Sklavenhaltergesellschaft und verschleierter Völkermord, revisited

fischerHier eine kurze Zusammenfassung dessen, was mich gerade umtreibt. Wie ich am 23.07.25 schon schrieb, lese ich gerade Egon Flaigs: „Weltgeschichte der Sklaverei: Von der Antike bis zur Gegenwart“. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch ist eine Art Standardwerk und nervte mich dergestalt, dass ich befürchtete, ich müsste meine gesammelten Thesen zum Thema „Sklavenhaltergesellschaft“ über den Haufen werfen. Also: Es ist hoch interessant.

Flaig ist kein Marxist, aber schüttet eine Fülle von Fakten über einem aus, dass einem Hören und Sehen vergeht. Leider verfügten Marx und die, die sich auf ihn ernsthaft berufen, damals über diese Fakten noch nicht.

Durch Flaig wurde ich auf Rudolf Fischers „Gold, Salz und Sklaven: die Geschichte der grossen Sudanreiche Gana [Ghana], Mali, Songhai“ (1986, 2. Auflage 1991) aufmerksam. Vor allem deswegen, weil es – soweit ich weiß – überhaupt kein vergleichbares Buch gibt. Die Rolle des arabischen Sklavenhandels in Afrika? Vermutlich wird das Thema ohnehin in deutschen Universitäten nicht behandelt, weil das woke Pack sich schon von der Fragestellung getriggert fühlt.

[Übrigens hat ChatGPT keine biografischen Informationen über den Autor und Historiker Rudolf Fischer. Nach längerem Suchen fand ich heraus, dass er an der Universität Tübingen war, vielleicht ein Doktorand.]

fischer
„Carte Du Cours Des Rivieres De Faleme [Senegal/Mali] Et Sanaga“ [Kamerun], Paris: Chez Didot, 1747; dans A.F. Prevost, Histoire Générale Des Voyages, Tome II, n° 27, 1747 – Scale: 1:845,000 (Extrême Est du Sénégal et Mali : le long de la rivière Falémé et de la rivière „Sanaga“. A l’ouest, le Boundou). cliquez pour agrandir

In dem weiten Bereich des Senegal-Niger-Gebietes kontrollierten die Herrscher des Ghanareiches den lukrativen transsaharanischen Gold- und Sklavenhandel. Der arabische Geograph und Schriftsteller des 10. Jahrhunderts, Ibn Hauqal, bezeugte diesen Handel erstmals schriftlich zwischen dem marokkanischen Sidschilmasa und dem heute mauretanischen Aoudaghost/Ghana am Nord- und Südende der großen westsaharanischen Goldroute, nachdem Ghana 990 die Kontrolle über Aoudaghost übernommen hatte. In der Hauptstadt Koumbi Saleh wurden Gold und Sklaven gegen die Waren aus dem Maghreb, Pferde, Stoffe und Waffen, aber auch gegen das Salz der Sahara getauscht. Die Wangara-Händler schafften das Gold aus Buré [Guinea] und Bambouk bis nach Koumbi Saleh und von dort brachten es berberische und arabische Händler weiter nach Norden.

[Anmerkung: Wenn ich so etwas lese, bereue ich es fast, dass ich nicht, wie geplant, 1981 quer durch Afrika getourt bin, von Algerien bis nach Timbuktu und weiter. Ich hatte schon alles beisammen, auch die Karten. Aber eine Frau überredete mich damals dazu, noch einmal nach Südamerika zu reisen. Heute wäre das fast unmöglich wegen des islamistischen Terrors und der zahllosen Kriege.]

Vorschau: Meine These, dass die „Gesellschaftsformationen“ – wie zum Beispiel „Sklavenhaltergesellschaft“ – in der marxistischen Diskussion nur analytische Kategorien sind bzw. sein sollten und keineswegs etwas über eine zeitliche Abfolge aussagen, bestätigt sich. „Analytisch“ meint: Wie ist die Beziehung des Menschen zu den Produktionsmitteln? Am „Beginn“, der idealtypischen und klassenlosen Urgesellschaft, besitzt er oder sein Kollektiv diese. Am Ende, dem Kapitalismus, hat er nichts mehr als seine Arbeitskraft, die er den Kapitalisten, die über die Produktionsmittel verfügen, verkaufen muss.

Kompliziert wird es, wenn man den Begriff „Gesellschaft“ näher ansieht. Unstrittig war das römische Reich eine Gesellschaft, die primär auf der Arbeit von Sklaven beruhte. Wie sieht es aber in Afrika aus, wo der Sklavenhandel und die Menge der Sklaven laut Flaig über die Jahrhunderte weitaus größer waren als in der Antike? Während der Lektüre kam ich immer wieder ins Grübeln, ob die These, nach den frühen Klassengesellschaften habe es mehrere Optionen gegeben, etwas die „Asiatische Produktionsweise“ oder auch die klassische Sklavenhaltergesellschaft wie im antiken Griechenland, umformuliert werden müssen: Offenbar war die Sklavenhaltergesellschaft weltwelt verbreitet; Flaig erwähnt unter anderem Korea. Bisher neigte ich eher zur Idee, diese sei insgesamt ein Sonderfall, und der Feudalismus als Idealtypus könnte auch ohne Sklavenhaltergesellschaft als Vorläufer entstanden sein. Das ist nach der Lektüre von Flaig eher unwahrscheinlich.

Ich muss gestehen, dass ich vom Thema des Buches von Fischer nicht die geringste Ahnung hatte. Reich von Songhai? Nie gehört. Auch in der Literatur, die ich bisher zitierte, werden die Sklavenhaltergesellschaften in Afrika nicht behandelt.

Ich in gespannt und werde berichten, solange es noch nicht verboten ist, kritisch über den Islam zu schreiben.

Fischer
Fischer, S. 143: Frau eines Songhai-Häuptlings. Im Buch findet man den Hinweis, dass der Autor selbst mehrfach durch Afrika gereist ist; alle Karten und Fotos stammen von ihm.