"http:\/\/www.a-venezuela.com\/mapas\/map\/html\/gruposindigenas.html\">Yanomami<\/a>. Ein italienischer Ethnologe hatte mir aber in Puerto Ayacucho mit Augenzwinkern erz\u00e4hlt, die Yanomami seinen die &#8222;Drosophila&#8220; der Ethnologie &#8211; kaum ein Volk sei besser erforscht. Und die Erforschten w\u00fcssten das und verhielten sich dementsprechend. Das bedeutet: Gringos wie <a href=\"http:\/\/www.yanomami.de\/\">R\u00fcdiger Nehberg<\/a> denken, deren Lebensart sei &#8222;urspr\u00fcnglich&#8220;. Die &#8222;Indianer&#8220; h\u00e4tten ganz andere Probleme: Goldsucher sch\u00fcrften in ihrer Gegend, es g\u00e4be zahlreiche illegale Minen. Bei der Goldsuche fiele Quecksilber ab, und die Quellfl\u00fcsse des Orinoco seien schon vergiftet. In dieser gottverlassenen Region leben noch andere V\u00f6lker, um die sich kaum jemand k\u00fcmmert, und die k\u00e4mpften schlicht ums \u00dcberleben. Der Ethnologe warnte mich: Wer dort allein reiste, per Boot, dem k\u00f6nnte es geschehen, dass ihm Pfeile um die Ohren fl\u00f6gen, weil man f\u00fcr einen Goldsucher oder einen Sekten-Missionar gehalten w\u00fcrde, etwa vom ber\u00fcchtigen fundamentalistischen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SIL_International\">Summer Instituts of Lingustics<\/a>. Und die Indianer k\u00f6nnten verdammt gut mit Pfeil und Bogen umgehen&#8230;<\/p>\n<p align=\"left\">Ich wusste, dass ich nicht genug Zeit und Geld hatte, um diese Tour zu machen &#8211; wenn ich das n\u00e4chste Mal nach Venezuela fahre, wei\u00df jeder, der dieses Weblog liest, wo ich dann zu finden bin: Entweder im Jeep irgendwo n\u00f6rdlich des Rio Meta in den Llanos (nicht in der Regenzeit), oder im Flussdreieck Orinoco &#8211; Casiquiare &#8211; Rio Atabapo, in Sichtweite der majest\u00e4tischen Tafelberge, den <a href=\"http:\/\/www.botany.wisc.edu\/courses\/botany_422\/Lecture\/pdf\/SkyIslands.pdf\">Tepuis<\/a>.<\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.burks.de\/artikel\/ven.html\">In einer Story \u00fcber meine Reise<\/a> (&#8222;Der gottverlassene Landstrich&#8220;, Tagesspiegel 19.9.1997) schrieb ich: &#8222;San Fernando de Atabapo: ein verschlafener Ort mit 3000 Einwohnern. Eine Kirche. Ein Restaurant: der folgenlose Genuss des Tagesmen\u00fcs setzt eine tropentaugliche Darmflora voraus. Das einzige Hotel (Bild links oben) an der Plaza Bolivar: nur drei Zimmer, weit jenseits von mitteleurop\u00e4ischem und Komfort. Mittendurch eine Heerstra\u00dfe f\u00fcr Ameisen und die in Volksliedern liebevoll besungenen Cucarachas. Am Abend schauen auch ein paar Kr\u00f6ten herein, die der kurze, aber um so heftigere Tropenregen unternehmungskustig macht. H\u00e4ngematte und Moskitonetz geh\u00f6rten zur Grundausstattung des Reisenden wie Toilettenpapier und Plastikfolie, um Papiere und Geld vor Feuchtigkeit zu sch\u00fctzen.&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">Es war viel netter: die h\u00fcbsche Hausgehilfin des Hotels (Bild oben rechts), nat\u00fcrlich alleinerziehende Mutter, dr\u00fcckte mir eine Schaufel in die Hand, nachdem ich lange auf sie eingeredet und ihr eine Menge Komplimente gemacht hatte. Angeblich war das &#8222;Hotel&#8220; voll. Aber ich durfte dann doch das einzige leere Zimmer (Bild oben links) vom M\u00fcll befreien. Es war, vom Globetrotter-Ma\u00dfstab aus gesehen, recht komfortabel. Die junge Dame brachte mir, verlegen l\u00e4chelnd, sogar einen Ventilator. Drau\u00dfen eine Terrasse mit Tisch und Stuhl, allerdings standen \u00fcberall leere Bierk\u00e4sten und anderes Ger\u00fcmpel herum. Ich r\u00fcckte den Stuhl an die kleine Mauer mit Blick auf den Zusammenfluss von Atabapo und Guaviare, warf meinen Ofen an und kochte mir eine heisse Suppe, die erste Mahlzeit seit vier Uhr morgens. Brot hatte ich auch noch. W\u00e4hrend ich meine Mahlzeit l\u00f6ffelte, sah ich direkt nach Westen und lie\u00df die Gedanken schweifen. 1982 hatte ich an demselben Fluss gestanden, weit im Westen, in den <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/7ccn7xn\">kolumbianischen Llanos<\/a>&#8230;<\/p>\n<p align=\"left\">Das grandiose Panorama entsch\u00e4digt f\u00fcr die M\u00fcllkippe des Ortes in Reichweite &#8211; im Gestr\u00fcpp zwischen Flussufer und Hotel. Eine Gewitterwolke dr\u00e4ut \u00fcber dem satten Dunkelgr\u00fcn des Urwalds, die letzten Sonnenstrahlen glei\u00dfen durch das kitschige Abendrot und lassen die Sandb\u00e4nke wei\u00df leuchten. Hier flie\u00dfen drei Str\u00f6me zusammen: Guaviare, Atabapo und Orinoco. Der Guaviare, breiter als der Rhein, entspringt tausend Kilometer westlich in den kolumbianischen Anden und hat, so schreibt Alexander von Humboldt, <i>weisses Wasser, und der ganze Anblick seiner Ufer, seiner gefiederten Fischf\u00e4nger, seine Fische, die gro\u00dfen Krokodile, die darin hausen, machen, da\u00df er dem Orinoco weit mehr gleicht.<\/i> Von S\u00fcden ergie\u00dft sich der Atabapo in den Guaviare. Wassertemperatur des Rio Atabapo: erstaunliche 37 Grad. Der sonnendurchgl\u00fchte Granit (Bild linke Reihe, 2.v.o.) heizt den Fluss auf. Er ist dunkel wie schwarzer Tee, aber klar bis auf den Grund. Die F\u00e4rbung r\u00fchrt von Gerbs\u00e4ure, die Insekten abh\u00e4lt, ihre Eier zu legen.<\/p>\n<p align=\"left\">In den folgenden Tagen ging ich jeden Tag zum Fluss, die Sandb\u00e4nke tauchten wie schneewei\u00dfe Fische aus dem Wasser auf. Das Wasser war wirklich, so wie Humboldt es beschrieben hatte, w\u00e4rmer als in einer Badewanne und, abgesehen von der dunkelbraunen Farbe, glasklar. Ich setzte mich in den warmen Sand ins Wasser, und tausende winzige und glitzernde Fische schwommen um mich herum, als h\u00e4tten sie keine nat\u00fcrlichen Feinde. Die m\u00e4chtigen B\u00e4ume am Ufer zeigten alle Schattierungen der Farbe gr\u00fcn, der Himmel war wolkenlos und dunkelblau &#8211; mir schien es, als sei ich in eine Kitschpostkarte hineingeraten. Und ich war ganz allein. Warum ist hier sonst niemand? habe ich mich damals gefragt. Ich habe, bis auf Grenada in der Karibik, nirgends einen besseren Sandstrand und sch\u00f6neres Wasser gefunden. Nun gut, es gibt weder ein Restaurant, das diesen Namen verdiente, noch ein Hotel&#8230; Aber von Berlin aus braucht man nur drei Tage, wenn alles gut geht&#8230;<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13010?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13010?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_13010 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_13010')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_13010').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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