Die digitale Welt als Wille und onlinedurchsuchende Vorstellung

In the future, all private messages and emails are to be scanned on the devices themselves before encryption. Algorithms would scan photos, text, and videos, supposedly only looking for suspicious content.
Overton titelt: „Chatkontrolle: Der größte Angriff auf unsere Privatsphäre seit der Vorratsdatenspeicherung“.
Ich mag diesen apokalyptischen Unterton nicht. Das hört sich genau so an wie die unzähligen Meldungen seit einem halben Jahrhundert: Nazis werden immer pöhser und nutzen immer öfter das Internet. Um was geht es?
Künftig sollen sämtliche privaten Nachrichten, ob bei WhatsApp, Signal, Threema oder in der E-Mail, vor der Verschlüsselung auf den Geräten selbst durchsucht werden. Algorithmen würden Fotos, Texte und Videos scannen, angeblich nur nach verdächtigen Inhalten. Doch einmal etabliert, könnte dieses System beliebig erweitert werden. Im Klartext: Die EU arbeitet an einem Mechanismus, der jede Nachricht eines jeden Bürgers präventiv kontrolliert. Das ist nichts anderes als eine digitale Hausdurchsuchung, flächendeckend, anlasslos und dauerhaft.
Das wäre richtig, wenn es so käme. Kommt es aber so? Ich habe mir von der KI Quellen suchen lassen, wie es um das IT-Fachwissen von EU-Abgeordneten aussieht. Es gibt eine European Technology Assessment Group, die den Politikern zuarbeitet. Und eine Studie über „Politics of expertise in the European Parliament: discursive constructions and contestations of expertise by party-political actors“. Deren Resumé:“ Die Auffassungen von Fachwissen und seiner Rolle sind nicht statisch, sondern werden kontrovers diskutiert, und politische Ideologien prägen diese Auffassungen maßgeblich.“ Ach. Ach was. Wer hätte das gedacht.
Fragen wir nach; „vor der Verschlüsselung auf den Geräten selbst durchsucht werden“. Das ist doch derselbe Quatsch wie bei der „Online-Durchsuchung“. Die hätten das gern. Es ist aber technisch gar nicht umsetzbar, außer man baute in alle Devices etwas hardwaremäßig ein. Das käme garantiert raus. Einer plaudert immer. Also einfach grober Unfug.
Ich rege mich sogar schon auf: Wie kann ein Autor wie bei Overton ernsthaft behauptet, jemand könnte auf meinen Rechnern etwas durchsuchen, und auch noch, bevor ich es gegebenenfalls verschlüsselt habe? Veracrypt? Asymmetrische Kryptografie? Schon mal davon gehört, Günther Burbach?
Das technische Fundament ist zudem alles andere als zuverlässig. Fehlalarme sind unvermeidlich, wenn Maschinen intime Fotos scannen. Alles andere als zuverlässig? Das sowieso, aber bei mir scannt niemand „intime“ Fotos, außer wenn ich die unverschlüsselt in den sozialen Medien herumstreue.
Solche Artikel dienen nur der Attitude, dass die üblichen Verdächtigen, die sich zu den Guten zählen, herumjammern können und die Herrschenden bezichtigen, dass diese nur das Schlechte, Unwahre und Hässliche wollten.
Das mag ja sein. Diese Attitude ist aber wehrkraftzersetzend defätistisch, weil sie Klein Fritzchen, der den Unterschied zwischen dem WWW und dem Usenet nicht kennt und einen Browser für einen Duschkopf hält, ratlos und ängstlich zurücklässt in dem Glauben, man könne ja gegen die da oben nichts tun.
