Unter Heuchlern

heuchelei

Wie das Publikum schon anmerkte, wurde jüngst* demonstriert. Bei dem Thema suchen sich die Fotografen ausnahmsweise Männer heraus.

Wait a minute: „Fake-Profile, Deepfakes, intime Bilder ohne Zustimmung – Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen sexualisierte digitale Gewalt. Ausgelöst wurde der Protest durch Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Er weist die Anschuldigungen zurück.“

Also gibt es erst einen Verdacht. Dieser mir bisher unbekannte Ulmen könnte auch unschuldig sein. Aber das ist gar nicht der relevante Punkt. Ich finde es sehr befremdlich, dass mitnichten gegen die Vergewaltigung eines kurdischen Mädchens durch Araber demonstriert wird, obwohl das erst vor kurzem in den Medien thematisiert wurde, sondern gegen „virtuelle Gewalt“. Man hätte das immerhin erwähnen können, aber weglassen ist auch eine Lüge.

Ich konnte mir die Demonstration von vorn bis hinten ansehen, weil ich gesten direkt neben dem Brandenburger Tor 12 Stunden gearbeitet hatte, mit Blick auf den Pariser Platz und trotz heftigen Männerschnupfens, erbärmlicher Röchelei und einer zerbrochenen Zahnprothese (letzteres passiert bekanntlich immer nur an Freitagen). Und wenn ich das hysterische Gekreische und Geheule von draußen hörte, wurde meine Stimmung nicht besser.

Es war zum Fremdschämen: Die verzweifelten Versuche derjenigen, der gerade redete, die „Massen“ zum Skandieren irgendwelcher Parolen zu animieren, die Musik war unter aller Sau unfassbar schlecht, der Applaus für das, was schon Fantastilliarden Mal gesagt wurde und was man immer exakt vorhersagen könnte. Gebt mir eine Minute, und ich lasse ChatGPT eine Rede schreiben, die besser ist als die von Neubauer – und keiner würde merken, wenn alles nur Karaoke wäre.

Die Klima-Mischpoke – ein ganz kleines, enges und engstirniges großstädtisches Milieu mit eigenem Sprach- und Kleidungscode – kommt mir vor wie eine höhere Tochter, die sich auf einem sinkenden Schiff über den mangelnden Anstrich beschwert.

Zitat des Tages: „Ich würde mich gerne nur ums Klima kümmern. Aber es geht nicht. Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und bei diesen Männern.“

Dem Kapitalismus gefällt das.

* Wolf Schneider, vom dem ich Deutsch gelernt habe, sagte sinngemäß: „Wer jüngst benutzt, will damit ausdrücken, dass er für’s Feuilleton qualifiziert sei. Es könnte auch sein, dass er weiland geschrieben hat….