Nordschule Holzwickede

Nordschule Holzwickede

Hier bin ich die ersten drei jahre meines Lebens zur Schule gegangen. Hinter den drei Fenstern habe ich in der zweiten Klasse das Kleine Einmaleins gelernt. Nein, zu meiner Zeit fuhren keine Kutschen mehr, das Foto ist älter. (Vielen Dank, edler Spender!) Die Schule wurde in den siebziger Jahren abgerissen. Heute steht da ein Betonklotz.

Bestimmen Sie dieses Holzwickeder Korn!

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Die wohlwollenden Stammleserinnen (gibt es die überhaupt?) und die geneigten Stammleser werden die meisten der heutigen Motive wiederkennen. (Guckst du hier und hier).

Man kann das als Hobby-Ethnologe auch boshaft ausdrücken: Die heutigen deutschen Bewohner einer kleinen Kleinstadt (Unna ist eine große Kleinstadt, mein Geburtsort Holzwickede eine kleine) sind dicker als früher und fahren dickere Autos. Sie kleiden sich ohne Accessoires einer Subkultur, es muss halt „praktisch“ sein. So sieht das dann auch aus. Es muss sich niemand auf dem Single-Markt der Eitelkeiten behaupten: somit entfällt die Kunst des Stylens vollends (oder das Resultat des Bemühens ist mir nicht aufgefallen, dann war es eh ein epic fail).

Kleine Frage am Rande: Wissen alle geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser sofort, um welche Kornsorte (wir sind noch im Ruhrgebiet) es sich bei dem dritten Bild von oben oben handelt? Oder geht der Blog-Lesende Großstädter davon aus, dass Kühe blau und weiß gescheckt sind und die Länge der Ähren mit der Relevanz einer Frisur zu vergleichen sind?

Auf dem zweiten Bild von unten ist der Dortmunder Fernsehtum am Horizont zu erkennen. Der ist rund 20 Kilometer von Holzwickede entfernt. Das untere Foto habe ich von hier aus nach Westen aufgenommen – man sieht im Hintergrund den Emscherquellhof.

Holzwickede: Waldesrauschen (3)

Holzwickede

Ungeachtet der Weltläufte und was es dort zu berichten und zu bloggen sei, widme ich mich dem deutschen Wald, konkret dem Hixterwald aka Sölder Holz.

Der Deutsche an sich hat zum Wald an sich ein besonderes Verhältnis, die meisten Märchen und Mythen spielen dort. Das liegt vermutlich daran, dass Deutschland noch im Mittelalter größtenteils von Wald bedeckt war und alle Geächteten, Outsider, Räuber (bei Schiller auch „Libertiner“ genannt) oder auch nur arme Leute, die sich vor irgendeiner marodierenden Soldateska verstecken mussten, dorthin flohen oder schlicht dort zu überleben versuchten. Der verirrte Wanderer, der im nächtlichen Wald das Licht eines Hauses sieht, ist ein fester Bestandteil vieler Erzählungen. Der Eisenhans („der Wald als märchentypischerm Sitz des Magischen“) war immer mein Lieblingsmärchen, und nicht zufällig ist mein liebster Aufenthaltsort der deutsche Wald im Komparativ – der Dschungel.

Der Hixterwald liegt südwestlich von Holzwickede (das Foto ist von Norden aus aufgenommen worden – also hinten rechts.)

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Mein Großvater ging mit mir oft zum Kellerkopfdenkmal also known as 130er Denkmal. Das liegt südwestlich vom Hixterwald. Da dieser früher aber viel ausgedehnter war, gehörte das kleine Waldstück sicher dazu.

Im Südwesten des Gemeindegebiets befindet sich das 130er Denkmal (auch Kellerkopfdenkmal). Am steilen Abhang des Kellerkopfes zum Ruhrtal hin wurde am 1. September 1929 das Regimentsdenkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des 1. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 130 (im Volksmund „130er“) eingeweiht.
Gebaut wurde diese Gedenkstätte nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Fritz Richter-Elsner von 1926 bis 1929 im Geiste der damaligen Zeit zu Ehren und zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Regiments, unter denen sich viele einheimische Soldaten befanden. Initiator und Stifter des Denkmals war der 130er Soldatenverein, gebildet aus den überlebenden Angehörigen des Regiments.
Der Kellerkopf war für lange Zeit Ausflugsziel und Naherholungsgebiet. Heute findet lediglich zu Pfingsten eine größere Anzahl an Menschen zum Kellerkopf, denn seit 1979 feiert der Förderverein zur Erhaltung und Pflege des Kellerkopfdenkmals jeden Pfingstsonntag dort ein Friedensfest.

Die einheimische Jugend hat ein ganz eigenes Verhältnis zu derartigen Denkmälern, was ich (als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer) schmunzelnd zur Kenntnis nehme.

Übrigens: Der Ausblick in das Ruhrtal ist zwar atemberaubend schön, aber wohnen möchte ich auf dem Kellerkopf nicht, da die nahe Autobahn ständig zu hören ist.

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Und nun zum Hixterwald und dazu, dass Wikipedia teilweise auf Agitprop hereinfällt. Der Wald war in der frühen Neuzeit das Kohlerevier der Gegend. Die Zeugnisse der Bergbaus findet man überall: „Pingen, Transportwege und Schachtreste der Zeche Schwarze Adler.“ Die Zeche im Wald wurde kurz vor der deutschen Revolution im 19. Jahrhundert geschlossen.

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Guckst du aber hier, Holzwickeder:

Am Emscherquellhof entsprang während der Bergbautätigkeit die Emscher. Durch den Bergbau im Hixterwald versiegte die ursprünglich dort entspringende Emscher im 19. Jahrhundert und kam hier am Emscherquellhof wieder zu Tage. Heute entspringt die Emscher wieder im Hixterwald.

Quod erat demonstrandum. Die Emscher entspricngt mitnichten „südöstlich von Dortmund bei Holzwickede (Kreis Unna) am Haarstrang auf etwa 147 m ü. NN in einem Quellteich“, sondern, wie man verschämt zugibt: „Genau genommen existieren mehrere kleinere Rinnsale, aus denen die Emscher entspringt, die in besagten Quellteich münden“. Die Emscher entspringt im Hixterwald (auf dem 2. Foto von unten ist sie klar zu sehen). Der so genannte Quellteich im Emscherhof ist nur Agitprop, mit der man Besucher dorthinlocken will, also eine Art Holzwickeder Disneyland, inklusive einer Aussichtsplattform auf einen Tümpel, den man uns als Emscherquelle verkaufen will.

Der Selbach im Osten des Hixterwalds (3. Bild von unten) fliesst übrigens nach Norden in die Emscher, die in Holzwickede einen Bogen nach Westen macht, aber die Ureinwohner von Sölde (meine Tante gehört dazu, die habe ich gestern gefragt), nennen den Selbach auch „Emscher“.

Die Emscher liegt östlich der Lichtung, die ich ganz unten fotografiert habe und auf der ich schon vor einem halben Jahrhundert mit meinem Opa gestanden habe, der Selbach westlich davon.

Holzwickede: Träumen vom Hilgenbaum und der Kornmuhme? (2)

Holzwickede

Schön, dass ich ein Blog habe. Die Westfälische Rundschau bringt heute eine halbe Seite ihres Lokalteils Holzwickede über mich, und ich musste bei einigen Sätzen schon heftig schlucken.

Nein, ich träume nicht nur von Holzwickede, wenn ich im Ausland bin (wie es dort steht). Das wäre ja fürchterlich.

Ich hatte dem jungen Kollegen erzählt: Bei langen Auslandsreisen verblassten die Träume von Berlin allmählich, aber es dauerte immer Wochen, bis ich anfing, von der Gegenwart – zum Beispiel in Südamerika – zu träumen. Stattdessen machten meine Träume eine Art Zeitreise, immer weiter zurück in die Kindheit, als sei das Unterbewusstsein noch nicht in der Lage, das real Erlebte zu verarbeiten.

Ich habe auch nicht mit meiner Mutter im Wohnzimmer gesessen und auf den Weltuntergang gewartet, den die Neuapostolischen erwarteten. Aber ganz falsch ist das nicht: Johann Gottfried Bischoff, der Chef der Sekte, genannt „Stammapostel“, hatte Weihnachten 1951 verkündet, dass er der letzte „Stammapostel“ sei. Jesus werde zu seinen Lebzeiten wiederkommen. Das ist natürlich eine klassische millenaristische Botschaft, die den ideologischen Gehalt derjenigen „adventistischen“ religiösen Gruppen ausmachen, die sich so von den christlichen Mainstream-Kirchen absetzen.

Wikipedia: „In der Folgezeit wurde diese Botschaft innerhalb der NAK immer bedeutsamer. Unter anderem wurden Aufnahmen in die NAK, die so genannten Versiegelungen, sowie Berufungen in die neuapostolischen Ämter ab September 1954 von der Annahme der Botschaft abhängig gemacht. Zahlreiche Gemeindeglieder und höchste Amtsträger widersetzten sich dem und wurden daraufhin ausgeschlossen. Von der der NAK wurden sie fortan als ‚Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler‘ bezeichnet. Sie gründeten zum Teil neue Gemeinschaften wie die Vereinigung Apostolischer Gemeinden. Prominenteste deutsche ‚Opfer‘ waren am 23. Januar 1955 der designierte und ordinierte Nachfolger des Stammapostels, der rheinische Bezirksapostel Peter Kuhlen, sowie seine zwei Mitapostel Dehmel und Dunkmann.“ Natürlich starb der Herr irgendwann.Hilgenbaum

In diesem Milieu bin ich groß geworden, und das hat auch meine Kindheit geprägt. Natürlich wissen die heutigen Sekten-Mitglieder davon nichts, zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit ist die NAK nicht in der Lage, geschweige denn zu ihrer schrecklichen Rolle im Nationalsozialismus.

Und nun zu uns, Hilgenbaum: „Östlich des alten Ortskernes stand früher eine uralte Eiche, die ihren Namen dadurch bekam, dass dort Nachrichtenzettel (Hilgen) angebracht wurden. Andere Quellen deuten den Namen als heiligen (=hilgen) Baum. Nachdem der historische alte Baum einem Feuer zum Opfer fiel, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts an (fast) gleicher Stelle ein neuer Baum gepflanzt. Er befindet sich auf der SO-Seite der Kreuzung Massener Straße/Goethestraße, während der erste Hilgenbaum den Unterlagen nach ‚auf der Kreuzung‘ stand.“

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Nein, meine Großeltern hatten keinen Hof in Hengsen-Opherdicke, wie der Hellweger Anzeiger schreibt, sondern wohnten ganz normal in der Hengser Straße (wie ich gestern schon schrieb). Wenn mein Opa mit mir in den Hixterwald ging und wir an den Kornfeldern vorbewanderte, erzählte er mir von der „Kornmuhme„. Das sei eine alte Frau, die es besonders auf kleine Jungen abgesehen hatte, die in die Felder rennen wollten, um das Korn zu zertreten. Ich war damals ziemlich beeindruckt. („Häufig als altes, grauenerregend anzusehendes Weib, seltener in Mann- oder Tiergestalt streichen sie durch Getreidefelder und können unter Umständen dem Menschen gefährlich werden.“)

Die Emscherquelle im Hixterwald habe ich gestern nicht gefunden, obwohl ich als Kind an ihr gespielt habe. Vielleicht ist sie auch verschwunden: „Der Hixterwald beherbergt die historische, ursprüngliche Quelle der Emscher. (…) Besondere Bedeutung hat der Hixterwald als frühes Kohlerevier. Überall sind noch Zeugnisse des primitiven Bergbaus im 18. und 19. Jahrhundert zu erkennen. Im Wald finden sich Pingen, Transportwege und Schachtreste der Zeche Schwarze Adler.“ (Liebe Westfälische Rundschau, Hixterwald schreibt man in einem Wort!)

Update: Ursprünglich stand hier Hellweger Anzeiger. Der Kollege hat mein Blog gelesen und mich um Korrektur gebeten. Jetzt sitze ich in einem Internet-Cafe in Unna und verstelle denen erst einmal alle Browser-Optionen…

Holzwickede: Back to the Roots (1)

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Holzwickede est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Nordseite, aliam Südseite, tertiam Opherdicke et Hengsen appellantur. Zugeben: Holzwickede ist und war, obzwar im Ruhrpott gelegen, immer ein Dorf – zwischen Dortmund und Unna -, und hat selbst andere Dörfer eingemeindet. Da ich dort meine Kindheit verlebt habe, bin ich vermutlich ein Landei.

Heute war ich dort, bin meinen alten Schulweg von meinem Geburtshaus (Nordstrasse 2, 3. Foto, das Fenster im dritten Stock war mein Geburtszimmer) bis zur leider abgerissenen Nordschule gelaufen und habe den Bahnhof gesucht (wurde abgerissen, was dort jetzt steht, kann man beim besten Willen weder Architektur noch Bahnhof nennen). Die Bahngeleise sind auch im Kopf der Holzwickeder: Wer nördlich davon wohnt, geht nicht wirklich gern in den Südteil des Dorfes (durch die Unterführung) und umgekehrt. Das war schon immer so und wird auch so bleiben, auch wenn sich irgendein Bürgermeister mit einer ungemein hässlichen Fußgängerbücke für drei Millionen Euro ein persönliches Denkmal gebaut hat, was ungefähr so sinnvoll war wie der Turmbau von Babel.

Das nichtssagende Foto mit dem Bürgersteig und dem roten Auto wird dann zu einer historischen Aussage, wenn man es mit dem Foto Klein Burks in Holzwickede vergleicht – das wurde aus derselben Perspektive geschossen, nur vor 55 Jahren.

Rathaus. Gebäude in der Hauptstraße. Der Emscherpark, Startpunkt des Historischen Bergbaurundwegs Holzwickede (mein Großvater und mein Vater haben in der Zeche Caroline in Holzwickede nach dem Krieg gearbeitet).

Der kleine Tunnel ist hier, meine Tante nannte ihn immer den „Krüper“ offenbar ein seltenes Wort für „kleiner Tunnel“. In meiner Kindheit bin ich immer im Winter den Abhang bis fast in den Tunnel hineingerodelt; Autos fuhren damals so gut wie nie.

Das unterste Bild ist nur für familäre Insider: Die ehemalige Hengser Straße (welcher Dödel hat die eigentlich in Hauptstraße umbenannt – die führt doch nach Hengsen?!) – im dritten Haus von links wohnten meine Großeltern, Auf dem Bürgersteig vorn rechts habe ich oft gespielt. Doch dazu mehr in Kürze.

Morgen treffe ich den Glöckner von Notre Unna.

Holzwickede

Holzwickede

Das sind mein Vater und seine Schwester (meine Tante) ungefähr hier in Holzwickede (fotografiert in Richtung Südosten). Wann genau das Foto gemacht worden ist, weiß ich nicht, jedenfalls zwischen 1945 und 1952.

Ich werde jetzt eine Woche in Unna und Holzwickede sein und meine Kindheit erwandern. Mehr in den nächsten Tagen auf burks.de oder hier oder hier. (Ja, ich habe dort Internet!)

Klein Burks in Holzwickede

Burks

Das bin ich im Jahr 1955 ungefähr hier.

Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Wilhelm Brauckmann

Wilhelm Brauckmann, Holzwickede, Nordstr. 19, geboren am 27.05.1888 in Holzwickede, heiratete und wurde Vater zweier Töchter. Zuletzt arbeitete er als Maurerpolier bei der Firma Horstkorte. In das Fadenkreuz der Nationalsozialisten geriet er durch seine engagierte Tätigkeit in der SPD und der Gewerkschaft. Ohne weiteren Anlass wurde er am 01.09.1933 von der Polizei verhaftet und in das Konzentrationslager Bergkamen-Schönhausen verschleppt, wo er unter desolaten Verhältnissen eingesperrt und schwer misshandelt wurde. Nach seiner Entlassung im Oktober 1933 war er dauerhaft arbeitsunfähig, musste sich regelmäßig bei der NSDAP-Ortsgruppenleitung melden und wurde unter ständige „Betreuung“ eines Truppführers gestellt. Von den Folgen der Misshandlungen erholte sich Wilhelm Brauckmann nicht mehr und verstarb am 01.08.1937.

Apropos: Lünschermannsweg

burks lünschermannsweg

Nachtrag zum Lünschermannsweg in Holzwickede, von der Quellenstraße aus gesehen. Ihr wisst, warum das jetzt sein muss.

Schrieb ich schon: Lünschermannsweg?

lünschermannsweglünschermannsweg

Ich schrob hatte schon vor drei Jahren geschrieben: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Oktober 2017), hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)?

Man sieht meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs (Standpunkt des Fotos oben).

Bei Google bin ich leider immer noch an sechster Stelle mit der Zeichenkette Lünschermannsweg. Ich muss mich doch irgendwie nach oben schieben können?

Kurzer Heimaten-Check

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Location: Senfladen Unna. Speisen: XXL-Currywurst. Getränk: Kaffee. Immer meine erste Amtshandlung in meiner alten Heimat.

By the way: ich kann diese krude Diskussion in der so genannten Linken über den Begriff Heimat gar nicht verstehen. Das ist doch arrogant, sektiererisch und nicht volkstümlich! Meine Heimat ist Holzwickede, weil ich da geboren und als Kind gespielt habe. Unna ist natürlich auch meine Heimat, weil ich hier zum Gymnasium gegangen bin und auch noch alte Schulfreunde habe. Berlin, in dem ich schon mehr als 40 Jahre lebe, ist auch meine Heimat. Südamerika ist meine dritte oder meinetwegen auch die vierte oder fünfte Heimat. So what? Die spinnen doch.

Des Weiteren: Mein Hotel hat LAN!!! Ich wiederhole: L-A-N! Das ist das mit dem Kabel dran! Also schnell! Vielleicht haben die das wegen mir eingebaut, weil ich vor Jahren gemeckert habe und fast jedes Jahr einmal da bin. In meinem Zimmer kann ich bis in die Vororte von Hamm gucken – also rund 20 Kilometer weit. Das Wetter ist sonnig und kalt. Kann man aushalten. Alles vom Feinsten also.

Ich kann überall Urlaub machen und chillen, wenn ich schnelles Internet, mein Luxuslinuxlaptop und gute, spannende Bücher dabei habe.

Des Weiteren: Morgen muss ich in ein Archiv, um Dinge zu sehen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat… ach was. Aber vorher blogge ich noch etwas Wissenschaftliches Spannendes.

Quellenforschung

bücher

Damit ihr seht, was ich in den letzten Wochen nebenher in meiner „Freizeit“ getrieben habe. Es wird noch viel hinzukommen, befürchte ich.

Quellen und Literatur

Abkürzungen: imB = in meinem Besitz

1. Quellen

Adreßbuch für die Stadt Unna einschließlich Königsborn und die Gemeinden (…) Altenbögge (Dorf und Kolonie). (…) Holzwickede (…), Hamm 1911/1912, Archiv der Stadt Unna, auszugsweiser Abdruck Gemeinde Holzwickede, Archiv 08/83 [imB, 1911 Adressbuch Raum Holzwickede.pdf]

Bliss, Winfried: Die Plankammern der Regierung Bromberg – Spezialinventar 1772 -1912, Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, hrsg. F. Benninghoven, H. Koeppen, C. Lowenthal-Hensel, Bd. 16, Wien 1978 [imB, Verzeichnis der Karten im Geheimen Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem] [imB]

Brzóska, Tomasz: Deutsche Personenstandsbücher und Personenstandseinträge von Deutschen in Polen – Niemieckie ksiegi stanu cywilnego w Polsce 1898-1945, Berlin 2000 [ImB]

Bussenius, Dr. Ingeborg Charlotte / Hubatsch, Prof. Dr. Walther: Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1793-1806, Frankfurt M. 1961 [imB]

Eberle, Mathias (Hrsg.): Aufbau, Ausbau, Trennungen – Die Entwicklung der apostolischen Gemeinschaften im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Nürtingen 2009 [imB]

Hubatsch, Prof. Dr. Walther (Hrsg.): Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1779 – 1806, Frankfurt. M. Und Bonn 1961 [imB]

Königlich Statistisches Bureau: Gemeindelexikon der Provinz Posen auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885, in: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Berlin 1888 [imB, 1888 – Gemeindelexikon_Koenigreich_Preussen.pdf)

Wuttke, Heinrich: Städtebuch des Landes Posen, Leipzig 1864 (Nachdruck 2016) [imB]

2. Literatur

Breyer, Albert: Deutsche Gaue in Mittelpolen, in Ostdeutsche Heimathefte, Heft 4, 1935, Herausgegeben von Viktor Kauder, Verlag Günther Wolff, Plauen
im Vogtland und in: Deutsche Monatshefte in Polen, Jahrgang 1 (11), Heft 10, April 1935, digital: 2006 [inM, ABreyer_DtGaue.pdf]

Broszat, Martin: 200 Jahre deutsche Polenpolitik, München 1963 [imB, auch als 200 Jahre deutsche Polenpolitik.epub]]

Burchard, Dr. W. Theodor: Weichselkolonisten, Deutsche Blätter in Polen 2, Nr. 5, 1925, 278–295 [imB, 1925 – Burchard – Weichselkolonisten.pdf]

Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste: Deutsche Minderheiten in der Zwischenkriegszeit, 2009 [imB, agrarreform_Polen_1925.pdf]

Ellerbrock, Karl-Peter (Hrsg.): Erster Weltkrieg, Bürgerkrieg und Ruhrbesetzung, Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V., Kleine Schriften 33, Dortmund 2010 [imB]

Essen, Jac van: Mein Holland, Amsterdam 1944 [imB]

Gzelak, Jerzý: Quellen zur Geschichte der Euthanasie-Verbrechen 1939-1945
in polnischen Archiven. Ein Inventar, Bundesarchiv 2001/2002, [imB, Inventar_euth_polen.pdf]

Heike, Otto: 150 Jahre Schwabensiedlungen in Polen, Leverkusen 1979 [imB]

Heuer, Dr. Reinhold: Die Holländerdörfer in der Weichselniederung um Thorn, Mitteilungen des Coppernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst, Heft 42, 1934, S. 122-155 [imB, 1934-Hollaenderdoerfer.pdf]

Heydenreich, Regierungsrat Prof. Dr. Eduard: Familiengeschichtliche Quellenkunde, Leipzig 1909 [imB, 1909_heydenreich.pdf]

Hirsch, Helga: Die Rache der Opfer – Deutsche in polnischen Lagern 1944-1950, Reinbek 1999 [imB]

Jansen, Christian u. Weckbecker, Arno: Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40, Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, München 1992 [imB]

Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Winsen/Luhe 1962 [imB., vgl. GenWiki http://wiki-de.genealogy.net/Geschichte_der_evangelisch-augsburgischen_Kirche_in_Polen, 1961-Geschichte_der_Evangelisch-Augsburgischen_Kirche_in_Polen.pdf]

Kossmann, Dr. Otto: Ein Lodzer Heimatbuch – Geschichte und Geschichten aus Stadt und Land, Hannover 1967 [imB, Nachdruck älterer Aufsätze Kossmanns, überwiegend aus den Jahren 1928-36. vgl. GenwWiki http://wiki-de.genealogy.net/Ein_Lodzer_Heimatbuch]

Kothe, Julius: Das Bauernhaus in der Provinz Posen, in: Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, 14. Jg., 3. und 4. Heft, Juli bis Dezember 1899, S. 309-322 [imB]

Kotowski, Albert S.: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919 -1939, Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund Bd. 23, Wiesbaden 1998 [imB]

Kossmann, Oskar: Ein Lodzer Heimatbuch (Geschichte und Geschichten….aus Stadt und Land…, Roth bei Nürnberg, 1967

Lucas, Erhard: Märzrevolution 1920, Bd. 2: Der bewaffnete Aufstand in seiner Struktur, Frankfurt M. 1983 [imB]

Maas, Dr. Walther: Die Namen der Hauländerdörfer in Polen, 1940 [imB, 1940-Maas – Die Namen der Haulaenderdoerfer in Polen.pdf]

Maas, Dr. Walther: Die Posener Hauländereien 91-126, Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Jg. 1938, Heft 34 [imB, 1938_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Hauländereien, Holländereien, Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Heft 25, 1935, S. 199-211 [imB, Maas – Haulaendereien, Hollaendereien.pdf]

Maas, Dr. Walther: Mittelalterliche deutschrechtliche Orte des Posener Landes und der östlichen Nachbargebiete, in: Zeitschrift für Ostforschung 23, 1974, Nr. 1, S. 59-113 [imB, 1974_maas.pdf]

Maas, Dr. Walther: Zur Siedlungskunde des Warthe-Weichsellandes – Sozialgeographische Betrachtungen, Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrsg. v. Johann Gottfreed Herder-Institut, Marburg/Lahn 1961 [imB]

Maercker, Hans: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn, Münster 2006 (1899ff.) [imB]

Mehring, Franz: Deutsche Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, Berlin 1973 [imB]

Müller-Sternberg, Robert: Deutsche Ost-Siedlung – eine Bilanz für Europa, Bielefeld 1971 [imB]

Opgenoorth, Ernst (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Ost- und Westpreußens, Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, hg. v. U. Arnold, Bd. 10, Lüneburg 1994 [imB]
– Teil II/1: Von der Teilung bis zum Schwedisch-Polnischen Krieg 1466-1655
– Teil II/2: Vom Schwedisch-Polnischen Krieg bis zur Reformzeit 1655-1807
– Teil III: Von der Reformzeit bis zum Vertrag von Versailles 1807-1918
– Teil IV: Vom Vertrag von Versailles bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1918-1945

Rasmus, Hugo: Pomerellen Westpreußen 1919-1939, München und Berlin 1989 [imB]

Rogall, Joachim: Die Deutschen im Posener Land und in Mittelpolen, Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bd. 3, Mainz 1993 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Aus der Geschichte von Schulitz und den umliegenden Dörfern, Posen 1936 [imB]

Rudolf, Dr. Philipp: Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Dörfern während der Schreckenstage im September 1939, Weichselland 40, 1941, s. 54. 1941 [imB, 1941 – Rudolf – Deutsches Schicksal in Schulitz und den umliegenden Doerfern waehrend der Schreckenstage im September 1939.pdf]

Schmidt, Erich: Deutschtum im Lande Posen, Bromberg 1904 [imB, geschichte_des_deutschtums.pdf]

Johannes Zechner: Natur der Nation. Der „deutsche Wald“ als Denkmuster und Weltanschauung, Aus Politik und Zeitgeschichte – Zeitschrift der Bundeszentrale für Politische Bildung, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, H. 49/50, 2017 [imB, 2017-zechner_wald.pdf]

Stand 09.11.2018

Launching Area

Opherdicke Mühlenstrasse

Wenn ich in meiner Jugend vom Haarstrang in Opherdicke nach Süden blickte, sah es fast genauso aus, nur mit einem Unterschied: Wenn man Glück (oder Pech) hatte, richteten sich plötzlich Raketen auf, die (vermutlich) in Silos geruht hatte. Zu Übungszwecken wurde die manchmal hoch- und wieder runtergefahren. Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen.

Opherdicke (Ortsteil von Holzwickede bei Unna) war ein Standort von Atomraketen.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Opherdicke (51°28’51“N, 07°38’54“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Unna in Nordrhein-Westfalen. (…) In der Stellung Opherdicke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft.

Opherdicke oder: Da liegen die Erbsälzer

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Über Opherdicke hatte ich hier schon vor zwei Jahren geschrieben. Ich bin zwar in Sichtweite des Dorfes auf dem Haarstrang aufgewachsen, aber war selten da. Es gehörte nicht zu meiner kleinen Welt.

Ich wundere mich aber jedes Mal, wie alt die Dörfer hier sind, zum Teil älter als die Städte. „Eine Besiedlung in Opherdicke ist seit 950 n. Chr. überliefert“. Vermutlich wohnten aber schon ein Jahrtausend vorher Menschen hier, denn Spuren der Römer sind überall gefunden worden. Wie mag es damals ausgesehen haben? Die Sicht von Opherdicke ins Ruhrtal und nach Norden ist bei gutem Wetter ganz grandios und strategisch nützlich. So etwas wird die Römern gefallen haben.

Ich habe mich immer geweigert, mich für die architektonischen Hinterlassenschaften der herrschenden Klassen zu interessieren. Daher habe ich das ehemalige Rittergut Opherdicke nie fotografiert.

Die Grabsteine des Adelsgeschlechts Lilien – Zweig Opherdicke – liegen auf dem winzigen Friedhof der katholischen Kirche. „Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den Erbsälzern von Werl.“ Das Wort Erbsälzer kannte ich noch nicht. Es ist typisch deutsch, denn die Sippe der Lilien war zwar feudaladlig, gehörte aber faktisch zum Stadtpatriziat Werls. „Das ‚Kollegium der Erbsälzer zu Werl und Neuwerk‘ existiert noch heute.“ Und der Kurpark gehört denen immer noch.

Ebenso typisch deutsch: Es hat hier nie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Die Ausbeuter der Bauern und Arbeiter vererbten ihre Privilegien aus der Zeit Kaiser Karl des Großen bis heute.

Quellenstrasse, schon wieder revisited

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Ich schrob schrieb im letzten Oktober und auch schon vor vor drei Jahren: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)? Die Stammleser wissen es schon, und die anderen können es selbst herausfinden. Und wenn sie es herausgefunden haben, sollten sie es mitteilen, weil ich es nicht weiß.

Auf dem 2. Foto von unten sieht man meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs. Die anderen Fotos sind nur Dekoration.

#fairwiese

wiese

Die hier mitlesenden Biologen und Verfasser von Pflanzenbestimmungsbüchern können mir bestimmt verraten, um welche Pflanzen am Feldrand es sich handelt. Klatschmohn kenne ich, und die anderen sind vermutlich nützlich, um das Feld vor Schädlingen zu schützen. Das ist fair oder auch nicht. (Das Foto habe ich von der Römerstrasse in Blickrichtung Hixterwald aufgenommen. Ja, römische Legionäre waren auch in Holzwickede.)

And now for something completely different. Der Begriff #fairland ist also gerade out. Vermutlich suchen sie nach einem neuen griffigen Wort. Ich habe eines vorgeschlagen, um die SPD mit einzubinden: #fairkapitalismus. Dann weiß man doch gleich, um was es geht.

200!

MEW

Heute ist der 200. Geburtstag Karl Marxens. Was muss man dazu sagen? Vielleicht sollte man Euklid fragen. Sind dessen Lehrsätze noch richtig, obwohl sie unglaublich alt sind? Wenn ja, dann gilt das auch für vieles, was Marx geschrieben hat, zumindest als Methode und Idee, wie man weiter denken könne.

Ich fände es übrigens lustig, wenn sich die Leute 200 Jahre nach meinem Geburtstag immer noch über mich aufregten oder gar die Chinesen meinem Geburtsort eine Statue von mir schenkten.

Surroundings News

meedia

Screenshot: meedia.de. Man kann eine Website auch so unprofessionell zusammenstückeln, dass nicht jedes Ausgabegerät sie korrekt anzeigt. Das nennt man „nicht barrierefrei“. Der Webdesignerpappnasenfaktor ist hier hoch.

Vorsicht! Ein schwarzer Schimmel sprengt auf uns ein! Werbefuzzys können kein verständliches Deutsch! Wie meinen? Wie, wenn nicht die? Der Kunde soll nicht verstehen, was die hinausposaunen?

These dazu: Die Werbebranche befleißigt sich eines denglischen Jargons, a) um sich arrogant vom gemeinen Volk abzugrenzen, b) um sich in der peer group wohlzufühlen – Gruppendynamik usw., c) weil die Leute, die meinen, so herumschwurbeln zu müssen, dumm und faul sind. Verständlich zu schreiben ist anstrengend und ein Handwerk, das man lernen muss. Die Kunst, sich mit einem Text in den Köpfen der Leser einzunisten, fällt nicht vom Baum: Man muss es üben, üben, üben, und man muss Regeln beachten.

1. Regel: Leser erwarten das handelnde Subjekt weit vorn im Satz. Ross und Reiter sollen sich also nicht im Gebüsch oder am Satzende verstecken. Leider lädt die komplizierte und archaische Grammatik des Deutschen dazu ein:
Wenn Nicolas Fromm, Geschäftsleiter Digital der Zeitungshäuser NOZ Medien und mh:n Medien, über Hamburg als Digitalstandort für Medienhäuser spricht, findet er klare Vorzüge: blabla

Nach 19 (!) Wörtern tut Herr Fromm etwas – er spricht. Wer hätte das gedacht? Warum hüllte er sich vorher in Schweigen – um seinen zahllosen Titeln zuzusehen, die Branding, ick hör dir trapsen endlos lange vorbeihoppeln? (Was ist ein „Geschäftsführer digital“ – gibt es ihn nur in Pixelform?) Dann – wir bersten vor Spannung – findet er im nächsten Wort Vorzüge. Stimmt aber gar nicht, weil er sie – wetten, dass? – gar nicht gesucht hat. Der Autor Gregory Lipinski hat nur das erstbeste schwache Verb gegriffen, das nicht schnell genug auf dem Baum war.

Entweder: Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor. Danach wollen wir wissen, warum.
„Hamburg verfügt über eine große Startup-Szene. Die Elbmetrolople ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden“, sagt der Geschäftsmann.

Wie albern ist das denn? Er sagt es. Aber das wissen wir doch schon, weil der Autor ihn zitierte! Wer sucht, der findet, und dann sagt er es. Wenn schon der bescheuerte Verlegenheitstitel „Geschäftsmann“, dann sollte der ganz vorn stehen; das enthebt uns der lästigen Pflicht, die im ersten Satz unterzubringen und die Leser damit auf die Folter zu spannen.

Also: Der Geschäftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor: Dort gebe es eine große Startup-Szene, und man finde leicht geeignete Digitalexperten (was auch immer das sei). Fromm ist… (blabla). Die Leser zucken natürlich beim Konditional, den die indirekte Rede erfordert, zusammen. Daher ist ein Zitat besser.
Der Geschäftsmann Nicolas Fromm zieht Hamburg gegenüber anderen Städten vor: Hamburg hat („verfügt“ ist Geschwurbel) eine große Startup-Szene. Die Elbmetropole ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden.“ Ich mäkele noch an „Elbmetropole“ herum – eine völlig abgedroschene Metapher: Berlin: Spreemetropole. Kairo: Nilmetropole. Moskau: Moskwa-Metropole. Holzwickede: Emscher-Metropole (SCNR).

Die Äußerung kommt nicht von ungefähr.
Tut mir leid, Wörter mit ung sind fast ausnahmslos verboten. Außerdem tut die Äußerung nichts; sie kommt nicht, auch nicht aus dem Ungefähren.

Dass die NOZ-Gechäftsführung mit Axel Gleie und Joachim Lieber gerade die Hansestadt ausgewählt hat, ist auch geographisch bedingt.
Ich zeige mit verquollenen Augen auf Regel Eins: Wer tut was? Ach so: niemand? Dass müssen wir jetzt investigativ recherchieren. Wir haben eine Geschäftsführungungungung und zwei Mal einen Menschen. Die Menschen, die einen Titel haben (vermutlich: Geschäfsführer), suchten etwas aus. Warum versteckt der Autor das in einem Nebensatz? Falsch.

Regel 2: Das zentrale Verb gehört in einen Hauptsatz. Unwichtiges gehört in Nebensätze.

„Wir hoffen, dass die Mitarbeiter Anfang nächsten Jahres das Büro beziehen und wir schon im ersten Quartal operativ tätig sind“, betont Fromm.
Hoffen. Beziehen. Tätig sein. Das vergleichen wir jetzt mit Friedrich Schiller: Glühn, krachen, stürzen, klirren, jammern, irren, wimmern rennet, rettet, flüchtet. Starke, alte, kurze Verben treiben einen Satz voran wie mit einer Peitsche. Das fesselt die Leser. Oder Heinrich von Kleist, wahrlich ein dynamisches Meisterstück: Reihte man nur die Verben aneinander, verstünde man, was geschehen ist.

Das reicht jetzt. Ach ja, der Titel: Was sind „ambient news“? Ein Synonym für „ambient“ ist „surrounding“. Das verstehe ich aber immer noch nicht.

Margarethe, Caroline und der Lünschermannsweg, zum wiederholten Male revisited

Emscherquellhoflünschermannsweglünschermannsweglünschermannswegselfie

Ich schrob hatte schon vor drei Jahren geschrieben: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)?

Man sieht meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs.

Der Emscherquellhof wächst immer mehr zu, in ein paar Jahren wird er aus der Perspektive gar nicht mehr zu sehen sein.

Was ist eigentlich da drunter, insbesondere dem Hixterwald, in dem ich als kleiner Junge oft mit meinem Großvater war? Das sieht man auf der Skizze: Mein Opa hatte in den zwanziger Jahren noch auf den Zechen Margarethe und Caroline gearbeitet und wusste auch noch, wo die Schächte und Stollen des Bergwerks Schwarze Adler waren. Und ich weiß das alles von ihm.

Heimaten

unna

Das ist ein Suchbild.

Bis Montag bekommen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser Facetten aus meinter alten Heimat im Ruhrgebiet zu sehen und was mir so im Kopf herumschwirrt. Ich verstehe nicht, wie man sich über das Wort „Heimat“ so aufregen kann. Ich habe gleich mehrere davon. In der jetzigen wird vorkommen: Die Rote Ruhrarmee, die Schlacht von Pelkum, die Heimatstube Holzwickede, natürlich der Lünschermannsweg, der Hixterwald, vermutlich auch das Ruhrtal, das Canapé usw..

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