Tools, Steine, Scherben – Israel Museum I
Hier Fotos anlässlich meines Besuchs im Israel Museum in Jerusalem am 11.10.2025.
Heute kann man zum Glück ChatGPT fragen, wenn man vergessen hat, welches Objekt was zu bedeuten hat. Ich hatte einen Guide, aber die Dame war schon uralt und ein bisschen tüddelig und verlor manchmal den Faden.
Das Museum ist so riesig (innen so groß wie acht Fußballfelder), dass man mehrere Tage brauchte, um alles zu sehen – und man verläuft sich. Ich war fast ausschließlich in der archäologischen Abteilung.
Das Besondere in diesem Museum ist, im Gegensatz etwa zum Louvre (in dem ich irgendwann in den 60-er Jahren war) und dem British Museum, dass es sich bei den Artefakten nicht um „Raubkunst“ handelt, wie die Woken das formulieren würden, sondern dass alles „um die Ecke“ ausgebuddelt wurde.
Es fühlt sich anders an, ob man in eine Ort ist wie Jerusalem, der schon ein paar tausend Jahre besiedelt wurde (oder gar in Jericho oder Tyros) oder in Berlin, das eineinhalb Jahrtausende, nachdem es schon laut einer aramäischen Quelle ein „Haus David“ in Israel gab, noch ein wendischen Dorf war.

Arad, frühes 6. Jahrhundert v. Chr., Tinte auf Keramik
Foto oben: Dieser althebräische „Brief“ enthält die früheste außerbiblische Erwähnung von Salomos [der vermutlich keine historische Person ist, auch wenn mich jetzt 2,3 Milliarden Christen und 16 Millionen Juden hassen] Tempel. Es wurde geschrieben, als der Tempel noch stand, und stammt aus der gleichen Epoche wie die letzten Könige von Juda (z. B. Zedekia, *618; †nach 586 v. Chr.)
Der Brief wurde aus Jerusalem gesandt und ist eine Antwort an den Kommandanten der judäischen Festung in Arad, der nach einer bestimmten Person gefragt hatte. Der Autor versichert dem Kommandanten, dass der Mann wohlauf sei, und informiert ihn, dass er sich im „Haus Gottes“ (dem Tempel) befindet. Vielleicht suchte der betreffende Mann dort Zuflucht.
An meinen Herrn Eljaschib, möge der Herr dein Wohlergehen suchen, und nun: Gib Schemaryahu einen lettekh [vermutlich Maßeinheit], und den Kerosi [vermutlich eine nicht-hebräische Elitetruppe von Söldnern] gib einen homer [Maßeinheit für Getreide], und was die Angelegenheit betrifft, die du mir aufgetragen hast – es steht gut; er ist im Haus Gottes.
Ich finde so etwas immer total abgefahren, auch den winzigen Männerkopf auf dem Foto unten:

Kopf einer Statue, die einen König darstellt, Abel Beth Maacah, 9. Jahrhundert v. Chr., Fayence (glasierter Ton)
Dieser einzigartige Statuenkopf gibt seit seiner Entdeckung im Jahr 2017 in einer Festung auf dem Gipfel des Tel Abel Beth Maacah im Norden Israels weiterhin Rätsel auf. Sein eleganter Stil lässt keinen Zweifel daran, dass er eine bedeutende Persönlichkeit darstellt, wahrscheinlich einen König. Doch da er an der Grenze von drei verschiedenen antiken Königreichen gefunden wurde, wissen wir nicht, ob er König Ahab von Israel, König Hasaël von Aram-Damaskus oder König Ittobaal von Tyros darstellt, Herrscher, die aus der Bibel und anderen Quellen bekannt sind.
Ich hatte vergessen, mir zu den Sarkophagen Notizen zu machen. Die KI weiß mehr (von mir umformuliert):
Die Objekte auf deinem Foto sind anthropoide Ton-Sarkophage aus Deir el-Balah [Gaza] und eines der eindrucksvollsten Fundensembles im Israel Museum (Archäologie-Flügel).
Es handelt sich um tonneförmige, menschenförmig gestaltete Särge aus Ton (Terrakotta), die im späten 13.–12. Jahrhundert vor (!) Chr. in der südlichen Levante verwendet wurden. Sie gehören zu einer einzigartigen lokalen Tradition, die ägyptische Einflüsse mit regionalen Stilelementen verbindet.
In Deir el-Balah entdeckte man eine große Gräberanlage mit Dutzenden solcher Särge, teilweise mit reichhaltigen Grabbeigaben. Die Gesichter und Details sind modelliert oder aufgesetzt, oft mit stilisierten Frisuren, Masken oder ägyptisch anmutenden Insignien.
Im späten Bronzezeitalter (ca. 1400–1200 v. Chr.) stand die Region unter ägyptischer Kontrolle. Die Elite in Deir el-Balah orientierte sich deshalb an ägyptischen Bestattungsformen, aber statt Stein oder Holz wie in Ägypten benutzte man Ton, und viele Details wirken eher lokal oder „kantiger“, nicht rein ägyptisch.
Einige Forscher vermuten, dass es sich um Angehörige der sogenannten Seevölker handeln könnte, die in ägyptischen Quellen erwähnt sind.
Diese Sarkophage gehören zu den seltensten Grabformen im östlichen Mittelmeerraum und zeigen die Mischkultur der Spätbronzezeit: kanaanäisch und ägyptisch und mögliche Einflüsse der Seevölker.
(Übrigens: Das deutsche Wikipedia schlägt Deir al-Balah dem real gar nicht existierenden „Staat Palästina“ zu.)

Weibliche Figur, Berekhat Ram, Golanhöhen, vor 233.000 Jahren, Skoria (vulkanisches Gestein)
„Das Merkmal, das den Menschen mehr als jedes andere vom Rest der Tierwelt unterscheidet, ist seine Fähigkeit, verbale Symbole (Sprache) und visuelle Symbole (Kunst) zu schaffen.
Diese weibliche Figur, die vor fast einer Viertelmillion Jahren geschaffen wurde, ist das älteste Kunstwerk der Welt.
Sie zeigt, dass die Ursprünge der Kunst tatsächlich Hunderttausende von Jahren früher liegen, als wir bisher angenommen hatten.“ (Beschilderung im Museum)
Die 3,5 cm große Figur – die Venus von Berekhat Ram – wurde 1981 auf den Golanhöhen (heute Israel) entdeckt und besteht aus Skoria, einem porösen vulkanischen Gestein.
„Bei der Figur handelt sich um einen 35 mm langen, 25 mm breiten und 21 mm dicken roten Tuff, der drei Vertiefungen aufweist, die vermutlich mit einem scharfkantigen Stein eingekerbt wurden. Eine Vertiefung führt rund um das schmalere Ende, zwei weitere verlaufen die Seiten hinunter und werden als Hals bzw. Arme angesehen. Eine detaillierte SEM-Analyse der Figur und von natürlichen und experimentell bearbeiteten Tuff-Brocken aus derselben Fundstelle lassen Francesco d’Errico und April Nowell zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Ritzlinien anthropogen sind.“



