{"id":1175,"date":"2008-11-23T13:21:50","date_gmt":"2008-11-23T11:21:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/?p=1175"},"modified":"2008-11-24T00:02:17","modified_gmt":"2008-11-23T22:02:17","slug":"buchempfehlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/2008\/11\/23\/buchempfehlungen","title":{"rendered":"Buchempfehlungen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.burks.de\/burksblog\/pix\/2008\/11\/231108_2.jpg\" align=\"left\" alt=\"Benz\" border=\"0\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" width=\"240\"\/>Ich lese zu schnell und komme kaum noch  nach, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern von B\u00fcchern abzuraten oder sie zu empfehlen. Apropos: Es f\u00e4llt mir schwar, ein Buch zu empfehlen. Die meisten belletristischen Werke lege ich nach wenigen Seiten entt\u00e4uscht weg, weil ich mich langweile oder weil ich mich angesichts des schlechten Stils ekele. Ich garantiere: Wenn ich etwas dem Publikum ans Herz lege, dann ist es gut. <\/p>\n<p>Zwei B\u00fccher habe ich schon nach wenigen Seiten wieder verworfen: &#8222;Blue Tango&#8220; von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eoin_McNamee\">Eoin McNamee<\/a> und &#8222;Die Gouvernante&#8220; von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stefan_Chwin\">Stefan Chwin<\/a>. Ersteres ist mitnichten spannend und auch nicht originell; der Anfang ist sogar v\u00f6llig misslungen. Warum soll ich ein Werk weiterlesen, wenn mich die ersten zehn Seiten nicht interessieren? &#8222;Die Gouvernante&#8220; spielt in den so  genannten &#8222;h\u00f6heren Kreisen&#8220; in Warschau um 1900 &#8211; mit dem realen Leben der Bev\u00f6lkerung hat der Plot nichts zu tun. Muss nicht sein. Ich lese ja auch nicht die Biografie von Flick oder will nichts \u00fcber das Liebesleid irgendwelcher dekadenter Million\u00e4re wissen,<\/p>\n<p>W\u00e4rmstens empfehle ich von Wolfgang Benz &#8222;<a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/15254.html\">\u00dcberleben im Dritten Reich<\/a> &#8211; Juden im Untergrund und ihre Helfer.&#8220; Ich muss zugeben, dass ich mir nicht viel erwartete, eher &#8211; wie ich es von Benz kenne &#8211; eine dr\u00f6ge wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte, die man aus moraltheologischen Gr\u00fcnden so liest, um informiert zu sein. Hier war es anders: Die Geschichten um die einzelnen Schicksale sind zum Teil schlecht und langatmig geschrieben, aber dennoch so spannend, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen m\u00f6chte. Der Rezensent der taz trifft das genau: &#8222;Er hebt hervor, dass gerade der &#8218;lakonische Grundtenor&#8216; der Aufzeichnungen einen Eindruck von der Dramatik der Rettungsaktionen vermittelt.&#8220; Man bekommt einen richtigen Hass auf die Feigheit, den Opportunismus und den widerlichen Antisemitismus der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit der Deutschen und bewundert um so mehr die, die damals schon die Zivilcourage besa\u00dfen, heimlich Widerstand zu leisten. Die Botschaft ist durchaus ambivalent: Jeder hatte andere, zum Teil sogar niedere Motive, um Juden zu helfen. Das macht das Buch so realistisch und zu einer empfehlenswerten Lekt\u00fcre auch f\u00fcr Jugendliche. Pfarrer der &#8222;Bekennenden Kirche&#8220; versteckten Juden, nur um sie zu bekehren. Berliner Nutten versteckten Juden im Bordell &#8211; einfach so, aus Menschenfreundlichkeit. Haarstr\u00e4ubend ist die Geschichte von den j\u00fcdischen &#8222;Greifern&#8220;, die hofften zu \u00fcberleben, indem sie andere Juden der Gestapo ans Messer lieferten.<\/p>\n<p>Am meisten gefallen hat mir der Abschnitt \u00fcber den Druckereibesitzer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_G%C3%B6rner\">Theodor G\u00f6rner<\/a>, ein linker Sozialdemokrat, der aber immer politisch heimatlos blieb. Bezeichnend die S\u00e4tze \u00fcber sein Leben nach dem Krieg, als G\u00f6rner eine Schraubenfabrik in Berlin-Neuk\u00f6lln leitete: &#8222;jahrelang lebte er als Grenzg\u00e4nger zwischem dem soziademokratisch regierten Westteil und dem kommunistischen Ostteil Berlins &#8211; eine Situation, die man als bezeichnend f\u00fcr sein ganzes politisches Leben betrachten k\u00f6nne. Aus des SED war der Nonkonformist bereits 1946 ausgetreten, unmittelbar nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD. Obwohl G\u00f6rner nach eigenem Bekunden &#8218;das sowjetzonale System&#8216; aus Gewissengr\u00fcnden ablehnte und diese Meinung auch offen vertrat, bliebe er weitgehend unbehelligt, denn in seinem Wohnort Woltersdorf war er wegen seiner antifaschistischen Vergangenheit ein angesehener Mann. Den bundesrepublikanischen Umgang mit der Vergangenheit kommentierte er Freunden gegen\u00fcber sp\u00e4ter nicht ohne Verbitterung &#8211; mit Bemerkungen \u00fcber die &#8218;Zuh\u00e4lter&#8220; des &#8218;Idioten Hitler&#8220; etwa, die zum Teil wieder &#8218;in Amt und W\u00fcrden&#8216; seien, oder die Stilisierung der Generale des 20. Juli, die in Wahrheit &#8218;jahrelang alles mitgemacht&#8216; h\u00e4tten. Der Mann ist offenbar immer noch aktuell.<\/p>\n<p>G\u00f6rner sah sich als &#8222;Weltb\u00fcrger und Philanthrop&#8220;. Das Bundesverdienstkreuz, was ihm sp\u00e4ter verliehen wurde, betrachtete er &#8222;eher skeptisch&#8220;. &#8222;Mit <a href=\"tp:\/\/www.bibel-online.net\/buch\/40.matthaeus\/6.html\">Matth\u00e4us 6,3<\/a> glaubte er, die eigenen Gerechtigkeit nicht \u00f6ffentlich zur Schau stellen zu sollen.&#8220; Mit G\u00f6rner h\u00e4tte ich mich sicher sehr gut verstanden. <\/p>\n<p>Jetzt lese ich gerade von Patr\u00edcia Melo &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/Inferno-Patricia-Melo\/dp\/0747561591\/ref=sr_1_1\/184-6119829-8144452?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1227437719&#038;sr=1-1\">Inferno<\/a>&#8220;  &#8211; ein Roman \u00fcber eine Jugend in den Favelas von Rio. Die ersten Seiten haben mir sehr gut gefallen, auch stilistisch; es verspricht, eine spannende Lekt\u00fcre zu werden.<\/p>\n<p>Parallel dazu lese ich von <a href=\"http:\/\/www.andreaskrenzke.de\/\">Andreas &#8222;Spider&#8220; Krenzke<\/a>: &#8222;Im Arbeitslosenpark&#8220;. Zun\u00e4chste dachte ich, das sei eine Art Textversion der Cindy aus Marzahn, ein Buch, das man auf dem Klo liest oder in der U-Bahn. Aber weit gefehlt: Der Kerl kann wirklich gut und zynisch und mit abgrundtiefem schwarzen Humor schreiben. Ich musste ein paar Mal schallend lachen, obwohl das B\u00fcchlein nur leichte Hausmannskost ist. \u00dcber die Berufswahl in der DDR: &#8222;Der eine war vielleicht Rockmusiker, das wurde in der Berufsberatung so festgelegt, da konnte man nichts machen, und der konnte dann seinen eigentlichen Neigungen nur in der Freizeit nachgehen, Zum Beispiel Leute bespitzeln.&#8220;<\/p>\n<p>Oder \u00fcber einen seiner Gelegenheitsjobs: &#8222;&#8218;Sag mal&#8216;, frage ich den Chef. &#8218;wie viel zahlst du der Leiharbeitsfirma f\u00fcr jeden von uns?&#8216; &#8218;Zweiunddrei\u00dfig Mark die Stunde.&#8216; &#8218; Wir bekommen von denen elf. Stell uns doch f\u00fcr achtzehn Mark befristet ein, ist besser f\u00fcr uns alle. Wir kommen doch gut miteinander klar und sind ein flottes Kollektiv.&#8216; &#8218;Ach ich wei\u00df nicht, das ist irgendwie branchenun\u00fcblich.&#8220;<\/p>\n<p>Das Buch kann ich schon jetzt empfehlen &#8211; eignet sich als Geschenk zu Geburtstagen, wenn man nicht zu viel ausgeben will, wenn der Empf\u00e4nger mit B\u00fcchern nicht so viel anfangen kann, man aber trotzdem das Lesen f\u00f6rdern will.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1175?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1175?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.burks.de\/burksblog\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1175 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1175')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1175').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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