Kulturelle Leistungen

„Ab einer gewissen Intensität wird Einflussnahme notwendig zu Herrschaft. Deshalb tendieren alle Hochkulturen – ohne jede Ausnahme – zum ‚Imperialismus‘. Entweder sie benahmen sich imperialistisch oder sie wurden Opfer anderer Imperialismen. „Antikolonialismus“ hat es darum nie gegeben, denn er diente stets anderen kolonialistischen Ansprüchen. ‚Imperialismen“ und „Kolonialisierungen“ differieren enorm: Die erfolgreichsten finden sich dort, wo die Unterworfenen ihre Religion und Sprache verloren (mit welchen Zwangsmitteln auch immer) und die kulturelle Identität ihrer Eroberer annahmen. Die dauerhafte Auslöschung der kulturellen Entität und Identität anderer ist selbst eine kulturelle Leistung, egal, wie wir moralisch dazu stehen.“ (Egon Flaig: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“, München 2018, S. 212)