Machu Picchu, revisited

Machu Picchu

Angesichts des mich traurig stimmenden Artikels bei Spiegel online erinnere ich an meine Artikel und Fotos vom 03.12.2012, vom 29.08.2011 (“Machu Picchu”) und vor allem vom 04.01.1012 (“El camino de los Incas”).

Ich bin froh, das Weltwunder schon 1980 und 1984 gesehen zu haben, damals waren nur wenige Touristen da und wir konnten die Bergstadt der Inkas fast ungestört erkunden. Beim zweiten Mal habe ich sogar am Sonnentor oberhalb Machu Picchu – auf halbem Weg von Wiñay Wayna – übernachtet und konnte den Sonnenuntergang und -aufgang über der Stadt erleben.

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu in den Anden Perus. Das Foto habe ich 1984 gemacht.

Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu in den Anden Perus – sicher die geheimnisvollste Ruinenstadt der Welt. Wer einmal da wird, wird das nie vergessen. Ich hatte das Glück, 1979 und 1984 bei Morgengrauen fast allein durch die Stadt streifen zu können. Das wird heute nicht mehr möglich sein. Das Foto habe ich 1984 gemacht.

Wakaywillque

Wakaywillque

Das Tal des Rio Urubamba bei Ollantaytambo, Peru 1984. Im Hintergrund der Nevado Verónica (5,893 m), auch bekannt als Wakaywillque. Der Ausblick war atemberaubend schön.

Genau an diesem Punkt sind meine Begleiterin und ich gestartet zu einer einwöchigen Tour durch die Berge nach Machu Picchu.

Ollanta

ollantaytambo

Dieses Foto habe ich 1984 in Ollantaytambo in Peru gemacht. Die Stadt liegt in einer Höhe von 2792 Metern am Urubamba.

Es gab damals nur eine Handvoll Ausländer dort. Wir sind von Ollantaytambo zu Fuß durch die Berge nach Machu Picchu, das dauerte eine Woche.

Ewige Jugend

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Gerade habe ich bemerkt, dass ich die Ruine Wiñay Wayna (Quechua: Ewige Jugend) am so genannten Inca-Trail in Peru in der Nähe von Machu Picchu zwei Mal fotografiert habe, sogar aus fast demselben Blickwinkel, einmal 1980 in der Regenzeit und einmal 1984 in der Trockenzeit (rechts). Das letztere Foto hatte ich hier noch nicht veröffentlicht.

Peru’s other lost city

BBC: Peru’s other lost city – Larger than Machu Picchu and far less known, Choquequirao still makes you feel as though you’re practically the first to arrive.”

Ich war ja schon zwei Mal in Machu Picchu. Wenn ich nochmal nach Peru fahre, weiß ich jetzt, was auf der To-Do-Liste steht.

El camino de los Incas

camino de los incas

Im Januar 2005 habe ich hier etwas über die Machu Picchu geschrieben, die geheimnisvolle Stadt der Inkas tief im Dschungel von Peru. Die Fotos (1979 und 1984) jedoch waren von grauenhafter Qualität. Hier also eine verbesserte “Neuauflage” – in natura sind die Aussichten wesentlich spektakulärer. Die Magie eines Ortes kann man nicht fotografieren – auch nicht wirklich die Mühe, eine Woche lang quer durch die Berge und durch alle Klimazonen zu maschieren, über Pässe, die über 5000 Meter hoch sind, in eisiger Kälte (ich bin der im gelben Anorak) und glühender Hitze.

Touristen, die den Zug von Cuzco aus nehmen, vermissen das Wesentliche. Nur wer die alten Strassen der Inkas selbst benutzt und in den verlassenen Ruinen des “camino de los Incas” übernachtet, bekommt vielleicht den Hauch einer Idee, wie es vor 600 Jahren gewesen sein mag.

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Der “Incatrail” oder auch Camino de los Incas hieße in den europäischen Alpen “Hüttenwanderung”. Nur sind die Hütten Ruinen und knapp tausend Jahre alt, und der Weg durch alle Vegetationszonen führt über Pässe bis zu 4200 Meter Höhe, umsäumt von schneebedeckten Fünftausendern. Über die rund einwöchige Wanderung in die Inkastadt Machu Picchu nur ein paar Zeilen schreiben zu wollen, im Rahmen eines Weblogs, ist ein literarisches Sakrileg, als handelte man die erste Landung auf dem Mond mit einem Dutzend Worten ab. Für den stilsicheren Gringo, der durch Peru reist, ist der Inkatrail Pflicht, zumal die normalen Reisenden durch das Tal des Rio Urubamba mit dem Zug fahren, um dann per Bus über endlose Serpentinen die sieben Kilometer nach oben zur Ruinenstadt transportiert zu werden.
camino de los incas

Für den gestandenen Globetrotter ist es daher eine Frage der Ehre, den ganzen Weg zu Fuß zu “machen”. Zelt, Lebensmittel für eine Woche und Kochgeschirr sind gesetzt. In Cuzco, dem Ausgangspunkt, haben sich zahlreiche Einheimische darauf spezialisiert, die Gringos mit dem Notwendigen auszurüsten. Die Hardcore-Fraktion und Elite der Globetrotter, zu der ich mich selbstverständlich zähl(t)e, hatte ohnehin immer den Survival-Set in Griffnähe. Mit anderen Worten: der Inkatrail ist nichts für Weicheier, selbst wenn ein Idiot, wie beobachtet, auf die Idee kommt, die spanischen Konquistadoren nachzuahmen und einheimische Bauern mietet, um seinen Rucksack tragen zu lassen. Auch ohne Gepäck lassen einen die Höhe und der Weg an die körperlichen Grenzen kommen.

Wodurch unterscheidet sich die “Elite” von gewöhnlichen Reisenden? Falls ein deutsches Lehrerehepaar, braun gebrannt und gut gelaunt und “die Anden in vier Wochen” auf dem Programm fragt: “wie lange seid ihr denn schon unterwegs?” Dann lautet die coole Antwort: “Fünf Monate, glaube ich. Wir kommen gerade aus dem bolivianischen Pando-Dschungel.” Das ist kaum zu toppen. Karte IncatrailUnd wenn das noch nicht geholfen hätte, hatten wir noch drei Wochen im Guerillagebiet in Ost-Kolumbien zu bieten. Oder den 40-Kilometer-Fußmarsch durch die Salzwüste im Westen Boliviens, die “Salar de Uyuni“, nach Chipaya. Das ist – nach der Durchquerung des Darien Gap – eine der abenteuerlichsten Touren in ganz Lateinamerika, off the beaten track. Und ein unvergessliches Erlebnis wie der Camino de los Incas.

Über die Tour und die Inka-Ruinen informieren zahllose Websites. Die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser mögen sich selbst informieren. Ich bin zwei Mal über den Inkatrail marschiert, im Januar 1979 und im Juli 1984 – bei der letzteren Version zu Fuß von Ollantaytambo aus. Diese Notizen nur zur Erinnerung für an das zweite Mal und für mich.

Tagebuch Juli 1984, Auszug, geschrieben während des Marsches. “Wir kreuzen den Fluss bei Chilca. Der Pfad führt im Tal auf und ab. Gegen Nachmittag immer steiler und anstrengender, die Riemen des Rucksacks schneiden ins Fleisch, die Arme werden gefühllos. Nach Llaqtapata ein wahnsinniger Abstieg. Wir pausieren alle paar Minuten, weil unsere Beine zittern. Endlich, auf einer Anhöhe, die Stadt – es ziehen schon finstere Wolken auf. Wir quartieren uns im Turm ein. Aus das Zelt gerade aufgebaut ist, fängt es an zu schütten. Wir genießen die heiße Suppe und die Schokolade. Die Kerze beleuchtet die Innenwände, unsere Schatten flackern riesengroß umher. Wir sind allein in der Nacht.
Karte Incatrail
Vor Sonnenaufgang das Tal hindurch, den schneebedeckten Chuyuncu im Blick. Der erste Pass schließt das Tal wie eine Staumauer ab, links eine tiefe und unpassierbare Schlucht. vorbei an den Hütten von Wayllabamba. Es gibt oben nur einen Platz für ein paar Zelte, genannt “Tres Piedras”, die “drei Steine”. Noch ein anderer Gringo, ein verrückter Kalifornier, der vor einigen Wochen ein paar Sechstausender bestiegen hat und zudem noch Marathonläufer ist. Kein Wunder, dass der weniger keucht als wir….” Der nächste und höchste Pass heisst “Warmiwañusca” – “Wo die Frau stirbt”.

Belanglos. Ich habe mir beide Reisetagebücher vorgenommen, aber nichts gefunden, was auch nur annähernd meiner Erinnerung gleicht. Auf knapp 4000 Metern wusch meine Begleiterin ihr T-Shirt in einem Bach, am Morgen hing es gefroren über dem Zelt. Fünf Nächte (oder waren es sechs?) in geheimnisumwitterten Ruinenstädten, zumeist ganz allein. Die Bäder und Wasserleitungen in den Gemäuern, noch aus der Inkazeit, sind intakt. Steinerne Stufen merkieren den Pfad: die Inkas kannten das Rad nicht – dann kann man eine Straße auch fast schnurgerade bauen, ungeachtet, ob es steil bergauf oder bergab geht. Wie das beschreiben? Die wilde Bergwelt, garniert mit tropischem Dschungel? “Am Felscamino de los incas klebt die Inka-Siedlung Sayaqmarka und blickt über eine bewaldete Schlucht auf ferne Höhen. Halsbrecherisch führt ein Steig hinab. Tropische Dschungelpflanzen überwuchern den Pfad, Orchideen leuchten aus tiefem Grün. Zwei Inka-Tunnel verschlucken uns Trekker und spucken uns auf der anderen Seite wieder aus. Zum Lunch rasten wir auf der Höhe über dem Inka-Dorf Phuyupatamarka. Reste des Tempels auf dem Hügel, Bürgerhäuser, Maisterrassen und dazwischen Leitungen für Frischwasser, für Abwasser und zur Bewässerung der Felder. In der Ferne blitzt die Sonne auf dem ewigen Eis der Andengipfel.”

Und dann, nur wenige Stunden Fußmarsch vor Machu Picchu entfernt, Winay Wayna: das ist Quechua und bedeutet “Ewige Jugend“. Wir übernachteten in einem Söller, direkt unter uns ging es 800 Meter steil hinab.

Vorfreude – wenn man weiß, was einen erwartet, ist das Gefühl noch stärker, fast Sehnsucht. Nach wenigen Stunden wieder ein schmaler Pass. Oben das Sonnentor – “inti punktu”. Wer danach googelt, findet immer wieder die gleichen Metaphern: “ein überwältigender Anblick”, “der schönste Moment der Reise”, “unvergesslich”. Wohl wahr. Wenn Worte fehlen, sollte der Ehrgeiz des Schriftstellers einsetzen, diesen Missstand zu beheben. Tinkunanchikkama!

Burkhard Schröder: Zur Person

Biografie
Geboren in Holzwickede im Ruhrgebiet. Die Vorfahren waren Wolhynien-Deutsche (seitens der Mutter) und westpreußische Bauern (vgl. Burks’ roots). Aufgewachsen in Unna. Abitur am dortigen Pestalozzi-Gymnasium. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Freien Universität Berlin. Staatsexamen mit einer altgermanistischen Arbeit zum Thema: “Feudale Identität und epische Form im Nibelungenlied“.

Während des Studiums Mitarbeit in der linksextremistischen und maoistischen KPD. Kontakte zu Oppositionellen der “Charta 77” in der damaligen CSSR. Einreise in die DDR wurde verweigert. Originalzitat aus der betreffenden Akte des Ministeriums für Staatssicherheit: “Das Objekt [B.S.] ist Bartträger, sauber, aber nicht modern gekleidet und macht den Eindruck, nicht besonders gesprächig zu sein.”

Nach einem Intermezzo als Lehrer an einem humanistischen Gymnasium in Berlin Taxiunternehmer und Herausgeber der Zeitschrift “HerrMann“. Ab 1985 Arbeit als Schriftsteller und freier Journalist. Lebte 26 Jahre in Berlin-Kreuzberg, seit Mai 2008 im Böhmischen Viertel in Berlin-Neukölln (Deutsch-Rixdorf). Schrieb und schreibt als Freelancer u.a. für den Tagesspiegel, den TIP, die Jungle World, die taz, und andere Zeitungen und Zeitschriften. Ständiger Mitarbeiter bei Telepolis. Schwerpunkte: Rassismus und Antisemitismus (“Rechtsextremismus”), Internet und Netzkultur. Von Februar 2005 – September 2007 Chefredakteur des unabhängigen Berliner Medienmagazins Berliner Journalisten. Seit 1997 Dozent an der Berliner-Journalisten-Schule und anderen Bildungseinrichtungen für investigative Internet-Recherche. Lehraufträge an der University of Applied Science Europe für investigative Recherche, deutsche Sprache und Wirtschaftsjournalismus.

Seit 2014 arbeitet Schröder auch für das Sicherheitsunternehmen Securitas.

1993 wurde wegen des Buches “Rechte Kerle” ein Foto von Burkhard Schröder und dem Fotodesigner Dietmar Gust in der rechtsextremen Terrorliste “Der Einblick” veröffentlicht, mit der Aufforderung, den dort Genannten “unruhige Nächte” zu bereiten.

Andere über Burkhard Schröder:


Mitgliedschaften:

Literaturagent:

Bitte beachten Sie:

Reisen:

1979 bis 1984 mehrere halbjährige Reisen nach Lateinamerika, u.a. 1984 sieben Monate nach Peru und Bolivien, 1998 zwei Monate nach Venezuela. Südamerika ist meine zweite Heimat. Zweimaliger Kurzaufenthalt in den USA.

Bereiste Länder: Mexico (1979, 1982), Belize (1979, 1982), Guatemala (1979, 1982), Honduras (1979, 1982), Nicaragua (1982), Costa Rica (1982), Panama (1982), Kuba (1984), Venezuela (1998) Kolumbien (1979, 1982, 1998), Ecuador (1979), Peru (1979, 1980, 1984), Bolivien (1980, 1984), Brasilien (1980, 1982), Guyana (1980, 1982), Trinidad und Tobago (1980, 1982), Grenada (1982), Barbados (1980, 1982).

Bücher:

SF-Stories


Buchartikel (Auswahl)

Artikel bis 31.12.2007 (Auswahl)
auf www.burks.de/burks.html

Fotos:

[Oben: Burks; 2. Foto von oben: Am Rio Meta (Llanos del Orinoco), Grenzgebiet Kolumbien-Venezuela, 1998. 3. Foto von oben: Vor der Küste Nicaraguas, ca. 10 Kilometer östlich von Prinzapolka. 4. Foto von oben: In Misahualli in Ecuador, 1979. 5. Foto von oben: Ost-Kolumbien, in der Sierra de la Macarena. Foto unten: “Camino de los Incas” (bei Phuyupata), Machu Picchu, Peru, 1984]

Last update: 02.03.2019

Warmi Wañusqa oder: Die Frau, die starb

Warmi Wañusqa
Warmi Wañusqa, 4200 Höhenmeter, “…a mountain pass in the Cusco Region in Peru. It is located in the Urubamba Province, Machupicchu District.”

Aus meinem Reisetagebuch, Juli 1984, auf dem Camino de los Incas, Peru, auch bekannt als Inca-Trail:

… Es geht unablässig steil aufwärts, mit kurzen, nur meterlangen Passagen zum Ausruhen. Der Berg hinter uns gilt als Maßstab; wir steigen wirklich sehr schnell. Bald sind die drei weißen Steine [Wayllabamba] des ersten Zeltplatzes zu sehen, aber B. kann das letzte Stück einfach nicht mehr. Ich gefalle mir darin, ein wenig mit zwei Rucksäcken zu laufen. Wir erreichen mit letzter Kraft den Platz. Uns folgt der verrückte Kalifornier, der vor vier Wochen einige Sechstausender bestiegen hat und der zudem Marathonläufer ist.

Wir descansaren und sehen nach und nach noch einige total fertige Gringos eintrudeln; andere – nur wenige – steigen scheinbar ohne Ermüdungserscheinungen weiter.

Bald klettern wir weiter und hängen trotz des erzwungenen Beinahe-Gänsemarsches einige noch ab – sie hätten sich vielleicht ausruhen sollen. Jetzt geht es durch einen Märchenwald steil, sehr steil aufwärts, knapp zwei Stunden, und dann taucht kurz vor Erreichen der Baumgrenze ein wunderschöner kleiner Platz auf, eine Wiese mit Büschen und Bäumen. Wir zelten oberhalb, wo schon zwei andere Zelte stehen, weil es näher zum Wasser ist. Letzteres ist eher flüssiges Eis statt Wasser.

Wir müssen uns mit allen warmen Sachen anziehen, kochen unser Essen und genießen den prächtigen Blick auf der Berge ringsum, deren Hänge und Schneefelder sich in der Dämmerung langsam rosa färben. Gleichzeitig wird es kalt und kälter. Unter großen Mühen entfachen wir noch ein Feuer, das alle zitternden Umstehenden für eine kurze Zeit wärmt, dann zieht es alle ins Zelt.

Am nächsten Morgen stehe ich als erster draußen; das Zelt ist mit einer Eisschicht überzogen, B.s T-Shirt liegt gefroren auf einem Busch und die Wiese ist total glitschig. Der Ofen macht Schwierigkeiten, wir sind über 4000 Meter hoch, aber irgendwann bequemt er sich, und der warme Kaffee weckt allmählich die Lebengeister, selbst die kalten Zehen erwärmen sich. So beginnt der dritte Tag….