{"id":12908,"date":"2012-01-18T20:34:05","date_gmt":"2012-01-18T18:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=12908"},"modified":"2012-01-18T22:27:12","modified_gmt":"2012-01-18T20:27:12","slug":"nazis-haben-nichts-gegen-auslander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2012\/01\/18\/nazis-haben-nichts-gegen-auslander","title":{"rendered":"Nazis haben nichts gegen &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Beim ehemaligen Nachrichtenmagazin <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/0,1518,809522,00.html\">lesen wir<\/a> \u00fcber den Film &#8222;Ihr Kampf&#8220;: &#8222;Marisa, 20, schl\u00e4gt hemmungslos zu, wenn sie mit ihren Freunden Jagd auf Ausl\u00e4nder macht.&#8220;<\/p>\n<p>Ihr habt <b>nichts<\/b> begriffen, nichts, Spiegel-Redakteure. \u00dcberhaupt nichts. Und der Mainstream-Diskurs ist so in Beton gegossen, dass Argumente nichts nutzen. Hier dazu eine Passage aus meinem Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/nazis-sind-pop\">Nazis sind Pop<\/a>&#8220; (erschienen 2000):<\/p>\n<p><i>Das eigent\u00fcmlich Verschrobene des so genannten Volks der Dichter und Denker manifestiert sich in begrifflichen Sonderwegen, die Dolmetschern regelm\u00e4ssig den Schweiss auf die Stirn treiben: In Deutschland soll es einen merkw\u00fcrdigen Zustand der Gef\u00fchle geben, eine Feindseligkeit, die sich gegen Menschen richtet, die einen anderen Pass besitzen als die Mehrheit. Da eine Emotion unstrittig nicht in der Lage ist, komplizierte Fragen des Staatsb\u00fcrgerschaftsrechts zu beurteilen, l\u00e4sst einen US-Amerikaner das holperige Wort &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220;, um das es hier unter anderem gehen soll, ratlos zur\u00fcck. Grammatikalisch janusk\u00f6pfig &#8211; wer ist &#8222;feindlich&#8220;? Die Ausl\u00e4nder? Ein Synonym &#8211; die Feindschaft &#8211; l\u00e4sst sich nicht benutzen &#8211; k\u00f6nnte es auch &#8222;Ausl\u00e4nderfeindschaft&#8220; heissen?<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; kann in keine Sprache der Welt \u00fcbersetzt werden. Wer vorschnell hofft, bei &#8222;Xenophobie&#8220; f\u00fcndig zu werden, irrt: Die &#8222;Fremdenfeindlichkeit&#8220; bedeutet etwas ganz anderes. Der &#8222;Fremde&#8220; ist immer ein fiktives Konstrukt, dem eine Definition im kollektiven Diskurs voraufgegangen sein muss. Auch &#8222;Inl\u00e4nder&#8220; k\u00f6nnen zu Fremden gemacht werden. Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen &#8211; &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220; im Sinn des Wortes, etwa Isl\u00e4nder, Norweger, D\u00e4nen, werden in Deutschland weder angep\u00f6belt noch zusammengeschlagen. Das geschieht aber Afrodeutschen, die noch nie einen anderen Pass besessen haben als den deutschen, jedoch eine andere, etwas dunklere Hautfarbe besitzen als der durchschnittliche Deutsche.(&#8230;)<\/p>\n<p>Was will uns der Begriff &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; sagen? Er muss emotional stark besetzt sein, denn selbst der zarteste Hinweis, dass mit diesem &#8222;Unwort&#8220; die Welt nicht auf den Begriff k\u00e4me, l\u00f6st, vor allem bei Medienschaffenden und vor gutmeinenden Berufsjugendlichen, die sich bei ritualisierten Meetings gegen &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; versammeln, w\u00fctende und trotzige Reflexe aus, als n\u00e4hme man einem Kind das liebste Spielzeug oder einem Hundebesitzer den Kampfhund weg.<\/p>\n<p>Die Liebe zur &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; steht nicht allein, sondern korreliert mit der Abscheu vor Worten, die im Ausland f\u00fcr das Ph\u00e4nomen kursieren, etwa &#8222;Rassismus&#8220;. Wer in Deutschland \u00f6ffentlich bekundet, es gebe Rassismus, outet sich als Angeh\u00f6riger eines marginalisierten und akademischen Diskurses, der nur in Publikationen zu finden ist, die st\u00e4ndig in \u201eGefahr\u201c schweben, im n\u00e4chsten Verfassungsschutzbericht als &#8222;linksextremistisch&#8220; aufzutauchen.<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Die lehrt vor allem eines: Deutschland verdr\u00e4ngt, dass es Rassismus gibt. Der Konsens der Nachkriegsgesellschaft war, nicht an diesem Tabu zu r\u00fctteln. Man gab sich &#8222;gastfreundlich&#8220; zu &#8222;Gastarbeitern&#8220;, man hatte es per definitionem zu sein, auch wenn die Realit\u00e4t anders aussah. Das Ergebnis dieser kollektiven Amnesie: &#8222;In der Folgezeit stand nicht einmal das wissenschaftliche Vokabular zur Beschreibung und Einordnung rassistischer Praktiken und Kategorien zu Verf\u00fcgung.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00fcrde eine US-amerikanische Zeitung von &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; reden, falls eine Bande von Ku-Klux-Klan-Anh\u00e4ngern einen Afroamerikaner \u00fcberfiele und krankenhausreif schl\u00fcge, verst\u00fcnde niemand, was damit gemeint w\u00e4re. &#8222;Fremd&#8220; heisst im amerikanischen Englisch &#8222;alien&#8220;, aber es k\u00e4me niemand auf die Idee, dieses Wort im Zusammenhang mit rassistischen Motiven zu benutzen. So etwas ist nur in Deutschland m\u00f6glich. Afroamerikaner sind keine &#8222;Fremden&#8220; in den USA und nat\u00fcrlich auch nicht per se in Europa.<\/p>\n<p><\/i><b>Der Begriff &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; ist ein zentraler Topos des rassistischen Diskurses.<\/b><i> Er hat sich so verfestigt, dass selbst nach stundenlangen Diskussionsrunden gutmeinender und sich liberal und aufgeschlossen gebenden Menschen \u00fcber das Thema und vorgeblicher Erkenntnis, das Rassismus nichts mit einer Staatsangeh\u00f6rigkeit zu tun hat, das Wort reflexartig und automatisch wieder in das Gespr\u00e4ch einfliesst. &#8222;Ausl\u00e4nderfeindlichkeit&#8220; suggeriert einen Tatbestand, der so nicht existiert &#8211; als richteten sich Hass und Gewalt gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen, die durch das Fehlen eines deutschen Passes gekennzeichnet ist. Das ist selbstredend Unfug. Dieser Begriff hat dazu gef\u00fchrt, dass jeder Dunkelh\u00e4utige mit grosser Wahrscheinlichkeit, wird er in Deutschland \u00f6ffentlich wahrgenommen, zum &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220; abgestempelt wird, zu dem man sich gut oder b\u00f6se verhalten kann.<\/i><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12908?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12908?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_12908 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_12908')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_12908').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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